mini|hochkant=1.4|Die Kernstadt von Langenburg mini|Bächlingen von Schloss Langenburg aus gesehen
Langenburg ist eine Stadt im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs in der Region Hohenlohe und gehört zum Landkreis Schwäbisch Hall. Mit unter 1800 Einwohnern ist Langenburg die kleinste Stadt des Landes Baden-Württemberg (Stand Ende 2024).
Urkundlich erwähnt wurde die Stadt erstmals 1226. Von 1568 bis zur Mediatisierung 1806 war Langenburg die Residenzstadt der Grafschaft und des späteren Fürstentums Hohenlohe-Langenburg.
Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet Langenburgs liegt in Luftlinie ca. 47 km ostnordöstlich von Heilbronn inmitten Hohenlohes in einer Höhe zwischen etwas unter 280 und etwas über überwiegend rechtsseits der Jagst, eines rechten Nebenflusses des Neckars.
Das zentrale Städtchen selbst sitzt rund 150 Meter über dem Talgrund der tief in den Muschelkalk eingeschnittenen Jagst auf einem Bergsporn über einer westlichen Talschlinge des Flusses auf etwa 410–.
Stadtgliederung
Zur Stadt Langenburg mit der ehemals selbstständigen Gemeinde Bächlingen gehören neben der Kernstadt Langenburg elf weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 487–491
Zur Stadt Langenburg im Gebietsstand vom 31. Januar 1972 gehören die Kernstadt Langenburg, die Weiler Atzenrod, Ludwigsruhe, Oberregenbach und Unterregenbach, der Wohnplatz KönigsmühleKönigsmühle im Historischen Ortslexikon bei LEO BW und das Gehöft Neuhof sowie abgegangenen Ortschaften Eichholz, Falkenstein (Burg),Falkenstein - Wüstung, im Historischen Ortslexikon bei LEO BW Ilgenbach, Lindenbronn, Oberrakkoldshausen und Reissenbronn (Reisach).
Zur ehemaligen Gemeinde Bächlingen gehören die Dörfer Bächlingen und Nesselbach, der aufgegangene Ort Hürden,Hürden - Aufgegangen, im Historischen Ortslexikon bei LEO BW die Wohnplätze GroßhürdenGroßhürden im Historischen Ortslexikon bei LEO BW und Kleinhürden,Kleinhürden im Historischen Ortslexikon bei LEO BW das Haus Herrenmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Aloswiler (auch Adlatzweiler und Adelodsweiler),Adeloldsweiler - Wüstung, im Historischen Ortslexikon bei LEO BWBeschreibung des Oberamts Kuenzelsau II Seite 665 bei Wikisource Katzenstein (Burg Katzenstein) und Maisenbrunnen.
Flächenaufteilung
Von Nord nach Süd erstreckt sich das Gebiet Langenburgs maximal 7,4 Kilometer weit, von West nach Ost maximal 6,3 Kilometer.Gemessen auf Geodatenzentrum.de Die Fläche des Stadtgebiets einschließlich der Stadtteile umfasst 31,4 km², die sich wie folgt zusammensetzen.
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Langenburg.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Norden an die Gemeinde Blaufelden, im Osten an die Stadt Gerabronn, im Süden an die Stadt Ilshofen (Stadtteil Obersteinach), im Westen an die Gemeinde Braunsbach und im Nordwesten an Künzelsau, die Kreisstadt des Hohenlohekreises und die Gemeinde Mulfingen (ebenfalls Hohenlohekreis).
Geschichte
Frühe Geschichte Eine vorgeschichtliche Besiedlung des Bergrückens, auf dem Langenburg liegt, ist zwar wahrscheinlich, aber nicht belegt. Ab 500 v. Chr. zogen Kelten in die Region und errichteten Viereckschanzen, so auch eine Anlage zwei Kilometer östlich des heutigen Stadtgebietes. Diese Schanze wird durch Scherbenfunde von Schalen mit eingewölbtem Rand, Töpfen mit Kammstrichverzierung und Resten eines Graphittongefäßes in die spätkeltische La-Tène-Zeit datiert. Vermutet wird, dass es sich um einen Herrenhof mit zentralen Funktionen der Macht, des Kultes und des Gerichts gehandelt haben könnte. Im heutigen Ortsteil Unterregenbach, drei Kilometer nördlich im Jagsttal gelegen, ist ein Herrensitz mit Wohnturm nachweisbar.
Die Geschichte der Stadt Langenburg beginnt mit der Gründung einer Höhenburg auf einem nach Westen vorgeschobenen Bergsporn, dem Langenberg. Vermutet wird, dass ein Geschlecht von Edelfreien bereits vor 1200 seinen Sitz von Unterregenbach an den strategisch günstigeren Ort verlegte. In der Folge benannte sich das Geschlecht nach seinem Sitz. Burg und Stadt Langenburg wurden 1226 zum ersten Mal als Langenberg Castrum et oppidum in einer Urkunde des Bischofs von Würzburg erwähnt.Langenburg.de: Blick in die Geschichte In dieser Zeit standen außerhalb der Burg vermutlich nur wenige Häuser, deren Bewohner sich hier zur Versorgung des Burgherren ansiedelten. Eine Kirche gab es in dem Ort nicht, bis 1556 war Langenburg nach Bächlingen eingepfarrt. Befestigt war der Ort durch einen Haag (Gartenzaun, HeckeVgl. den Eintrag Hag im Duden), der aus starken Baumästen, Reisigbüscheln und Stangen bestand.Rudolf und Ingaruth Schlauch: Langenburg – Herz im Hohenloher Land. Gerabronn 1971, ISBN 3-87354-031-2, S. 11
Die freien Herren von Langenburg, die mit dem Jahr 1201 in die Geschichte eintraten, aber schon 1253 ausstarben, standen mit den Herren von Hohenlohe in naher, wahrscheinlich verwandtschaftlicher Beziehung. Die Hohenloher traten nach Aussterben der Langenburger deren Erbe an. So kam der Ort zu Hohenlohe und teilte in den folgenden Jahrhunderten das Schicksal des Fürstentums. Wie in anderen hohenlohischen Amtssitzen bildete sich auch hier eine eingeschränkte kommunale Selbstverwaltung aus. In den Jahren 1499 bis 1502 ließ Graf Kraft VI. von Hohenlohe durch Baumeister Hanns Schramm ein erstes Gotteshaus in Langenburg bauen, die Heilig-Blut-Kapelle, welche Keimzelle der heutigen Kirche ist.Pro-region.de: (PDF-Datei; 10 kB) Pfarrsitz blieb jedoch weiter Bächlingen.
Im Dezember 1507 wird von Schießereien in Langenburg berichtet, die mit Conz Schott von Schottenstein in Verbindung gebracht werden.
mini|Langenburg, Kupferstich von Matthäus Merian um 1650 1568 wurde Langenburg Residenzstadt der Grafschaft und des späteren Fürstentums Hohenlohe-Langenburg, als Graf Wolfgang (1546–1610) seine Hofhaltung in die Burg verlegte, die vorher nur Sitz eines Vogtes war. Unter seinem Nachfolger Graf Philipp Ernst von Hohenlohe (1584–1628) setzte in der Stadt eine rege Bautätigkeit ein. So wurden die heute noch fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit Tor und Torturm sowie Amts- und Bürgerhäuser errichtet. Obwohl das regierende Haus Hohenlohe in mehrere Linien zersplittert war, wurde in der gesamten historischen Landschaft Hohenlohe von den Landesherren bis 1556 die Reformation eingeführt. Von 1576 bis zur Mediatisierung der Grafschaft Hohenlohe 1806 gab es in Langenburg eine Hofprädikatur, mit der das Amt des Stadtpfarrers und von 1579 an auch das Amt des Superintendenten verbunden war. Noch vor dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg aus dem 12. Jahrhundert unter Graf Philipp Ernst in das Schloss Langenburg im Stil der Renaissance umgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Langenburg durch kaiserliche Truppen schwer verwüstet.
Im Jahr 1672 wurden zwei Frauen, Elisabeth Schmieg aus Hürden und Barbara Schleicher aus Atzenrod, unter maßgeblicher Beteiligung des örtlichen Rats und Kanzleidirektors Tobias Ulrich von Gülchen, unter anderem wegen Hexerei und Giftmords vom Centgericht in Langenburg verurteilt und am 8. November auf dem Galgenberg bei Langenburg erdrosselt und verbrannt.Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein La 5 Bü 529: Verhaftung, Verhör und Verurteilung der Elisabeth Schmieg zu Hürden wegen Hexerei.Thomas Robisheaux: The Last Witch of Langenburg: Murder in a German Village. W.W. Norton & Company, New York / London. (1. Auflage 2009; ISBN 978-0393349689)
Die Stadt gehörte zwischen 1500 und 1806 wie ganz Hohenlohe zum Fränkischen Reichskreis. mini|Langenburger Bahnhof, um 1900
Württembergische Zeit 1806 fiel Langenburg an das Königreich Württemberg und gehörte ab 1811 zum Oberamt Gerabronn.
Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts bemühte sich die Stadt um einen Bahnanschluss. Mehrere Anläufe, etwa im Rahmen der Planung der Eisenbahnlinie Heilbronn–Nürnberg oder der Taubertalbahn Bad Mergentheim–Aalen, an das Hauptschienennetz der Württembergischen Staatsbahnen angeschlossen zu werden, scheiterten jedoch. 1892 begannen die Planungen für eine 12 km lange Nebenstrecke, die von Langenburg nach Blaufelden führen sollte. Die dafür erforderlichen Finanzmittel wurden am 30. Juni 1898 freigegeben, so dass im Mai 1899 mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Die Bahnhofsgebäude von Langenburg und Ludwigsruhe entstanden als Einheitsbahnhöfe vom Typ IIIa respektive IIa. Neun Monate später, am Montag, dem 22. Januar 1900, wurde die Strecke schließlich freigegeben. Bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke im Jahre 1996 war die Stadt so über eine Bahnstrecke nach Blaufelden an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Der Personenverkehr auf der Strecke wurde bereits 1963 eingestellt.
Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Crailsheim.
Im Zweiten Weltkrieg blieb Langenburg im Gegensatz zu umliegenden Ortschaften von Kampfhandlungen verschont. Dass wenige Wochen vor Kriegsende im Schloss ein Lazarett eingerichtet wurde, dürfte wesentlich dazu beigetragen haben.
Nachkriegszeit 1945 fiel Langenburg in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden. Mit der Gründung Baden-Württembergs 1952 wurde Langenburg Bestandteil des jetzigen Bundeslandes.
1963 wurde das Schloss bei einem Brand schwer beschädigt. Am 1. Februar 1972 wurde die zuvor selbstständige Gemeinde Bächlingen nach Langenburg eingemeindet. Mit der Kreisreform 1973 kam Langenburg am 1. Januar 1973 vom Landkreis Crailsheim, der aufgelöst wurde, zum Landkreis Schwäbisch Hall.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen bis 1961 sind Schätzungen, danach handelt es sich um amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Mit durchschnittlich 57 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt Langenburg weit unter dem Landesdurchschnitt von Baden-Württemberg, der vom Statistischen Landesamt mit 301 Einwohnern je km² angegeben wird. In Langenburg (mit Atzenrod, Ludwigsruhe und Neuhof) leben 1307 Einwohner, in Ober- und Unterregenbach 134, in Bächlingen (mit Hürden) 200 sowie in Nesselbach 110.Stadt Langenburg: Strukturdaten. Eingesehen am 16. Juli 2013.
Jahr 1933 1939 1961 1971 1981 1991 2001 2011 Einwohner 1174 1088 2084 2100 1833 1922 1848 1739
Religionen In der Stadt Langenburg wurde durch die Fürsten von Hohenlohe die Reformation eingeführt. Die Stadt wurde Sitz eines Superintendenten. Nach dem Übergang an Württemberg wurde Langenburg Sitz eines Dekanats der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Mit Wirkung vom 1. Januar 1976 wurde das Dekanat bzw. der Kirchenbezirk Langenburg mit dem benachbarten Kirchenbezirk Blaufelden vereinigt. Seither gehört die Kirchengemeinde Langenburg mit ihren drei Kirchorten Bächlingen, Langenburg und Unterregenbach zum Kirchenbezirk Blaufelden.
Die katholische Kirchengemeinde Langenburg ist dem Pfarramt Gerabronn zugeordnet.
Politik Gemeinderat mini|Rathaus Langenburg In Langenburg wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. 2024 besteht der Gemeinderat aus 13 Personen, darunter drei Frauen. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart