mini|Maziar Bahari (2018) Maziar Bahari (; * 1967 in Teheran) ist ein persisch-kanadischer Journalist, Filmemacher und Menschenrechtsaktivist. Bahari arbeitete von 1998 bis 2011 als Reporter für die Zeitschrift Newsweek. Von Juni 2009 bis zum 20. Oktober 2009 war Bahari auf Veranlassung der iranischen Regierung inhaftiert. 2011 wurden seine Memoiren Then They Came for Me (dt.: Dann kamen sie wegen mir) veröffentlicht, in denen er seine Inhaftierung verarbeitet.
Leben Bahari entstammt einer politisch engagierten Familie: Sein Vater war in der Zeit des Pahlawi-Regimes in den 1950er Jahren inhaftiert, seine Schwester erlitt das gleiche Schicksal in den 1980er Jahren während der Regierung Ajatollah Chomeinis.
Bahari wurde in Teheran geboren, wo er lebte. 1988 zog Bahari nach Montreal, Kanada, wo er an der Concordia University Kommunikations-, Film- und Politikwissenschaften studierte.
Bald nach seinem Abschluss produzierte er seinen ersten Film Die Reise der „Saint Louis“. Der Film erzählt von dem Versuch 937 deutscher Juden, per Schiff aus Nazi-Deutschland zu entkommen. Der Film zeigt die Fahrt nach Kuba und den USA im Jahr 1939, wo die Flüchtlinge jedoch zur Rückkehr nach Deutschland gezwungen wurden. Baharis Werk war der erste Film eines Muslims, der den Holocaust zum Thema hatte. Nach seiner Motivation befragt zitierte Bahari aus einem Seminar seiner Studienzeit in Concordia: Im Teheraner Gefängnis Evin wurde ihm unter Verweis auf diesen Film vorgeworfen, auf einer – so wörtlich – Mission für die Zionisten zu sein.
1997 startete Bahari Reportagen über den Iran und produzierte unabhängige Dokumentationen. Ein Jahr später wurde er Iran-Korrespondent des Nachrichtenmagazins Newsweek. In den folgenden Jahren produzierte er neben seiner journalistischen Arbeit zahlreiche Dokumentarfilme und Reportagen für die Sender Channel 4, BBC, u. a. über das Leben schiitischer Geistlicher, afrikanischer Architektur, iranische Fußball-Begeisterung und zeitgenössische iranische Geschichte.
Verhaftung, Haft und Freilassung Am Morgen des 21. Juni 2009, während der Proteste nach der iranischen Präsidentschaftswahl 2009, wurde Bahari in seiner Wohnung verhaftet und in das Evin-Gefängnis eingeliefert. Während seiner Haft, im Juli 2009, erschien Bahari im Iranischen Fernsehen, wo er erklärte, westliche Journalisten würden als Spione arbeiten. Das Bild- und Tonmaterial wurde auch durch den iranischen regierungsnahen Sender PressTV international verbreitet. Bahari wurde gezwungen, sich selbst der Vorbereitung einer Farbrevolution sowie illegaler Demonstrationen zu beschuldigen. Am 17. Oktober 2009 wurde Bahari nach 118 Tagen in Haft und unter Anklage wegen elf Fällen von Spionage gegen eine Kaution in Höhe von 300.000 Dollar freigelassen.Maziar Bahari’s Ordeal in Tehran Prison Newsweek, 21. Oktober 2009 Er durfte Iran verlassen und wenige Tage vor der Geburt seiner Tochter nach London zurückkehren.Newsweek's Bahari Recalls Iran Detention CBS, 19. November 2009
2011 erschienen bei Random House seine Memoiren Then They Came For Me: A Family’s Story of Love, Captivity, and Survival, die er gemeinsam mit der Autorin Aimee Molloy schrieb. In dem Buch erzählt Bahari seine Familiengeschichte und von seiner Inhaftierung. 2014 adaptierte Jon Stewart das Buch im Film Rosewater, in dem der Schauspieler Gael García Bernal als Bahari zu sehen ist.
Privates Bahari ist mit der italienisch-englischen Rechtsanwältin Paola Gourley verheiratet, die in London lebt. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter, die im Oktober 2009 geboren wurde, nur kurz nach Baharis Entlassung aus dem Gefängnis.
Ehrungen 2003 bezeichnete das Harvard Film Archive Baharis Arbeits wie folgt:"In a country known for neorealist fiction films that focus on small events in the lives of individuals, the work of Iranian director Maziar Bahari is somewhat anomalous. Employing a traditional documentary style to explore more far-reaching cultural events, Bahari’s films provide a glimpse inside contemporary Iranian culture as they reveal the human element behind the headlines and capture cultural truths through the lens of individual experience. Representing a new generation of young Iranian filmmakers, Bahari’s trenchant looks at social issues in his country have brought both controversy and international acclaim." 2005 Emmy 2007 Retrospektive der Filme Baharis anlässlich des International Documentary Film Festival Amsterdam 2009 nominierte Desmond Tutu ihn für den Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Kategorie „Eintracht“.
Filmografie 1999: Paint! No Matter What 2004: Mohammad and the Matchmaker (Kurzfilm) 2004: And Along Came a Spider (Bericht über den Serienmörder Saeed Hanaei) 2005: Targets: Reporters in Iraq (Fernsehdokumentarfilm) 2008: Countdown 2010: An Iranian Odyssey 2012: Forced Confessions 2014: To Light a Candle
Weblinks
Interview mit Maziar Bahari - The Daily Show with Jon Stewart - 6. Juni 2011
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Menschenrechtsaktivist (Kanada) Kategorie:Journalist (Kanada) Kategorie:Person (Menschenrechte im Iran) Kategorie:Iranischer Emigrant in Kanada Kategorie:Kanadier Kategorie:Iraner Kategorie:Geboren 1967 Kategorie:Mann