mini|Max Müller der Erste 1850–1912 mini|Max Müller der Zweite 1873–1952 Das Unternehmen Max H. Müller Brinker Eisenwerk Hannover-Brink wurde 1915 in der Gemeinde Brink (heute Brink-Hafen in Hannover) gegründet.Klaus Mlynek, Waldemar Röhrbein: Hannover Chronik: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zahlen. Daten. Fakten. Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover 1991, S. 138. Es stellte Komponenten für Lokomotiven, Rüstungsgüter, Werkzeugmaschinen und andere Industriegeräte her. Es bestand bis zum Jahr 2006.
Erste Jahre Das Unternehmen wurde 1915 als Erweiterung des väterlichen Betriebs „Max Müller Maschinen- und Formenfabrik“ von den Brüdern Max Müller II. (* 4. August 1873 in Altona; † 15. Juni 1952 Steinhude) und Gustav Müller (1877–1943) in der Gemeinde Brink gegründet.Klaus Mlynek, Waldemar Röhrbein: Hannover Chronik: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zahlen. Daten. Fakten. Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover 1991, S. 138. Der Betrieb betätigte sich von Anfang an in der Produktion von Rüstungsgütern. Auf Grund von Erbstreitigkeiten wurde Gustav Müller um 1920 Alleininhaber und Max Müller II. der alleinige Inhaber des Eisenwerks in Brink. Es wurde vereinbart, das Max Müller II. für die Dauer von 20 Jahren keine mit dem Fertigungsprogramm des Bruders konkurrierenden Maschinen herstellen durfte.
In den Jahren 1918 bis 1920 war die Reparatur von kriegsbedingt stark beanspruchten Lokomotiven eine der Haupteinnahmequellen, die im Auftrag der Reichsbahndirektion Hannover durchgeführt wurden. Dies betraf insbesondere die Arbeiten an abgenutzten Oberbaustoffen wie Laschen und Hakenplatten, wozu die erforderlichen Sondermaschinen im Werk konstruiert und hergestellt wurden. Diese Tätigkeit sorgte selbst in den Jahren der Weltwirtschaftskrise von 1930 bis 1933 für eine so hohe Auslastung, dass teilweise mehrschichtig gearbeitet wurde.
mini|Notgeld der Firma Brinker Eisenwerk Max H. Müller August 1923
1930er Jahre 1932 begann mit der Anschaffung einer Stumpfschweißmaschine die Aufarbeitung von stählernen Gleisschwellen. Zur selben Zeit wurden auch Gleiseggen in die Produktion aufgenommen und eine Schwellenschweißerei eingerichtet. Ein Patent für die Aufarbeitung der Laschen führte zu einer Monopolstellung und dem Abschluss von Lizenzverträgen mit Unternehmen in Polen, Dänemark, England, der Schweiz und den Niederlanden. Das nationale Bahngeschäft blieb bis 1998 das wesentliche Geschäftsfeld des Unternehmens. Im Mai 1930 trat der Sohn von Max Müller II., Max Müller III. (* 4. September 1904 Hannover; 16. Januar 1987 ebenda) in die Firma ein. mini|Max Müller 1904–1987 Ab Oktober 1934 wurde in Hannover die Produktion von Artilleriemunition des Kalibers 37 mm bis 380 mm begonnen, wobei auf das Produktions-Know How des Bochumer Vereins zurückgegriffen werden konnte. Die für die Produktion erforderlichen Maschinen wurden im Unternehmen des Schwiegervaters von Max Müller II., Hermann Wohlenberg, hergestellt.
Auf Betreiben des Reichsluftfahrtministeriums, das in Hannover ein Flugzeugreparaturwerk errichten lassen wollte, erwarb das Unternehmen 1935 das Gelände der Firma Koebe, ehemals die Firma der Gebrüder Issen, die eine Eisengießerei und Maschinenfabrik betrieben hatten. Dort entstand nach teilweisem Abriss der Bestandsgebäude das sogenannte Werk II und auf dem Gelände des naheliegenden Flughafen Vahrenwald eine Halle für die Endmontage der Flugzeuge und den Einflugbetrieb, genannt Werk III. Im Oktober 1936 wurde das erste Reparaturflugzeug angeliefert, eine Heinkel He 46. Reparaturaufträge umfassten neben diesem Typ auch Heinkel He 51, Junkers Ju 52, Junkers Ju 86 und Dornier Do 17
Im Jahr 1939 erhielt das Unternehmen von der Gesellschaft für Luftfahrtanlagen, einer Unterabteilung des Luftfahrtministeriums, den Auftrag, ein Lagerhaus für Ersatzteile der Flugzeuge des Typs Dornier Do 215 und 217 zu bauen. Dafür erwarb es ein 3 ha großes Grundstück in Brink und errichtete auf einem 1 ha großen Teilstück ein Lagerhaus.
Parallel dazu lief der Ausbau der Rüstungsfertigung im Stammwerk. Dort wurden 8-cm-Granatwerfer und 3,7-cm-U-Boot-Flakgeschütze produziert.
Max Müller III. überzeugte seinen Vater davon, dass eine Konzentration auf Staatsaufträge Risiken berge und das Unternehmen auch am freien Markt tätig sein sollte. 1937 erhielt er die Einwilligung für den Bau von Werkzeug- und Fräsmaschinen. 1938 wurde der Bau einer Montagehalle begonnen und diese mit Geräten ausgestattet. Ende 1938 ordnete die Kriegsmarine aber die Nutzung der Anlage für ihre Zwecke an.
Durch den schnellen Aufbau der Luftwaffe wurde bei vielen jungen Leuten das Interesse für den Flugzeugbau geweckt und das Unternehmen hatte zunächst keine Schwierigkeiten Arbeitskräfte zu gewinnen. Auch wurden aus der Flugzeugindustrie Ingenieure und Meister abgeworben. Durch den Aufbau der Wehrmacht und das Wachstum der deutschen Industrie wurden die Arbeitskräfte aber zunehmend knapp. Ende 1938 wurde eine größere Gruppe rückgeführter Deutscher aus Brasilien, die sogenannten Grünhemden, angestellt.Stefan Bergmann: Brasiliens Grünhemden - Griff nach der Macht. Integralismus: eine rechtsextreme Bewegung in den 30er Jahren. Institut für Brasilienkunde / Brasilienkunde-Verlag, Mettingen 1996. Zur Unterbringung von deren Familien wurde die Gemeinnützige Siedlungs-Gesellschaft Langenhagen gegründet. Bis 1942 wurdend annähern 400 Wohnungen errichtet und an Werksangehörige vermietet.
Im August 1939 zählte die Belegschaft im Stammwerk und Werk II jeweils 1000 Mann. Für die Aufträge der Deutschen Reichsbahn waren rund 20 % der Belegschaft tätig, die übrigen Mitarbeiter waren mit Wehrmachtsaufträgen belegt.
Im Zweiten Weltkrieg Um die Produktion trotz der Einberufung von Arbeitern zum Kriegsdienst aufrechtzuerhalten, wurden in den ersten Kriegswochen Frauen aus Fischfabriken an der Nordsee dem Unternehmen zugewiesen und im Flugzeugbau eingesetzt. Des Weiteren kamen zahlreiche Facharbeiter aus den übrigen Teilen Deutschlands, die auf Anweisung der Arbeitsämter dienstverpflichtet waren. Zur Unterbringung der Arbeiter und ihrer Familien errichtete der Reichsarbeitsdienst Baracken.
Kurz nach dem Westfeldzug von 1940 wurden dem Unternehmen ausländische Arbeitskräfte zugewiesen, vornehmlich Belgier und Franzosen, sowohl Zivilarbeiter wie auch Kriegsgefangene. Ende 1941 erhielt das Unternehmen hunderte von russischen Zivilarbeiter, Männer und Frauen. Diese Menschen hatten zum Teil einen zweiwöchigen Transport in Güterwaggons hinter sich und waren in einem schlechten Zustand. Insgesamt waren rund 700 Zwangsarbeiter beschäftigt.
Die Unternehmensführung war bemüht die Belegschaft gleichmäßig zu behandeln, unabhängig davon, ob es sich um Deutsche, Holländer, Belgier, Franzosen, Russen, Jugoslawen, Italiener (italienische Offiziere nach dem Badoglio-Putsch) oder Polen handelte. Allerdings wird diese Behauptung Aussage durch das Tagebuch des Ex-Militärinternierte Paolo Baldessarro widerlegt. Die Behandlung der Zwangsarbeiter führte auch dazu, dass es nach der Einnahme Hannovers durch die alliierten Streitkräfte keine Plünderungen, Ausschreitungen oder Misshandlungen von Werksangehörigen durch ehemalige Zwangsarbeiter des Unternehmens gab.
Im Sektor Munitionsherstellung bekam das Unternehmen den Auftrag, Sondergeschosse für die Bekämpfung der Maginot-Linie herzustellen. Diese 21 cm BE-Granaten hatten eine gehärtete und verstärkte Spitze um die Panzerwerke der französischen Grenzbefestigung zu zerschlagen. Im Stammwerk wurde im Anschluss an den Frankreichfeldzug die Produktion von Panzerwagenkanonen Kaliber 5 cm forciert, da sich die bisherige Ausstattung mit 3,7-cm-Geschützen als unzureichend erwiesen hatte.
Kurz nach der Besetzung von Paris fuhr Max Müller III. mit einer Kommission nach Frankreich und besichtigte Betriebe der französischen Kriegsmarine. Sein Unternehmen übernahmen in den sogenannten Arbeitskreisen, Unternehmenszusammenschlüssen auf Betreiben des Heereswaffenamtes, die Führung der Gruppen der Gruppe 3,7 cm Marineflak und später auch in der Gruppe 8,8 cm U-Boot-Kanonen. Die Fertigung der U-Boot-Kanonen erfolgte in der Firma „La Précision Moderne“ in Paris. Zudem übernahmen die Müller Brinker Eisenwerke die Firma SABCA, ein Flugzeugwerk in Belgien, um dort Aufträge für die deutsche Luftwaffe auszuführen. Betriebsstätte war eine ehemalige Linoleumfabrik im Brüsseler Hafen. Übernommen wurde auch ein sogenannter Frontreparaturbetrieb nördlich von Oslo in einer früheren Luftwaffenfabrik der norwegischen Heeresverwaltung. Beschäftigt wurden in Norwegen etwa 700 Mann, in Belgien 1300 und in Frankreich in Paris und Vierzon 1200 Mann. Die gesamte technische Steuerung von Material und Aufträgen, die Zuteilung von Werkstoffen und Verrechnung und Zahlung erfolgte von Hannover aus.
Ende 1941 erhielt Max Müller III. den Auftrag, alle Einrichtungen für die Fertigung der 5-cm-Kanonen zu verschrotten seien, da diese Waffen nicht mehr verwendet würden, worauf Müller mit Protest reagierte. Die großen Verluste an Ausrüstung im folgenden Winter führten zu einer kurzen Wiederaufnahme der Produktion des Waffentyps, die aber bald angesichts der geringen Wirksamkeit gegen sowjetische Panzer wieder eingestellt wurde. Das Unternehmen erhielt nun den Auftrag, monatlich 40.000 Panzergranaten des Kalibers 88 mm herzustellen. Im Jahr 1943 übertrug Max Müller II. die Führung des Gesamtbetriebes auf seinen Sohn Max Müller III.
Im September 1943 kam es zu den ersten schweren Luftangriffen auf Hannover. Bei einem Nachtangriff der britischen Luftwaffe wurde das Werk II schwer getroffen und brannte fast vollständig nieder. Zur Ausweitung der Fertigung waren im Jahr 1942 zwei neue Hallen gebaut worden, Halle 6 mit etwa 6000 m² und Halle 5 mit rund 4000 m². Halle 6, die aus Materialmangel eine Holzdachkonstruktion hatte, war vollständig niedergebrannt. Nach sechs Tagen wurde die Geschossproduktion in der Halle wieder aufgenommen.
Die sich verstärkenden Luftangriffe im Jahr 1944 führte auch bei Müller Brinker zur Verlagerung von Unternehmensteilen. So wurden die Werkzeugmacherei und der Vorrichtungsbau nach Rohrsen bei Hameln verlegt. Ein Teil des Flugzeugbetriebes des Werks II wurde nach Bodenwerder an die Weser und der Einflugbetrieb nach Wunstorf ausgelagert. Die Geschützfertigung ging nach Freden an der Leine in eine ehemalige Ölmühle.
Im September 1944 erhielt Max Müller III. vom Hauptausschuss Schiffsbau den Auftrag, die bombenzerstörten Deutschen Werke Kiel und die Kruppsche Germaniawerft in Kiel schnellstens wieder aufzubauen. Müller gelang es, unterstützt durch Vollmachten, die der Staatssekretär im Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion Karl-Otto Saur innehatte, die Produktion der U-Boot Typ XXI wieder anlaufen zu lassen. Zudem wurde die Herstellung des Kleinst-U-Boots Seehund im Oktober 1944 eingeleitet.
Am 15. Dezember 1944 wurde das nördliche Industriegebiet Hannovers durch einen Tagesangriff der Amerikaner schwer beschädigt. Eine Sprengbombe zerstörte einen 12 m langen Stoßofen komplett, die Reste der nicht verlagerten Werkzeugmacherei und das Lehrenhaus wurden ebenfalls völlig zerstört. Auch Werk II war schwer beschädigt. Nach weniger als einer Woche lief die Produktion wieder auf vollen Touren.
Am 10. Januar 1945 wurde das Werk II durch einen erneuten Luftangriff fast vollständig zerstört. Dabei wurde auch die Werkssiedlung getroffen. Von 250 Wohnungen blieben sechs erhalten, weiter sechs konnten mit relativ geringem Aufwand wiederhergestellt werden.
Nach 1945