Klaus Ampler (* 15. November 1940 in Marienburg, Reichsgau Danzig-Westpreußen; † 6. Mai 2016 in Leipzig) war ein Amateur-Radrennfahrer der DDR und nationaler Meister im Radsport.
Amplers Radsportaufstieg begann 1957 in der Betriebssportgemeinschaft Motor Warnowwerft Warnemünde, nachdem er 1955 mit dem Radsport begonnen hatte. 1959 gewann er die Bezirksmeisterschaft von Rostock und wechselte zum DHfK Leipzig. 1960 verpasste Ampler die Qualifikationshürde für die Olympischen Sommerspiele und die Internationale Friedensfahrt. Nach erneuter Nichtaufstellung als Friedensfahrtkandidat für 1961 nahm er Kontakt zum Profiradsport in der Bundesrepublik auf, um dort Profisportler zu werden. Hierfür wurde er durch Einwirken der DDR-Staatssicherheitsbehörde vom Turn- und Sportbund der DDR von der Rad-Weltmeisterschaft 1961 ausgeschlossen. 1962 nahm Ampler erstmals an der Friedensfahrt teil und wurde nach seinem Gesamtsieg bei der DDR-Rundfahrt im gleichen Jahr DDR-Straßenmeister. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere gewann Ampler 1963 als Gesamtsieger sowohl die Internationale Friedensfahrt als auch die DDR-Rundfahrt und wurde erneut DDR-Straßenmeister. Hierfür wurde er zum DDR-Sportler des Jahres gewählt. 1964 folgte ein Jahr der sportlichen Stagnation; 1965 und 1966 holte er den DDR-Titel im 4000-Meter-Verfolgungsrennen. 1969 wurde Ampler DDR-Meister im Mannschaftszeitfahren.
Nach der Beendigung seiner Fahrerkarriere war er von 1971 bis nach der Wiedervereinigung Deutschlands als Trainer im SC DHfK Leipzig tätig. Dort betreute er unter anderen seinen Sohn Uwe und Uwe Raab. Im Anschluss hieran fungierte er bis 1996 als Geschäftsführer eines Fahrradgroßhandels in Leipzig. Danach war er Co-Moderator der Friedensfahrtübertragungen des MDR und Ehrengast bei verschiedenen Veranstaltungen. Im Jahr 2005 erkrankte Ampler an der Alzheimer-Krankheit, an deren Folgen er im Mai 2016 im Alter von 75 Jahren starb.
Leben Familie und Persönliches Klaus Ampler wurde am 15. November 1940 im westpreußischen Marienburg als jüngstes von sieben Kindern als Sohn des Brunnenbauers Felix Ampler († 1967) und dessen Frau Maria geboren. Er hatte vier Brüder und zwei Schwestern. Verheiratet war er seit Mai 1962 mit Waltraud Ampler, geborene Böhlmann. Aus der Ehe ging eine Tochter und Sohn Uwe Ampler (* 1964) hervor, der ebenfalls Radrennsportler wurde. Sein Enkel Rick Ampler (* 1989) verkörpert die dritte Generation Radrennfahrer der Amplers.
Politisch bekleidete Ampler während der DDR-Zeit ab 1963 das Amt eines SED-Parteisekretärs.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 241. Nach eigenen Aussagen übte er diese Funktion aus, um für die Belange des Radsports einzutreten.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 80.
Kindheit und Jugend Der frühere Wohnort der Amplers befand sich in Stuhm, von welchem die Familie im Januar 1945 vor der Roten Armee nach Kolberg floh. Übere weitere Stationen erreichte sie im Sommer 1945 Rostock-Dierkow. Von dort wurden die Amplers nach Groß-Siemen umgesiedelt. Ab 1946 besuchte Ampler die Schule der Nachbargemeinde Schmadebeck. Später zog die Familie nach Altenhagen um. Hier gewann Ampler im Juni 1952 sein erstes Radrennen. Nach der Schulzeit bewarb sich Ampler als Lehrling bei der Warnowwerft Warnemünde, wo er im September 1956 eine Lehre zum Lichtbogenschweißer aufnahm. Noch im gleichen Monat wurde er Mitglied in der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Motor Warnowwerft. In der dortigen Radsportabteilung erhielt er seine Jugendfahrer-Lizenz, wobei er für die BSG bei zahlreichen Jugend-Radrennen starteteUllrich: Klaus Ampler. Ein Lebensbild des Friedensfahrtsiegers 1963. S. 9–20.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 8–20., 152. und dort 35 Siege erzielte.
Sportliche Karriere 1959–1960: Anfänge und Aufstieg mini|150px|Herbert Weisbrod (1918–2000) warb Ampler für den SC DHfK Leipzig an. Im Mai 1959 gewann Ampler die Rostocker Bezirksmeisterschaft. Nach Rennen in Ahlbeck, Rostock und Waltershausen stieg Ampler in die höchste Amateur-Radrennfahrerklasse der DDR auf. Das Debütrennen der Leistungsklasse I am 28. Juni in Reichenbach gewann er vor Henning vom SC DHfK Leipzig. Im neuen Verein wurde ihm auch der Spitzname „Neptun“ in Anspielung auf seine Herkunft von der Ostseeküste, verliehen. Dessen Trainer Herbert Weisbrod warb Ampler für diesen Verein an. Zu Weisbrods Schützlingen im SC DHfK Leipzig gehörte Amplers Idol Gustav-Adolf Schur („Täve“), den er eine Woche nach seinem Sieg in Reichenbach bei der Harzrundfahrt traf. Bei den anschließenden DDR-Straßen-Radmeisterschaften in Venusberg wurde Ampler Zwölfter dem wenig später der 56. Gesamtrang bei der DDR-Rundfahrt 1959 folgte.Ullrich: Klaus Ampler. Ein Lebensbild des Friedensfahrtsiegers 1963. S. 20–24.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 33. Im folgenden Rennen, der 53. Auflage des Klassikers Rund um Berlin, schloss Ampler zur nationalen Radsportspitze auf, als er praktisch in Alleinfahrt vor Klaus Kellermann und Egon Adler siegte.Amplers Fleiß wurde belohnt. Wolkenbruch bremste die Schur-Verfolgungsgruppe bei „Rund um Berlin“ / Weltmeister wurde 21. In: Neues Deutschland. 24. August 1959, S. 4. Anschließend startete Ampler in Plewen bei den VI. Internationalen Sportspielen der Landesjugend. Das Mannschaftsrennen endete mit einem Sieg der DDR-Auswahl und im Einzelrennen wurde Ampler Zweiter. Nach seiner Rückkehr zog Ampler nach Leipzig, wo im SC DHfK Leipzig Busse sein Trainer wurde. Neben seinem Sportpensum arbeitete Ampler bei den Leipziger Kirow-Werken.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 36–37.Landessportler aus sieben Staaten an dem Start. Erste Goldmedaille für die DDR. In: Neues Deutschland. 30. August 1959, S. 8. Die ersten Siege für seinen neuen Club erreichte Ampler im September beim international besetzten Rennen Rund um SebnitzKlaus Ampler gewann „Rund um Sebnitz.“ In: Neues Deutschland. 21. September 1959, S. 4. und beim Rennen Rund um Spitze in Forst vor seinem Clubkameraden Wolfgang Braune, welcher Amplers Spitznamen „Neptun“ prägte. Im Oktober 1959 bestritt Ampler in Rostock das Rennen um den Vögenteich und den 7. Oberlausitzer Grenzlandringpreis, die er beide gewann.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 40.Grenzlandpreis für Ampler. In: Neues Deutschland. 12. Oktober 1959, S. 4.
Vom 26. Januar bis 7. Februar 1960 bestritt Ampler die VII. Ägypten-Rundfahrt, wo er in der 9. Etappe als bis dato Gesamtführender stürzte und sich einen Schlüsselbeinbruch zuzog.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 43.Ullrich: Klaus Ampler. Ein Lebensbild des Friedensfahrtsiegers 1963. S. 30–33. Nach seiner Genesung gewann er die im April ausgetragene Rundfahrt um PotsdamAmpler gewann Eröffnungsrennen. In: Neues Deutschland. 4. April 1960, S. 3. und erreichte einen dritten Platz beim ausgetragenen Großen Preis des ND in Leipzig.Ein weltmeisterlicher Sieg. In: Neues Deutschland. 15. April 1960, S. 8.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 45. Bei der 46. Auflage der Hainleitefahrt am 27. Mai, eines von zwei Qualifizierungsrennen für die bevorstehenden Olympischen Sommerspiele in Rom, wurde Ampler Dritter.Schur vor Höhne und Ampler. In: Neues Deutschland. 28. Mai 1960, S. 8. Im Dortmunder Folgerennen reichte es für ihn nur zu Rang 17, womit er die Olympiaqualifikation als Gesamtsechster verpasste.DDR-Radsport-Triumph in Dortmund. In: Neues Deutschland. 30. Mai 1960, S. 3.Ullrich: Klaus Ampler. Ein Lebensbild des Friedensfahrtsiegers 1963. S. 35–36. Nach einem dritten Platz beim Klaus-Törpe-GedächtnisrennenBerlin gegen Poznan 1 : 0. In: Neues Deutschland. 17. Juni 1960, S. 7. wurde Ampler im Juli 1960 bei der alljährlichen Ostsee-Rundfahrt im Endklassement Siebter.Adler gewann die Ostseerundfahrt. In: Neues Deutschland. 8. Juli 1960, S. 8. Bei der folgenden Straßen-Radmeisterschaft über 170 km auf dem Schleizer Dreieck wurde Ampler hinter Schur und Eckstein Dritter.Täve Schur Deutscher Meister. In: Neues Deutschland. 1. August 1960, S. 4. Nach weiteren Rundstreckenrennen siegte Ampler im September bei der neuerlichen Auflage des Rennens Rund um Berlin vor dem Belgier Michel Noppe.Ullrich: Klaus Ampler. Ein Lebensbild des Friedensfahrtsiegers 1963. S. 39–41.Ampler wiederholte Vorjahressieg. In: Neues Deutschland. 5. September 1960, S. 3. Die letzten Rennen der Saison bestritt Ampler in Bulgarien. Die Zweihafenetappe von Burgas nach Warna musste Ampler als Gesamtführender jedoch infolge einer Knieentzündung vorzeitig abbrechen.Ullrich: Klaus Ampler. Ein Lebensbild des Friedensfahrtsiegers 1963. S. 41–42.Doppelerfolg für Bulgarien. In: Neues Deutschland. 3. Oktober 1960, S. 1. Im November 1960 besuchte Ampler das Westberliner Sechs-Tage-Rennen in der Deutschlandhalle, wobei er erstmals in Kontakt zu westdeutschen Radprofis treten konnte. Dabei lernte er die ihm als Amateur unbekannten Vorzüge des Profiradsports kennen.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 47.
1961: Wechselgedanken mini|Die Friedensfahrtkandidaten 1961. Ampler vor seinen Mannschaftskollegen Adler, Schur und Weißleder. Amplers Affinität zum westdeutschen Profiradsport entfachte sich im Januar 1961 neu, als ihm Erich Hagen eröffnete, dass er gute Beziehungen zu Erich Bautz aus Dortmund und Otto Ziege aus Westberlin pflege, mit denen man wegen eines möglichen Profivertrages in Kontakt treten könne. Das Vorhaben geriet jedoch zunächst in Vergessenheit, weil sich Ampler einen Startplatz in der diesjährigen Friedensfahrtmannschaft erhoffte, die durch seine Kandidatur im April bestärkt wurde.Die Friedensfahrt Kandidaten. In: Neues Deutschland. 9. Januar 1961, S. 1. Die dazugehörigen Qualifikationsrennen liefen jedoch nicht zufriedenstellend, so dass Ampler nur als Ersatzfahrer nominiert wurde.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 47–48. Erschwerend kam für ihn hinzu, dass Ampler im Warschauer Hotel „Warszawa“ nicht bei seinen Fahrerkollegen untergebracht wurde. Als Schur kurzfristig wegen einer Erkältung auszufallen drohte, dann jedoch vom Mannschaftsarzt für fahrtauglich befunden wurde, bedeutete dies Amplers vorzeitige Heimreise.Die Friedensfahrt Kandidaten. In: Neues Deutschland. 3. Januar 1961, S. 6. Aus Frust hierüber fasste Ampler auf der Rückfahrt nach Berlin den Entschluss, Otto Ziege in dessen Büro in Westberlin aufzusuchen, um ihm mitzuteilen, dass er beabsichtige, in den Profiradsport Westdeutschlands zu wechseln.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 49. Dieser war jedoch abwesend.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 50–51.Ullrich: Klaus Ampler. Ein Lebensbild des Friedensfahrtsiegers 1963. S. 46.
Im Juni bestritt Ampler zusammen mit einem fünfköpfigen Auswahlteam das Zwei-Etappen-Rennen Wien–Rabenstein–Gresten–Wien, das er als Gesamtführender gewann. Das ihm dort offerierte Angebot des italienischen Teams lehnte er ab, wenngleich seine Sympathien Richtung Profiliga bekannt blieben.Ampler: Mein Leben für den Radsport. Schweiß. S. 53. Nach zwei weiteren internationalen Rennen auf der Isle of ManMacKenzie überlegener Skuller. In: Neues Deutschland. 25. Juni 1961, S. 8. und in Kopenhagen ohne vordere PlatzierungenDrei Bahnsiege der Frauen in England. In: Neues Deutschland. 3. Juli 1961, S. 4. gewann Ampler im Juli die 2. Ostsee-Rundfahrt über fünf Etappen als Gesamtführender.Ampler gewann Ostseerundfahrt. In: Neues Deutschland. 16. Juli 1961, S. 8. Bei der vom 17. bis 25. August stattfindenden XII. DDR-Rundfahrt wurde er hinter Schur Gesamtzweiter.Klaus Ullrich: Täve gewann seine vierte Rundfahrt. In: Neues Deutschland. 26. August 1961, S. 6.