mini|hochkant|Wappen derer von Leipzig Leipzig, auch Leipziger, ist der Name eines alten sächsischen Adelsgeschlechts. Die Familie, die später auch in Brandenburg und Schlesien zu Besitz und Ansehen gelangte, gehört zum meißnischen Uradel. Nach einer preußischen und sächsischen Genehmigung Anfang des 20. Jahrhunderts, nannte sich die Familie von Leipziger wieder nach ihrem alten Geschlechternamen von Leipzig.Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band VII, Band 97 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn, S. 253.

Geschichte

Herkunft Erstmals urkundlich erwähnt wird die Familie im Jahre 1185 mit Burtzlaus und Albertus de Lybz, nobiles (lateinisch für „Edle“).Geheimes Staatsarchiv Dresden Leipzig, das namensgebende Stammhaus des Geschlechts, ist heute die größte Stadt im Freistaat Sachsen. Die Leipziger dürften als Ministerialen auf der dortigen markgräflich meißnischen Stadtburg gedient haben; Markgraf Otto der Reiche hatte dem Ort an der Kreuzung der Via Regia mit der Via Imperii 1165 das Stadtrecht und das Marktrecht erteilt (siehe: Geschichte der Stadt Leipzig).

Die Schreibweise des Familiennamens wechselt von Lipzke, Lipzik, Leiptzk, Leibzcigk, Leiptzigk, Leiptziger und Leipziger. Am 5. Juli 1905 zu Gjenner Föhrde erhielten die von Leipziger eine preußische Genehmigung, den alten Geschlechtsnamen von Leipzig wieder anzunehmen. Eine sächsische Genehmigung erfolgte am 23. Dezember 1905 zu Dresden und für die Wildenauer Linie am 26. Februar 1906.

Ein Teil des schriftlichen Nachlasses der Familie von Leipzig, mit einer Laufzeit von 1880 bis 1930, befindet sich im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden. Er besteht aus 29 Mappen mit Ahnentafeln, Stammbäumen, Wappensagen, Wiederherstellung des Namens von Leipzig, Privatkorrespondenz, Abschriften historischer Arbeiten zur Militärgeschichte sowie Fotografien und Faszikel.Eintrag über Leipzig(er), Familie von in Zentrale Datenbank Nachlässe

Linien und Persönlichkeiten Conrad von Leipziger erscheint im Jahre 1348 als Zeuge in einer Urkunde der Stadt Wurzen. Johann von Leipziger begleitete 1413 den Kurfürsten Rudolf von Sachsen auf das Konzil von Konstanz. Christoph von Leipziger war kursächsischer Rat und Landvogt. Er erhielt 1486 von Kurfürst Friedrich dem Weisen, wegen seiner treuen Dienste, das Ländchen Bärwalde bei Jüterbog geschenkt.Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 5, Leipzig 1864, S. 450–451.

Das Geschlecht teilte sich in zwei Linien, die Zwethau-Friedersdorfer und die Wildenauer Linie, deren vermutlicher gemeinsamer Stammvater Kaspar von Lipczik war. Kaspar erscheint 1421 in einem Lehnbrief und starb 1424.

Zwethau-Friedersdorfer Linie Aus der Zwethau-Friedersdorfer Linie kam Georgen von Leipziger auf Zwethau, kursächsischer Landrat und Vizehofrichter zu Wittenberg. Er ehelichte Maria von Scheiding. Heinrich von Leipzig, kursächsischer Amtshauptmann zu Torgau und Liebenwerda war mit der gleichnamigen Maria von Scheiding aus dem Haus Schenkenberg vermählt.

Hans Heinrich von Leipziger auf Zwethau und Friedersdorf (heute Ortsteil von Herzberg), der Sohn von Peter von Leipziger († 1597) und dessen Frau Anna von Rungen aus dem Haus Triestewitz, wurde kurfürstlich sächsischer Beisitzer des Hofgerichts zu Wittenberg. Seine beiden Söhne, Wolf Christoph und George Friedrich aus der Ehe mit Anna von der Droessel, teilten die Zwethau-Friedersdorfer Linie in die Äste zu Zwethau und Friedersdorf.Jahrbuch des Deutschen Adels, Band 2, Hrsg. DAG, Berlin 1898, S. 392–402.

Ast zu Zwethau Wolf Christoph von Leipziger (1607–1664) war der Stifter des Astes zu Zwethau. Sein Enkel Christoph Heinrich von Leipziger auf Zwethau und der Mahla (* 1678), der Sohn von Balthasar Hieronymus von Leipziger (1644–1731) und seiner Frau Katharina Margarethe, eine geborene von Berbisdorf aus dem Haus Mittelseyda, wurde kurfürstlich sächsischer Kammerherr und Stallmeister. Er starb 1749 als Amtshauptmann zu Torgau. Christoph Heinrich war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Johanne Elenore von Loß († 1718), Hofdame der Königin Christiane Eberhardine von Polen, und in zweiter Ehe mit Henriette Friederike von Erdmannsdorff († 1751), Hoffräulein der Königin. Sein Erbe und Nachfolger wurde Karl Heinrich von Leipziger auf Zwethau (1718–1761), ein Sohn aus erster Ehe. Er war zunächst Rittmeister in der kurfürstlich sächsischen Garde du Corps und später wie schon sein Vater kursächsischer Stallmeister. Karl Heinrich heiratete 1749 in Tobertitz Christiane Charlotte von Tettau. Ihr gemeinsamer Sohn August Wilhelm Gotthelf von Leipziger (1753–1816) war königlich sächsischer geheimer Finanzrat und Kammerjunker.

Der Sohn Christian Heinrich August von August Wilhelm Gotthelf aus seiner ersten 1783 geschlossenen Ehe mit Josepha Karoline Elisabeth Freiin von Wiese (1762–1796) wurde 1784 in Dresden geboren. Er trat in königlich preußische Staatsdienste und wurde geheimer Justiz- und Oberappellationsgerichtsrat. Er arbeitete als Richter im Konvent für die preußische Provinz Sachsen und wurde Rechtsritter des Johanniterordens. Christian Heinrich August von Leipziger starb am 14. Mai 1860 in Naumburg. Aus seiner 1809 zu Parchen geschlossenen Ehe mit Auguste Wilhelmine Antoinette von Byern (1786–1863) gingen die vier Söhne Heinrich Adolf, Heinrich August Eduard, Heinrich Alfred Hugo und Rudolf Heinrich Arthur hervor.

Der älteste Sohn Heinrich Adolf von Leipziger (* 1811) wurde königlich preußischer Appellationsgerichtsrat und starb 1887 als Hauptmann a. D. in Kösen. Von seinen vier Söhnen aus der Ehe mit Laura von Stangen (1829–1888) starben die beiden erstgeborenen noch vor ihren Eltern, von den beiden nachgeborenen wurde Heinrich Erdmann Arndt (1858–1921) preußischer Generalleutnant. Heinrich August Eduard von Leipziger (1818–1851), der zweitälteste Sohn von Christian Heinrich August, wurde preußischer Sekondeleutnant und Bataillonsadjutant im 31. Infanterie-Regiment. Er heiratete 1845 Emma von Suckow († 1848) und hatte zwei Söhne. Der jüngere Sohn Wolf wurde nur fünf Jahre alt, der ältere Kurt (* 1846) starb 1866 als Seekadett in New York. Heinrich Alfred Hugo von Leipziger (* 1822), der dritte Sohn von Christian Heinrich August, trat in herzoglich sachsen-altenburger Dienste und wurde Wirklicher Geheimer Rat und Staatsminister sowie Rechtsritter des Johanniterordens. Aus seiner 1854 geschlossenen Ehe Marie Wilhelmine Gasparine von und zu Mannsbach ging Sohn Heinrich August Erich von Leipziger hervor, welcher als Oberst Militärattaché des Osmanischen Reiches wurde, und 1905 die Erlaubnis erhielt den Namen von Leipzig zu tragen. Der jüngste der vier Brüder Rudolf Heinrich Arthur von Leipziger (1829–1892) wurde preußischer Generalmajor. Er war zuletzt Kommandeur der 31. Infanterie-Brigade. Seine 1869 zu Potsdam geschlossene Ehe mit Auguste Hedwig Freiin Hiller von Gärtringen (* 1845) blieb kinderlos.

Ast zu Friedersdorf George Friedrich von Leipziger auf Friedersdorf und Klitzschen († 1667), der Bruder von Wolf Christoph, war der Stifter des Astes zu Friedersdorf. Er heiratete Elisabeth von Bünau aus dem Haus Prößdorf. Ihr Enkel Heinrich Siegfried von Leipziger (1680–1747), der Sohn von Georg Heinrich von Leipziger (1648–1704) und dessen Frau aus erster Ehe Martha Elisabeth von Karas aus dem Haus Grossen, stand als Kammerjunker in fürstlich schwarzburg-sondershausener Diensten. Friedrich Wilhelm Kurt von Leipziger auf Kropstädt, Jahmo, Weddin, Assau und Boßdorf (heute Ortsteile von Lutherstadt Wittenberg) sowie Ließnitz und Wüstemark (heute Ortsteile von Kropstädt) (* 1761), ein Enkel von Heinrich Siegfried und Sohn des königlich sächsischen Oberforst- und Wildmeisters Friedriech Adolf von Leipziger (1724–1760), starb 1824 als königlich preußischer Landrat des Landkreises Wittenberg. Er heiratete 1788 Sophie Friederike Charlotte von Krosigk (1762–1801). Das Paar hinterließ zwei Söhne und eine Tochter.

mini|Schloss Kropstädt mini|Schloss Kropstädt um 1860/61, Sammlung Alexander Duncker

Der älteste Sohn Karl Heinrich Adolf von Leipziger auf Kropstädt, Jahmo, Weddin, Assau, Boßdorf, Ließnitz und Wüstemark (1789–1851) war königlich sächsischer Kreisoberforstmeister zu Schneeberg. Seine einzige Tochter Clara von Leipziger (1823–1885) heiratete 1842 den königlich sächsischen Geheimrat und Präsidenten des evangelischen Landeskonsistoriums Eduard Freiherr von Könneritz. Ihr jüngerer Bruder Kurt von Leipziger (1835–1893) wurde königlich sächsischer Kammerherr. Er hinterließ aus seiner 1865 geschlossenen Ehe zwei Töchter und einen Sohn, Heinrich. Seine Frau Anna Amalie Karoline Brandt von Lindau erhielt als Witwe am 5. Januar 1906 eine Eintragung in das königlich sächsische Adelsbuch unter der Nummer 238. Karl Heinrich Adolfs Nachfolger und Erbe wurde Friedrich Adolf Karl von Leipziger (1821–1872), sein ältester Sohn aus erster Ehe mit Isidore von Burgsdorff († 1832). Friedrich Adolf Karl wurde Kreisdeputierter und diente als Leutnant in der königlich hannoverischen Garde du Corps. 1855 und 1856 ließ er nach Plänen des Berliner Architekten Friedrich Hitzig das Schloss Kropstädt im neogotischen Stil errichten. An seiner Stelle stand 1150 die Wasserburg Liesnitz. Heute beherbergt es ein Hotel. Friedrich Adolf Karl hinterließ nach zwei Ehen drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Der einzige Sohn aus seiner ersten Ehe mit Marie Therese von Könneritz, Karl von Leipziger (1848–1924), war von 1893 bis 1898 Mitglied des Reichstages für die Deutschkonservative Partei. 1900 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1918 angehörte. Von seinen beiden Schwestern heiratete Isidore Clara Auguste von Leipziger 1881 den königlich preußischen Kammerjunker und Schriftsteller Victor Amadeus Adolf Graf von Westarp und Wanda Clara Felicie von Leipziger in erster Ehe Ludwig Max Joseph von Ziegler und Klipphausen, preußischer Oberst und Kommandeur des 2. Schlesischen Husaren-Regiments und in zweiter Ehe den königlich sächsischen Leutnant Albert Gustav Emil von Prollius.

Georg Adolf Moritz von Leipziger auf Niemegk (1795–1865), der zweitälteste Sohn von Friedrich Wilhelm Kurt und Bruder von Karl Heinrich Adolf, wurde 1822 kommissarischer Landrat des Landkreises Bitterfeld. Ein Amt, das er 1823 endgültig übernahm und bis zu seinem Tod ausübte. 1847 wurde er Mitglied des Vereinigten Landtages und war von 1850 bis 1861 auch Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses sowie Ehrenritter des Johanniterordens. Georg Adolf Moritz heiratete 1824 in Merseburg Thekla Adolfine von Selmnitz (1801–1857). Sie waren die Eltern von Adolf Hilmar von Leipziger auf Niemegk (* 1825), der 1854 Landrat des Landkreises Oschersleben, 1864 Polizeipräsident von Königsberg, 1869 Landdrost in Hannover und 1872 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Aachen wurde. Im Oktober 1882 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Titel Exzellenz ernannt. Von 1878 bis 1888 war er Oberpräsident der preußischen Provinz Hannover und 1888 Oberpräsident der Provinz Westpreußen. Er heiratete 1853 in Halle Amalie Louise Franziska (Fanny) von Funcke und hinterließ zwei Töchter und einen Sohn. Sein jüngerer Bruder Wilhelm Ernst von Leipziger (* 1837) starb 1903 als preußischer General der Kavallerie und Gouverneur von Köln. Aus seiner 1869 geschlossenen Ehe mit Charlotte Friederike Louise von Wyschetzki ging ein Sohn und eine Tochter hervor. Beide Brüder hatten noch vier Schwestern, von denen Karoline Thekla von Leipziger mit dem preußischen General der Kavallerie Hermann von Guretzky-Cornitz (1828–1892) verheiratet war.