Die Nextbike GmbH (Eigenschreibweise nextbike) mit Sitz in Leipzig ist ein im Jahr 2004 gegründetes Unternehmen, welches öffentliche Fahrradverleihsysteme betreibt. 2021 wurde Nextbike von Tier Mobility übernommen und 2024 an die britische Private-Equity-Gesellschaft Star Capital verkauft. Das Unternehmen bietet stationsbasierte Systeme, Systeme mit Flexzonen und hybride Systeme an. Im Jahr 2026 ist Nextbike in mehr als 20 Ländern an über 400 Standorten mit Verleihsystemen präsent.
Unternehmen Das Unternehmen wurde 2004 von Ralf Kalupner und Markus Denk gegründet, beschäftigt 2026 rund 1.000 Mitarbeitende und hat seinen Hauptsitz in Leipzig. Es betreibt als Partner von Städten öffentliche Fahrradverleihsysteme (Bikesharing) an über 400 Standorten in mehr als 20 Ländern. Die Fahrradverleihsysteme sind in lokale öffentliche Verkehrssysteme integriert. Fahrräder, Stationen und Softwareanwendungen werden eigenentwickelt und in Europa hergestellt. Die Produktion der Hardware (Fahrräder, Terminals, Ständer) erfolgt vorrangig in Warschau. Dabei wird eine Vielzahl von Komponenten von Zulieferern weltweit bezogen. Das Unternehmen unterscheidet zwei Geschäftsmodelle: den Eigenbetrieb und das Lizenzgeschäft. Bei letzterem werden die Systeme (Hardware) komplett an einen Betreiber veräußert; Nextbike übernimmt hierbei i. d. R. die softwareseitige Steuerung dieser Systeme. Im Eigenbetrieb befindet sich die Hardware im wirtschaftlichen Eigentum von Nextbike; dieses System wird komplett in Eigenregie betrieben und erwirtschaftet dabei Erlöse aus Vertragsbeziehungen mit Kommunen oder Verkehrsbetrieben, der Werbevermarktung (über Werbung am Fahrradrahmen) und dem Verleih der Fahrräder. 2019 wurde Nextbike von Stiftung Warentest als bestes Fahrradverleihsystem in Deutschland ausgezeichnet.
Im Jahr 2019 betrug der Jahresumsatz 29,2 Mio. Euro, im Jahr 2021 unter den Einflüssen der Corona-Pandemie 35 Mio. Euro und einem Verlust von 6,5 Mio. Euro. 2023 erwirtschaftete Nextbike einen Umsatz in Höhe von 59,3 Mio. Euro.
Im November 2021 wurde die Nextbike GmbH eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Berliner Mobilitätsdienstleisters Tier Mobility. Im Oktober 2022 folgte die Verschmelzung unter Aufnahme auf die Tier Mobility SE. Im März 2024 wurde bekannt, dass die Tier Mobility SE die ehemals nextbike zuzuordnenden Konzernteile wieder verkaufen wolle. Am 29. April 2024 wurde die Übernahme der Tier Mobility-Anteile durch die britische Private-Equity-Gesellschaft Star Capital bekanntgegeben.
Standorte mini|Von Nextbike bediente Länder im Jahr 2026
In Deutschland (Auswahl) Berlin In der deutschen Hauptstadt hat Nextbike mit dem Senat von Berlin 2017 einen Nutzungsvertrag abgeschlossen, der das Verleihsystem mit 7,5 Millionen Euro finanziell unterstützt. Es soll eine Probephase über fünf Jahre durchlaufen. Aktuell betreibt Nextbike das System in Kooperation mit Edeka als Werbepartner. mini|Nextbike in Berlin-Kreuzberg Besonders große Nachfrage herrscht am Europaplatz am Hauptbahnhof Berlin, am Alexanderplatz und am Brandenburger Tor. Anfangs war geplant, dass Nextbike rund 720 Stationen einrichtet, die aber alle einzeln von den Bezirksämtern als Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes genehmigt werden müssen. Deshalb waren bis Ende April 2019 nur 280 Stationen vorhanden und 3600 Leihräder im Einsatz. Die schleppende Genehmigung wurde darauf zurückgeführt, dass die Stationen einen größeren Abstand zu Baudenkmalen, Gehwegen oder Grünanlagen einhalten müssen und zu prüfen ist, ob die Mindestgröße für einen Radabstellplatz überhaupt vorhanden ist und diese vor Ort keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.
Im Jahr 2023 standen 6.500 Leihräder zur Verfügung. Die Zahl der Stationen lag bei 2.900, wovon sich 1.200 außerhalb des S-Bahn-Rings befanden. Die starke Erhöhung der Stationsanzahl innerhalb kurzer Zeit war durch die Einrichtung von virtuellen Stationen möglich, welche keine ortsfeste Infrastruktur erfordern. Durchschnittlich wurde ein Fahrrad bis zu 1,4mal pro Tag ausgeliehen. Der nachfragestärkste Tag war im Juli 2023 und wies mehr als 10.000 Ausleihen auf. 2024 betrieb das Unternehmen 4.500 Stationen in Berlin und es wurde für 3,9 Mio. Fahrten genutzt. Dies ist eine kontinuierliche Steigerung im Laufe der Jahre: 2021 0,96 Mio., 2022 1,17 Mio. und 2023 rund 2 Mio. Fahrten. Zuletzt waren 250 Stationen baulich errichtet und nicht virtuell. Außerhalb des S-Bahn-Rings gab es genauso viele Stationen wie innerhalb. Die meisten Fahrten hatten einen Zielpunkt, der sich vom Startpunkt unterschied und die Leihdauer war größtenteils unter 30 Minuten, was aus Sicht des Senats für die Erreichung der avisierten verkehrlichen Ziele sprach.
Aufgrund der Sparmaßnahmen des Berliner Senats wurde der Vertrag über das Jahr 2024 hinaus nicht verlängert. Nextbike kündigte an, den Betrieb privatwirtschaftlich aufrechterhalten zu wollen, sich aber insbesondere aus den Randbezirken zurückzuziehen. Berlin wäre damit laut Unternehmensangaben die einzige europäische Hauptstadt ohne öffentlich gefördertes Bike-Sharing.
Die von der Senatsverwaltung seit 2022 erteilte Sondernutzungserlaubnis für die Aufstellung der Räder lief am 30. Juni 2025 ab. Nextbike lehnte es aufgrund der damit verbundenen Kosten und Auflagen ausdrücklich ab, einen neuen Antrag zu stellen und berief sich auf einen erlaubnisfreien Gemeingebrauch des öffentlichen Straßenraums. Gegen die darauffolgende Verfügung der Senatsverwaltung, die Räder unverzüglich zu entfernen, ging Nextbike gerichtlich vor, blieb aber auch in zweiter Instanz beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erfolglos. Es bestätigte in einer Entscheidung vom Januar 2026, dass es sich um eine straßenrechtliche Sondernutzung handelt, für die eine Erlaubnis nötig ist.Verwaltungsgericht Berlin: Beschluss vom 17. Oktober 2025 – 1 L 631/25 und Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg: Beschluss vom 19. Januar 2026 – OVG 6 S 114/25 Nextbike kritisierte das Urteil, gab jedoch an, die Sondernutzung nun fristgemäß zu beantragen und den Betrieb im gesamten Stadtgebiet wie bisher aufrechterhalten. Im Sommer 2026 erweiterte Nextbike seine Flotte von 5.000 klassischen Fahrräder sogar um 1.000 E-Bikes.
Hannover 2019 startete Nextbike in Hannover mit rund 1.000 Mitfahrrädern. Von 2021 bis 2024 bestand dabei eine Kooperation mit dem damaligen Verkehrsverbund Großraum-Verkehr Hannover. Nextbike ist bis heute (Stand: 2026) in Hannover aktiv.
Leipzig In der Heimatstadt des Unternehmens sind 1500 Räder verfügbar, die flexibel an virtuellen Stationen sowie in den Flexzonen mit oder ohne Aufpreis zurückgegeben werden können. Die Kooperation mit den Leipziger Verkehrsbetrieben ermöglichte die Smartphone-App LeipzigMove Kunden anfangs jeden Monat ein Freifahrtkontingent von 10 Stunden. Bis zur Einführung einer Alternative 2025 sind monatlich 10 Freifahrten mit jeweils 15 Minuten Ausleihdauer inklusive, darüber hinaus gilt der reguläre Tarif.
Nürnberg
mini|VAG_Räder in Nürnberg
Seit Juni 2019 betreibt Nextbike zusammen mit der örtlichen Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) ein neues Fahrradverleihsystem unter dem Namen VAG_Rad. Dieses umfasst aktuell (September 2025) mehr als 112 feste Stationen und eine rund 40 QuadratkilometerZahl des Monats: 36 Quadratkilometer Flexzone auf vag.de, vom 10. September 2024, abgerufen am 10. September 2024 große Flexzone im gesamten Innenstadtgebiet innerhalb der Ringstraße, in den Stadtteilen Langwasser und Rangierbahnhof-Siedlung, in den Fürther Stadtteilen Am Stadtpark, Innenstadt, Südstadt und Hardhöhe sowie in den Erlanger Stadtteilen Zentrum, Süd- und Oststadt sowie in Teilen der Nordstadt.Standorte. In: vagrad.de, abgerufen am 1. April 2025. In dieser können die Räder ohne feste Station ausgeliehen und abgegeben werden. Hierbei stehen mehr als 2.500 Räder und 80 Pedelecs zur Verfügung.Beliebte Leihräder: Neue Stationen für den Nürnberger Süden auf nn.de, vom 22. Februar 2022, abgerufen am 22. Februar 2022VAG_eRad ist da! auf vag.de, vom 8. September 2025, abgerufen am 8. September 2025 Zudem bietet das System neben den klassischen Fahrrädern an 16 verschiedenen Stationen auch 19 Lastenräder zum Verleih an.NEU: Willkommen VAG_LastenRad! auf vagrad.de, abgerufen am 19. Oktober 2021 Im Februar 2024 wurde das System auch auf die direkten Nachbarstädte Erlangen, Fürth und Schwabach ausgeweitet.Ausweitung des Nürnberger Fahrradverleihsystems VAG_Rad auf die Städte Erlangen, Fürth und Schwabach auf online-service2.nuernberg.de, vom 21. November 2022, abgerufen am 22. November 2022
Vor dem Systemstart von VAG_Rad standen seit dem Frühjahr 2011 unter dem Namen Norisbike etwa 750 Leihräder in Nürnberg zur Verfügung. An 66 Stationen mit einem Verleihterminal konnten die Mieträder rund um die Uhr gemietet werden.Website von Norisbike Bis 2013 wurden die Anzahl der Stationen auf 75 und die zur Verfügung gestellten Räder auf 810 erhöht. auf nationaler-radverkehrsplan.de, vom 10. Dezember 2015, abgerufen am 25. November 2020 Ende des Jahres 2018 stellte Nextbike den Betrieb jedoch aus wirtschaftlichen Gründen ein.
Rhein-Neckar mini|Nextbike-Station in Mannheim VRNnextbike ist das Fahrradverleihsystem im Verkehrsverbund Rhein-Neckar. Zum regionalen System gehören folgende Städte (Auswahl): Bensheim, Bürstadt, Dossenheim, Frankenthal, Heidelberg, Heddesheim, Heppenheim, Hockenheim, Kaiserslautern, Ludwigshafen, Mannheim, Neckargemünd, Schwetzingen, Weinheim, Worms. Wie bei Metropolradruhr können die Räder städteübergreifend genutzt werden.Website von VRNnextbike In Mannheim wurden im Dezember 2020 zwölf E-Cargobikes ins Sortiment aufgenommen.Markus Knopp: NextBike vermietet jetzt auch Lastenräder. In: rheinpfalz.de, 20. November 2020, abgerufen am 8. Januar 2021.
Kiel und Kiel-Region Von Juli 2019 bis Ende 2022 waren Räder von Nextbike in Kiel als Sprottenflotte unterwegs. Der Name leitet sich von den Kieler Sprotten ab. Nach einer Pilotphase bis Dezember 2020 wurde das System auch in der Region, zum Beispiel in Rendsburg und Eckernförde, eingeführt. Ab Juli 2021 wurde die Einrichtung der Sprottenflotte für Plön und Preetz betrieben. Allein in Kiel waren gut 300 Räder unterwegs. Mit Unterstützung der Förde Sparkasse Kiel wird die Sprottenflotte teilweise mit Pedelecs ausgestattet, und seit 2021 sind auch E-Lastenräder im Programm. 2023 wurde die Flotte auf Räder des Konkurrenten Donkey Republic umgestellt.
Nordrhein-Westfalen
Ruhrgebiet Das metropolradruhr (Eigenschreibweise) startete im Juni 2010 im Ruhrgebiet als größtes Fahrradverleihsystem Deutschlands. Bis 2012 wurden 3000 Mieträder in zehn Städten bereitgestellt. Verknüpft wurden in diesem Projekt zehn Städte aus dem Ruhrgebiet, unter anderem Dortmund, Bochum, Essen und Oberhausen. Das Besondere an diesem Fahrradverleihsystem war die städteübergreifende Nutzung der Mieträder. Am 1. April 2026 erfolgte der Betreiberwechsel zu Donkey Republic. Köln
Seit 2015 kooperiert Nextbike mit den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB). Für VRS-Chipkarten-Inhaber sind die ersten 30 Minuten pro Fahrradausleihe inklusive (ausgenommen Schülertickets). In Köln gibt es, wie auch in Nürnberg, Leipzig und Dresden, eine definierte Zone, in der die Räder flexibel an jeder Straßenecke abgegeben (und auch wieder ausgeliehen) werden können. Bonn und Rhein-Sieg-Kreis Seit September 2025 betreibt Nextbike in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis gemeinsam mit RSVG-Bike und RVK e-Bike das einheitliche Fahrradverleihsystem Welo. Es löst drei separate Vorgängersysteme ab und ermöglicht erstmals kreisübergreifende Fahrten ohne Systemwechsel. Die Flotte umfasst neben klassischen Fahrrädern auch E-Bikes.