Die Kirche in Grünhayn war ein Feldsteinbau und mehr als 400 Jahre evangelisches Gotteshaus der Menschen im ostpreußischen Kirchspiel Grünhayn, das nach 1946 Krasnaja Gorka hieß und in der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) der Russischen Föderation lag. Heute fehlt von dem Kirchengebäude jede Spur.

Geographische Lage Grünhayn ist ein erloschenes Dorf in der historischen Region Ostpreußen, dem letztlich Kampfszenen für Filmaufnahmen auf einem Truppenübungsplatz das Ende bereitet haben dürften – durch eine vollständige ZerstörungGrünhayn 1998, in: Wehlauer Heimatbrief, 60. Folge, Winter 1998/99, S. 67. Der Ort lag an einer Nebenstraße, die von Sorino (Poppendorf) an der heutigen Fernstraße R 514 in nordwestliche Richtung bis nach Ratnoje (Freudenberg) führt. Innerorts zweigte ein Landweg nach Groß Michelau (russisch: Sobolewo, nicht mehr existent) ab. Die nächsten Bahnstationen der Ortsstelle Grünhayn sind Gwardeisk (Tapiau, 7 Kilometer) und Snamensk (Wehlau, 10 Kilometer) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode), einem Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn. Die Kirche stand südwestlich der Hauptstraße.

Kirchengebäude Die Grünhayner KircheBild der Kirche in Grünhayn vor 1945 war ein verputzter FeldsteinbauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 83 mit eingezogenem Chor und wohl Nachfolgerin eines schon 1361 bestehenden Gotteshauses. Der Turm wurde erst Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Er war durch Spitzbogen- und Kreisblenden gegliedert.

Aus der Zeit des 17. Jahrhunderts stammten der reichverzierte Altar und die Kanzel sowie der geschnitzte Gutsstand. Die Glocken wurden in den Jahren 1773 und 1833 gegossen.

Kirchengemeinde Ein Kirchdorf war Grünhayn bereits in vorreformatorischer Zeit zu Beginn des 14. JahrhundertsWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen 1968, S. 475. Bereits im Jahre 1540 war hier ein lutherischer Geistlicher im Sinne der Reformation tätig. Bis 1945 gehörte das Kirchspiel Grünhayn zur Inspektion WehlauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band I, Göttingen 1968, S. 542 (heute russisch: Snamensk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte die Pfarrei 2.860 Gemeindeglieder. Das Kirchenpatronat war königlich, zuletzt staatlich.

Kirchspielorte Das weitflächige Kirchspiel der Kirche Grünhayn umfasste bis 1945 dreißig OrtschaftenWalther Hubatsch, wie oben, Band III, S. 475 (* = Schulort): Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Adamsheide Leipen Nikolskoje Baining Miguschen Dunajewka*Bergitten Milchbude Freudenberg Ratnoje *Nickelsdorf Strelnikowo Friedrichsthal Soldatowo Pelohnen Wyborgskoje *Groß Balzerischken1938–1946: Balzershof Grigorjewka *Poppendorf Sorino Groß Birkenfelde Grigorjewka Rathsgrenz Grigorjewka Groß Michelau Sobolewo *Reipen *Grünhayn Krasnaja Gorka Rockeimswalde *Grünlinde Jerschowo Rudlack Hainbuchenwerder *Schaberau Istrowka Johannenhof Schenken Krasnojarskoje Katharinenhof Schwolgehnen Keber *Sprindlack Grigorjewka Köthen Soldatowo Zargen Istrowka

Pfarrer In der Zeit von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren in Grünhayn 24 Geistliche als evangelische Pfarrer tätigFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 49: Johann Zimmermann, 1540–1571 Daniel Gabler, 1571–1592 Michael Grunau, 1593–1602 Laurentius Sperling, 1602–1640 Michael Pormann, 1623–1633 Michael Bernardi, 1633–1647 Friedrich Saccus, 1647–1660 Heinrich Preuß, 1660–1709 Paul Mirus, 1684–1695 Chr. Fr. Preys Pannonius, 1706–1723 Jacob Bülovius, 1723–1761 Johann Christoph Groß, 1761–1772 Johann Gottlieb Schudich, 1772–1807 Friedrich Ludwig Bruno, 1807–1808 Johann Samuel Heinemann, 1808–1827 Ernst Heinrich Bruno, 1827–1857 Gustav Fr. Alb. Gottschewski, 1857–1875 Anton Gustav Laudien, 1876–1878 Johann Const. W. Wedemann, 1879–1895 Carl Ludwig Wohlfeil, 1896–1911 Viktor Ulrich Chr. Krieger, 1912–1918 Karl Friedrich Wilhelm Gaser, 1918–1926 Ernst Rudolf Emil Holland, 1927–1929 Herbert Janke, 1930–1945

Literatur Grünhayn, Dorf, Kreis Wehlau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Grünhayn (meyersgaz.org) Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 98 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 252–253 (Google Books). Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 70–71 (Google Books). Ludwig Fedemir Rhesa: Kurzgefasste Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern, Königsberg 1834, S. 176–177 (Google Books).

Einzelnachweise

Gruenhayn Gruenhayn Grunhayn Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Russland Gruenhayn Kategorie:Rajon Gwardeisk Grunhayn, Ostpreussen