Fritz Viegener (* 31. Dezember 1888 in Soest; † 16. Oktober 1976 in Möhnesee-Delecke) war ein deutscher Maler und Bildhauer.

Leben und Werk Fritz (Friedrich Franz) ViegenerEbert, H.: Lexikon der Bildenden und Gestaltenden Künstlerinnen und Künstler in Westfalen-Lippe, Münster 2001, S. 676 wurde als erstes von sechs Kindern im Haus Grüne Hecke 39 in Soest geboren. Nach dem Besuch der Elementarschule machte er im väterlichen Malergeschäft die Lehre und Ausbildung zum Dekorationsmaler. Nach seinem Militärdienst nahm er die Arbeit im elterlichen Betrieb wieder auf, die er mit der Meisterprüfung abschloss.

Im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet. Zurück in Soest, beschäftigte er sich als Autodidakt mit Bildhauerei. Seine erste Arbeit, ein Kopf, datiert aus dem Jahr 1919. 1922 heiratet Fritz Viegener die Witwe von Ernst August Rommel gen. Remmler, die evangelisch getaufteWörtlicher Auszug aus dem Tauf-Register der Ev.-Luth.-Augustin/Süd-Kirche in Gotha, vom 13. Mai 2009 Martha Therese Nottrodt aus Ruhla.Soester Beiträge Band 60 „Nachkriegszeit in Soest“ 2011 ein Beitrag von Stadtarchivar A.D. G. Köhn Seite 245 Fritz Viegener schrieb rückblickend zu der Heirat: „(…) es kam zum endgültigen Bruch mit dem Elternhaus.“Künstler dieser Zeit. 33 Maler und Bildhauer des Ruhrgebietes. Herausgegeben von Hans Tombrock und Josef van Heekern, Hamburg 1948, S. 18 1923 besuchte er München. 1924 folgte eine Studienfahrt nach Italien, 1925 ein Studienaufenthalt in Paris.

Neben religiösen Themen, unter anderem Kruzifixe für Kirchen in Soest und der Börde, standen der Mensch und die Börde im Mittelpunkt seines Schaffens.Wortmann, A.: Von der Seele des Holzes. Eine Einführung zu den Bildwerken Fritz Viegeners, in: Soester Heimatkalender 1927, 6. Jahrgang, S. 63–65 Mitte der 1920er Jahre beschäftigte sich Viegener für eine kurze Zeit mit dem Holzschnitt.Fritz Viegener 1888–1976 Holzschnitte. Studio – Ausstellung vom 15. November bis 28. Februar 1982 im Städtischen Gustav-Lübcke-Museum, Hamm.Fritz Viegener, Eberhard Viegener, Andreas Rosenthal: Holzschnitte. Ausstellung im Kloster Paradiese 20.09.–15.11.2003. Kettler, Bönen 2003. Die Themen seiner Holzschnitte: Soest und seine Umgebung, italienische Orte und zahlreiche Köpfe. Dazu biblische Motive und eine Szene aus der Mythologie (Danae mit dem Goldregen).

1932 zeichnete er den „Idiot“ und 1933 schnitzte er einen „Christuskopf“ (Eiche). Er schuf die „Kopfstudie eines Blinden“ (1933, gebr. Ton) und „Der Einhändige“ (1934, glasierter Ton). Im Jahr 1933 gestaltete er für die Außenwand eines Privathauses in Bad Sassendorf eine „Kreuzigungsszene“. Es folgte im gleichen Jahr ein Kruzifix für die Trauerhalle des Osthofenfriedhofs, Soest. Er wurde im Krieg zerstört. 1951 fertigte er in dreiwöchiger Arbeit aus Eichenholz einen neuen Korpus.Beobachter an der Haar, 9. Juni 1951 1933 gestaltete der Künstler als Außenplastik den „Wilden Mann“, das Wahrzeichen des Soester Marktplatzes.Soester Anzeiger, 28. Oktober 1933 1935 folgte die Plastik des „Hl. Georg“, im Giebel der Deutschen Bank, ebenfalls am Marktplatz gelegen. Direktor Stratemeier von der Deutschen Bank gab den Auftrag für die Plastik. Der hl. Georg wurde gewählt, weil in der Nähe des Bankgebäudes früher die Georgskirche stand.Westfälischer Kurier, Juli 1935 1936 schuf Fritz Viegener die Außenplastik des „Jägers von Soest“ am Soester Rathaus.Westfälischer Kurier, Mai 1936 1934 erarbeitete Fritz Viegener mit einem Kollegen ein Modell für das zukünftige Aufmarschgelände und Messegelände an der Deutschlandhalle. Auftraggeber war das NSDAP-Mitglied des Soester Baurats Günter Schmidt.Gerhard Köhn: Wiedergutmachung für Verfolgte des Nationalsozialismus, aufgezeigt an einigen Beispielen aus Soest. In: Ilse Maas-Steinhoff (Hrsg.): Nachkriegszeit in Soest. Soest 2011, Seite 259 Der Entwurf des Modells stammte von Schmidt, und „von Fritz Viegener und Kreutzer“Köhn, G.: Soest in alten Bildern. Band 4, 1919–1939, Teil 1, Soest, 2003, S. 319, 321 wurde es ausgeführt. Über eine Beziehung zwischen Schmidt/Viegener gibt es keine Angaben. Über Kreutzer findet sich nur „Kreutzer NN (Künstler/Modellbauer)“.Köhn, G.: Soest in alten Bildern. Band 4, 1919–1939, Teil II, Soest 2006, S. 789 1937 empfahl die Reichskulturkammer der Städtischen Kunstsammlung Soest, die Plastik von Fritz Viegener Nr. 40 Hockende Frau nicht mehr öffentlich zu zeigen. „Im dritten Reich zog er sich zurück.“Soester Anzeiger, 18.10 1976 Behördlicherseits blieben Aufträge aus. Er nahm jedoch an Ausstellungen teil: „6. Große Westfälische Kunstausstellung in Münster“Generalanzeiger Dortmund, 15. Juni 1932 – „Junge religiöse Kunst“ (1932, Kunsthalle Düsseldorf)Augsburger Postzeitung, 1932 – „Herbstausstellung Westfälischer Künstler“ (1932, Dortmund, im alten Bankhaus am Markt) – „Junge rheinisch-westfälische Künstler“ (1935, Kunsthalle Düsseldorf).Der Mittag, 10./11. August 1935 Friedrich Wilhelm Heckmanns, der damalige Direktor des Westfälischen Kunstvereins, wies in seiner Eröffnungsrede zum 80-jährigen Geburtstag Fritz Viegeners anlässlich seiner Kunstausstellung darauf hin, dass Fritz Viegener „(…) einer niederträchtigen Diffamierung durch jene faschistische Kulturpolitik nur durch konsequente Arbeit, der das Glück der Anerkennung weniger Freunde zuteil geworden ist, sich hat widersetzen können“.Rede von Friedrich Wilhelm Heckmanns anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von Werken von Fritz Viegener im Wilhelm-Morgner-Haus zu Soest vom 7. Dezember 1968 bis 6. Januar 1969. Die Rede liegt vervielfältigt vor.

In den Jahren 1937/38 gestaltete Fritz Viegener mit bildhauerischen, symbolischen Arbeiten das Landhaus des Textilindustriellen Heinrich Pferdmenges „Haus Langmaar“ in Rheydt-Giesenkirchen.Stadtarchiv Mönchengladbach, 29c 50/116 Zu der Arbeit an dem Haus hieß es: „Fritz Viegener bringt die Neigung zum Sinnbild von Natur aus mit und als Autodidakt legt er alles nach den aus dem Volke hervorgegangenen Vorstellungen unproblematisch aus.“Westfälische Landeszeitung – Rote Erde, 16. Dezember 1937

1941 wurde Viegener beauftragt, Balkenschnitzereien an dem Haus „Kuhfuß“ an der Marktstraße 7 anzubringen. Dieses Haus war 1940 als erstes Haus in Soest von Bomben zerstört worden. Die Wiedererrichtung im Folgejahr wurde zur Propaganda verwertet.Soester Anzeiger vom 29. November 1941: Der neue „Kuhfuß“ steht (/) An zwei geschnitzten Hakenkreuzen an dem denkmalgeschützten Gebäude entzündete sich 2004 eine lokale Diskussion.Soester Anzeiger vom 26. Oktober 2004: Der Schriftwechsel zwischen dem Provinzialkonservator Rave, dem Architekten Kötter, dem Kreisbaumeister Sievert sowie dem Kreisleiter Ernst gibt Einblick in die damalige Situation.Kreisarchiv Soest, Bestand: Altkrs. So / Signatur: 5937

1942 starb seine in der Zeit des Nationalsozialismus als „Halbjüdin“ geltende Frau, und seine Schwester Maria wurde in Eichberg ein Opfer der Euthanasiemorde. Eine Patientenakte liegt in Münster vor.Archiv des LWL (Best. Klinik Warstein) Einblick in die besondere Situation in Eichberg gibt Warstein.Psychiatrie – Museum Warstein, LWL Klinik

Mit den 1950er Jahren erhielt er Aufträge, so für die Stadt Herne mit einem Ehrenmal („Trauernde Frau“) in Holz, für die Toten der Stadtverwaltung beider Weltkriege.Westfalenpost, 15. November 1952 Es folgten größere Aufträge für Schulen z. B. die Börsinghauser Schule in Herne,Säulen der Erziehung. Künstlerischer Schmuck für Börsinghauser Schule, in: Herner Stadtanzeiger. Amtliches Bekanntmachungsorgan der Stadt Herne, 14. Oktober 1950 für die neue evangelische Volksschule in Warstein eine Außenplastik an der Stirnseite des Gebäudes („Mutter begleitet ihr Kind zur Schule“) und im Innern zwei Brunnenbecken,Westfälische Rundschau, 10. November 1953 für die Neheim-Hüster Volksschule in Bergheim den „Gänseliesel-Brunnen“, mit Märchenszenen am Brunnenrand und der Gänseliesel, in Bronze, auf dem Brunnen,Westfalenpost, 5. September 1953 für kirchliche Einrichtungen, so 1956 in drei Reihen von Tonreliefs Szenen aus Berufung und Leben der Diakonissen für das Amalie-Sieveking-Haus in Hagen,Unser Brief. Rundbrief aus dem Mutterhaus Sarepta für Pflegevorschülerinnen, Bethel/April 1962 – Gemeindebrief. Evangelisch-Lutherische Pauluskirchengemeinde, Passion/Ostern 2008, S. 6–8 zu der Zeit Pflegevorschule zur Ausbildung von Pflegevorschülerinnen, und für Kirchen, darunter die große Kreuzigungsgruppe in der evangelischen Pauluskirche in Hagen-Wehringhausen,Krönung des bisherigen Gesamtwerkes. Fritz Viegener schuf Kreuzigungsgruppe für die Pauluskirche. In: Westfalenpost, Nr. 212, 11. September 1954 das Südportal der Petrikirche,Neue Kunst für alte Kirche. Fritz Viegener schuf neues Portal/Fensterentwurf in der Petrikirche, in: Westfalenpost, Nr. 142, 24. Juni 1958 das Portal der ThomäkircheSt. Thomae Soest. Festschrift der evangelischen St. Thomae-Kirchengemeinde zur Einweihung der Kirche am 2. Oktober 1966, Wiesbaden 1966 und Arbeiten für die Johanneskirche (1964, Altarretabel, Altarleuchter, Seitenwände der Kanzel, Bronzegriffe an der Eingangstür). Nach einer Karenzzeit von 20 Jahren stellte Fritz Viegener 1965 in der Galerie Clasing in Münster aus.Vielhaber, R.: „Man müsste etwas daraus machen!“ Nach 20 Jahren erste Ausstellung, in: Soester Anzeiger, Nr. 236, Oktober 1965

Drei Plastiken Fritz Viegeners stehen im Kurpark von Bad Sassendorf: „Der Schäfer“, „Die Schützende“ und „Die Wasserträgerin“. Nach Modellen, von Fritz Viegener vor Jahren angefertigt, wurden die Arbeiten in den Steinmetzwerkstätten der Firma Berghoff-Schulte (Anröchte) unter der Aufsicht des Künstlers geschaffen.Westfalenpost, April 1975

Seine Brüder waren der Maler Eberhard Viegener und der Fotograf Josef Viegener, dessen umfangreicher fotografischer Nachlass sich heute im LWL-Medienzentrum für Westfalen befindet.

Kurz vor Vollendung seines 88. Lebensjahres erlag Fritz Viegener einem Herzinfarkt. Zu seiner Bestattung kamen Vertreter des Kreises, der Stadt Soest und der Gemeinde Körbecke. Walter Klemann, der frühere Soester Bürgermeister, hob hervor, dass Fritz Viegener unlösbar mit der Stadt Soest verbunden und mit den Menschen der Börde verwachsen war.

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