Die Glonn ist ein etwa 50 Kilometer langer, linker Zufluss der Amper in Oberbayern. In Abgrenzung zur Glonn (Mangfall) wird diese Glonn auch die Nördliche Glonn genannt.

Namensherkunft Ihren Namen hat der Fluss aus dem keltischen: „Glanos“, das heißt rein und glänzend, oder „glana“, was so viel wie die „Reine, Heilige“ bedeutet. Die Römer haben diesen Namen übernommen. In Urkunden um das Jahr 770 wurde der Fluss mit „Clana“ bezeichnet.

Landschaft Die Glonn durchfließt in einem Muldental das Donau-Isar-Hügelland. Als regulierter Fluss fließt die Glonn weitgehend ohne Mäander. Angrenzende Wiesen und Äcker werden landwirtschaftlich intensiv bewirtschaftet. Eine Folge ist hierbei die Überschreitung ökologisch relevanter Richtwerte für Nährstoffeinträge wie Nitrat und Phosphat. Genügend breite Uferrandstreifen fehlen meistens und Altwasser existieren nur noch vereinzelt. Teilweise existieren Landschafts- und Naturschutzflächen, wie z. B. das Weichser Moos und bei Petershausen.

Verlauf Sie entspringt südöstlich von Mittelstetten im Landkreis Fürstenfeldbruck, im Wenigfeld (ca. 525 m ü. NHN). Das Wasser der neun Quellen, die der Glonn ihren Ursprung geben, tritt am Fuße eines Tales aus der Erde. Vier Quellen entspringen in einem kleinen Gehölz neben der Straße, der kleine Bach ergießt sich in einen Weiher, der von den weiteren 5 Quellen gespeist wird. Das Wasser der Quellen ist leicht rötlich gefärbt. Durch den Kontakt mit Sauerstoff oxidiert das im Wasser enthaltene Eisen und färbt die Erde rostrot.

Die Glonn durchfließt auf 39 Flusskilometern den Landkreis Dachau, In der Ausrichtung von West nach Ost, und mündet bei der Kirche St. Joseph in Allershausen bei Freising mit zwei Armen in die Amper als deren wichtigster Nebenfluss (ca. 440 m ü. NHN).

Das Gefälle der Glonn beträgt somit rund 85 m. Das Glonntal weist eine durchschnittliche Breite von 1 – 1,5 km auf.

Abflusswerte und Pegel bei Hohenkammer: MNQ 1,32 m3/s, MQ 3,28 m3/s und HQ 180 m3/s.

Charakter und Umgebung Die 50,4 Kilometer lange Glonn durchfließt ein agrarisch genutztes Gebiet im Dreieck zwischen Augsburg, Freising und Dachau. Die Glonn durchfließt ruhig ein von Natur aus fruchtbares Tal im tertiären Hügelland. Der Wasserspiegel der meist 12 m breiten Glonn liegt bei normaler Wasserführung in seinem trapezförmig ausgebauten Bett ca. 1 – 1,5 m unter dem Gelände. Die Glonn durchfließt die Landschaft monoton ohne jegliche Mäander, Die Ufer sind streckenweise von einem schmalen Gehölzsaum oder Einzelbäumen begleitet, die anschließenden Flächen sind mit Ausnahme weniger Hecken und Gehölzgruppen von der landwirtschaftlichen Nutzung geprägt. Noch monotoner und kaum sichtbar fließen viele Seitenbäche der Glonn durch die Landschaft.

Die Glonn stellt heute ein kanalartiges Gerinne dar, das an vielen Stellen durch Wehre aufgestaut ist. Die Sohle besteht teilweise aus sandig-kiesigem Substrat, in strömungsberuhigten Abschnitten finden sich jedoch größere Schlammablagerungen. Naturnahe Lebensräume sind nur noch in wenigen Teilbereichen vorhanden.

Im Laufe der Zeit sind die naturnahen Lebensräume, wie beispielsweise die ursprünglichen Auen, auf kleine, wertvolle Restbestände zusammengeschrumpft. 1973 wurde das Glonntal als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die schönsten und letzten Überreste seiner Auwälder, der Streuwiesen und Niedermoorflächen finden sich bei Weichs und Egenburg. Im Kernbereich des Weichser Mooses bei Weichs reicht die Torfschicht heute noch zwei Meter tief, am nördlichen Rand sind es 70 Zentimeter.

Die Vielfalt der Landschaft, die man lange Zeit als Ödland betrachtete, ist enorm: Nass- und Feuchtwiesen wechseln ab mit Hochstaudenfluren, Weiden und Weidengebüschen und Seggenrieden. Die Gräben und Streuwiesen kennzeichnen das Gebiet als bäuerliche Kulturlandschaft. Seit mehr als 40 Jahren stehen weite Teile des Glonntals unter Schutz, um den Naturraum zu erhalten und wiederherzustellen und um ihn als Erholungsgebiet zugänglich zu machen.

Gewässergüte Die Glonn ist ein stark belasteter nährstoffreicher Fluss. Neben der Belastung durch die Abläufe von 31 kommunalen Kläranlagen, die direkt oder durch die seitlichen Nebenbäche eingeleitet werden, wird die Gewässergüte zusätzlich noch durch die Einleitung von häuslichem Abwasser, Mischwasserentlastungen und diffusen Einträgen speziell durch die Landwirtschaft beeinträchtigt. Durch die zahlreichen naturfremden Einleitungen wird die Fähigkeit zur biologischen Selbstreinigung bei den meisten Bächen überbeansprucht.

Die Quellbäche der Glonn sind zum Teil noch sehr gering belastet. Ab dem ersten Kläranlagenablauf in Mittelstetten bis zur Einmündung in die Amper ist die Glonn kritisch belastet und gehört somit zur Gewässergüteklasse II – III. Seit 2001 wird keine Gewässergütekarte der Glonn vom Wasserwirtschaftsamt München bzw. Freising erstellt.https://dieglonn.de/Die-Glonn/html/2-6.html

2018 wurde festgestellt, dass die obere Glonn einen unbefriedigenden ökologischen Zustand nach EU-Wasserrahmenrichtlinie aufweist.

Nutzung und Regulierung Historische und heutige Regulierung, sowie Nutzung Die Glonn ist ein, zwischen 1919 und 1924, weitgehend regulierter Fluss ohne dynamische Entwicklungsmöglichkeiten (sog. dynamisches Flusssystem). Die Begradigung des Flusses führt zu einem tiefen Eingraben der Glonn mit Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel.

Zahlreiche Staustufen regulieren den Fluss zudem. An vielen Stellen finden sich Ableitungskanäle, die von Mühlen, Stromgewinnungsanlagen oder Holzsägewerken benutzt werden oder benutzt wurden. Zu den Mühlen, die noch heute in Betrieb sind, zählen (von der Quelle bis zur Mündung): Egenburger Mühle, Vogacher Mühle, Furthmühle (erste Mühle an der Glonn, im Jahre 1165 erwähnt, heute technisches Museum), Oberhandenzhofer Mühle, Arnbacher Mühle und Obermoosmühle. Von den ursprünglichen, historischen Mühlen wird ein Großteil noch heute zur Stromgewinnung genutzt.

Durch den Bau dieser Mühlen griff der Mensch erstmals in das Ökosystem des Flusses ein. Die wirtschaftliche Nutzung begann um 1300, als die ersten Mühlen an der Glonn entstanden. Im Laufe der Zeit stieg die Zahl auf 24 Mühlen an. Heute befinden sich noch 13 Mühlen, vor allem zur Stromgewinnung, an der Glonn. Um die Wasserkraft nutzen zu können, musste der Fluss gebändigt werden. Wichtig waren eine gleichbleibende Wassermenge, eine günstige Strömung sowie ein Hochwasserüberlauf. Nachdem das Wasser die Mühlräder für die Mahl- oder Sägemühlen angetrieben hatte, floss es im so genannten Mühlenschuss in einem tief eingegrabenen Bett schnell weiter. Wie auf alten Karten zu sehen ist, breitete sich das Wasser anschließend seenartig aus und beruhigte sich wieder.

Versandung der Glonn als Auslöser der Regulierung Das ganze Glonntal litt fast durchweg an starker Versumpfung, verursacht durch die zahlreichen Mühl- und Triebwerksanlagen, die sich in fast ununterbrochener Staufolge aneinander reihten. Die Stauanlagen hielten den Glonnwasserspiegel dauernd nahezu auf Geländehöhe, so dass den anliegenden Talgründen jede Vorflut für die notwendige Entwässerung genommen war. Die ungenügenden Abflussverhältnisse der alten Wehr- und Mahlanlagen und des vollkommen verwachsenen Glonnbettes führten schon bei einem kleinen Hochwasser zu Schäden in den Talgründen. Die Talwiesen lieferten also nur geringe Erträge und minderwertiges Futter. Viele Wiesen trugen fast ausschließlich Sauergräser, Moos und andere Sumpfpflanzen und so genannte Unkräuter, so dass sie nur zur Streugewinnung dienen konnten. Da das Wasser der Glonn durch die Stauanlagen viel zu langsam abfloss, war eine weitere Folge der verminderte Geschiebetransport. Dies führte zu einer Sohlenauflandung, die ebenfalls zur Vernässung der Wiesen beitrug. Aus diesem Grund wurde bereits im 19. Jahrhundert eine Regulierung der Glonn angestrebt.

Projekt der Flussregulierung und Begradigung Die Korrektur der Glonn begann im Jahre 1919 und war 1924 abgeschlossen. Sie wurde auf genossenschaftlicher Grundlage von den Kulturämtern München und Ingolstadt durchgeführt. Ein Ziel dieser Maßnahme war, die Talgründe zu entwässern und damit für die Landwirtschaft ertragreiche Wiesen zu schaffen. Dies geschah durch die Vertiefung des Flussbettes auf 2 bis 2,5 m; damit war angestrebt, den Grundwasserspiegel um etwa 50 cm zu senken. Außerdem erfolgte die Absenkung des Wasserstandes bei den Mühlen um durchschnittlich 90 cm, damit wollte man die Hochwassergefahr eindämmen. Durch die Flussregulierung erfuhr das Landschaftsbild des gesamten Glonntals eine umwälzende Veränderung. Die vielen Flussschlingen, Windungen und Gumpen verschwanden. Heute zieht sich der Lauf der Glonn geradlinig in einem tiefen Bett durch das Tal. Die Begradigung stellte einen gigantischen Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild dar.

Zur Durchführung des Projekts wurden fünf öffentliche Genossenschaften gegründet und die Glonn in fünf Abschnitte unterteilt. Der erste Bauabschnitt war Allershausen-Petershausen im Zuständigkeitsbereich des Bezirksamtes Freising. In diesem Abschnitt waren 370 Grundbesitzer mit insgesamt 2.200 Tagwerk Grund beteiligt.

Die Sohlbreite wurde bei Petershausen auf 15 m, und die Tiefe auf durchschnittlich 3 m festgelegt. Der zweite Bauabschnitt, Petershausen-Indersdorf, war 12 km lang, beinhaltete 1630 Tagwerk Grund und 350 Grundbesitzer. Es wurde ein Hochwasserkanal bei Weichs und ein Unterwasserkanal bei Glonn gebaut und die Mühlen in Weichs und Asbach abgesenkt. Der dritte Abschnitt zwischen Indersdorf und Erdweg war 10 km lang und umfasste 1450 Tagwerk und 340 Grundeigentümer. Das Bachbett wurde hier 2 bis 2,5 m tief und an der Sohle 10 bis 12 m breit. Die seitlichen Entwässerungsgräben waren 1,2 bis 1,5 m tief und 0,5 bis 1,5 m breit. Der Abschnitt vier umfasste das Gebiet Unterweikertshofen-Taxa und der Abschnitt fünf Taxa-Egenburg.

Die regulierte Flussstrecke umfasst 45 km, die zusätzlich angelegten Triebwerkskanäle sind 9 km lang, die gesamte Flussstrecke betrug vor der Regulierung 54 km. Außerdem legte man 70 km Entwässerungskanäle an. Die dafür notwendigen Erdbewegungen beliefen sich auf über 2 Mio. m³. Die zahlreich über die Glonn führenden Holzbrücken und Stege wurden durch massive Steinbrücken ersetzt. Insgesamt wurden 52 Brücken neu angelegt sowie 14 Triebwerke. Heute bestehen noch immer die Altrechte zwischen den Mühlenbesitzern und dem Bezirk Oberbayern. Sie beinhalten für den Besitzer die Rechte zur Nutzung der Wasserkraft, aber auch die Unterhaltspflicht für die Ufer am Mühlbach und an einem Abschnitt der Glonn.

Folgen der Regulierung Die starke Veränderung des Flusslaufs und die Erhöhung seines Gefälles setzte die Selbstreinigungskraft des Gewässers erheblich herab. Diese biologische Funktion wäre gerade heute überaus notwendig, da sehr viel verschmutztes Wasser, u. a. durch die Klärwerke, in den Fluss eingeleitet wird. Durch die zahlreichen Flusswehre ist die Glonn zerstückelt und nicht mehr annähernd ein natürliches Fließgewässer. Heute wird das Wasser der Glonn vor allem zur Stromerzeugung genutzt. Der starke Eingriff in das Ökosystem der Glonn ist im Verhältnis zur geringen Stromgewinnung gesehen viel zu hoch.

Mit der Regulierung verschwanden in weiten Teilen das den Fluss säumende Gebüsch, die Schwarz-Erlen und die Weiden. Durch die schnurgeraden Uferböschungen gingen Lebensräume für die Fischbrut verloren und auch für die als Nahrungsgrundlage der Fische wichtigen Kleinlebewesen verschlechterten sich die Bedingungen erheblich. Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass durch die einige Jahre dauernden Arbeiten und die Verfüllung zahlreicher Flussschleifen ein erheblicher Teil der Fischbrut vernichtet wurde. All dies führte zu einem plötzlichen Einbruch in das sensible Ökosystem, von dem sich der Fluss nicht mehr erholte.

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