Die St.-Bartholomäus-Kirche war eine Kirche in der Wilsdruffer Vorstadt in Dresden. Sie gehörte wie der als Friedhof genutzte Kirchhof zum Bartholomäus-Hospital und bestand wie das Hospital bis 1839. mini|hochkant=1.3|Die St.-Bartholomäus-Kirche mit anschließenden Hospitalbauten

Geschichte Die Bartholomäus-Kirche war die Kirche des im 13. oder 14. Jahrhundert erbauten Bartholomäus-Hospitals. Bartholomäus gilt als Patron gegen Hautkrankheiten, weil er auf Befehl des Astyages, eines Bruders des armenischen Herrschers Polymios, geschunden worden sein soll. 1238 kam seine angebliche Hirnschale des Apostels durch Kaiser Friedrich II. in den Kaiserdom St. Bartholomäus von Frankfurt am Main, welcher ab diesem Zeitpunkt nach ihm benannt wurde. Im Anschluss verbreitete sich das Bartholomäus-Patrozinium im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches häufiger. Auch nach Dresden kam eine mittlerweile verschollene Bartholomäus-Reliquie, weil vor dem Wilsdruffer Tor angeblich gegen Lepra heilkräftiges Wasser sprudelte. Mit dem Aufblühen der Städte im 12. Jahrhundert und dem allgemeinen Bevölkerungswachstum bis ins 13. Jahrhundert nahm die Zahl der Leprakranken zu. Darüber hinaus förderten die Enge der Städte und die oft mangelhaften hygienischen Verhältnisse die Verbreitung von Infektionskrankheiten.

Eine erste Nachricht von der Existenz der Kirche sind Rechnungen für Umbauten der Kirche aus dem Jahr 1408.Cornelius Gurlitt: Die Bartholomäuskirche. In: Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Heft 21: Stadt Dresden. Meinhold, Dresden 1903, S. 167. Die Weihe eines Altars und des Friedhofs durch den Bischof von Meißen ist für das Jahr 1473 belegt.Andreas Meinhardt: Dresden im Wandel. Akademie, Berlin 2009, S. 62.Vgl. Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah: Spitäler in Dresden, 2008. Hier zit. lt. Carola Schauer: Tod und Bestattung in Dresden. Teil 1. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch Nr. 15. DZA, Altenburg 2010, S. 28.

mini|Lages der Bartholomäuskapelle (Nr. 22) auf einem Stadtplan von Dresden Ende des Mittelalters mini|Ansicht der Kirche mit der in Seuchenzeiten genutzten Pestkanzel

Die Kirche lag „etwas eingerückt von der Straße nach der Entenpfütze [Freiberger Platz], woselbst eine Mauer den Einschluß macht“.Johann Christian Hasche: Die Bartholomäuskapelle oder der Geist. In: Johann Christian Hasche: Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußern und innern Merkwürdigkeiten. Schwickert, Leipzig 1781, S. 711. Im Jahr 1519 folgte ein größerer Umbau, der 1520 abgeschlossen wurde. Die Kirche war, nachdem der Friedhof Ende des 16. Jahrhunderts stillgelegt worden war, 1783 von einem begrünten Hof umgeben, auf dem Bäume sowie ein Brunnen standen. Sein Wasser sollte dem Glauben nach heilende Kräfte gehabt haben. Auf dem Kirchengelände befanden sich zudem Wohnungs- und Wirtschaftsbauten des Bartholomäus-Hospitals.

Die St.-Bartholomäus-Kirche war neben Hospitalkirche auch die Pfarrkirche für die spätere Wilsdruffer Vorstadt. Gemeinden wie Gerbergasse, Viehweide, Fischersdorf und Poppitz waren in die Bartholomäus-Kirche eingepfarrt. Im Jahr 1539 wurde das Pfarramt der Kirche im Zuge der Reformation dem Pfarrer der Gemeinde Plauen übertragen,Anton Weck: Die dritte Kirche so gleicher Gestalt ietztgedachtem Thore ist die Capell zu S. Bartholomaei. In: Der Chur-Fürstlichen Sächsischen weitberuffenen Residentz- und Haupt-Vestung Dresden Beschreib- und Vorstellung. Froberger, Nürnberg 1680, S. 272. sodass zusätzlich Plauen, Naußlitz, Roßthal, Löbtau, Dölzschen und Coschütz in die Kirche eingepfarrt waren. Der erste evangelische Pfarrer der St.-Bartholomäus-Kirche wurde Johann Küchler († 1545), zweiter Pfarrer ab 1546 Nicolaus Fleischmann († 1570).Carl August Espe: Ueber den Geist oder das Hospital und die Kirche des h. Bartholomäus zu Dresden. In: P. G. Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, für Kunst und Natur im Elbthale. Band 1, Nr. 7. Grimmer, Dresden 1837, S. 100. Möglicherweise wurde die Gemeinde Plauen jedoch bereits unter Fleischmann wieder aus der Bartholomäus-Kirche ausgepfarrt; Donat Michael war spätestens 1563 als Ersatz für Fleischmann Pfarrer der Kirche. Ihm folgten 1566 Matthias Haber, anschließend Matthias Hausotter († 1593), der als erster Pfarrer der Parochie ab 1567 auch die Seelsorge der Pestkranken übertragen bekam,Andreas Meinhardt: Dresden im Wandel. Akademie, Berlin 2009, S. 63. und ab 1574 Paul Pretzschner.Carl August Espe: Ueber den Geist oder das Hospital und die Kirche des h. Bartholomäus zu Dresden. In: P. G. Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, für Kunst und Natur im Elbthale. Band 1, Nr. 7. Grimmer, Dresden 1837, S. 101.

Im Zuge der Reformation war das Dresdner Franziskanerkloster geschlossen worden und damit auch einer der wenigen Friedhöfe der Stadt entfallen. Zu dieser Zeit blieben der Frauenkirchhof, der Friedhof der Dreikönigskirche und der der Bartholomäus-Kirche als einzige Begräbnisstätten der Stadt. Zu Pretzschners Zeit waren die Gemeinden so stark angewachsen, dass Kirche und Friedhof zu klein wurden. Die Liegezeiten auf dem Friedhof hatten sich um 1577 dermaßen verkürzt, dass für neue Beisetzungen „oft noch zum Theil unverwester Körper aufgegraben werden müssen“.Schenkungsurkunde von Kurfürst August, 9. März 1578. Zit. nach Gustav Boettger: Die Geschichte der Annenkirche in Dresden: Eine Säcularschrift. Adler und Dietze, Dresden 1860, S. 8. Die Gemeinden baten Kurfürst August im Jahr 1577 daher um einen neuen Platz für eine größere Kirche samt Friedhof. Auf Fürbitte von Kurfürstin Anna schenkte er der Gemeinde 1578 den sogenannten Parchenhof für eine neue Kirche und einen Platz zu „einem geraumern geruhiglichen Begräbniße“. Am 26. Juli 1578 konnte die Einweihung der Annenkirche gefeiert werden, um die herum der neue Annenkirchhof entstanden war. Im gleichen Jahr verlor die St.-Bartholomäus-Kirche ihren Parochialstatus an die Annenkirche, deren erster Pfarrer Paul Pretzschner wurde. Die bisher in die Bartholomäus-Kirche eingepfarrten Gemeinden wurden nun zur Annengemeinde zusammengefasst. Die Bartholomäus-Kirche wurde dennoch weiterhin für Gottesdienste genutzt, so war der Pfarrer der Annenkirche verpflichtet, viermal im Jahr mittwochs in der St.-Bartholomäus-Kirche einen Gottesdienst mit Kommunion für die Kranken zu halten.Johann Christian Hasche: Die Bartholomäuskapelle oder der Geist. In: Johann Christian Hasche: Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußern und innern Merkwürdigkeiten. Schwickert, Leipzig 1781, S. 708; Carl August Espe: Ueber den Geist oder das Hospital und die Kirche des h. Bartholomäus zu Dresden. In: P. G. Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, für Kunst und Natur im Elbthale. Band 1, Nr. 7. Grimmer, Dresden 1837, S. 101. Die Schwestern des Hospitals nutzten die Kirche ab 1578 und hielten sie baulich instand. Von 1760 bis 1769 diente die St.-Bartholomäus-Kirche als Ersatzkirche für die Annengemeinde, da die Annenkirche im Siebenjährigen Krieg durch preußischen Beschuss schwer beschädigt worden war.

Bereits 1831 war der Neubau eines Hospitals samt Kirche an der Stelle der Bartholomäus-Kirche geplant.Carl August Espe: Ueber den Geist oder das Hospital und die Kirche des h. Bartholomäus zu Dresden. In: P. G. Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, für Kunst und Natur im Elbthale. Band 1, Nr. 7. Grimmer, Dresden 1837, S. 97–98. Im Zuge der Anlage des Freiberger Platzes wurden Kirche und Hospital samt den Siechenhäusern von 1838 bis 1839 abgerissen. Auf dem Gelände entstanden in der Folge Mietshäuser.

Das Kirchengebäude mini|Innenraum der Bartholomäus-Kirche Außenansicht Die Kirche war von 1519 bis 1520 auf Anweisung des Kurfürsten GeorgJohann Christian Hasche: Die Bartholomäuskapelle oder der Geist. In: Johann Christian Hasche: Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußern und innern Merkwürdigkeiten. Schwickert, Leipzig 1781, S. 53. erneuert bzw. neu erbaut worden,Anton Weck: Die dritte Kirche so gleicher Gestalt ietztgedachtem Thore ist die Capell zu S. Bartholomaei. In: Der Chur-Fürstlichen Sächsischen weitberuffenen Residentz- und Haupt-Vestung Dresden Beschreib- und Vorstellung. Froberger, Nürnberg 1680, S. 271. so trug ein Stein unweit des Grabsteins von Weihbischof Niclas die Inschrift „Darnach 1519 jare ist diss gotshaus ufs naw widerumb gebawet. Hans Hammer spitalmeyster“.Zit. nach Carl August Espe: Ueber den Geist oder das Hospital und die Kirche des h. Bartholomäus zu Dresden. In: P. G. Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, für Kunst und Natur im Elbthale. Band 1, Nr. 7. Grimmer, Dresden 1837, S. 102. Anton Weck befand 1680, dass die Kirche nicht sehr groß, jedoch „gar fein steinern erbauet“ sei.Anton Weck: Die dritte Kirche so gleicher Gestalt ietztgedachtem Thore ist die Capell zu S. Bartholomaei. In: Der Chur-Fürstlichen Sächsischen weitberuffenen Residentz- und Haupt-Vestung Dresden Beschreib- und Vorstellung. Froberger, Nürnberg 1680, S. 271. Auch Historiker Johann Christian Hasche nannte den Bau ein „steinernes aber freylich kleine[s] Kirchelgen“.Johann Christian Hasche: Die Bartholomäuskapelle oder der Geist. In: Johann Christian Hasche: Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußern und innern Merkwürdigkeiten. Schwickert, Leipzig 1781, S. 707. Cornelius Gurlitt schätzte die Größe der Kirche 1903 auf rund 21 Meter Länge und elf Meter Breite.Cornelius Gurlitt: Die Bartholomäuskirche. In: Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Heft 21: Stadt Dresden. Meinhold, Dresden 1903, S. 169.

Die Kirche war ein schlichter rechteckiger Bau mit kleinem schiefergedecktem Dachreiter, in dem mehrere Glocken angebracht waren. Hasche nannte den Stil „schlecht gothisch“.Johann Christian Hasche: Die Bartholomäuskapelle oder der Geist. In: Johann Christian Hasche: Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußern und innern Merkwürdigkeiten. Schwickert, Leipzig 1781, S. 708. Das Dach war flach gedeckt; die Fenster waren in ihrer Form uneinheitlich. Die Kirche diente als Gotteshaus für die Gemeinde und die Kranken. Während die Gemeindemitglieder im Inneren der Kirche Platz nahmen, konnten die Kranken des Hospitals aufgrund möglicher Ansteckung die Predigten nur über die Fensterluken mitverfolgen.Annette Dubbers: Die Wilsdruffer Vorstadt. Dubbers, Dresden 2010, S. 10. Historiker Carl August Espe schrieb 1837, dass die Kirche „Hinsicht der Bauart, wie der Augenschein lehrt und Sachverständige mir versichert haben, von keinem Werthe“ sei.Carl August Espe: Ueber den Geist oder das Hospital und die Kirche des h. Bartholomäus zu Dresden. In: P. G. Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, für Kunst und Natur im Elbthale. Band 1, Nr. 7. Grimmer, Dresden 1837, S. 102.

Innenansicht