Der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg ist ein Kirchenkreis in Niedersachsen mit Hauptsitz in Lüchow. Er gehört zum Sprengel Lüneburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zum Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg gehörten 2018 etwa 28.000 Mitglieder und Juni 2021 25.240.Tabelle Seite 5, abgerufen am 10. Mai 2025 Stefan Wiechert-von Holten ist Propst von Lüchow-Dannenberg.https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/wir-ueber-uns/sprengel-kirchenkreise/sprengel-lueneburg/luechow-dannenberg in 35 Kirchen- und zehn Kapellengemeinden mit dem Superintendenten, 15 weiteren Pfarrstellen und vier Regional-Diakonen. Es befinden sich 63 Kirchen und Kapellen im Gebiet des Kirchenkreises, der einerseits sehr wenige Gemeindeglieder hat, aber andererseits eine hohe Anzahl an Kirchen, Kapellen und Kirchengemeinden, die dadurch zwangsläufig relativ klein sind. Der Superintendent des Kirchenkreises nennt sich traditionell Propst.

Geographie Der Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg liegt am östlichen Rand Niedersachsens und erstreckt sich fast über die gesamte Fläche des Landkreises Lüchow-Dannenberg mit Ausnahme einiger Ortschaften der Gemeinde Göhrde. Müssingen, Gemeinde Soltendieck im Landkreis Uelzen, gehört zur Kirchengemeinde Schnega. Das Gebiet des Kirchenkreises ist ländlich geprägt.

Geschichte Mittelalter Erste Missionsansätze hat es wohl bereits im 9. Jahrhundert gegeben, da in Hitzacker zwei Kreuzfibeln in einer slawischen Handwerkersiedlung am Jeetzelufer gefunden wurden. Die Region wurde dann im 12. Jahrhundert in der Zeit Heinrich des Löwen christianisiert. Bischof Hermann von Verden bestimmte dem Kloster Diesdorf in der Altmark eine wesentliche Rolle zu.Ernst-Günther Behn: Das Hannoversche Wendland – Kirchen und Kapellen, S. 10. Die Wenden wurde im Rahmen der Ostkolonisation von Osten her bekehrt. Der Einfluss der Altmark ist auch in der Bauweise mancher Kirche zu beobachten. Die Feldsteinkapellen im Südkreis, in der Nähe zur Altmark, sind neben der Kapelle Spithal die ältesten Kirchengebäude in der Region.Eckhard Michael: Die Kirchengeschichte des Hannoverschen Wendlandes im Mittelalter. In: Hannoversches Wendland, 15. Jahresheft des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lüchow-Dannenberg 1994–1997, S. 211. mini|Ruine der Feldsteinkapelle Spithal – Rest des wohl ältesten Kirchenbaus im Hannoverschen Wendland

Die Propsteikirchen der Grafschaften Lüchow und Dannenberg und die Kirche des Großkirchspiels Hitzacker sind als Missions- und Taufkirchen Johannes dem Täufer geweiht. Von ihnen ging die Christianisierung des Wendlands aus. Die beiden Grafschaften bildeten den organisatorischen Rahmen der Mission im Wendland. Die Kirchengemeinden gehörten zu den Präposituren Dannenberg, Lüchow und Schnega und das Kirchspiel Hitzacker zum Archidiakonat Bevensen, innerhalb des Bistums Verden.Wendland-Lexikon, Band 1, Lüchow 2000, S. 360. Die Präpositur Schnackenburg war für die Region um Gartow zuständig. Das Kirchspiel Predöhl gehörte mit den Kapellen im Lemgow zur Präpositur Salzwedel, das damals schon Teil einer anderen Landesherrschaft war. Die Präposituren hatten im östlichen Teil des Bistums eine ähnliche Stellung wie ein Archidiakonat. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts war die kirchliche Organisation soweit gefestigt, dass die Propsteien nur noch Pfründen waren und die Anwesenheit eines geistlichen Oberhauptes nicht nötig war.Eckhard Michael: Die Kirchengeschichte des Hannoverschen Wendlandes im Mittelalter. In: Hannoversches Wendland, 15. Jahresheft des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lüchow-Dannenberg 1994–1997, S. 205. Die Kirchen der Städte liegen am Rand der alten Siedlungskerne, ebenfalls die Kirchen in Dörfern.Carl Gehrcke: Warum liegen die Kirchen vor dem Rundlingen? In: Am Webstuhl der Zeit, Heimatkundliche Beilage der Elbe-Jeetzel-Zeitung, 17. Juli 1964.

Ein Kloster hat es im Wendland nie gegeben. Die Grafen behielten ihre Hausklöster in Diesdorf und Dambeck außerhalb ihrer Gebiete. Lateinschulen wurden mit den Kirchen in den Städten aufgebaut, aus denen sich dann Schulen für die Bürger entwickelten.

Reformation Die Reformation setzte sich im Wendland nach dem Landtagsbeschluss zu Scharnebeck im Jahr 1527 rasch und reibungslos als Fürstenreformation durch.Wendland-Lexikon, Band 1, Lüchow 2000, S. 360. Die kirchliche Organisation bleibt bestehen. Für die Propstei Lüchow werden 1534 die Kirchenspiele Trebel, Predöhl, Woltersdorf, Rebenstorf, Küsten, Krummasel, Bösel, Groß Wittfeitzen, Plate, Wustrow, Satemin und Bülitz aufgelistet. Nur der Lemgow (Kirchspiel Predöhl) gehört fortan zur Propstei Lüchow – und nicht mehr zu Salzwedel. Die Landesherren sind seit der Reformation auch Kirchenoberhaupt und nun wird hier die Kirchengrenze mit der Landesgrenze zusammengeführt. Obwohl die Propstei Schnega aufgelöst ist, sind die Kirchspiele Bergen, Clenze und Schnega zu diesem Zeitpunkt noch keiner neuen Propstei zugeordnet und sind als Kirchen im Amt Warpke beschrieben. Im Großkirchspiel Hitzacker werden die Kapellen Drethem, Gülden, Wibbese und Riebrau zu Kirchen erhoben und das Kirchspiel damit in kleinere aufgeteilt. Die Kapellen Breselenz und Gümse und die Kirchen in Quickborn, Damnatz und Langendorf gehören zur Propstei Dannenberg.Eckhard Michael: Die Kirchengeschichte des Hannoverschen Wendlandes im Mittelalter. In: Hannoversches Wendland, 15. Jahresheft des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lüchow-Dannenberg 1994–1997, S. 212. Soziale Unruhen fanden im Rahmen der Reformation im Wendland nicht statt.

In Lüchow wurde 1564 und in Dannenberg 1569 eine Superintendentur eingerichtet. Der Dannenberger Fürst Heinrich unterzeichnete 1577 die Konkordienformel, um innerkirchliche Streitigkeiten beizulegen.Vgl. BSLK, S. 16 und S. 763. Sein Sohn August der Jüngere (Herzog in Hitzacker) trat für einen territorialkirchlichen Kurs ein. Johannes Schultz war sein Hofkomponist. In Dannenberg wurde für das Fürstentum ein eigenes Konsistorium aufgebaut. Der Dannenberger Superintendent nannte sich später Generalsuperintendent. 1639 wurde der Sitz des Generalsuperintendenten nach Lüchow verlegt. Ab 1650 bestand für zwanzig Jahre in Hitzacker für den Bereich des Amtes Hitzacker eine eigene Superintendentur. In dieser Zeit bildeten die Kirchen des Fürstentum Dannenberg eine eigene Landeskirche. Nach dem Umzug des Herzogs August des Jüngeren nach Wolfenbüttel galt im Wendland die Wolfenbütteler Kirchenordnung. Die Superintendenturen Lüchow und Dannenberg kamen 1708 zur neuen Generalsuperintendentur Harburg, die später Harburg-Dannenberg genannt wurde.Wendland-Lexikon, Band 1, Lüchow 2000, S. 361.

Eine katholische Kirche wurde erst 1914 in Lüchow für die Bergarbeiter der Kalischächte bei Wustrow wieder gebaut.

Der Generalsuperintendent Joachim Hildebrand führte im August 1671 eine Visitation der 22 Pfarreien durch, um eine Übersicht über das Kirch- und Schulwesen nach dem Krieg zu erhalten. Im Blick hatte er dabei auch die heidnischen Bräuche der ländlichen Bevölkerung, die er „wendischer Aberglaube“ nannte. 1687 erließ er die Dannenberger Schulordnung, deren Schulbezirke bis zur Gegenwart in den Grundschulbezirken zu entdecken sind.Wendland-Lexikon, Heimatkundlicher Arbeitskreis Lüchow-Dannenberg, Band 1, Lüchow 2000, S. 304. Nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte im 18. Jahrhundert eine langsam beginnende Bautätigkeit ein, die sich im 19. Jahrhundert rege fortsetzte. Im 20. Jahrhundert gab es kaum noch größere Kirchenneubauten.

19. Jahrhundert bis Gegenwart 1862 setzte sich im Katechismusstreit der Lüchower Pastor Baurschmidt gegen König und Konsistorium durch und wurde als „Luther des Wendlands“ berühmt. König Georg V. wollte einen konservativen Landeskatechismus einführen, um die aufklärerischen und rationalistischen Einflüsse zu streichen.Doris Schmidtke, S. 184. In der Folge wurde ein Jahr später eine moderne Synodalverfassung eingeführt.Webseite der Landeskirche Hannover: "Als der König sich verzockte", zuletzt Aufgerufen am 20. Februar 2014.

Nach der Annektierung Hannovers durch Preußen gründete sich auch im Wendland eine Gemeinde der Selbständigen lutherischen Kirche in Gistenbeck.

Lange Zeit bestanden in der Region die Kirchenkreise Lüchow, Dannenberg und Gartow. 1936 wurden die Sprengel der Landeskirche neu geordnet. Diese Kirchenkreise gehörten danach zum Sprengel Lüneburg. Zum Kirchenkreis Dannenberg zählten zeitweise noch die rechtselbischen Kirchengemeinden Neuhaus, Kaarßen, Tripkau und Wehningen, die zwischenzeitlich zur Mecklenburgischen Landeskirche und heute zum Kirchenkreis Bleckede gehören.Doris Schmidtke, S. 185. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kirchenkreis Gartow 1958 aufgelöst und größtenteils dem Kirchenkreis Dannenberg zugeschlagen. 1982 schlossen die beiden Kirchenkreise eine Vereinbarung zu einer engen Zusammenarbeit, die 2006 zu einem gemeinsamen Kirchenkreis führte. In: Elbe-Jeetzel-Zeitung, Bericht über den Zusammenschluss der Kirchenkreise vom 13. Januar 2006.

Die Auswahl Gorlebens als Standort für ein nukleares Entsorgungszentrum mit Wiederaufarbeitungsanlage, Zwischen- und Endlager forderte von Anfang an die Kirchengemeinden. 1980 feierten evangelische Pastoren auf dem Gelände des Hüttendorfes der Republik Freies Wendland einen Gottesdienst, während der Gartower Pastor Mahlke ein landeskirchliches Verbot ausgesprochen bekommen hatte, dort aufzutreten.Seiner Zeit voraus In: Elbe-Jeetzel-Zeitung, Bericht über die Verabschiedung Mahlkes in den Ruhestand (abgerufen am 1. Januar 2014).Karen Miether für epd: Eine Vision für 33 Tage (abgerufen am 1. Januar 2014).Gottfried Mahlke: Das Predigtverbot In Gorleben Rundschau, Juni 2011, S. 3 (abgerufen am 1. Januar 2014).

Die Kirchenkreistage Lüchow und Dannenberg positionierten sich früh gegen den Bau eines Atommüllendlagers in Gorleben.Sammlung von Beschlüssen, Berichten und Vorträgen zu Kirche und Kernenergie. Sie nahmen damit die späteren Beschlüsse der Landeskirche Hannover und der EKD vorweg und prägten die innerkirchliche Diskussion maßgeblich. In: Elbe-Jeetzel-Zeitung, Bericht über den Besuch Bischof Hubers in Gartow vom 25. August 2008. Die Pastoren und kirchlichen Mitarbeiter des Kirchenkreises treten mit kirchenweiter Unterstützung während der Castortransporte als Seelsorger und Demobeobachter auf. Sie erstellen hierüber regelmäßig einen sogenannten Pastorenbericht, der weitgehende Beachtung findet, weil er als neutraler Bericht zu den Ereignissen während des Transportes gilt."Moderat" und "Friedlich" In: Elbe-Jeetzel-Zeitung Kirchen-Seelsorger ziehen erste Castor-Bilanz vom 13. November 2008 (abgerufen am 28. Oktober 2013). In: Elbe-Jeetzel-Zeitung Castor-Erlebnisse im Atomausschuss geschildert vom 21. Dezember 2011. In: Elbe-Jeetzel-Zeitung Pastorenbericht vorgelegt vom 22. Dezember 2010.

Von 1985 bis 2012 nahm die Zahl der Kirchenglieder von über 43.000 auf rund 30.000 ab. Der Anteil der evangelischen Christen an der Bevölkerung des Landkreises nahm von 92,6 % im Jahr 1970 über 81,9 % (1987) bis 2013 auf rund 64 % ab. 1985 gab es 25 Pfarrstellen in den beiden Kirchenkreisen. In: Elbe-Jeetzel-Zeitung über Kirchenkreis beschließt Stellenrahmenplan vom 15. November 2011. Heute sind es noch 15 Pfarrstellen im Kirchenkreis. In: Elbe-Jeetzel-Zeitung Bericht über Stellenplanung des Kirchenkreises vom 22. November 2008.