Die Kombilösung Karlsruhe ist ein Projekt, mit dem die Straßenbahn sowie die Stadtbahn in der baden-württembergischen Stadt Karlsruhe weiterentwickelt wurden. Ziel des Projekts war, die Kaiserstraße straßenbahnfrei zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in der elfjährigen Bauzeit ein Stadtbahntunnel unter der Innenstadt sowie eine neue Straßenbahntrasse in der und ein Autotunnel unter der Kriegsstraße gebaut. Der Stadtbahntunnel wurde 2021 eröffnet, der Autotunnel 2022.

Stadtbahntunnel Das Teilprojekt Stadtbahntunnel besteht aus: dem Bau von sieben unterirdischen Haltestellen dem Neubau, Umbau oder der Verlegung von sechs oberirdischen Haltestellen dem Bau eines unterirdischen Gleisdreiecks dem Bau von drei Rampen dem Bau einer Ost-West-Tunnelröhre dem Bau einer Nord-Süd-Tunnelröhre der Bauvorleistung für einen Nordost-Abzweig

Haltestellen und Gleisdreieck Die unterirdischen Haltestellen sind (innen gemessen) 100m lang. Der Bahnsteig gliedert sich dabei in einen 80m langen Abschnitt mit 340mm Bahnsteighöhe für den barrierefreien Zugang zu Niederflurwagen und einen 15m langen Abschnitt mit 550mm Bahnsteighöhe für den barrierefreien Zugang zu den ersten zwei Türen von Mittelflurwagen der Zweisystemlinien, dazwischen eine 5m lange Rampe. Die Haltestellen sind somit auf bis zu 75m lange Züge nach BOStrab ausgelegt. Die meisten Haltestellen haben eine Bahnsteig- und eine Zwischenebene. Ein Aufzug pro Bahnsteig sorgt für die barrierefreie Erreichbarkeit.

Die meisten unterirdischen Haltestellen wurden nach Baufeldfreimachung und Kampfmittelsondierung in Deckelbauweise erstellt. Ursprünglich war geplant, alle Seitenwände als Bohrpfahlwand zu erstellen, bei einigen Haltestellen wurde jedoch mit Schlitzwänden gearbeitet. Der Tunnel liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, einem Grabenbruch, der mit mehrere 1000m starkem Sediment aufgefüllt ist. Daher konnten die Wände nicht, wie bei anderen Projekten, feste oder zumindest wasserdichte Schichten erreichen. Stattdessen wurde ein provisorischer Boden im Düsenstrahlverfahren erstellt, dessen Dichtigkeit durch Pumpversuche geprüft wurde. Abschließend wurde der provisorische Boden verankert, ein Deckel betoniert und die Oberfläche wiederhergestellt. Im Schutze des so erstellten Baukörpers konnte der Erdkern entfernt werden und anschließend der endgültige Boden, Wände, Zwischendecken, Gleiswanne und Bahnsteige errichtet werden.

Der Hauptbaukörper der Haltestelle Europaplatz des Ost-West-Tunnels beginnt an der Ostkante der Douglasstraße und endet in der Mitte der Karlstraße. Zwei Rolltreppenzugänge vom Platz und von der Fußgängerzone östlich der Karlstraße und ein Treppenzugang von der nördlichen Karlstraße sollen zur östlichen Zwischenebene führen, Postgalerie auf der Südseite und Saturn auf der Nordseite können an diese angeschlossen werden. Die westliche Zwischenebene erhielt nur zwei Treppenzugänge. Die Aufzüge fahren ohne Zugang zu den Zwischenebenen zur Bahnsteigebene durch. Die Gleise liegen 13m unter dem Gelände. Die Wände wurden mit Bohrpfahlwänden erstellt. Es gibt zwei Baufelder, von denen das erste auf der Südseite Mitte 2010 begonnen wurde. In dieser Bauphase war das oberirdische Gleisdreieck nur eingleisig aus Richtung Osten befahrbar. Der Wechsel auf das nördliche Baufeld erfolgte mit Wiederherstellung des Gleisdreiecks mit erheblicher Verspätung im Mai 2012. Im Juni 2014 wurde die alte Gleisführung wieder hergestellt, im November 2014 die oberirdische und für Niederflurwagen barrierefreie Haltestelle direkt auf dem Platz wiedereröffnet.

Der Hauptbaukörper der Haltestelle Lammstraße des Ost-West-Tunnels beginnt östlich der Ritterstraße. Von dort ist per Treppe und Rolltreppe eine kleine Zwischenebene erreichbar. Eine weitere Zwischenebene ist mit zwei Treppen und einer Rolltreppe in nur einer Richtung und vom Karstadt erreichbar. Die Aufzüge direkt zur Bahnsteigebene liegen dazwischen. Die Gleise liegen 13m unter dem Gelände. Auf der Ostseite geht der Baukörper der Haltestelle in den des Gleisdreiecks über. Die östliche Zwischenebene ist mit einem weiteren Rolltreppenzugang aus der Kaiserstraße erreichbar.

mini|Großbaustelle am Marktplatz im März 2014 Auch die Zwischenebene geht in den Baukörper des Gleisdreiecks über, sodass man die Haltestelle Marktplatz des Südabzweigs unterirdisch erreicht, deren Baukörper direkt an den des Gleisdreiecks anschließt. Auf der Zwischenebene zwischen Lammstraße und Marktplatz wird auch eine öffentliche Toilettenanlage eingerichtet, die die bisherige, baubedingt stillgelegte Anlage auf dem Marktplatz ersetzt. Die nördliche Zwischenebene der Haltestelle Marktplatz erreicht man vom nördlichen Platz aus mit einer Treppe, einer Rolltreppe und einem einzelnen Aufzug mit Stopp in der Zwischenebene und dem westlichen Bahnsteig. Zum östlichen Bahnsteig muss in einen anderen Aufzug umgestiegen werden. Die südliche Zwischenebene hat nur einen Treppenzugang. Die Haltestelle verfügt neben den beiden durchgehenden Gleisen über ein drittes Stumpfgleis, auf dem Züge der Zweisystemlinien wie die aus dem Murgtal enden können. Dieses Gleis liegt etwas tiefer, sodass es komplett 550mm Bahnsteighöhe hat. Die Idee, über diesem Gleis auf der Zwischenebene einen Veranstaltungsraum zu integrieren, wurde wegen hoher Brandschutzanforderungen fallen gelassen, wie deswegen auch schon vorher sämtliche Ideen an Kioske etc. Die Gleise liegen 13,4m unter dem Gelände. Begonnen wurde der Bau 2010 mit dem südlichen Baufeld der Haltestelle Lammstraße vor dem Karstadt-Gebäude. Dabei traf man auf unbekannte, tragende Fundamentteile, was zu erheblichen Zeitverlusten führte. Die Wände der Haltestelle Lammstraße wurden mit Bohrpfählen gebaut. Der Wechsel zum nördlichen Baufeld erfolgte Ende 2012. Die Wände der Haltestelle Marktplatz und des Gleisdreiecks werden mit Schlitzwänden gebaut. Im Frühjahr 2013 begann, die Sperrung des Abschnitts Marktplatz – Kronenplatz ausnutzend, der Bau des Ostteils des Gleisdreiecks. Die Fertigstellung mitsamt Aufhebung der Sperrung dieses Abschnittes erfolgte wie vorgesehen am 18. November 2013. Danach wurde der Südabzweig am Marktplatz gesperrt, um dort die Haltestelle zu beginnen, die Vorarbeiten dafür wie Leitungsverlegungen begannen bereits im Frühjahr. Die Sperrung des Südabzweigs sollte ursprünglich nur zwei bis drei Jahre dauern, danach sollte dieser bis zur Gesamtfertigstellung der Kombilösung inklusive Kriegsstraße und der damit verbundenen endgültigen oberirdischen Stilllegung wieder provisorisch hergestellt werden. Anfang 2015 beschloss man jedoch, darauf zu verzichten, den Busersatzverkehr beizubehalten und gegebenenfalls bis zum Marktplatz zu verlängern. Die Einzelhändler entlang der Strecke protestierten dagegen.Stadtzeitung vom 30. Januar 2015

Der Hauptbaukörper der Haltestelle Kronenplatz des Ost-West-Tunnels beginnt noch in der Fußgängerzone in Höhe der Kaiserstraße 20 und reicht bis einige Meter vor das historische Hauptgebäude der Technischen Hochschule. Die westliche Zwischenebene ist per Treppe und Rolltreppe aus der Fußgängerzone erreichbar, die mittlere per Treppen aus der Waldhornstraße und den Aufzügen, die auch in der Zwischenebene halten. Die östliche Zwischenebene hat einen Treppen- und Rolltreppenzugang zur Englerstraße Richtung Universitätscampus. Hier finden Schlitzwände Verwendung. Die Gleise liegen 13m unter dem Gelände. Der Bau begann 2010 mit dem nordöstlichen Baufeld, der Wechsel zum südöstlichen Baufeld erfolgte im September 2012. Von Juni 2012 bis April 2013 war der Südabzweig bis zur Baumeisterstraße nicht befahrbar. Im Frühjahr 2013 begann der Bau des Westendes der Haltestelle, wofür der Abschnitt Marktplatz – Kronenplatz gesperrt wurde. Bis November 2013 konnte durch Vereinigung der beiden westlichen Baufelder in sieben Monaten die rund 15 Monate Verzögerung beim Bauablauf wieder aufgeholt werden.

Der Hauptbaukörper der Haltestelle Durlacher Tor des Ost-West-Tunnels beginnt am Ostende der Kaiserstraße noch vor Erreichen des Platzes. Die westliche Zwischenebene hat einen Treppen- und Rolltreppenzugang aus Richtung Campus und einen Treppenzugang auf der Südseite der Kaiserstraße. Außerdem halten an ihr die beiden Aufzüge. Die östliche Zwischenebene hat auf der Nordseite einen Treppen- und Rolltreppenzugang und auf der Südseite einen Treppenzugang und ebenfalls Aufzüge. Die Gleise liegen 11m unter dem Gelände. An den mit Schlitzwänden erstellten Baukörper der Haltestelle schließen im Osten die Bauvorleistung für einen Nordostabzweig unter der Karl-Wilhelm-Straße und die Rampe zum Gottesauer Platz an. Nachdem schon zuvor ein neues Betriebsgebäude erstellt wurde, da das alte der Baustelle weichen musste, begannen die eigentlichen Bauarbeiten im Sommer 2011. Am Westende der Haltestelle startete die Tunnelbohrmaschine. mini|Ettlinger Tor 2017, mit alter Unterführung Die Mitte des Hauptbaukörpers des Kombibauwerks Ettlinger Tor des Südabzweigs liegt ungefähr im Bereich der Kriegsstraßen-Unterführung unter dem Ettlinger-Tor-Platz. Hier kreuzen sich beide Projektteile. Da der Stadtbahntunnel unter der alten Unterführung liegt, muss diese abgebrochen und neu errichtet werden, daher „Kombi-Bauwerk“. Abgebrochen wurde auch eine ehemalige Fußgängerunterführung, in der sich zuletzt der Musikclub „Substage“ befand. Die Zwischenebenen werden mit vier Treppen und drei einzelnen Rolltreppen an den vier Ecken der Haltestellen erreicht. Die Aufzüge sind nicht durchgehend. Das Einkaufszentrum Ettlinger Tor wird an die nördliche Zwischenebene angebunden. Die Gleise liegen hier 14m unter dem Gelände. Baubeginn mit Schlitzwänden war 2011 mit dem Nordkopf, später folgte der Baubeginn des Südkopfes. Im November 2014 wurde nach Fertigstellung des Nord- und Südkopfes die Straßenunterführung gesperrt, um diese abzureißen und durch den Mittelteil der Haltestelle und die neue Straßenunterführung zu ersetzen. Nahe dem Bauwerk befindet sich der Infopavillon der Kombilösung „K.“ mit Aussichtsplattform.

Der Hauptbaukörper der Haltestelle Kongresszentrum des Südabzweigs beginnt südlich der Straße Nowackanlage und endet etwas südlich der Schützenstraße. Da der Tunnel des Südabzweigs hier schon allmählich nach oben kommt, hat diese Haltestelle im Gegensatz zu den anderen keine Zwischenebene. Die zwei Rolltreppen im Süden, die zwei Treppen im Norden und die beiden Aufzüge in der Mitte führen direkt auf die Bahnsteigebene. Die Gleise liegen 7,1m unter dem Gelände. Nach Herstellen von provisorischen Wänden und Injektionssohle wird sie offen in dieses Provisorium eingebaut. Die Sperrung des Südabzweigs am Marktplatz ab 18. November 2013 umfasst seit Januar 2014 auch den Autoverkehr auf der Ettlinger Straße von Nord nach Süd. Die Gegenrichtung wurde in Höhe der künftigen Haltestelle auf die andere Seite verlegt, so dass danach mit dem Bau der Haltestelle begonnen werden konnte. Der Straßenbahnverkehr im Zuge von Baumeister- und Hermann-Billing-Straße und der Autoverkehr dort, allerdings nur von Ost nach West, wurden über Hilfsbrücken über die Baustelle geführt.

Kunstprojekt 14 großformatige Keramikplatten des Kunstprojektes Genesis – Sieben Tage des Herrn von Markus Lüpertz für die sieben zentralen Bahnhöfe, die zunächst mit der Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika entstehen sollten, wurden nun in der Zeller Keramik Manufaktur produziert, wie der Verein „Karlsruhe Kunst Erfahren“ im November 2020 mitteilte. Ende Dezember präsentierte Lüpertz die erste Tafel auf dem Bahnsteig der künftigen Haltestelle Kronenplatz dem Oberbürgermeister Frank Mentrup. Enthüllt wurden sie in der Nacht vom 27. auf den 28. April 2023.

Tunnel und Rampen