mini|150px|rechts Monatshefte für Musik-GeschichteDie hiesige Darstellung beruht auf einer intgralen Lektüre aller Jahrgänge der Zeitschrift im Auftrag des Répertoire international de la presse musicale (RIPM), siehe: https://ripm.org/?page=JournalInfo&ABB=MMG waren ein Periodikum zur Musikgeschichte, das von der Gesellschaft für Musikforschung (1868–1905) herausgegeben wurde. Es wurde von Robert Eitner redigiert. Der erste Jahrgang erschien in Berlin (1869). Die Reihe erschien bis 1905. Äußerst selten erschienen zusammengezogene Doppelnummern. Das letzte Heft des Jahres 1905 enthielt als Mehrfach-Nummer die letzten noch von Eitner vereinbarten und redigierten Beiträge sowie Ergänzungen und Nachträge zu den von ihm herausgegebenen Verzeichnissen und Lexika. Eitner redigierte die Zeitschrift in den ersten Jahren von Berlin aus (dem Ort, in dem auch die Gesellschaft für Musikforschung von ihm gegründet worden war) später von Templin in der Uckermark aus. Die Zeitschrift wurde bis 1884 in Berlin vom Verlag Trautwein publiziert, dann in Leipzig beim Verlag Breitkopf & Härtel verlegt, gedruckt und vertrieben.

Gliederung Die grundlegende Gliederung fast aller Hefte der Zeitschrift war zweiteilig. Im ersten Block erschienen bibliografische und musikgeschichtliche Beiträge, im zweiten, kürzeren Block (zum Ende der jeweiligen Hefte) erschienen unter dem Titel „Mitteilungen“ Berichte von und Hinweise auf Ereignisse des deutschen und internationalen Musiklebens und aus der Musikforschung sowie – meist zu Beginn dieser Rubrik – längere oder kürzere Rezensionen. Versuche, die Rezensionen aus dem Teil „Mitteilungen“ auszugliedern, wurden sporadisch unternommen, vereinzelt wurden sie unter dem Stichwort „Anzeigen“ untergebracht, aber solche Anläufe, die Rezensionen von den anderen Bestandteilen der Mitteilungen, mit denen sie oft vermischt waren, zu separieren, wurden immer wieder aufgegeben. Manchmal erschienen vereinzelte längere Rezensionen unter den Hauptbeiträgen des ersten Teils ohne besondere Vergabe eines Übertitels. Ein vereinzeltes Heft (MMG XXXV,5) bestand nur aus Rezensionen. Vom Januar bis Juni 1872 gab es jeweils eine Beilage zu den Heften unter dem Titel „Unsere Zeit“, in der eine mit „Umschau“ betitelte Rubrik mit Glossen zum musikalischen Zeitgeschehen, Rezensionen, weitere Mitteilungen und auch musikgeschichtliche Artikel, die genauso gut im Hauptheft hätten erscheinen können, publiziert wurden.

Der Umfang der Hefte betrug zwischen ca. 25 bis 50 Seiten, manchmal weniger, manchmal mehr. Alle Beiträge waren in ganzseitig durchgehenden Zeilen gedruckt. Selten kam – meist in Verbindung mit Übersetzungen – ein synoptischer Paralleldruck in zwei Kolumnen vor. Werbung gab es anfänglich und vereinzelt von Musikverlagen und Musikalienhändlern, später nur noch Eigenwerbung des Verlags Breitkopf & Härtel oder des Herausgebers und Autors Robert Eitner.

Bedeutung und historischer Standort der Zeitschrift Diese Zeitschrift kann man bis heute als ein wichtiges Auskunfts- und Nachschlagewerk benutzen. Sie wurde von dem Musikpädagogen und Quellenforscher Rudolf Eitner im Auftrag der von ihm gegründeten Gesellschaft für Musikforschung 36 Jahre lang redigiert. Als musikwissenschaftliche Fachzeitschrift diente sie dem notwendigen Gedankenaustausch zwischen den Kollegen und speziell an Musikgeschichte interessierten Personen, darunter auch Musikbibliothekaren und praktische Musikern. Die Zeitschrift stand im Zeichen der Quellen-Erfassung, der Quellen-Kritik und der Quellen-Verarbeitung. Sie wurde von der preußischen Regierung subventioniert. Ihr Zweck und Grundsatz wurde von Eitner wie folgt definiert: „Die Bibliographie ist die Grundlage zur Biographie, ja, man könnte sagen zur Erforschung der gesamten Musikgeschichte, denn die Musikgeschichte basiert auf der Kenntnis und Prüfung der Musikwerke, und die Musikwerke lernen wir durch die Bibliographie kennen. Warum hat die Musikgeschichtsschreibung so lange im Dunklen getappt? Weil man nicht wusste, wo man die Leistungen jeder Periode zu finden hatte.“Robert Eitner in einer Rezension des Katalogs der gedruckten weltlichen Vokalmusik Italiens aus den Jahren 1500 1700 von Emil Vogel, in MMG93,1, S. 15. Auffällig und praktische bedeutsam für die Entwicklung der deutschen Musikwissenschaft an ihrem Anfang in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war also die Dominanz der Quellenerschließung und die Priorität der Liedforschung.

Zwar waren die von Eitner 1868 gegründete Gesellschaft für Musikforschung und deren Organ, die Monatshefte für Musik-Geschichte ein „Ein-Mann-Projekt“ Eitners,Stefan Keym, Brüche und Kontinuitäten. Die drei Vorgängerinnen der Gesellschaft für Musikforschung. 1. Robert Eitners Ein-Mann-Projekt: die Gesellschaft für Musikforschung 1868 1905, in: Die Musikforschung 76 (2023), S. 225-227. Keym bezeichnet Eitner als Autodidakten und einen „Außenseiter unter den damaligen Pionieren des Fachs“ (S. 227). Aber: Im Gegensatz zur heutigen berufsständischen Gesellschaft für Musikforschung, deren Mitgliederbestand fast ausschließlich mit dem Personenkorpus der universitären und institutionalisierten Musikwissenschaft identisch ist, bestand die Eitnersche Gesellschaft vorwiegend aus (Privat)Gelehrten und Musikern, sowie Musikbibliothekaren und Musikalienhändlern. die Einstellung der Zeitschrift während des 37. Jahrgangs 1905 wurde aber nicht – wie Stefan Keym suggeriert – durch den plötzlichen Tod Eitners verursacht, sondern sie war – wie Albert Göhler dies in seinem Resümee der Zeitschrift im 4. Heft ihres letzten Jahrgangs (als ihre Einstellung bereits entschieden war) mitteilte – das Resultat einer Entscheidung, die Eitner noch zu Lebzeiten selbst getroffen hatte. Sie wäre auch eingetreten, wenn er nicht gestorben wäre, sondern „sein Werk“ hätte als abgeschlossen betrachten und sich anderen Aufgaben zuwenden können.

Ein zusätzlich von Eitner betriebenes Projekt war die parallel laufende Publikation älterer praktischer und theoretischer Musikwerke der Gesellschaft für Musikforschung, in deren Serie durch wichtige Erst- und Wiederpublikationen bedeutende Werke der Vergangenheit wieder zugänglich gemacht wurden – ein Vorläufer und Konkurrent zu den Denkmäler-Ausgaben.

Auffällig sind die viele Verbindungen, Korrespondenzen und Beiträge von und zu katholischen Autoren, die trotz des verordneten anti-ultramontanen Kulturkampfs der preußischen Regierung stattfanden, zugunsten einer Nutzung der Forschungsergebnisse der katholischen Reformbewegung für die Gewinnung eines musikhistorischen Überblicks und positiver Einzelresultate.

Robert Eitners Bemühungen auf dem Gebiet der Musikbibliographie sind als Vorlaufprojekte von RISM, RILM und des Répertoire international de la presse musicale (RIPM) zu betrachten, Eitner selbst als Vorläufer von Kurt Tauts Arbeit für eine globale Bibliographie des Musikschrifttums im Rahmen der Peters-Jahrbücher, die durch Oscar Sonneck in die USA verlegt wurden; die heutigen R-Projecte (die Repertoires) sind als Kinder von Eitner, Taut und Sonneck zu betrachten.

Inhalte und Hauptthemen Hauptzweck der Monatshefte war es, die Resultate der sammelnden und forschenden Tätigkeit der Mitglieder der Gesellschaft für Musikforschung und befreundeter oder korrespondierender Autoren fortlaufend zu veröffentlichen, zur gegenseitigen Verständigung und Belehrung, wie zur Beeinflussung des musikhistorisch und musikpraktisch interessierten Lesepublikums. Die Monatshefte kultivierten besonders die vom Redakteur Eitner entwickelte und geforderte Form der bibliografischen Erstbeschreibung von Bibliotheksbeständen, mit Angabe des vollen Titels, des Formats, der Signatur, der Verleger und Druckorte, des Erscheinungsjahrs und des Umfangs. Bei Sammelbänden war zusätzlich die genaue Auflistung der einzelnen Werke nach Autor und Titel gefordert. Bei Handschriften waren möglichst Angaben über die Schreiber und die Notationsform erforderlich. Die ständigen Aufrufe, solche Beschreibungen von Bibliotheks-Beständen und von solchen in Kirchen- und Stadtarchiven zu liefern und ihre Ausformulierung zu verbessern, wurden zahlreich befolgt und führten im Laufe der Jahrgänge zu umfangreichen Verzeichnissen und Katalogen.

Aber auch die Auswertung dieser Quellen, ihre musikhistorische Einordnung und qualitative Bestimmung wurden unternommen, besonders in Hinsicht der Klärung der musikalischen Terminologie. Ein zweites besonderes Feld waren biografische Studien mit Enthüllungen von Lebensumständen und Mitteilung von Werkverzeichnissen, speziell von unbekannten und vergessenen Komponisten, mit besonderem Augenmerk auf die in den Vorreden zu den Erstdrucken enthaltenen Mitteilungen des Komponisten über sich und die Zeitumstände. Darunter waren auch mehrere, sich über mehrere Hefte erstreckende monografische, lebens- und werkgeschichtliche Darstellungen bedeutender Musiker, wie z. B. von Benedetto Marcello von Eitner im Jahr 1891. Die ersten fünf Hefte des XXXII. Jahrgangs (1900) waren bis auf die Rubrik Mitteilungen ausschließlich der Darstellung der Geschichte der Musik am Hofe von Darmstadt (vor, während und nach der Zeit Graupners) gewidmet. Der später bedeutende, in der Freien Schulpädagogik wirkende Musikhistoriker August Halm (1869–1929) debütierte im 34. Jahrgang mit einer bibliografischen Arbeit über die Musik-Bestände der Stuttgarter Landesbibliothek.

Auf dem Gebiet der Deutung der Quellen stand die Erhellung früherer Notationsformen besonders anhand der Liederhandschriften im Zentrum, wobei es über die rhythmische Gestalt der mensurierten Handschriften zu erheblichen Kontroversen kam, die dazu führten, dass unterschiedliche Lösungsversuche des Wort-Ton-Verhältnisses, besonders in frühen mehrstimmig notierten Manuskripten, miteinander wetteiferten.

Auch auf dem Gebiet der instrumentenkundlichen Beschreibung alter und nicht mehr Gebrauch befindlicher Blas-, Streich- und Testen-Instrumente gab es Pionierleistungen und Artikel.

In dem regelmäßigen Schlussteil der Hefte, der Rubrik „Mitteilungen“ waren Rezensionen integriert. Ansonsten wurden aktuelle Forschungsergebnisse mitgeteilt, persönliche Informationen über einzelne Forscher gegeben und über Bemühungen auf dem Gebiet der praktischen Wiederbelebung älterer Musik, der sogenannten „Historischen Konzerte“ berichtet. Einmal jährlich legte der Redakteur einen finanziellen Rechenschaftsbericht vor, wurde eine Liste der im Vorjahr verstorbenen Musikern mitgeteilt.

Es gab komplette Übersetzungen mittelalterlicher Kodizes (Guido v. Arezzo, Micrologus (V,9-10); Hucbald, Musica enchiriadis (VI,11-12 und VII,1-4); Dialogus von Oddo (XII,2-3), Philipp de Vitry, Ars nova (XXII,8/9). Außerdem wurden Übersetzungen anderer neuzeitlicher musikhistorischer Dokumente geliefert wie jene die Musik betreffenden Auszüge aus Friedrich Melchior Grimms Correspondance littéraire (XXIV, 8-9) oder J. J. Quantz’ musikhistorische Ausführungen in seiner Flötenschule (XXV, 4-5), oder die Generalbassregeln von Heinrich Albert (XXV, 6).

Regelmäßig gab es (außer den Notenbeilagen mit Musikbeispielen zu einzelnen Artikeln) umfangreiche Beilagen zu einzelnen Heften oder ganzen Jahrgängen. Herausragend waren folgende Beilagen:

Verzeichnis neuer Ausgaben alter Musikwerke aus der frühesten Zeit bis zum Jahre 1800. Mit einem alphabetisch geordneten Inhaltsanzeiger der Komponisten und ihrer Werke, von Eitner (208 Seiten) im Jahr 1871. Chronologisches Verzeichnis der gedruckten Werke von Hans Leo von Hassler und Orlandus de Lassus (146 Seiten), von Eitner im Jahr 1874. Das deutsche Lied des XV. und XVI. Jahrhunderts in Wort, Melodie und mehrstimmigem Tonsatz. 2. Band. Handschriften des 15. Jahrhunderts (312 Seiten) im Jahr 1880. Katalog der Musikalien-Sammlung des Joachimsthalschen Gymnasiums in Berlin (97 Seiten), von Eitner im Jahr 1884 Bücherverzeichnis der Musik-Literatur aus den Jahren 1838 bis 1846 im Anschluss an Becker und Büchting (89 Seiten), von Eitner im Jahr 1885.