mini|Kirche Petersdorf (das Jahr 2025) Die Kirche in Petersdorf () in Ostpreußen war ein verputzter Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert. Von der Reformation bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für das Kirchspiel Petersdorf (heute russisch: Куйбышевское) im Kreis Wehlau. Heute stehen von dem Gebäude nur noch die Turmruine und die Reste des Ostgiebels.

Geographische Lage Kuibyschewskoje liegt nordöstlich der einstigen Kreisstadt Snamensk (Wehlau) an der russischen Fernstraße A 229 (einstige deutsche Reichsstraße 1). Die Ortschaft ist eine Siedlung in der Landgemeinde Sorino (Poppendorf) im Rajon Gwardeisk (Kreis Tapiau) in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Die nächste Bahnstation ist Snamensk an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode). Die Kirchenruine steht mitten im alten Dorf.

Kirchengebäude Bei dem Petersdorfer GotteshausBildergalerie Petersdorf mi Bildern der Kirche aus der Zeit vor 1945 handelt es sich ursprünglich um einen verputzten chorlosen Feldsteinbau wohl aus dem letzten Viertel des 14. JahrhundertsWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 83, Abb. 326 und 327. Das Gebäude verfügt über einen schönen OstgiebelDer Ostgiebel in heutigem Zustand, der sich bis heute erhalten hat. Der jetzt als Ruine zu sehende vorgesetzte WestturmDie Turmruine wurde erst im 15. Jahrhundert errichtet. Die Gründung der Kirche weist in die Zeit um 1368, als der Oberste Marschall des Ordens dem Getreuen Maschwarde den seinerzeit noch Heroldisdorf genannten Ort verlieh.

Im Kircheninnenraum wurde um 1700 die Korbbogendecke bemalt und im 19. Jahrhundert ergänzt. An den Wänden fanden sich noch Spuren mittelalterlicher Malereien. Bei dem Altar handelte es sich um eine Verarbeitung des spätgotischen Schreins der Kirche von Alt Wehlau (heute russisch: Prudnoje), die wohl 1534 aufgelassen worden war. Barocke Zutaten und ein Kreuzigungsgemälde zierten ihn. Die Kanzel, Emporen sowie Jubel- und Taufengel entstammten dem 17. und 18. Jahrhundert.

Die Orgel wurde 1743 angeblich von Johann Josua Mosengel erbaut. Die Kirche hatte drei Glocken. Die Jahreszahl 1743 an der Orgel bezog sich vermutlich nicht auf das Baujahr, welches nach Janca/Renkewitz/Fischer Orgeln in Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen von 1333 bis 1944 Band II, 1 Seite 113 das Jahr 1694 war, in dem Mosengel die Orgel erbaute. Das Gehäuse wurde nach dieser Quelle 1904 abgebrochen.

Das Bauwerk überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschädigtKuibyschewskoje - Petersdorf bei ostpreussen.net. Es fand danach jedoch keine Nutzung und wurde dem Verfall preisgegeben. Die noch vorhandenen Ruinenreste lassen auf einen eindrucksvollen Kirchenbau schließen. Ein vor den Kirchenmauern angebrachtes Russisches Kreuz lässt auf eine Übereignung an die Russisch-orthodoxe Kirche schließen.

Kirchengemeinde Kirchengeschichte mini|Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs 1914–1918 Die Gründung einer KirchengemeindeWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 475 in Petersdorf geht in die Zeit um 1368 zurück. Bereits in vorreformatorischer Zeit bedeutungsvoll entwickelte sich die Pfarrei nach Einzug der Reformation bis 1945 zum flächenmäßig größten Kirchspiel im Kreis Wehlau. Im Jahre 1925 zählte der Pfarrsprengel 3.897 Gemeindeglieder, die in 32 Kirchspielorten wohnten. Bis 1945 war Petersdorf in den Kirchenkreis Wehlau (heute russisch: Snamensk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung und der kirchenfeindlichen Bestrebungen der Sowjetunion kam in Kuibyschewskoje alles kirchliche Leben zum Erliegen. Heute liegt der Ort im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Talpaki (Taplacken), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad (deutsch/russisch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspielorte Bis 1945 waren in das Kirchspiel Petersdorf 32 Ortschaften eingepfarrtWalther Hubatsch, wie oben, Band III, Seite 475 (* = Schulort): Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Agnesenhof Nesterowskoje Neu Weißensee Brandlacken Brody Oppen Prigorki Eduardshöhe *Petersdorf Kuibyschewskoje Götzendorf Detskoje *Parnehnen Krasny Jar *(Groß) Weißensee Bolschije Gorki Pettkuhnen Dalneje Grünwalde Reichenhof Balaschewskoje Gudlacken Ripkeim Jodeiken Meschdulessje *Sanditten Lunino Kawerninken,1938–1946: Kawernicken Odesskoje, jetzt:Olchowka Stobingen Liwny Klein Weißensee Malyje Gorki *Taplacken Talpaki Klinglacken Radolsnoje Trakischkehmen,1938–1946: Kleintraschken *Kolm Wereschtschagino Trakischken,1938–1946: Großtraschken Nalegau Amurskoje Wattlau Naukel Meschdulessje *Wilkendorf Orechowo Nehne Wilkendorfshof Tamanskoje Neu Petersdorf Wilkenhöhe

Pfarrer (1528–1945) Von der Reformation bis 1945 amtierten als evangelische Geistliche 22 Pfarrer:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 109

Sebastian Hoffman, 1528–1530 Adam Groß, 1530–1534 Bartholomäus Lorips (Sonntag?), 1559–1562 Bonifatius Rodau, 1562–1580 Urban Oehlert, 1580–1616 Balthasar vom grünenden Walde, 1616–1650 Georg Sannius. 1650–1680 Johann Gottfried Rußwurm, 1680–1684 Gottfried Steinfeldt, 1684–1722 Christian Hein, 1722–1749 Varl Gottsched, 1749–1786 Gottlieb Theodor Scheller, 1786–1809 Carl Friedrich Venzky, 1810–1827 Carl Friedrich Doerk, 1827–1870 Heinrich Adolf Frachet, 1870–1887Frachet († 1889) war Angehöriger des Corps Littuania. Wilhelm Leopold K.G. Stengel, 1887–1898 Hermann Heinrich Ernst Fauck, 1898–1913 Paul Rudolf Müller, 1913–1927 Herbert Kriwath, 1929–1934 Johannes Zachau, 1935–1939 Wilhelm Sauermilch, 1940–1945 Herbert Hohendorf, 1943

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des Kirchspiels Petersdorf haben den Zweiten Weltkrieg überstanden und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 90–91: Taufen: 1844 bis 1944, Namensverzeichnisse 1723 bis 1913 Trauungen: 1844 bis 1944, Namensverzeichnisse 1827 bis 1944 Begräbnisse: 1844 bis 1944, Namensverzeichnisse 1827 bis 1913, sowie ein Sonderverzeichnis der Gefallenen von 1914 bis 1915.

Einzelnachweise

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