mini|hochkant=1.6|Schloss Ahrensburg, Blick von Norden auf die Eingangsfassade mini|hochkant|Blick von Südosten auf die Gartenfassade, im Vordergrund der äußere Schlossgraben Das Schloss Ahrensburg befindet sich in der nach dem Schlossbezirk benannten Stadt Ahrensburg im südlichen Schleswig-Holstein, etwa 30 Kilometer nordöstlich des Hamburger Stadtzentrums. Das kleine Wasserschloss ist eigentlich ein Herrenhaus und war als solches einst Mittelpunkt eines adligen Gutes. Als Schloss wird das Gebäude jedoch schon seit dem 18. Jahrhundert bezeichnet.Die Bezeichnung Schloss war in Schleswig-Holstein (und Mecklenburg) allein landesherrlichen oder bischöflichen Sitzen vorbehalten.
Das Schloss ist eines der Hauptwerke der Renaissancearchitektur in Schleswig-Holstein. Es gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Bundeslandes und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum Schlossareal gehören neben dem Herrenhaus die einstige Gutskapelle mit ihren sogenannten Gottesbuden sowie ein im Stil Englischer Landschaftsgärten gestalteter Schlosspark.
Nutzung mini|Brücke zur Schlossinsel, im Hintergrund das Ahrensburger Schloss mini|Löwen an der Zugangsbrücke zum Schloss
Der ursprünglich mit einfachen Befestigungsanlagen geschützte Renaissancebau befand sich seit dem 16. Jahrhundert im Besitz verschiedener Linien der dem Holsteiner Uradel angehörenden Familie Rantzau. Nach einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs gelangten Gut und Schloss Ahrensburg im 18. Jahrhundert in den Besitz der in den Adelsstand erhobenen Familie Schimmelmann, unter der das Herrenhaus zu einem aufwendigen Landsitz umgestaltet wurde. Die Schimmelmanns verblieben über mehrere Generationen in Ahrensburg, dann wurde der Besitz 1932 verkauft.
Nachdem das Schloss in der Zeit des Zweiten Weltkriegs unterschiedlichen Zwecken gedient hatte, beherbergt es heute ein Museum mit dem Schwerpunkt der schleswig-holsteinischen Adelskultur. Trauungen über das Standesamt Ahrensburg sind im Erdgeschoss im Gartensaal oder in der zweiten Etage im Salon Louis Seize oder in der Bibliothek möglich.Stiftung Schloss Ahrensburg: Heiraten im Märchenschloss. (Faltblatt 09/2016).
Geschichte Von der Burg Arnesvelde zum Ahrensburger Gut mini|Burg Arnesvelde auf einer historisierenden Darstellung des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Burg auf der Rantzau-Tafel mini|Daniel Rantzau, der erste Besitzer In der Nähe des heutigen Schlosses gab es bereits im Mittelalter einen befestigten Herrensitz, die sogenannte Burg Arnesvelde, die den Schauenburger Grafen gehörte.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein, Deutscher Kunstverlag, München 1994, S. 136. ISBN 978-3-422-03033-6. 1327 kam die Anlage mit den angrenzenden Ländereien an das Reinfelder Kloster, wo sie die nächsten Jahrhunderte verblieb. Die kleine Burg wurde kaum genutzt und begann im Laufe der Zeit zu verfallen. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster im 16. Jahrhundert säkularisiert, und Arnesvelde ging in den Besitz des dänischen Königs Friedrich II. über. Der vergab es 1564 zunächst an die Familie Blome.Angela Behrens: Das adlige Gut Ahrensburg von 1715 bis 1867, Wachholtz, Neumünster 2006S. 17.
Am 9. März 1567 erhielt der in königlich dänischen Diensten stehende Feldherr Daniel Rantzau die Überreste der Burg als Lohn für seine Dienste und Ausgleich für Schulden, die der König bei ihm hatte. Zusammen mit der Burg erhielt er die vier Dörfer Woldenhorn, Ahrensfelde, Meilsdorf und Bünningstedt. Webpage des „Historischen Arbeitskreises Ahrensburg“. Rantzau, der aus dem Nienhofer Zweig der zu dieser Zeit einflussreichsten Familie Schleswig-Holsteins stammte, fiel bereits zwei Jahre später in einem Kampf um die schwedische Festung Varberg, ohne seinen neuen Besitz je betreten zu haben. Da er kinderlos war, fiel das Erbe an seinen Bruder Peter Rantzau, der mit den Ländereien eine ausgedehnte Gutswirtschaft begründete.Übersicht der Schlossgeschichte. schloss-ahrensburg.de; abgerufen am 6. Dezember 2009.
16. bis 18. Jahrhundert: Ein Herrenhaus der Familie Rantzau Peter Rantzau übernahm die Ländereien um das künftige Schloss 1569. Nördlich des Dorfes Woldenhorn – das in der heutigen Stadt Ahrensburg aufgegangen ist – entstand ein großer Gutshof, der zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Anlage wurde.Frauke Lühning: Schloss Ahrensburg, S. 10. Zwischen den Gutsgebäuden und dem Dorf im Süden, in einem von der Hunnau durchflossenen flachen Bachtal, ließ Peter Rantzau das Herrenhaus errichten. Für das um 1585 erbaute Gebäude wurden die Reste der einige Kilometer südlich gelegenen Arnesvelder Burg abgerissen und das Material zum Teil in Ahrensburg verbaut; von der mittelalterlichen Burg sind nur noch einige verwilderte Wälle und Gräben übrig geblieben. Der Name der Burg übertrug sich auf den neuen Besitz. Peter Rantzaus Cousin aus der Breitenburger Linie der Familie, der Humanist Heinrich Rantzau, fasste den Ortswechsel des Baus mit poetischen Worten zusammen:
Das Herrenhaus wurde in der traditionellen Form des sogenannten Mehrfachhauses errichtet und als moderner, aufwendiger Renaissancesitz ausgestattet. Heinrich Rantzau beschrieb das Herrenhaus und seine Ausstattung 1597 – wahrscheinlich etwas überzogen – als „einen mit unbegreiflichen Kosten errichteten Bau, dessen Räume mit Gold und Silber bekleidet waren“. Das Herrenhaus sollte Peter Rantzau vor allem als Alterssitz und nach seinem Willen anschließend „für ewige Zeiten“Habich, D. Lafrenz, H. Schulze, L. Wilde: Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein, L&H Verlag, Hamburg 1998, S. 201. ISBN 978-3-928119-24-5. als Stammsitz seines Familienzweigs dienen. Mit der 1596 vollendeten Schlosskapelle in unmittelbarer Nähe des Guts schuf er auch die Grablege für sich und seine Nachfahren. Der Traum von dauerhaftem Ruhm seiner Linie endete jedoch bereits in der folgenden Generation, da sein Sohn Daniel ohne männlichen Nachkommen starb. Dennoch verblieb das Gut als Erbe im Besitz der weitverzweigten Rantzaus, und das Herrenhaus beherbergte bis zum 18. Jahrhundert insgesamt sieben Generationen der Familie.
Eine anfängliche Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs des Gutes fand ihren Ausdruck auch in den Gottesbuden an der Schlosskirche, einer von Peter Rantzau begründeten Versorgungseinrichtung für alte und invalide Gutsarbeiter. Anders als die Breitenburger Mitglieder der Familie Rantzau, die mehrere königliche Statthalter stellten und damit aktiv an der Landespolitik beteiligt waren, blieben die Ahrensburger Herren in der Geschichte der Herzogtümer jedoch eher unbedeutend. Das Herrenhaus war in dieser Zeit vor allem das aufwendige Wohngebäude eines adligen Gutsbetriebs und weniger ein Ort der fürstlichen Hofkultur.
Ab dem 17. Jahrhundert machte der Ahrensburger Besitz mehrere finanzielle Krisen durch, auch ausgelöst durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Im 18. Jahrhundert gerieten die Rantzaus zudem in Konflikte mit ihren Gutsangestellten,Frauke Lühning: Schloss Ahrensburg, S. 8. die zwar ihrem Status nach Leibeigene waren, deren Forderungen nach besseren Lebensbedingungen jedoch zunehmend wuchsen und in langwierigen Aufständen gipfelten. Diese Zeit der Konflikte zwischen Leibeigenen und Gutsherrn wird in der lokalen Literatur gelegentlich als Dreißigjähriger Ahrensburger Bauernkrieg bezeichnet.Angela Behrens: Das adlige Gut Ahrensburg von 1715 bis 1867, Wachholtz, Neumünster 2006, S. 34. Einen letzten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte das Gut, nachdem es durch Erbgang und Heirat an Detlev Rantzau aus der Putloser Linie der Familie übergegangen war.Angela Behrens: Das adlige Gut Ahrensburg von 1715 bis 1867, Wachholtz, Neumünster 2006, S. 64. Als Detlev Rantzau 1746 gestorben war, konnte der hochverschuldete Besitz von der Familie nicht mehr gehalten werden und wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts zum Verkauf angeboten. Webpage des Historischen Arbeitskreises Ahrensburg.
18. bis 20. Jahrhundert: Der Sommersitz der Familie von Schimmelmann mini|Unter Heinrich Carl von Schimmelmann erlebte das Ahrensburger Schloss seine kulturelle Glanzzeit. Gemälde von Stefano Torelli, 1762 mini|links|Schloss Ahrensburg um 1869, Lithographie in der Sammlung Alexander Dunckers mini|Schimmelmannwappen über dem Haupteingang Nachdem er bereits seit Januar 1759 mit dem letzten Gutsverwalter Christian Rantzau in Verhandlungen gestanden war, kaufte der aus Vorpommern stammende Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann das hochverschuldete Gut im Mai des Jahres für 180.000 Reichstaler.Angela Behrens: Das adlige Gut Ahrensburg von 1715 bis 1867, S. 166. Schimmelmann war 1756 im Siebenjährigen Krieg zum Getreidelieferanten des preußischen Heeres aufgestiegen und konnte durch glückliche Umstände den Lagerbestand der Meißener Porzellanmanufaktur erwerben. Mit dem Weißen Gold – ein Teil des Porzellans ist noch heute im Schloss ausgestellt – erwarb er einen Teil seines beträchtlichen Vermögens. Schimmelmann beteiligte sich als Sklavenhändler, Plantagenbetreiber und Manufakturbesitzer an allen drei Eckpunkten des atlantischen Dreieckshandels und gehörte bald zu den reichsten Männern seiner Zeit. Seine Fähigkeiten als Finanzmann führten ihn bis an den dänischen Hof, wo er 1768 zum königlichen Schatzmeister ernannt wurde. Kopenhagen wurde sein Hauptwohnsitz, wo er in der Nähe der Amalienborger Palais’ das sogenannte Berkenthische Palais erwarb, das heutige Odd Fellow Palæet. Seine Geschäfte führten ihn auch immer wieder nach Hamburg und ins damals durch Dänemark verwaltete Altona. In Hamburg erwarb er das Gottorper Palais in der Nähe der Michaelis-Kirche als Stadtdomizil. Ahrensburg dagegen sollte ihm als in der Nähe der Städte Hamburg und Altona gelegener Landsitz dienen, ebenso wie das ebenfalls erworbene Herrenhaus in Wandsbek.
Schimmelmann ließ das Ahrensburger Herrenhaus in ein spätbarockes Landschlösschen umbauen, das bis zur Fertigstellung des Neubaus in Wandsbek 1778 seine Sommerresidenz war. Die Schimmelmannsche Familie verließ Kopenhagen in der Regel im Mai eines jeden Jahres und verblieb bis November in Ahrensburg, wo sie von durchschnittlich fünfundzwanzig Hausangestellten versorgt wurde. Der aus dem Bürgertum stammende Schimmelmann wurde zum Freiherren und schließlich 1779Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1869, Jg. 42, Justus Perthes, Gotha 1868, S. 768 ff. zum dänischen Grafen erhoben und verheiratete seine Kinder in den holsteinisch-dänischen Landadel.Frauke Lühning: Schloss Ahrensburg, S. 18. Das Herrenhaus entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Zentrum der holsteinischen Gutskultur und auch der dänische König Christian VII. besuchte es mehrfach. Das Gebäude erlebte in dieser Epoche seine Glanzzeit und Schimmelmann schrieb über seinen Landsitz „Ich habe soviel Liebe für Ahrensburg […] es ist mein einziges Vergnügen“.Frauke Lühning: Schloss Ahrensburg, S. 15.