mini|Denkmal Carl Klinke von Wilhelm Wandschneider in Berlin-Spandau Carl Klinke (;Johannes Kunstmann: Klinka, Karlo. In: Jan Šołta, Pětr Kunze, Franc Šěn (Hrsg.): Nowy biografiski słownik k stawiznam a kulturje Serbow [Neues biografisches Wörterbuch zur Geschichte und Kultur der Sorben]. Ludowe nakładnistwo Domowina, Budyšin [Bautzen] 1984, S. 255 * 15. Juni 1840 in Bohsdorf-Vorwerk bei Spremberg, Niederlausitz; † 18. April 1864 bei Düppel) war ein preußischer Soldat (Pionier).
Während der Schlacht an den Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg soll Carl Klinke, mit einem 30 Pfund schweren Pulversack beladen, gegen das dänische Bollwerk der Schanze II gelaufen sein, ein Loch in die Palisadenwand und damit sich selbst in die Luft gesprengt haben. Es wird überliefert, er habe dabei gerufen: „Ick bin Klinke. Ick öffne dit Tor.“ Im Nachhinein wurde diese Attacke als entscheidend für die Schlacht und damit den Deutsch-Dänischen Krieg hochstilisiert und Carl Klinke als Held und deutscher Winkelried über viele Jahrzehnte verehrt.
Kindheit und Jugend Carl Klinke wurde in Bohsdorf-Vorwerk, dem Vorwerk des kleinen sorbischen Heidedorfes Bohsdorf, als Sohn der verwitweten Marie Klinke, geb. Nagork, und eines unbekannten Vaters geboren und sechs Tage später in der Kirche von Hornow getauft. Sein Taufname war „Carl“, er wurde später jedoch oft mit „K“ geschrieben. Die Vorfahren des verstorbenen Ehemannes seiner Mutter, Mathey Klinke, lebten schon seit mehreren Generationen als Häusler in Bohsdorf. Seine Mutter heiratete im Juni 1843 Johann Mettke, der somit sein Stiefvater wurde. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen und besaß nur etwa 10 Morgen Land.
Am 13. April 1845 wurde Carl mit fast sechs Jahren eingeschult und war nach den Eintragungen in den Schulbüchern in seinen ersten Schuljahren zuweilen recht wild. Ehemalige Schulfreunde, die 1914 vor dem 50. Jahrestag der Schlacht über ihn befragt wurden, schildern ihn als anstellig, willig, fleißig und dienstbereit.
Auch wenn Carl sicher seit frühester Kindheit in der Landwirtschaft mitgearbeitet hat, reichten die wenigen Äcker nicht zur Ernährung der Familie, und so ging er nach dem Ende der Volksschule in die nahe gelegene Braunkohlegrube „Felix“ arbeiten, um zum Familienunterhalt beizutragen. Zu diesen Zeiten wurde Braunkohle in der Niederlausitz noch unter Tage und nicht wie heute nur im Tagebau gefördert. Wie alte Leute in seinem Heimatdorf zu berichten wussten, hat es Carl wohl nicht an Mut gefehlt, und er sei als Bergzimmermann bei Rettungsarbeiten mit dem Hintansetzen seines Lebens stets der Erste gewesen. Inwieweit diese Einschätzung erst nachträglich durch seinen späteren Heldenmythos geprägt wurde, ist heute nicht mehr sicher zu beurteilen.
Heirat und Militärdienst
Als Einundzwanzigjähriger heiratete er die gleichaltrige Marie Britze (26. September 1840–6. September 1885), zweite Tochter des „Ausgedingers“ Hannes Britze (1799–1876) und der Trina geb. Schatter (1798–1879) aus Sergen (heute zu Neuhausen/Spree), nur wenige Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Johanne Christiane am 30. November. Die Klinkes bewohnten ein kleines Holzhaus, das später von Carl Klinkes Witwe verkauft wurde, als sie fortzog, und heute durch ein märkisches Backstein-Kleinbauernhaus an gleicher Stelle ersetzt ist, an dem bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gedenktafel hing.
Carl Klinkes Größe wurde mit fünf Fuß, sechs Zoll (also 1,73 m) angegeben. Bei der Generalstellung in Spremberg 1861 wurde er zunächst ausgemustert (womöglich wegen seiner Rolle als einziger Ernährer und werdender Vater) und als Ersatzreserve bestimmt. Der Vorsitzende suchte aber noch einen Bergmann aus den Untauglichen, sodass Klinke als Pionier ausgehoben wurde.
Am 27. Oktober 1861 wurde der „an Leib und Seele gesunde“ Carl Klinke zur 4. Kompanie des Pionierbataillons Nr. 3 von Rauch (1. Brandenburgisches) nach Torgau einberufen, durfte aber zumindest zur Taufe seiner Tochter an Weihnachten nach Hause kommen.
Am 4. Oktober 1863 kehrte Carl Klinke nach zweijähriger Dienstzeit in sein Heimatdorf zurück, musste aber am 21. Dezember wieder einrücken, da Preußen mobil machte. Sein Pionierbataillon lag inzwischen in Spandau. Zu diesem Zeitpunkt war seine Frau erneut schwanger. Als sie am 29. Juli 1864 ein Mädchen zur Welt brachte, war ihr Mann gefallen und der Held von Düppel.
Die ersten Wochen des Krieges
Im Deutsch-Dänischen Krieg wurden die preußischen Truppen mit der Eisenbahn in die Aufmarschräume transportiert, wahrscheinlich auch Carl Klinkes Pionierbataillon Nr. 3, das nach Holstein verlegt wurde. Oberbefehlshaber der preußischen und österreichischen Truppen des Deutschen Bundes war der damals bereits achtzigjährige preußische Generalfeldmarschall Friedrich Heinrich Ernst Freiherr von Wrangel. Das 1. Armeekorps, zu dem auch Klinkes Bataillon gehörte, wurde vom General der Kavallerie Friedrich Karl Nikolaus von Preußen angeführt.
Am 1. Februar um sieben Uhr sollte das erste Korps mit dem Vormarsch auf Missunde beginnen und dort möglicherweise den Übergang über die Schlei erzwingen, jedenfalls aber die Stärke der Verteidigung der dänischen Schanzen mit ihrer Artillerie erkunden. Im Falle eines gelungenen Schleiübergangs hätte das 1. Korps dann die dänischen Truppen in ihrer befestigten Verteidigungsstellung, dem Danewerk, umgehen und sie mit den aus dem Raum Rendsburg auf die Befestigungsanlagen des Danewerks vorrückenden Österreichern in die Zange nehmen können, indem man so von Osten her in den Rücken der dänischen Truppen am Danewerk, also westlich von Schleswig, gelangte und ihnen den Nachschub aus Norden bzw. die Rückzugsmöglichkeiten dorthin abschnitt. Hierbei gab es zum ersten Mal eine Aufgabe für die 4. Kompanie des Pionierbataillons, denn als die 11. Brigade kämpfend bis zur Ornumer Mühle vorgedrungen war, fand sie die dortige Brücke abgebrochen vor.
Unter dem Kommando von Lieutenant Seling wurde sie innerhalb einer halben Stunde neu aufgebaut. Es ist anzunehmen, dass Carl Klinke daran beteiligt war, da einige seiner Vorgesetzten, so der Feldwebel Fischer, Sergeant Mendel und Unteroffizier Lademann, dafür Orden erhalten haben: Lieutenant Seling bekam den Roten Adlerorden IV. Klasse mit Schwertern, die übrigen das Militär-Ehrenzeichen II. Klasse.
Der Angriff auf die Missunder Schanzen am 2. Februar wurde von den dänischen Truppen abgewehrt, daher ließ – nach Darstellung des preußischen Generalstabs – Prinz Friedrich Karl den Angriff abbrechen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Der Übergang in das von der dänischen Armee bisher noch gehaltene Angeln, und damit in den Rücken der dänischen Hauptstreitkräfte, glückte dann am 6. Februar bei Arnis, wo den preußischen Truppen ein Brückenschlag über die Schlei gelang. Auch an diesem Brückenschlag mittels einer 800 Fuß (250 m) langen Pontonbrücke hatte das Pionierbataillon Nr. 3 von Rauch einen großen Anteil.
Vorbereitungen zur Erstürmung der Düppeler Schanzen Die Düppeler Schanzen sicherten den Brückenkopf am Übergang zur Insel Alsen und zu der Stadt Sonderburg. Die Halbinsel Sundewitt steigt nach Osten allmählich an, erreicht bei der Düppeler Mühle den höchsten Punkt (dänisch: Dybbøl Banke, 68 m) und fällt zum Alsensund wieder ab. Das Festungswerk bestand aus zehn Schanzen mit insgesamt 124 Geschützen. Die Verteidigungslinie begann im Süden am Wenningbund (einem Teil der Flensburger Förde) mit Schanze I und endete vor dem Abfall zum Alsensund mit Schanze X. mini|Nachbildung der Schanzenanlagen im Museum „Historiecenter Dybbøl Banke“ in Dybbøl
Sieben Schanzen waren rundum räumlich geschlossen, in diesen befand sich auch mindestens ein Blockhaus, aus dicken Eichenbalken zum Schutz vor feindlichen Waffen gefertigt. Drei kleinere Schanzen waren nach hinten offen. Die dänischen Soldaten hatten vor den Schanzen alle Häuser, Bodenwellen und mögliche Deckungen beseitigt und so ein übersichtliches Schussfeld geschaffen. Die Schanzen hatten
In wochenlangen, meist nachts ausgeführten Schanzarbeiten, dabei meist bis zu den Knien im schlammigen Lehm stehend, hatten sich die preußischen Pioniere und Infanteristen durch das Anlegen von Laufgräben und sogenannten „Parallelen“ bis auf 200 m an die dänischen Stellungen herangearbeitet. Die Arbeiten begannen am 29. März mit dem Anlegen der ersten Parallele, daraufhin folgte in der Nacht vom 7. zum 8. April die Anlage einer weiteren, später „Halbparallele“ genannt.
Die zweite (bzw. dritte) Parallele wurde in der Nacht vom 10. zum 11. April durch Hauptmann Daun mit drei Offizieren und 106 Mann der 4. Kompanie des Pionierbataillons Nr. 3 sowie 16 Offizieren und 510 Mann des 2. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 24 bis sechs Uhr morgens gebaut. Es herrschte starker Nebel, was das Vorhaben sicher begünstigte, aber es gab auch Vorpostengeplänkel. Hier dürfte Carl Klinke dabei gewesen sein und seine Feuertaufe erhalten haben. Zwei dänische Kompanien gingen gegen 5 Uhr morgens von der Schanze II aus gegen die im Bau befindliche Parallele vor. An dem Feuergefecht beteiligten sich auch die zum Ausheben der Parallele eingesetzten Pioniere und Infanteristen. Es gelang, die gegnerischen Truppen zurückzuschlagen und weiterzuarbeiten. Am 13. April erreichte der Graben eine Sohlenbreite von 6 m.
Auf Empfehlung des Königs wurden die Vorbereitungsarbeiten zur Erstürmung der Schanzen in der Nacht des 15. auf den 16. April mit der Fertigstellung einer dritten bzw. vierten Parallele vollendet. Nun war der rechte Flügel der Preußen noch 300 m von der Schanze II und der linke 220 m von Schanze V entfernt. Ursprünglich war der Sturm schon für den 14. vorgesehen, aber dann wurde von Prinz Friedrich Karl der 18. April 1864 für den Angriff bestimmt.
Der Sturm auf die Schanze II
Am 18. April um vier Uhr wurde das bisher schon intensive Belagerungsfeuer der preußischen Artillerie aus 102 Geschützen auf die höchstmögliche Schussfolge gesteigert: „Trommelfeuer“ nannte man das später. Den Dänen waren die Vorbereitungen natürlich nicht verborgen geblieben; noch in der Nacht waren ihre Truppen in die Verteidigungsstellungen eingerückt. Aber wegen des anhaltenden Trommelfeuers kehrten die Infanteriebesatzungen und die Reserven aus den Schanzen in ihre rückwärtigen Stellungen zurück. Nur die in den Laufgräben befindliche Infanterie und die Artilleriebesatzungen der vorderen Linie harrten an ihren Plätzen aus.
Um Punkt 10 Uhr verstummte das Artilleriefeuer, und die sechs Sturmkolonnen griffen an, erst schweigend, dann mit lautem „Hurra“, begleitet von den Klängen des Düppeler-Schanzen-Marschs. Die Musikkorps der Regimenter Nr. 8, 18, 35 und 60, insgesamt 300 Musiker, waren unter Leitung des Musikdirektors Gottfried Piefke in der zweiten Parallele aufgestellt worden und spielten Marschmusik zur Schlacht. Piefke hatte anlässlich dieses Einsatzes den Düppeler-Schanzen-Marsch komponiert. Dieser Musikeinsatz zur Unterstützung der Truppen und Steigerung der Moral war damals noch eine gebräuchliche Maßnahme, wurde aber dann im Deutschen Krieg 1866 letztmals in großen Schlachten eingesetzt.
Um 10.06 Uhr hatten die preußischen Truppen bereits die Schanzen VI, III, V und I erstürmt und auf deren Brustwehr die schwarz-weißen Fahnen Preußens aufgepflanzt. Der Kampf um Schanze II war einer der erbittertsten des Tages. Auf dänischer Seite hatte Leutnant Johan AnckerLøjtnant Ancher, 1823-1876 - Ancher - Ancker - Anker. In: bornholmerneshistorie.dk (dänisch). (bei Fontane steht: „Anker“), der von vielen als heldenmütiger Verteidiger geschildert wurde, seine Infanteristen heranziehen können und seine Geschütze feuerten ständig. So ging auf die Angreifer, die in Schützenlinie in schnellem Lauf die 400 m bis zur Schanze zurücklegten, ein verheerendes Kartätschen- und Gewehrfeuer nieder.