mini|Peter Dörfler in Der Bücherwurm 18.1933, S. 153 mini|Peter Dörfler mini|hochkant|Gedenkstein am St. Marien-Ludwig-Ferdinand-Heim in München Peter Dörfler (* 29. April 1878 in Untergermaringen; † 10. November 1955 in München) war ein deutscher katholischer Priester, Erzieher und Dichter.

Leben hochkant|mini|Grabmal von Peter Dörfler auf dem Münchner Winthirfriedhof hochkant|mini|Figuren des Peter-Dörfler-Brünnleins

Die Vorfahren Peter Dörflers waren seit Generationen Bauern. Auch sein Vater war Bauer und gleichzeitig Bürgermeister von Untergermaringen. Der erste Dörfler hatte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in der durch Krieg und Pest entvölkerten Gegend um Kaufbeuren niedergelassen. Er war aus Weißenbach im Ahrntal ausgezogen.Joseph Bernhart: Peter Dörfler zum 70. Geburtstag. In: Peter Dörfler: Das Gesicht im Nebel. Reclam Tb. Nr. 7313, 1953, Nachwort, S. 67–72, hier: S. 68. Bereits in früher Kindheit kam Peter Dörfler mit seiner Familie in das unweit von Waal gelegene Waalhaupten, wo sein Vater einen größeren Hof erworben hatte.

Dem Wunsch seiner Eltern folgend wurde er Priester. Er absolvierte das Benediktiner-Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg. Nach eigenen Angaben war sein größter Gewinn in jener Zeit die Freundschaft mit dem hoch begabten Mitschüler Max Zwiebel aus Thannhausen. Dem früh verstorbenen Freund widmete er später das Werk Die Braut des Alexius.

Nach dem Abitur zog er in das Priesterseminar Georgianum in München und studierte katholische Theologie. Als Student wurde er aktives Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Ottonia München im KV. Er wurde zum Generalpräfekten des Georgianums ernannt. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit seinem künftigen Priester- und Dichterkollegen Joseph Bernhart.

Nach der Priesterweihe 1903 wurde er Kaplan, zuerst in Steingaden, anschließend in Lindenberg im Allgäu. In dieser Zeit befasste er sich bereits intensiv mit Literatur und experimentierte auf diesem Gebiet. Seine Zweifel an der eigenen schriftstellerischen Begabung und an seiner Eignung zum Priester bewogen ihn, die Erlaubnis seines Bischofs für ein zweijähriges Studium am Campo Santo Teutonico in Rom einzuholen. Dort studierte er Christliche Archäologie und wurde 1909 in München mit dem Thema „Die Anfänge der Heiligenverehrung“ zum Dr. theol. promoviert.

Die weiter bestehenden schriftstellerischen Ambitionen und Zweifel an seiner Eignung zum Priester suchte er mit dem – wohl zu Unrecht – Augustinus zugeschriebenen Wort Si non es vocatus, fac te vocatum („Wenn du nicht berufen bist, mache dich zum Berufenen“) zu bekämpfen. Dieser ungelöste Konflikt rief immer wieder schwere Erkrankungen (u. a. Pemphigus) Dörflers hervor. So ließ er sich 1917 am Magen operieren, später, 1936, erwarteten die Ärzte bereits seinen Tod, doch er erholte sich. Nach seiner Rückkehr aus Rom Ende 1907 wurde er als Stadtkaplan und als Religionslehrer nach Landsberg am Lech versetzt. Dort weilte er noch einmal von 1911 bis 1915 als Spitalpfarrer und Religionslehrer.

Der Tod seiner Mutter 1909 erschütterte ihn schwer. Er begann sofort mit einer literarischen Aufarbeitung seiner Kindheits- und Jugenderinnerungen, das Andenken der Mutter poetisch zu würdigen. Dörfler verfasste das Werk zum größten Teil während seines Benefiziats in Mindelheim, seiner nächsten beruflichen Station. Dort wurde als Schüler dem angehenden Dichter Arthur Maximilian Miller die Begegnung mit Peter Dörfler zu einem nachhaltigen Erlebnis. Später entwickelte sich zwischen Dörfler und dem dreiundzwanzig Jahre Jüngeren eine lebhafte Freundschaft, die vor allem dem Werk Millers zugutekam.Arthur Maximilian Miller: Das Haus meiner Kindheit. Dietrich, Memmingen 1972, ISBN 3-87164-062-X, S. 199 f.Arthur Maximilian Miller: Peter Dörfler. In: Die Vorausgegangenen. Peter Dörfler und Joseph Bernhart. Begegnungen im Zeichen der Freundschaft. Dietrich, Memmingen 1973, ISBN 3-87164-065-4, S. 7–62.

Dörfler fand schließlich den Herder Verlag 1912 für dieses Werk. Als Mutter noch lebte wurde sogleich ein großer Erfolg und Dörfler fand Aufnahme in den Kreis führender Literaten. Unter anderem wurde er literarischer Mitarbeiter am Hochland, der führenden katholischen Literaturzeitschrift. Fast jährlich erschienen nun neue Werke Dörflers, wissenschaftliche und Romane, jenes Genres, das im 19. Jahrhundert zur bevorzugten Literaturgattung geworden war. Seinen Romanen verdankte Dörfler auch seine zeitgenössische Popularität als Schriftsteller und Dichter. Einige der historischen Romane, zum Beispiel Judith Finsterwalderin, Der ungerechte Heller, Die Wessobrunner und Der Sohn des Malefizschenk, spielen in der Dörfler vertrauten Heimat am Lechrain. Das hatte zur Folge, dass er zu seinem Verdruss oft den Heimatdichtern zugerechnet wurde.

1915 wurde er Leiter des St. Marien-Ludwig-Ferdinand-Kinderheims in München berufen, das entwurzelten Kindern, nach Dörflers Absicht, eine Ersatzheimat bieten sollte. Zeitweise wurden dort, nach Bernhart, „dritthalb hundert“ Kinder (i. e. 250) betreut. Er blieb Leiter bis 1949.

Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung der Preußischen Akademie der Künste und der Entfernung von 40 nicht-arischen Mitgliedern und NS-Gegnern durfte Dörfler neben 13 weiteren NS- bzw. NS-nahen Schriftstellern am 5. Mai 1933 einen der frei gewordenen Plätze einnehmen.Blunck, Hans Friedrich auf polunbi.de, abgerufen am 8. Juni 2017. Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterschrieben.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 117. Er schrieb gelegentlich für das NSDAP-Parteiorgan Völkischer Beobachter. Ab 1934 geriet er in Konflikt mit dem Dritten Reich und wurde mit Schreib- und Publikationsverbot belegt. Er wurde vom Reichssicherheitshauptamt überwacht. Im Juli 1934 hielt Dörfler eine Grabrede bei der Beerdigung des im Verlauf des sogenannten Röhm-Putsches irrtümlich erschossenen Musikkritikers der Münchner Neuesten Nachrichten, Willi Schmid. Nach einem Überwachungsbericht soll Dörfler gesagt haben: „Dein Führer war Christus“. Als Leiter des Kinderheims entzog er die Kinder und Jugendlichen systematisch dem Einfluss der Hitlerjugend, meldete sie zur Konfessionsschule anstelle der „Deutschen Gemeinschaftsschule“ an und untersagte den Hitlergruß im Heim.Bericht der Kommission für Erinnerungskultur für die Sitzung des Stadtrates Kempten (Allgäu) am 23. April 2026, S. 9 u. 10.

1947 erhielt Dörfler den Literaturpreis der Landeshauptstadt München. 1948 wurde er sogleich in die neu gegründete Bayerische Akademie der Schönen Künste aufgenommen. 1948 erhielt er zudem auf Vorschlag des Kardinals Michael von Faulhaber von Papst Pius XII. zum 70. Geburtstag den Titel Päpstlicher Hausprälat (heute Ehrenprälat Seiner Heiligkeit). Seit 1950 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Von staatlicher Seite wurde er 1953 zu seinem 75. Geburtstag mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Mit 75 Jahren trat Dörfler in den Ruhestand, behielt aber seine Dichterstube im Heim. Sie wurde auch sein Sterbezimmer. Wer das Haus betritt, trifft im Inneren auf eine Tafel mit folgendem Wortlaut: „Hier lebte und wirkte, litt und starb Peter Dörfler (1878 bis 1955), der Priester, Dichter und Erzieher, durch vierzig Jahre Vater und Schirmer des geliebten Hauses, sein Wohltäter auch in Zukunft. Dilige et quod vis fac.“ Als Wohltäter wird er hier bezeichnet, weil er eine Stiftung zugunsten des Heims gründete.

Dörfler wird in der neueren Literaturgeschichte höchstens noch beiläufig im Rahmen der neueren Regionalliteratur sowie der Heimatkunstbewegung genannt, die zum Teil zu den Vorläufern der Blut-und-Boden-Ideologie des Nationalsozialismus gehört, daher in der Nachkriegszeit weitgehend abgelehnt.

Beerdigt wurde Peter Dörfler auf dem Winthirfriedhof in München neben seiner langjährigen Wirkungsstätte. Dem Grab gegenüber ließen Freunde einen Brunnen errichten. Er heißt Peter-Dörfler-Brünnlein oder Bettelbrünnlein nach einer Figurengruppe der Bildhauerin, Dichterin und Freundin Dörflers, Ruth Schaumann. Das Grab selbst gestaltete sein Freund, der Münchner Bildhauer Karl Baur, der auch seine Totenmaske abgenommen hat.

Ehrungen Zum 50. Geburtstag ehrte ihn eine ganze Reihe namhafter Persönlichkeiten aus Literatur und Wissenschaft mit einer Festschrift.Karl Muth, Heinrich Federer, Johannes Mumbauer u. a.: Peter Dörfler zum 50. Geburtstag: 1878 – 29. April – 1928: Ein Almanach. Kösel & Pustet, München 1928, .

Einige Straßennamen, ein Reliefporträt des Dichters am Elternhaus, eine Gedenktafel in der Waalhauptener Kirche St. Michael, Hauptperson in der populären Legende vom wandernden Dorfkirchlein, die Dörfler nach einer Erzählung seiner Mutter in seinem Erstlingswerk verewigte, sowie ein Gedenkstein in Untergermaringen an der Stelle seines Geburtshauses sind sichtbarer Ausdruck der Wertschätzung Dörflers in seiner Allgäuer Heimat. Außerdem wurden mehrere Schulen nach Peter Dörfler benannt, u. a. in Kaufbeuren und in Marktoberdorf.

Werke (nach Friedrich Braig)Peter Dörfler, Sonderdruck aus Stimmen der Zeit, Band 160, Heft 7, April 1957. 1905: Der Kinderkreuzzug. (Historisches Schauspiel) 1910: Die heilige Elisabeth. (gedruckter Vortrag) 1911: Ein Herz für Kinder. (Gedichte und Prologe zu lebenden Bildern) 1912: Als Mutter noch lebte (Aus einer Kindheit). Herder 1913: Die Anfänge der Heiligenverehrung nach den römischen Inschriften und Bildwerken. (Dissertation), Lentner 1913: La Perniziosa. (Roman – ab 2. Auflage 1919 unter dem Titel: Die Verderberin), Kösel 1915: Der Weltkrieg im schwäbischen Himmelreich. (Roman), Kösel, 1915: Der krause Ulrich. (Erzählungen), Hausen 1916: Erwachte Steine. (Erzählungen), Kösel 1916: Judith Finsterwalderin. (Roman, Neubearbeitung 1955), Kösel 1916: Dämmerstunden. (Erzählungen), Herder 1917: Onkel Christophs Geschichten. (Erzählungen), Hausen 1917: Der Roßbub. (Erzählung), Kösel 1918: Das Geheimnis des Fisches. (Erzählung), Herder/Christophorusverlag 1920: Der Rätsellöser. (Erzählungen), Herder 1920: Neue Götter. (Roman), 2 Bände (ab 1925 in 1 Band), Kösel 1921: Stumme Sünde. (Roman), Kösel 1922: Der ungerechte Heller. (Roman), Kösel 1922: Regine und Mang. (Novelle), Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1922/1925: Herausgeber des Bayerischen Volks- und Hauskalenders, 1.–4. Jahrgang 1923: Die Papstfahrt durch Schwaben. (Roman), Kösel 1924: Siegfried im Allgäu. Eine alamannische Mär. Josef Kösel & Friedrich Pustet, München/Kempten (Historische Legende, siehe auch 1950) 1925/1926: Herausgeber des Regensburger Marienkalenders 1926: Lechrain. (Bayernheft. Nr. 3), Oldenbourg 1926: Die Braut des Alexius. (Novelle), Kösel 1927: Am Eichentisch. (Erzählungen), Kösel (siehe auch 1931) 1927/1928: Die Schmach des Kreuzes. (Roman, 2 Bde.), Kösel (siehe auch 1950) 1928: Ein Almanach: Peter Dörfler zum 50. Geburtstag. Kösel & Pustet 1929: Abenteuer des Peter Farde. (Roman – ab 4. verbesserte Auflage, siehe auch 1953 unter dem Titel: Der Abenteurer wider Willen) 1930: Der junge Don Bosco. (Biografie), Herder 1930: Die heilige Elisabeth. (Biografie), Ars Sacra 1930: Apollonia-Trilogie: 1. Die Lampe der törichten Jungfrau. 2. Apollonias Sommer. 3. Um das kommende Geschlecht. (Roman-Trilogie), G. Grote 1931: Der Bubenkönig. (Biografie): Don Bosco, 10. Auflage Herder 1931: Des Vaters Hände. (Erzählungen, erweiterte Neuausgabe von: Am Eichentisch), Kösel, Neubearbeitung 1956. 1933: Jakobäas Sühne. 2 Erzählungen aus den Bergen. Insel Verlag, Leipzig 1933 – Insel-Bücherei, 431. 1933: Von Sitte und Sprache. (Aufsätze), Schriften an die Nation Bd. 59/60, Gerh. Stalling, Oldenburg 1934: Feiertagsgeschichten im Jahresring. Buchgemeinde Bonn