Das Overledingerland (auch Overledingen, hochdeutsche Schreibweise Oberledingerland, Oberledingen) ist eine historische Landschaft im südlichen Ostfriesland und bildet den südöstlichen Teil des Landkreises Leer. Der Name bedeutet nichts anderes als „Land über der Leda“, also südlich des Flusses Leda. Im Westen begrenzt die Ems den Landstrich.

Politisch gliedert es sich heute in die Gemeinden Rhauderfehn, Ostrhauderfehn und Westoverledingen sowie die Ortschaft Nettelburg der Stadt Leer. Dieses historische Gebiet wird heute vom Wasserversorgungsverband Overledingen versorgt. Historisch gehört auch die Nessehalbinsel in der Stadt Leer zum Overledingerland, da die Ledaschleife erst in jüngerer Zeit durchstochen wurde. Weit verbreitet ist als Umgangssprache das ostfriesische Platt. Die Gemeinden Rhauderfehn und Westoverledingen haben zur Pflege der Sprache Plattdeutschbeautragte ernannt.

Die Overledinger sind mehrheitlich protestantisch. Nahe der Ems gibt es noch einige reformierte Gemeinden, ansonsten herrscht das lutherische Bekenntnis vor. Vereinzelt finden sich auch Freikirchen oder Katholiken. Im Süden, zu Emsland und Hümmling, und im Osten, zum Oldenburger Münsterland (einschl. das friesischsprachigen Saterlands), verläuft eine recht starke Konfessionsgrenze zu mehrheitlich katholischen Gebieten.

Geschichte mini|Overledingen innerhalb der friesischen Seelande um 1300 Das Overledingerland ist eine der vier historischen Landschaften auf dem Festland des heutigen Landkreises Leer. Es gehörte im frühen Mittelalter zum karolingischen Emsgau,Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters - Leben und Legende, Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 2003, S. 70, ISBN 3-932206-30-4 konnte sich aber, nachdem die auswärtigen Grafen vertrieben waren, im 13. Jahrhundert als eine eigenständige friesische Landesgemeinde etablieren.Karl von Richthofen: Untersuchungen zur friesischen Rechtsgeschichte, Band 2, Teilband 1. Wilhelm Hertz, Berlin 1882, darin Kapitel 4: Die sieben friesischen Seelande, S. 134, mit ausführlichen Zitaten der friesischen Quellen (Digitalisat) Im Süden schlossen sich auch einige sächsische Siedlungen der genossenschaftlich organisierten Landesgemeinde an. Eine klassische Feudalherrschaft etablierte sich hier wie im übrigen Friesland nicht.Heinrich Schmidt: Adel und Bauern im friesischen Mittelalter. In: Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 45. Hildesheim 1973. S. 82 (online)

Es war vermutlich in Landesviertel geteilt, die jeweils vier Vertreter in den Sechzehner-Rat des Overledingerlandes entsandten, dessen Hauptversammlungsort wahrscheinlich Backemoor war. Aufgrund der wirtschaftlichen Voraussetzungen konnte sich das Overledingerland allerdings keine so starke Stellung erarbeiten, wie es weiter nördlich etwa das Brokmerland, das Harlingerland oder das Jeverland schafften. Während der Zeit der friesischen Freiheit zum Upstalsboombund.Karl von Richthofen: Untersuchungen zur friesischen Rechtsgeschichte, Band 2, Teilband 1. Wilhelm Hertz, Berlin 1882, darin Kapitel 4: Die sieben friesischen Seelande, S. 7, mit ausführlichen Zitaten der friesischen Quellen (Digitalisat)

Die Eigenständigkeit endete im 15. Jahrhundert mit der Herrschaft der Hamburger und der Häuptlinge.Hemmo Suur: Geschichte der Häuptlinge Ostfrieslands. Fr. Rakebrand: Aurich und Norden 1846. S. 37 f. Eine einheimische zentrale Häuptlingsherrschaft entwickelte sich nicht, nur einige Dorfhäuptlinge konnten sich etablieren. Das Land geriet zunächst unter die Herrschaft der tom Brok.Heinrich Schmidt: Politische Geschichte Ostfrieslands (Ostfriesland im Schutze des Deiches; Band 5), Pewsum 1975. S. 83 Nach deren Niedergang fiel es an Focko Ukena und in dessen Gefolge an die Cirksena. Mit dem Ende der Häuptlingszeit ging das Overledingerland in der Grafschaft Ostfriesland auf.

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Landkreis Leer) Kategorie:Geschichte (Landkreis Leer)