mini|hochkant=1.3|Südfassade des Hauptgebäudes mini|Luftaufnahme Die Martinkaserne ist eine Kaserne des Österreichischen Bundesheeres in Eisenstadt im Burgenland.
Das Gelände mit den Gebäuden liegt im Nordosten des Stadtgebietes von Eisenstadt an der L 213. Das Hauptgebäude ist von West nach Ost ausgerichtet und steht gemäß Bescheid des Bundesdenkmalamtes unter Denkmalschutz.
Geschichte Baugeschichte Die Ereignisse der Revolution von 1848/1849 führten zu einem erhöhten Bedarf an Offizieren und Führungskräften und in weiterer Folge zur Einrichtung von Kadettenschulen im Kaisertum Österreich. Es wurden mehrere Kasernen gebaut, wie etwa das Arsenal (Wien) (1849 bis 1856), die Roßauer Kaserne in Wien (1865 bis 1869) und die Martinkaserne.„Denkmal heute“ S. 10. Nachdem der Kaiser im Jahr 1852 das Bildungswesen des Militärs reformiert hatte, erteilte der Obergespan von Ödenburg dem Magistrat von Eisenstadt im Oktober 1852 den Auftrag zur Bereitstellung von zwanzig Katastraljoch als Bauplatz, sowie zur Benützung der städtischen Ziegelöfen, von Steinbruch und Sandstätten. mini|hochkant|Hauptportal an der Südseite mini|Zahnärztliche Behandlung an der Militär-Oberrealschule, (später Martinkaserne), 1912 Im Mai 1853 erfolgte die Bauausschreibung für das „Kadetteninstitut Eisenstadt“ mit folgenden Vorgaben: dreistöckiges Gebäude mit drei Risaliten 144 Meter lang und 15,6 Meter breit Schwimmschule und Einfriedungsmauer Baukosten 300.000 fl. CM (Conventionsmünzen) Vollendung 30. Juli 1855
Unter der Bauleitung von Sigismund von Malinowski, Hauptmann des Genie-Stabes, entstand als Gegengewicht zu dem im Westen der Stadt gelegenen Schloss Esterházy das symmetrisch angelegte, lange dreiflügelige Hauptgebäude. Auch ein Sportplatz und eine Schwimmschule mit Vorwärmbassin wurden in dem parkartigen Areal errichtet.„Denkmal heute“ S. 11. Der Baubeginn war am 2. August 1853, allerdings verzögerte sich der Termin der geplanten Fertigstellung, sodass die Eröffnung erst am 1. Mai 1858 mit knapp dreijähriger Verspätung erfolgte.
Bei der im August 1853 begonnenen Herstellung der Baugrube für das Fundament stieß man häufig auf Gesteinsschichten, die gesprengt werden mussten. Dadurch trat wiederum Grundwasser in die Baugrube ein, was bereits bei den Vorbereitungsarbeiten zu einer erheblichen Verzögerung des Baufortschrittes führte. Weil es in weiterer Folge – vermutlich auch aus finanziellen Gründen – zu neuerlichen Bauverzögerungen kam und das Gebäude zum vorgesehenen Vollendungszeitpunkt im Juli 1855 kaum die Höhe des ersten Stockwerkes erreicht hatte, wurde 1856 ernsthaft überlegt, den Bau wegen des schleppenden Fortschrittes einzustellen. Dennoch wurde der Bau vollendet, wobei die abschließenden Bauarbeiten auch nach der offiziellen Eröffnung bis in das Jahr 1859 hinein dauerten. Neben der Überschreitung der vorgesehenen Bauzeit kam es auch zu einer bedeutenden Überschreitung der prognostizierten Baukosten, die schließlich knapp über 953.096 fl., also um mehr als das Dreifache über dem Voranschlag lagen.Festschrift „150 Jahre Martinskaserne...“ S. 29 ff.
Zwischen 1955 und 1959 erfolgte mit einem Aufwand von etwa 30 Millionen Schilling eine Generalsanierung des Gebäudes und das ehemalige Stabsgebäude aus dem Jahr 1906 wurde in ein Krankenrevier umgebaut. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann eine etappenweise Generalrestaurierung. Begonnen wurde mit der Kapelle, es folgten Sanierungen und Restaurierungen der Umfassungsmauer der Anlage, der Sockelzone des Gebäudes aus Naturstein und des Innenbereiches im westlichen Erdgeschoßflügel. Weitere Arbeiten betrafen die Wiederherstellung des repräsentativen Vestibüls in den ursprünglichen Zustand und die Restaurierung der verwitterten und verschmutzten Fassade.
Nutzungsgeschichte Nach der Eröffnung im Jahr 1858 wurden 200 Zöglinge aus Straß in der Steiermark nach Eisenstadt umgesiedelt.
Im Jahr 1871 erfolgte im Rahmen der Reorganisation der Militärinstitute die Auflösung des Kadetteninstitutes und im Jahr 1873 die Umgestaltung zur Infanteriekaserne. Zwei Infanterie-Bataillone wurden in der Kaserne untergebracht.
Nach der Verlegung der beiden Infanterie-Bataillone nach Bosnien und Herzegowina im Jahr 1878 erfolgte eine Umgestaltung in eine Militär-Unterrealschule für 240 Zöglinge und im Jahr 1909 die Aufstellung der Militär-Oberrealschule. Von 1892 bis 1894 besuchte Robert Musil die Militär-Unterrealschule und verarbeitete seine dortigen Erfahrungen in seinem Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß.
Während des Ersten Weltkrieges waren von 1914 bis 1918 Frontkader mehrerer Regimenter in der Kaserne untergebracht. Im Jahr 1918 wurde die Kaserne in „Honved-Oberrealschule“ umbenannt. Kommandant war der Major der Ungarischen Nationalarmee und Theresienritter Jakob Vass-Wiblinger.
Im Jahr 1922 zog die Bundesmittelschule samt Schülerheim im dritten Stockwerk des Gebäudes ein und das „Burgenländische Feldjägerbataillon Nr. 1“ wurde von Wiener Neustadt in die Kaserne nach Eisenstadt verlegt.
Nach dem Untergang der Habsburgermonarchie wurde Österreich im Vertrag von St. Germain der deutschsprachige Teil Westungarns zuerkannt. Mit dem „Bundesverfassungsgesetz über die Stellung des Burgenlandes als selbständiges und gleichberechtigtes Land im Bund und über seine vorläufige Einrichtung“ vom 25. Jänner 1921 konnte daraufhin die Aufnahme des Burgenlandes als eigenes Bundesland in die Republik Österreich geregelt werden. Am 15. Juli 1922 trat der neu gewählte Burgenländische Landtag zur konstituierenden Sitzung in der Kaserne in Eisenstadt zusammen und das zweite Stockwerk wurde von da an bis zum Jahr 1930 vom Burgenländischen Landtag genutzt. Erster Landtagspräsident des jüngsten Bundeslandes war Josef Wimmer. mini|hochkant|Sonderbriefmarke „17 Jahre AssE / GRÜ“
Zwischen 1938 und 1945 nutzte die deutsche Wehrmacht das Areal der Kaserne, welche anschließend bis zum Jahr 1955 als Quartier für die sowjetische Besatzungsmacht diente.
Im Jahr 1957 konnten die ersten Wehrpflichtigen in die Schulkaserne einrücken, in der das Infanteriebataillon 2 stationiert war.
Die Umbenennung der Schulkaserne in „Martinkaserne“ nach dem Landespatron, dem heiligen Martin von Tours, erfolgte im Jahr 1967.
Heute beherbergt die Kaserne das Militärkommando Burgenland, die 1. Jägerkompanie und das Kommando der Heerestruppenschule und die Militärmusik Burgenland. aufgerufen am 5. April 2013. Bis zum Ende des Assistenzeinsatzes war der Einsatzstab für den sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz nach Schengenerweiterung (= AssE/SchE) hier stationiert.
Baubeschreibung Außen mini|hochkant|Westlicher Teil des Mittelrisalits Süd Das Gebäude der ehemaligen Kadettenschule, das sich am Wiener Arsenal orientiert, wurde als mächtiger materialsichtiger Ziegel- und Quadersteinbau in neoromanisch-maurischem Stil auf einer Fläche von rund 7.342 QuadratmeternDiplomarbeit Prinke S. 16. errichtet und zeigt eine breite Fassade.Dehio Burgenland 1976, Eisenstadt, Neuere Bauten, Kaserne, S. 83.
Das viergeschoßige Bauwerk ist streng symmetrisch gliedert und hat jeweils drei Risalite an der Nord- und Südfassade. Das Gebäude besteht aus einem Ost-West gerichteten viergeschoßigen Längstrakt mit insgesamt 146,9 Metern Länge und 47,74 Metern Breite, das mit einem Satteldach gedeckt ist. In der Mitte der Nord- und Südfassade befindet sich unter einem gemeinsamen Dach je ein giebelbekrönter, jedoch unterschiedlich gestalteter Mittelrisalit.
An der Ost- und Westseite des Gebäudes befinden sich je zwei gleich gestaltete giebelbekrönte Eckrisalite, die paarweise über ein gemeinsames Satteldach verbunden sind. Diese drei Fensterachsen breiten Risalite springen um jeweils drei innere und vier äußere Fensterachsen vor. Aus dieser Anordnung entstehen zwei seitliche und ein mittlerer Querflügel, die durch Flügelbauten des Längsflügels miteinander verbunden sind. Wegen der unterschiedlichen Breite der Mittelrisalite sind die 15,4 Meter breiten Flügelbauten an der Nord- und Südseite unterschiedlich lang.Diplomarbeit Prinke S. 17. Sie haben an der Südseite zwölf und an der Nordseite zehn Fensterachsen und tragen ein Satteldach mit Dachgauben.
Die Gliederung in Risalite folgt in groben Zügen den Prinzipien des hochbarocken Schlossbaus und mildert dadurch den Eindruck, der durch die strenge Symmetrie und den blockhaften Stil entsteht. Durch die tiefen Eckrisalite am Ende der langgestreckten Flügelbauten und den flacheren Mittelrisalit entsteht im Norden und Süden des Kasernengebäudes eine ehrenhofartige Situation.
Über einem Sockel aus hellgrauem Quadermauerwerk erhebt sich das Erdgeschoß aus waagrecht gebändertem hell- und dunkelgrauem Quadermauerwerk. Die drei Obergeschoße sind aus einem waagrecht abwechselnd gebänderten Ziegel- und Quadermauerwerk mit wechselnden rot-gelb-roten waagrechten Ziegelverbänden gefertigt. Die Geschoßhöhen des Erdgeschoßes und der drei Obergeschoße sind unterschiedlich, was auf funktionsbedingte Bauregelungen je nach Verwendung der Räumlichkeiten im betreffenden Geschoß zurückzuführen ist. Daraus ergeben sich zum Teil unterschiedliche Fensterhöhen in den einzelnen Geschoßen. An den Gebäudeecken befinden sich polygonale bekrönte Pfeilervorlagen, die über das Dach gezogen sind.
Drei gekröpfte Gesimse, die die verschiedenen Mauerformen begrenzen, umlaufen das Gebäude: Ein Sockelgesims auf Sohlbankhöhe der Erdgeschoßfenster, zwischen Erdgeschoß und erstem Obergeschoß ein breites, doppelt vorkragendes Gurtgesims auf Sohlbankhöhe der Fenster des ersten Obergeschoßes und ein Kranzgesims als oberer Fassadenabschluss, das durch ein konsolenartiges Rundbogenfries mit innen liegenden keramischen Medaillons gestützt wird. Auf Sohlbankhöhe der Fenster des zweiten Obergeschoßes verläuft ein Zahnfries aus Ziegeln.
Die Fassade ist durch Rundbogenfenster gegliedert, die mit Rundbogenabschlüssen und keramischen Überfangbögen ausgestattet sind. Zwillingsfenster bilden jeweils die mittlere Fensterachse der Eckrisalite und die inneren seitlichen Fensterachsen des nördlichen Mittelrisalits. Drillingsfenster befinden sich an den mittleren Fensterachsen beider Mittelrisalite.
Der Mittelrisalit der Südfassade ist seitlich nach vorne gestaffelt. Der dreiachsige Giebelrisalit wird von einachsigen, flachen Seitenrisaliten flankiert. Ein Portikus mit drei Rundbogenarkaden, die auf Pfeilern mit vorgestellten polygonalen Pfeilern ruhen, ist dem Giebelrisalit im Erdgeschoß in der Flucht der Seitenrisalite vorgestellt. Hinter dem Portikus befindet sich in der Mitte ein Rundbogentor, das in das Vestibül führt. Seitlich davon in den Achsen der Arkaden ist je ein Rundbogenfenster.
Der Portikus fungiert als ein mit einer Brüstung versehener Altan für das erste Obergeschoß. Darüber ist an der mittleren Fensterachse der drei Obergeschoße jeweils ein Drillingsfenster angeordnet, dessen mittleres größer ist. An den seitlichen Fensterachsen befindet sich jeweils ein Rundbogenfenster.
Über dem dritten Geschoß ist eine Inschriftentafel „Franz Joseph I. MDCCCLVII“ und darüber im Giebel ein Radfenster mit kleinen seitlichen Radornamenten. Die Seitenrisalite haben jeweils ein Attikageschoß mit sieben schmalen Rundbogenfenstern an der Fassadenfront und drei an den äußeren Risalitseiten. Die Rundbogen der Fenster ruhen auf Säulchen mit romanisierenden Kapitellen.
Der Giebelrisalit an der Nordfassade liegt im Gegensatz zu jenem der Südfassade nicht hinter, sondern vor den ihn jeweils flankierenden, mit vier Achsen breiteren Seitenrisaliten. In diesen ist jeweils ein Stiegenhaus mit zweiläufig-gegenläufigen Treppen untergebracht. Diese Seitenrisalite haben wie jene der Südfassade ein Attikageschoß mit kleinen Rundbogenfenstern, jeweils acht Fenster an der Fassadenfront und drei seitlich. Im Erdgeschoß des Giebelrisalits erschließt ein romanisierendes, flaches Trichterportal, das von je einem Rundbogenfenster flankiert wird, das Vestibül.