mini|Offizielles Logo zur 66. Auflage des Filmfestivals mini|hochkant|Audrey Tautou, Moderatorin der Eröffnungszeremonie und abschließenden Preisverleihung mini|hochkant|Léa Seydoux nahm die Goldene Palme gemeinsam mit Abdellatif Kechiche und Adèle Exarchopoulos entgegen

Die 66. Internationalen Filmfestspiele von Cannes fanden vom 15. bis 26. Mai 2013 statt. Eröffnet wurde das Filmfestival mit Baz Luhrmanns US-amerikanischer 3D-Literaturverfilmung Der große Gatsby.Baz Luhrmann, Leonardo DiCaprio and Scott Fitzgerald to inaugurate the Festival de Cannes. festival-cannes.com, 12. März 2013; abgerufen am 21. April 2013. Als Abschlussfilm wurde der in Südafrika spielende französische Kriminalfilm Zulu von Jérôme Salle benannt.Forest Whitaker and Orlando Bloom in Zulu by Jérôme Salle to close the Festival de Cannes. festival-cannes.com, 12. April 2013; abgerufen am 21. April 2013. Beide Filme wurden außer Konkurrenz gezeigt. Der internationalen Jury, die unter anderem die Goldene Palme, den Hauptpreis des Festivals, vergibt, stand in diesem Jahr der US-amerikanische Regisseur Steven Spielberg vor.

Filmemacher aus dem deutschsprachigen Raum erhielten keine Einladungen in den diesjährigen Wettbewerb. Die deutsche Regisseurin Katrin Gebbe war jedoch mit ihrem Debütfilm Tore tanzt in der Sektion Un Certain Regard vertreten. Jährlich wechselndes Gastland war 2013 Indien,Ben Child: Cannes film festival to make India ‘guest country’ in 2013. guardian.co.uk, 26. November 2012; abgerufen am 23. April 2013. das zum 100. Jubiläum des Beginns seiner nationalen Filmindustrie mit einer Gala-Aufführung des vierteiligen Films Bombay Talkies geehrt wurde.

Die französische Schauspielerin Audrey Tautou moderierte als Gastgeberin („maîtresse de cérémonie“) die Auftaktzeremonie am 15. Mai und die Preisgala am 26. Mai. Tautou, die bereits im Vorjahr mit der Titelrolle in Claude Millers Literaturverfilmung Thérèse Desqueyroux das Festival offiziell abgeschlossen hatte, folgte damit ihrer Landsfrau Bérénice Bejo.Audrey Tautou to host the opening and closing ceremonies of the 66th Festival de Cannes. festival-cannes.com, 9. April 2013; abgerufen am 24. April 2013.

Die Goldene Palme ging an den Film Blau ist eine warme Farbe (Originaltitel: La Vie d’Adèle – Chapitre 1 & 2) von Abdellatif Kechiche. Dabei wurde der Hauptpreis ausnahmsweise nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die beiden Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos vergeben.„La vie d’Adèle“ gewinnt Goldene Palme. Zeit Online, 26. Mai 2013.

Festivalplakat

Das offizielle Festivalplakat wurde im März 2013 vorgestellt. Nachdem in den Vorjahren dieses von Schauspielerinnen dominiert worden war, wurde zur 66. Auflage eine Abbildung von Joanne Woodward und Paul Newman ausgewählt. Das Bild entstand während der Dreharbeiten des Films Eine neue Art von Liebe (1963) und zeigt das US-amerikanische Schauspieler-Ehepaar ästhetisch auf dem Boden liegend und küssend. 2013 jährt sich der Tod Paul Newmans zum fünften Mal.

Woodward und Newman standen erstmals 1958 in Martin Ritts Südstaaten-Drama Der lange, heiße Sommer gemeinsam vor der Kamera. Mit der Literaturverfilmung besuchten beide im selben Jahr zum ersten Mal das Filmfestival, wo Newman für seine Leistung als prinzipienloser Herumtreiber mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde. Es war der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Woodward und Newman, die über Jahrzehnte anhielt. Als Regisseur realisierte Newman mit seiner Frau unter anderem die Cannes-Beiträge Die Wirkung von Gammastrahlen auf Ringelblumen (Darstellerpreis für Woodward 1973) und Die Glasmenagerie (1986).A Head-Turning Poster. festival-cannes.com, 22. März 2013; abgerufen am 21. April 2013.

Das ursprüngliche Bild wurde von der Pariser Werbeagentur Bronx grafisch bearbeitet.

Offizielle Auswahl

Internationaler Wettbewerb Wettbewerbsjury mini|hochkant|Jurypräsident Steven Spielberg

Als Nachfolger des letztjährigen Jurypräsidenten Nanni Moretti wurde Ende Februar 2013 Steven Spielberg präsentiert. Der US-Amerikaner erwarb sich den Ruf, der erfolgreichste Regisseur seiner Generation zu sein. Durch kommerziell so erfolgreiche Filme wie Der weiße Hai (1975), der Indiana-Jones-Reihe (1981–2008) oder Jurassic Park (1993) galt Spielberg lange als „Meister des Unterhaltungsfilms“, ehe sich mit Schindlers Liste auch großer künstlerischer Erfolg bei der internationalen Fachkritik einstellte.Steven Spielberg. In: Internationales Biographisches Archiv 45/2011 vom 8. November 2011, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 09/2013 (abgerufen via Munzinger Online). Daneben war Spielberg Mitbegründer des unabhängigen Filmstudios DreamWorks und etablierte sich unter anderem mit der Zurück-in-die-Zukunft- (1985–1990) und Men-in-Black-Trilogie (1997–2012) bzw. Band of Brothers – Wir waren wie Brüder (2001) und The Pacific (2010) auch als Film- und Fernsehproduzent. Spielberg debütierte 1974 im Wettbewerb mit seinem Kinodebüt Sugarland Express, dass ihm den Drehbuchpreis einbrachte. Daraufhin stellte er nachfolgende Werke (E.T. – Der Außerirdische, Die Farbe Lila, Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels) ausnahmslos außer Konkurrenz beim Filmfestival vor, wobei vor allem die Weltpremiere von E.T. als Abschlussfilm des Festivals 1982 für Aufsehen sorgte.Christian Jungen: Hollywood in Cannes: Die Geschichte einer Hassliebe, 1939–2008. Schüren, Marburg 2009, ISBN 978-3-89472-521-1, S. 252 ff. Spielberg selbst bezeichnet die Erinnerung daran bis heute als „eine der lebhaftesten“ seiner Karriere. Das Festival hätte in der Vergangenheit mehrfach versucht, den US-Amerikaner als Jurypräsidenten zu gewinnen, was aber stets an Terminkonflikten gescheitert sei. Erst 2011 habe Spielberg im Prinzip einer Jurypräsidentschaft zwei Jahre später zugestimmt.Steven Spielberg, Jury President of the 66th Festival de Cannes. festival-cannes.com, 28. Februar 2013; abgerufen am 22. April 2013. Er ist nach Robert De Niro (2011) Tim Burton (2010) und Sean Penn (2008) der vierte US-amerikanische Jurypräsident innerhalb der letzten sechs Jahre.

Wie in den Vorjahren standen dem Jurypräsidenten mehrere Jurymitglieder zur Seite, deren Namen am 23. April präsentiert wurden. Es handelte sich ausschließlich um Filmschaffende:The Jury of the 66th Festival de Cannes. festival-cannes.fr, 23. April 2013; abgerufen am 25. April 2013.

Daniel Auteuil, französischer Schauspieler (Darstellerpreis in Cannes 1996) Vidya Balan, indische Schauspielerin Naomi Kawase, japanische Filmregisseurin (Caméra d’Or 1997, Großer Preis der Jury 2007) Nicole Kidman, australische Schauspielerin und Filmproduzentin Ang Lee, taiwanischer Filmregisseur, -produzent und Drehbuchautor (Teilnehmer am Wettbewerb von Cannes 1997 und 2009) Cristian Mungiu, rumänischer Drehbuchautor, Filmregisseur und -produzent (Goldene Palme 2007, Drehbuchpreis 2012) Lynne Ramsay, britische Drehbuchautorin, Filmregisseurin und -produzentin (Teilnehmerin am Wettbewerb von Cannes 2011) Christoph Waltz, österreichisch-deutscher Schauspieler (Darstellerpreis 2009)

Statistik(Stand: 2013)* = ehemaliger Gewinner der Goldenen Palme Regisseur/-in Einladungen Ethan und Joel Coen* 8 Jim Jarmusch 6 Arnaud Desplechin,Paolo Sorrentino 5 James Gray,Steven Soderbergh* 4 Hirokazu Koreeda, Jia Zhangke, Roman Polanski* 3 Mahamat-Saleh Haroun, Takashi Miike, François Ozon, Alexander Payne, Nicolas Winding Refn 2 Valeria Bruni Tedeschi, Amat Escalante, Asghar Farhadi, Abdellatif Kechiche, Arnaud des Pallières, Alex van Warmerdam 1

Konkurrenten um die Goldene Palme

Das offizielle Wettbewerbsprogramm wurde am 18. April 2013 vom künstlerischen Leiter Thierry Frémaux und Festivalpräsident Gilles Jacob im Pariser Kino UGC Normandie der Öffentlichkeit vorgestellt.2013 Official selection. festival-cannes.com, 18. April 2013; abgerufen am 21. April 2013. Zugelassen für den Wettbewerb um die Goldene Palme für den besten Spielfilm waren Produktionen, die innerhalb der letzten 12 Monate vor Festivalbeginn fertiggestellt worden waren. Die eingereichten Beiträge durften vorab an keinem internationalen Festival teilgenommen haben, außerhalb ihres Ursprungslandes noch nicht kommerziell ausgewertet und nicht im Fernsehen noch Internet präsentiert werden. festival-cannes.fr; abgerufen am 23. April 2013. Laut Frémaux wurden insgesamt 1858 Langfilme für das Festival eingereicht.Jean-François Bourgeot: Cannes. In: Midi Libre, 19. April 2013 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). Jim Jarmuschs Wettbewerbsbeitrag Only Lovers Left Alive wurde am 26. April nachgereicht.Cannes 2013: Updated Selection Line-up. festival-cannes.fr; abgerufen am 27. April 2013.

Wie in den Vorjahren wurden die meisten der konkurrierenden Regiearbeiten in Europa produziert oder koproduziert (11), gefolgt von Nordamerika (sieben) und Asien (drei). Drei der eingeladenen Filmemacher konnten in der Vergangenheit den Hauptpreis der Filmfestspiele von Cannes bereits gewinnen – Joel Coen (1991 für Barton Fink), Roman Polanski (2002 für Der Pianist), mit 79 Jahren gleichzeitig der älteste vertretene Regisseur im Wettbewerb, und Steven Soderbergh (1989 für Sex, Lügen und Video), der mit der eigentlich für das US-amerikanische Fernsehen vorgesehenen Produktion Behind the Candelabra plant, seine letzte Regiearbeit vorzustellen.Adam Sherwin: Cannes Film Festival 2013 lineup: Can Steven Soderbergh win the Palme d’Or one last time?. independent.co.uk, 18. April 2013; abgerufen am 22. April 2013. Sechs Regisseure erhielten ihre erste Einladung, darunter mit dem 34-jährigen Mexikaner Amat Escalante (Heli) der jüngste Filmemacher sowie mit der italienisch-französischen Regisseurin Valeria Bruni Tedeschi (Ein Schloss in Italien) die einzige Frau im Wettbewerb. Mit dem ebenfalls zum ersten Mal um die Goldene Palme konkurrierenden Iraner Asghar Farhadi (Passé) und dem Chinesen Jia Zhangke (A Touch of Sin) sind auch zwei frühere Gewinner der Internationalen Filmfestspiele von Berlin vertreten.

Spielfilme

Eine Übersicht über die 20 Spielfilmproduktionen, die um die Goldene Palme konkurrieren.