Der Hardehauser Hof (auch Hardehausener Hof oder „Landgerichtspräsidentenpalais“, alt: Hardehäuser Hof) ist ein Baudenkmal in der ostwestfälischen Stadt Paderborn. Das Haus wurde 1734 im barocken Stil errichtet. Baumeister war Franz Christoph Nagel.

Geschichte Vorgeschichte Das Kloster Hardehausen wird 1140 gegründet. Zwanzig Jahre später wird das erste Mal eine Besitzung in Paderborn genannt: Als der Gründerbischof des Klosters, Bernhard I., stirbt, bekommt das Kloster durch seine Memorienstiftung in Paderborn ein Haus. Es liegt an der Straße, die von der „Urbs“ (Domburg) zum „Forum“ (Markt) führt; heute entspricht diese Lage der „Schildern“-Gasse. Aufgrund seiner zentralen Lage eignet es sich nicht als Stapelhof für ein Zisterzienserkloster, sondern nur zu repräsentativen Zwecken und als Quartier für Reisen. Albert Brand erwähnt außerdem ein Wohnhaus und drei Salzsiedestellen in Salzkotten und ein Drittel der Wildpferde des Bischofs, die dem Kloster als „Lieblingsstiftung“ des Bischofs ebenfalls übereignet werden.Brand, 1927, S. 121–133, S. 124 Die Häuser in Paderborn und Salzkotten stellen die ersten städtischen Besitzungen Hardehausens dar.Huck, S. 127; S. 278Vgl. auch: Urkunden des Klosters Hardehausen, 2002, S. 39, S. 50

Die zweite Nennung eines Hauses des Klosters erfolgt 1260 in Paderborn. Bei einem Streit zwischen den Mönchen und einem Ritter Arnold, der Ansprüche an diesem Gebäude geltend macht, entscheidet der Rat der Stadt zu Gunsten des Klosters, das bereits seit 47 Jahren im Besitz des Gebäudes sei. Ob damit der Hardehauser Hof gemeint war, lässt sich allerdings nicht ermitteln.Huck, S. 127

14. Jahrhundert Ab 1303 ist ein außerhalb der Stadtmauern gelegener Stadthof belegt, zu dem auch die Liborikapelle gehörte.Huck, S. 127, ff. Es handelt sich um einen für die Versorgung der Stadt und für die klösterliche Wirtschaft Hardehausens außerordentlich wichtigen Standort. Die Mönche handeln hauptsächlich mit Grundnahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. Vielleicht gehört auch Salz, das in Salzkotten gewonnen wird, zu den feilgebotenen Waren.Huck, S. 277, ff. Außerdem dient der Hof der Beherbergung von Klostervertretern auf Reisen. Aufgrund der Nähe zum fürstbischöflichen Sitz ist die repräsentative Bedeutung des Paderborner Hofes im Vergleich zu anderen klösterlichen Stadthöfen sehr hoch einzuschätzen.Huck, S. 11

15. Jahrhundert Die Zisterzienser verkaufen 1587 ihren Paderborner Stadthof an Fürstbischof Dietrich, der ihn den Jesuiten im Busdorfstift schenkt.Huck, S. 128 Grund für den Verkauf dürfte der Bedeutungs- und Funktionswandel der klösterlichen Stadthöfe sein: Frühe Stadthöfe waren für den Markthandel von Bedeutung. Später waren sie vor allem Teil des landwirtschaftlichen Produktionssystems des Klosters, während gleichzeitig im 15. und 16. Jahrhundert der Güterhandel en gros eine immer wichtigere Rolle spielte, für den ein deutlich kleineres bauliches Ausmaß ausreichte, als es die alten Höfe boten.Huck, 288, ff. Darüber hinaus ging um 1500 die Zahl der Stiftsmitglieder „erheblich zurück“Hengst, Karl: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Teil 1 Ahlen – Mülheim [Historische Kommission für Westfalen [Hg.]: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe 44: Quellen und Forschungen zur Kirchen- und Religionsgeschichte Band 2], Aschendorff, Münster 1992, S. 59, was die Art und das Volumen des klösterlichen Handels ebenfalls bedeutend beeinflusst haben dürfte.

18. Jahrhundert mini|Chronogramm Hardehauser Hof mini|hochkant|Bauherr: Abt Heinrich Ludolf Spancken

In vielen Städten werden zu dieser Zeit Stadthöfe errichtet, die vor allem der Repräsentation dienen. In Paderborn sind vor allem der Hardehauser Hof und der Dalheimer Hof am Kamp zu nennen, „über deren ursprüngliches Inventar jedoch leider keine Nachrichten auffindbar sind.“Huck, S. 835 Als Bauherr des Hardehauser Hofes fungiert der Abt Heinrich Ludolf Spancken (1682–1736). Auf einem Bildnis wird er als sensibler, ästhetischer Mann dargestellt; „als solcher hat er den Abtsgarten angelegt und die Kurie [gemeint ist der Hardehauser Hof] in Paderborn, nahe dem Busdorf, erbaut. In ihr wird die Anlehnung an französische Architektur deutlich sichtbar.“Kuhne, S. 158 Baumeister war Franz Christoph Nagel.

Das Chronogramm „CVrIa HarDehVsana eXeMta sVb Abbate VInCentIo posIta“ gibt als Baujahr 1734 an.Stadt Paderborn: Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Paderborn vom 3. Januar 1984

Übersetzung: Die herausgestellte (vorgelagerte, außerhalb gelegene) Hardehausensche Kurie, erbaut von Abt Vincenz. „Vinzenz“ bezieht sich dabei auf den Ordensnamen des Abtes Spancken. Die Bezeichnung „herausgestellte Kurie“ bezeichnet die Funktion des Hauses als Unterkunft fernab des eigentlichen Klosters.

Die Aussage des Chronogramms lässt sich also zusammenfassen als:

19. Jahrhundert Für die Zeit zwischen dem Bau des Hofes und seinem Verkauf sind keine einschlägigen Urkunden bekannt,Vgl. dazu: Hengst, S. 841, ff. doch konnte das Kloster bereits nach einigen Jahrzehnten die Mittel für den Erhalt des Gebäudes nicht mehr aufbringen.Anonym: Gutachten, undatiert, vor 1973 Seine finanzielle Lage war um 1800 ungewöhnlich desolat: im Rahmen der Säkularisation wird 1803 berichtet: „Der bare Kassenvorrat ist gegen alle Erwartungen gering, und wir können den Verdacht nicht bergen, daß davon schon vorher etwas auf die Seite gebracht sei. [...] Noch unerwarteter als der geringe Barbestand sind die Schulden. [...] auch ist bei keinem einzigen Kloster nur etwas Ähnliches von so in das Weite gehenden Schulden bisher vorgekommen.“Schulenberg: Brief am 3. März 1803, Zitat nach: Richter, Wilhelm: Preussen und die Paderborner Klöster und Stifte 1802 – 1806, Paderborn 1905, S. 47

Der Hardehauser Hof wird an Hofrat Georg Anton von Hartmann (1749–1819) verkauft. „Die im Jahr 1803 geadelte Familie von Hartmann zählt zu den wenigen katholischen westfälischen Beamtenfamilien des Königreichs Preußen. Sie setzte mit dem Übergang in den preußischen Staatsdienst eine alte Tradition in osnabrückischen und paderbornischen Diensten fort“.Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens: Findbuch zum Nachlass er Familie von Hartmann Es handelte sich damals um „eine führende Beamten- und Bankiersfamilie“Niemeyer, Marion: Schreiben vom 2. Juli 2012, in: Stadt Paderborn: Denkmalakte Hardehausener Hof, Hauptgebäude, S. 2 in Paderborn. Erstaunlich ist dabei, dass ihr Nachlass, heute im Besitz des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, kaum nennenswerte Informationen über sie bereithält.Vgl. dazu: Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens

Das Gebäude geht um 1816 in den Besitz Karl von Mallinckrodt über. Die genauen Umstände und der Zeitpunkt sind nicht überliefert. Anzunehmen ist, dass es als Mitgift für Freiin Bernhardine von Hartmann diente.Niemeyer, S. 2. Vgl. zur Vorgeschichte der Familie Mallinckrodt: Schulte, Wilhelm: Die Mallinckrodt, in: Ders.: Westfälische Köpfe. 300 Lebensbilder bedeutender Westfalen, Münster 21963, S. 189–192

Der Hardehauser Hof wird am 1. Juli 1843 nach dem Tod Christian Detmar Karl von Mallinckrodts von seinen Erben an den Fiskus verkauft.Niemeyer: Mallinckrodt, S. 71 Das Remisengebäude wird zu einem nicht genauer bestimmbaren Zeitpunkt in diesem Jahr errichtet.Niemeyer, S. 2, f. Ab 1846 wird der Hardehauser Hof als Dienstwohnung für den Gerichtspräsidenten genutzt. Zuvor war die 1672 erbaute Domdechanei nördlich des Doms zu diesem Zweck genutzt worden.Rempe, S. 37

Appelationsgerichtspräsident Friedrich Lange zieht 1846 in den Hardehauser Hof ein.Rempe, S. 80. Vgl. dazu: Auffenberg, Karl; Wegener, Wilhelm: Bedeutende Juristen des Paderborner Landes. Die Bildersammlung des Landgerichts Paderborn, Volksbank Paderborn (Hg.:) Heimatkundliche Schriftenreihe 24/1993, S. 18, f.

Eigentlich hätte der Vizepräsident des Kammergerichts, Büchtermann, die Nachfolge Langes übernehmen sollen. Er stirbt jedoch bereits am 6. März, vermutlich an der Cholera, die zu diesem Zeitpunkt in Paderborn 55 Tote fordert.Rempe, S. 80 Gustav Bernhard Victor Meyer wird an seiner Stelle von 1866 bis 1879 der letzte Vorsitzende des Appellationsgerichts Paderborn bevor es in ein Landesgericht umgewandelt wird.Rempe, S. 126 ff. Ob er den Hardehauser Hof bewohnte, lässt sich aufgrund fehlender Akten nicht mit Gewissheit feststellen, es ist aber davon auszugehen.

Ab dem 1. Oktober 1879 wird der vorher am Kreisgericht tätige Seck Gerichtspräsident und erhält damit das Wohnrecht in der Dienstwohnung. Zuvor war er am Kreisgericht Paderborn tätig.Brief des Justizministeriums an den Präsidenten des Königlichen Appellationsgerichts in Paderborn vom 15. Juni 1879 Im März wechselt er als Landgerichtspräsident nach Frankfurt an der Oder; ihm wird aber das Recht eingeräumt, gegen Wegfall des Wohngeldes den Hardehauser Hof bis zum 1. April 1886 zu bewohnen.Brief des Justizministeriums an den Präsidenten des königlichen Oberlandesgerichts und den königlichen Oberstaatsanwalt in Hamm vom 11. Januar 1886

Die Wohnung geht 1886 an den Secks Nachfolger Müller.Übergabeprotokoll vom 18. März 1886 Über ihn und seine Nachfolger ist weiter nichts bekannt.

Am 18. März 1893 findet die Übergabe an Macco statt. Müller bittet um Abschrift des Protokolls. Die Kopie des Protokolls datiert auf den 26. September 1893.Brief des Präsidenten des Königlichen Landgerichts an den Herrn Oberlandesgerichtspräsident in Hamm, vom 14. Februar 1903

1900 bis 1935 Macco zieht im Oktober 1902 aus und geht nach Flensburg.Brief vom 14. Februar 1903 Die Dienstwohnung wird am 22. Juli 1903 an Mensing übergeben.Übergabeprotokoll vom 22. Juli 1903 Er stirbt 1910 als Geheimer Oberjustizrat.Übergabeprotokoll vom 2. November 1910

Nordbeck wird 1910 Landgerichtspräsident in Paderborn. Er bewohnt das Haus mit seiner Ehefrau, einem erwachsenen Sohn (Referendar) und zwei Dienstboten. Im Herbst 1923 geht er in den Ruhestand, darf aber wegen großer Wohnungsnot in Paderborn weiter im Hardehauser Hof leben. Nordbeck baut zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt eine Veranda an das Gebäude an.Brief des Justizministers an den Oberlandesgerichtspräsidenten in Hamm vom 23. April 1924 Offenbar leidet auch das Gericht unter Platznot, denn er erklärt sich 1922 bereit, Räume zur anderen Verwendung abzugeben.Bericht an den Justizminister in Berlin, 4. April 1922 Im Jahre 1923 wird das Gebäude vorübergehend zu Geschäftszwecken des Gerichts verwendet.Verfügung des Oberlandesgerichtspräsidenten Hamm, undatiert; einzuordnen in den Mai 1936

Wilhelm Hillenkamp wird am 1. Oktober 1923 Landgerichtspräsident. Sein monatliches Grundgehalt wird auf 62.000 Mark festgelegt. 1935 wird er im Zuge eines Streites um die Wohnräume im Untergeschoss als „anspruchsloser Junggeselle“ charakterisiert.Brief Biermanns an den Oberlandesgerichtspräsidenten Hamm am 1. Oktober 1935 Im Erdgeschoss des Hauses wird eine Wohnung für den Oberstaatsanwalt eingerichtet. Von 1923 bis 1929 wohnt Oberstaatsanwalt Sprickmann-Kerkerich in der Notwohnung.Brief des Justizministers an den Oberlandesgerichtspräsidenten in Hamm vom 23. April 1924

Die Notwohnung wird am 13. Juli 1929 an den neuen Oberstaatsanwalt Kother vermietet.Verfügung des Oberlandesgerichtspräsidenten Hamm