Saintes ist eine französische Stadt mit Einwohnern (Stand: ) im Département Charente-Maritime in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie liegt beiderseits der Charente in der historischen Landschaft Saintonge.
Saintes ist Sitz der Unterpräfektur des Arrondissements Saintes. Die Stadt ist außerdem Verwaltungssitz des Gemeindeverbands Saintes – Grandes Rives – L’Agglo; das Bureau centralisateur des Kantons Saintes befindet sich ebenfalls in Saintes.
Seit 1989 trägt Saintes das vom französischen Kulturministerium vergebene Prädikat Ville d’Art et d’Histoire. Im Wettbewerb Villes et Villages Fleuris ist Saintes mit vier Blumen ausgezeichnet.
Geographie
mini|Die Charente in Saintes
Saintes erstreckt sich auf beiden Seiten der Charente. Das historische Zentrum befindet sich überwiegend am linken Flussufer, während sich am rechten Ufer unter anderem die Abbaye aux Dames befindet.
Klima
Für die Messstation Saintes weist Météo-France für die Referenzperiode 1991–2020 eine Jahresmitteltemperatur von 13,3 °C und einen mittleren Jahresniederschlag von 907,1 mm aus.
Bevölkerungsentwicklung
mini|Blick über das Stadtzentrum von Saintes
Seit den 1970er Jahren bewegt sich die Einwohnerzahl von Saintes, abgesehen von kleineren Schwankungen, bei etwa 25.000 bis 27.000 Einwohnern.
Jahr Einwohner 1968 26.507 1975 26.891 1982 25.471 1990 25.874 1999 25.595 2007 26.401 2012 25.645 2017 25.470 2023 25.363
Quelle: INSEE.
Wirtschaft und Verkehr
Die Wirtschaftsstruktur von Saintes ist stark vom Dienstleistungssektor geprägt. Ende 2024 erfasste INSEE 1.434 Arbeitgeberbetriebe; 71,8 % davon entfielen auf Handel, Verkehr und sonstige Dienstleistungen. Für 2023 weist die Statistik 20.756 Arbeitsplätze im Gemeindegebiet aus.
Der Bahnhof Saintes wird vom Regionalverkehr TER Nouvelle-Aquitaine bedient. Am Bahnhof besteht Anschluss an das städtische Busnetz BUSS.
Geschichte
Antike
mini|Das römische Amphitheater von Saintes
Die Entstehung der antiken Stadt ist archäologisch nicht abschließend geklärt. Ein Grabungsbericht des französischen Institut national de recherches archéologiques préventives nennt zwei mögliche Entwicklungen: die Erweiterung einer bereits bestehenden Siedlung infolge der unter Agrippa ausgebauten Verkehrswege oder eine mit diesem Straßennetz verbundene römische Neugründung als Hauptort der Santonen. In augusteischer Zeit entstand ein frühes monumentales Stadtzentrum. Die römische Stadt trug den Namen Mediolanum Santonum.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. war Mediolanum Santonum Hauptstadt der römischen Provinz Gallia Aquitania. Zu den bedeutendsten erhaltenen Zeugnissen der römischen Stadt gehören das Amphitheater und der Germanicusbogen.
Mittelalter und Neuzeit
Die Abbaye aux Dames wurde 1047 gegründet. Saintes entwickelte sich im Mittelalter zu einer Station der Pilgerwege nach Santiago de Compostela. Die Kirche Saint-Eutrope gehört zu den Einzelbestandteilen der 1998 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommenen seriellen Welterbestätte „Jakobswege in Frankreich“.
Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts fand die Reformation in Saintes Anhänger. Während der französischen Religionskriege wurde die Kathedrale Saint-Pierre im Jahr 1568 teilweise zerstört.
Nach der Französischen Revolution war Saintes zunächst Sitz der Präfektur des Départements Charente-Inférieure. Im Jahr 1810 wurde der Sitz der Präfektur nach La Rochelle verlegt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Gallorömische Bauten und Archäologie
mini|Der Germanicusbogen an der Charente
Das Amphitheater von Saintes wurde in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet und unter Kaiser Claudius vollendet. Nach Angaben der Stadt bot es Platz für bis zu 15.000 Zuschauer.
Der Germanicusbogen stand ursprünglich auf der römischen Brücke über die Charente. Als diese Brücke im 19. Jahrhundert beseitigt wurde, konnte der Bogen 1843 auf Initiative von Prosper Mérimée erhalten werden.
mini|Das archäologische Museum
Das Musée archéologique trägt seit 2003 die staatliche Bezeichnung Musée de France. Seine Dauerausstellung widmet sich insbesondere dem Alltagsleben im antiken Saintes vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr.
Sakralbauten
mini|Die Kathedrale Saint-Pierre
Die Kathedrale Saint-Pierre entstand in mehreren Bauphasen vom 12. bis zum 17. Jahrhundert. Nach ihrer teilweisen Zerstörung während der Religionskriege im Jahr 1568 wurde sie wiederaufgebaut. Zu den bedeutenden erhaltenen Bauteilen gehört das reich skulptierte spätgotische Westportal im Stil der Flamboyantgotik.
Die Kirche Saint-Eutrope gehört als Einzelbauwerk zur UNESCO-Welterbestätte „Jakobswege in Frankreich“.
mini|Die Abteikirche der Abbaye aux Dames
Die 1047 gegründete Abbaye aux Dames besitzt mit der Kirche Sainte-Marie-aux-Dames einen bedeutenden romanischen Sakralbau. Die Kirche steht seit 1846 als Monument historique unter Denkmalschutz.
Zu den jüngeren Sakralbauten gehört die 1841 nach Plänen von Antoine Brossard errichtete, klassizistisch geprägte Kirche Saint-Vivien.
mini|Die protestantische Kirche
Die protestantische Kirche am Cours Reverseaux wurde 1906 nach Plänen des Pariser Architekten Augustin Rey errichtet. Sie steht seit 1998 als Monument historique unter Denkmalschutz.
Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Saintes
Musik
Die Abbaye aux Dames dient heute auch als Musik- und Ausbildungszentrum. Das dort angesiedelte Jeune Orchestre de l’Abbaye bildet junge Berufsmusiker insbesondere in der Aufführung auf historischen Instrumenten aus.
Seit 1972 findet in Saintes das Festival de Saintes statt. Das von Alain Pacquier gegründete Festival widmete sich zunächst vor allem der Alten Musik und der historisch informierten Aufführungspraxis; später wurde das Repertoire erweitert.
Kriegsgräberstätten in der Umgebung
Südwestlich von Saintes befindet sich in der Gemeinde Rétaud die französische Nécropole nationale de Rétaud. Dort ruhen 330 Soldaten, die bei den Kämpfen zur Befreiung der deutschen Atlantikstellungen von Royan und der Île d’Oléron im Frühjahr 1945 für Frankreich gefallen sind. Der Friedhof wurde im April 1945 angelegt und ging 1950 in das Eigentum des französischen Staates über.
Etwa acht Kilometer südlich von Saintes liegt an der N 137 auf dem Gebiet der Gemeinde Berneuil die Deutsche Kriegsgräberstätte Berneuil. Auf dem als Sammelfriedhof angelegten Gelände ruhen 8.342 Tote des Zweiten Weltkriegs. Sie waren zuvor an verschiedenen Orten in 15 Départements Südwestfrankreichs bestattet worden. Aufgrund des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens erhielt Berneuil den Status eines Zubettungsfriedhofs; die Umbettungen begannen 1962. Die Anlage wurde am 24. Juni 1967 im Beisein offizieller Vertreter beider Staaten und zahlreicher Angehöriger eingeweiht.
Städtepartnerschaften
Nach Angaben der Stadtverwaltung unterhält Saintes vier aktive Städtepartnerschaften:
Nivelles, Belgien Xanten, Deutschland – seit 2002 Salisbury, Vereinigtes Königreich Cuevas del Almanzora, Spanien
Zwei weitere Partnerschaften werden von der Stadtverwaltung gegenwärtig nicht aktiv gepflegt:
Wladimir, Russland – die Austauschbeziehungen sind aufgrund der geopolitischen Lage ausgesetzt. Timbuktu, Mali – die Austauschbeziehungen sind aus Sicherheitsgründen ausgesetzt.
Persönlichkeiten
Joseph-Ignace Guillotin (1738–1814), französischer Arzt und Politiker; nach ihm ist die Hinrichtungsmaschine Guillotine benannt Paul Legrand (1816–1898), französischer Pantomime Henri Mignet (1893–1965), französischer Flugzeugkonstrukteur und Pilot Simone Schwarz-Bart (* 1938), französisch-guadeloupische Schriftstellerin Patrick Friou (* 1955), französischer Radrennfahrer Dominique Rocheteau (* 1955), französischer Fußballspieler Marc Orlando (* 1968), französisch-australischer Konferenzdolmetscher, Übersetzer und Hochschullehrer Benoît Violier (1971–2016), französisch-schweizerischer Koch Gaëlle Arquez (* 1983), französische Opernsängerin Joris Daudet (* 1991), französischer BMX-Rennfahrer
Literatur
Le Patrimoine des Communes de la Charente-Maritime. Band 2. Flohic Editions, Paris 2002, ISBN 2-84234-129-5, S. 1004–1036.
Weblinks
Website des Office de Tourisme von Saintes (französisch)
Einzelnachweise
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