mini|hochkant=1.1|Simeon Solomon: König Salomo, 1872 oder 1874 Der König Salomo, gräzisiert Salomon, von , war – nach Darstellung der Bibel – im 10. Jahrhundert v. Chr. Herrscher des vereinigten Königreichs Israel. Entsprechend dem biblischen Bericht war er der Erbauer des ersten jüdischen Tempels in Jerusalem und der dritte König in Israel nach Saul und seinem Vater David.
Name Der Name Salomo kommt aus dem Hebräischen. Er leitet sich von der Wurzel ab, von der auch das Wort „Frieden“, „Unversehrtheit“, „Wohlbefinden“, „Vollkommenheit“ abgeleitet ist. Die Endung -o lässt sich entweder hypokoristisch oder als männliches Suffix deuten, somit ist die Bedeutung entweder Frieden, Unversehrtheit oder sein Frieden, seine Unversehrtheit. Der Name kann als Trost wegen des zuvor verstorbenen Bruders Salomos verstanden werden . Er ist derjenige, der Frieden, Unversehrtheit und Heil in die Familie bringt.Art. Salomo. In: WiBiLex, Stand: 13. Februar 2020 (https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/25919/).Art. שְׁלֹמֹה. In: Gesenius, 18. Aufl. 2013, S. 1370.
Die Wurzel kann allerdings auch als „Ersatz leisten“ übersetzt werden. Hier ist erneut der Bezug zum zuvor verstorbenen Bruder vorhanden. Die Übersetzung hieße dann „sein Ersatz“.
Zusätzlich zum Namen Salomo erhält das Neugeborene in durch den Propheten Nathan den Namen Jedidja, der „Geliebter JHWHs“ bedeutet.Art. Jedidja. In: WiBiLex, Stand: 20. September 2018 (https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/22247/).
Biblische Darstellung Datierung und Familie Die wichtigsten Quellen sind das 1. Buch der Könige, Kap. 1–11, sowie das 2. Buch der Chronik, Kap. 1–9. Danach war Salomo der Sohn Davids und Bathsebas, der Witwe Urijas. Sie spielte später eine hervorgehobene Rolle unter den Frauen des alternden Königs David, vor allem auch hinsichtlich der Frage der Nachfolge. Salomo bestieg den Thron 40 Jahre nach seinem Vater (, bezogen auf Juda). An dieser Stelle nimmt die christliche Tradition eine Teilung des Buches der Chroniken vor, sodass das „2. Buch“ mit dem Beginn der Herrschaft Salomos beginnt. Salomo wird zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Jahre alt gewesen sein.William Hales: A New Analysis of Chronology and Geography, History and Prophecy. C.J.G. & F. Rivington, 1830 (englisch). In der hebräischen Zeitrechnung ist dieses Ereignis auf das Jahr 476 nach dem Auszug aus Ägypten zu datieren, da der Bau des Tempels im vierten Regierungsjahr Salomos begann ( und ). Auch seine Regierungszeit wird (in ) mit 40 Jahren angegeben. Sein Sohn und Nachfolger Rehabeam war zum Zeitpunkt seines Todes 41 Jahre alt (). Die Angaben zur Regierungszeit von Salomo schwanken. Einige Autoren geben den Beginn mit „etwa 966 v. Chr.“Jeremy Black (Hrsg.): Dumont Atlas der Weltgeschichte. Dumont Verlag, Köln 2000; deutsche Ausgabe des Atlas of World History, Dorling Kinsley, London 1999. oder gar noch später an. Andere datieren das Ende bereits auf das Jahr 990 v. Chr. Letzten Endes ist diese Zeitangabe aber auch eine Frage der Historizität.
Im Neuen Testament nennt „Josef, den Mann Marias, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus“ als direkten Nachfahren von Salomo.
Außen- und Innenpolitik mini|hochkant=1.2|Das vereinigte Königreich Israel löste sich nach dem Tod Salomos ca. 926 v. Chr. in das von Jerobeam I. regierte Nordreich Israel (mit der Hauptstadt Samaria; blau gefärbtes Areal) und das von Rehabeam regierte Juda im Süden (mit der Hauptstadt Jerusalem; ocker gefärbtes Areal) auf. Salomo soll das von seinem Vater geschaffene Großreich im Wesentlichen erhalten sowie modernisiert und eine moderne Verwaltung mit Beamtenstab geschaffen haben. Das Reich soll außerdem in zwölf Bezirke oder Gaue aufgeteilt worden sein. Schließlich sei das Heer ebenfalls modernisiert und mit Kampfwagen ausgestattet worden, wodurch das stehende Heer größere Bedeutung gegenüber dem Heerbann des Volkes gewonnen habe.
Salomo, der gemäß alttestamentlichen Quellen auf eine Vergrößerung des Reiches verzichtete, soll die friedlichen Beziehungen erweitert haben. Die Angabe, er habe mit den Völkern des Nordens sowie des Südens im Verbund mit dem phönizischen König Hiram von Tyros Handel getrieben, widerspricht archäologischen Befunden. Auch der phönizische Handel und der damit verbundene Schiffsbau in Eilat am Nordostzipfel des Roten Meeres, dem heutigen Golf von Akaba, kann nicht vor dem 8. Jahrhundert v. Chr. stattgefunden haben. Die dreijährigen Seefahrten in das Goldland Ophir, die laut der Überlieferung „Salomo von dort 420 Zentner Gold brachten“ , datieren ebenso wie die Tarsis-Schiffe aus dem gleichen Zeitraum. Die an anderer Stelle erklärte Schiffsfracht aus Ophir mit „Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen“ verweisen auf altägyptische Handelslisten.
Die Forschung vermutet daher, dass die Schiffe entweder an der arabischen Küste oder an der afrikanischen Ostküste gen Süden segelten. Die damit zusammenhängende Geschichte der Königin von Saba gilt als redaktionelle Ergänzung, die wohl aus der assyrischen Epoche Sanheribs und Asarhaddons stammt. Die mit einem ägyptischen Pharao geknüpften Verbindungen sind in ägyptischen Quellen nicht belegt. Handelsbeziehungen mit dem goldreichen Tarsis (Tartessos) in Spanien könnten tatsächlich bereits während Salomos Regentschaft bestanden haben, wie neue Ausgrabungsergebnisse in Huelva zeigen: In der dort entdeckten spätbronzezeitlichen, bis zu 35 ha großen Siedlung wurden phönizische Importe entdeckt, die bis ins frühe 10. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen.Alfredo Mederos Martin: La cronología de Huelva fenicia. In: A. M. Arruda (Hrsg.): Fenícios e púnicos, por terra e mar. Actas do VI Congresso Internacional de Estudos Fenícios e Púnicos (Facultade de Letras da Universidade de Lisboa, 25 de Setembro a 1 de Outubro de 2005). Lissabon 2013, S. 482–495 (PDF-Version bei academia.edu).
Kulturelle Leistungen Salomo baute nach alttestamentlichen Angaben mehrere Städte im Land aus, vor allem aber ließ er Jerusalem erweitern und erbaute den ersten Tempel für JHWH (siehe Salomonischer Tempel) sowie seinen eigenen Palast .
Er öffnete das Reich gegenüber anderen Kulturen und Religionen, was ihm bei anderen Völkern ein großes Ansehen verschaffte und zeitweise in der Forschung als „salomonische Aufklärung“ bezeichnet wurde. Sprichwörtlich wurde die Übernahme altorientalischer Weisheit unter der Regentschaft Salomos.
Traditionell gilt er als Autor der biblischen Schriften Buch der Sprichwörter, Kohelet, Hoheslied und Buch der Weisheit. In der modernen Forschung nimmt man dagegen an, dass er allenfalls der Sammler oder Auftraggeber eines Teils der „Sprüche Salomos“ war.
Das Urteil des Königs Salomo mini|hochkant|Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770): Ausschnitt aus dem Fresko Das Urteil Salomos mini|hochkant|Darstellung am Dogenpalast in Venedig Diese Geschichte ist besonders bekannt und als salomonisches Urteil auch im allgemeinen Sprachgebrauch verankert. Das Urteil wird hier zitiert nach der Einheitsübersetzung der Bibel ; zur Verbesserung der Lesbarkeit sind Anführungszeichen und Leerzeilen eingefügt.
Damals kamen zwei Dirnen und traten vor den König.
Die eine sagte: „Bitte, Herr, ich und diese Frau wohnen im gleichen Haus, und ich habe dort in ihrem Beisein geboren. Am dritten Tag nach meiner Niederkunft gebar auch diese Frau. Wir waren beisammen; kein Fremder war bei uns im Haus, nur wir beide waren dort. Nun starb der Sohn dieser Frau während der Nacht; denn sie hatte ihn im Schlaf erdrückt. Sie stand mitten in der Nacht auf, nahm mir mein Kind weg, während deine Magd schlief, und legte es an ihre Seite. Ihr totes Kind aber legte sie an meine Seite. Als ich am Morgen aufstand, um mein Kind zu stillen, war es tot. Als ich es aber am Morgen genau ansah, war es nicht mein Kind, das ich geboren hatte.“
Da rief die andere Frau: „Nein, mein Kind lebt, und dein Kind ist tot.“
Doch die erste entgegnete: „Nein, dein Kind ist tot, und mein Kind lebt.“
Man brachte es vor den König. So stritten sie vor dem König.
Da begann der König: „Diese sagt: ‚Mein Kind lebt, und dein Kind ist tot!‘' und jene sagt: ‚Nein, dein Kind ist tot, und mein Kind lebt.‘“ Und der König fuhr fort: „Holt mir ein Schwert!“ Nun entschied er: „Schneidet das lebende Kind entzwei, und gebt eine Hälfte der einen und eine Hälfte der anderen!“
Doch nun bat die Mutter des lebenden Kindes den König – es regte sich nämlich in ihr die mütterliche Liebe zu ihrem Kind: „Bitte, Herr, gebt ihr das lebende Kind, und tötet es nicht!“
Doch die andere rief: „Es soll weder mir noch dir gehören. Zerteilt es!“
Da befahl der König: „Gebt jener das lebende Kind, und tötet es nicht; denn sie ist seine Mutter.“
Ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie schauten mit Ehrfurcht zu ihm auf; denn sie erkannten, dass die Weisheit Gottes in ihm war, wenn er Recht sprach.
Nach Hugo Gressmann (1907) handelt es sich bei dem biblischen Stoff vom salomonischen Urteil um eine Wanderlegende, die erstmals in Indien in den Jātakas auftauchte, sich nach Tibet und China ausbreitete, vielfach abgewandelt wurde und auf noch wenig erforschtem Weg auch in den vorderen Orient gelangte.Vgl. Hugo Gressmann: Das salomonische Urteil. In: Deutsche Rundschau 130 (1907), S. 212–228.
Mythos und Kritik Die Zeit der Herrschaft Salomos gilt in der Bibel als eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes, charakterisiert durch die Wiedergabe eines Traumgesichts aus dem Anfang seiner Herrschaft: Als Gott ihm die Gewährung eines Wunsches zusagte, wünschte er sich Weisheit, um sein Volk gerecht regieren zu können, da er sich dieser Aufgabe noch nicht gewachsen fühlte. Gott gefiel, dass er sich nicht langes Leben, Reichtum oder Siege über seine Gegner gewünscht hatte, und so gewährte er ihm all dieses zusätzlich zur Weisheit . Charakteristisch für diese Geisteshaltung ist die Geschichte des salomonischen Urteils. Noch im Neuen Testament, etwa in der Bergpredigt, wird auf „Salomo in all seiner Pracht“ Bezug genommen , .Luther gibt den über das Materielle hinausgehenden Doppelsinn des griechischen ‚δόξα‘ treffender mit ‚Herrlichkeit‘ wieder, vgl. http://www.zeno.org/Literatur/M/Luther,+Martin/Luther-Bibel+1545.
Jedoch wird die Regierungszeit Salomos nicht uneingeschränkt positiv bewertet. Einerseits klingt Stolz auf gesicherten Frieden, den Tempel, auf Wohlstand und weltweites Ansehen an. Andererseits wird Salomo sowohl explizit als auch implizit kritisiert. Getadelt werden die extreme Vielweiberei – Salomo unterhielt einen Harem von 700 Frauen und 300 Nebenfrauen nichtjüdischer Herkunft, wodurch er zum Polytheismus verleitet wurde – und seine Maßlosigkeit, die als Verstoß gegen Gottes Gebot gelten .
Apokryphe Schriften Neben den genannten kanonischen Schriften werden Salomo auch einige apokryphe Werke zugeschrieben: Die griechische und die syrische Überlieferung kennen die Psalmen Salomos, eine Sammlung apokrypher Psalmen jüdischer Herkunft aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., und die Oden Salomos, eine um 200 n. Chr. verfasste christliche Lieder- und Gebetssammlung.
Die gnostische Apokalypse des Adam, vermutlich in das 1. oder das 2. Jahrhundert zu datieren, erwähnt eine Legende, der zufolge Salomo eine Armee von Dämonen aussendet auf der Suche nach einer Jungfrau, die vor ihm geflohen ist. Die Berichte über Salomo als Beherrscher von Dämonen begegnen im Testament Salomos, einer ebenfalls gnostischen Schrift, in ausgestalteter Form und haben in der jüdischen und der islamischen Volksüberlieferung weite Verbreitung gefunden.
Salomo im Islam mini|hochkant|Die Königin von Saba im Schāhnāme des Ferdosi