Die Freundin (Untertitel ab 1928 Das ideale Freundschaftsblatt; später Wochenschrift für ideale Frauenfreundschaft) war eine Zeitschrift der Weimarer Republik. Sie erschien von 1924 bis 1933 in Berlin und gilt als erste lesbische Zeitschrift.

Sie wurde als „offizielles Publikationsorgan“ vom Bund für Menschenrecht, einem der damals führenden Verbände der Interessen von Homosexuellen, verlegt und war ebenso wie andere lesbische Zeitschriften der Ära eng mit der lokalen Berliner Lesbenkultur verflochten. Mit Die Freundin und dem Bund für Menschenrecht verbundene Frauengruppen und Aktivistinnen veranstalteten in Berlin Lesungen, Veranstaltungen und Diskussionsrunden, zu deren Vernetzung Die Freundin erheblich beitrug. Sie bezog klar politisch Stellung, informierte zum Thema lesbisches Leben, veröffentlichte Kurzgeschichten und Romane ebenso wie Anzeigen lesbischer Treffpunkte oder private Kontaktanzeigen.

Veröffentlichungsdaten mini|Ausgabe April 1930 mit Hinweis „Diese Zeitschrift darf überall öffentlich ausgehängt werden!“ Die Freundin erschien von 1924 bis zum 8. März 1933 in Berlin, verlegt vom Bund für Menschenrecht. Sie war gemeinsames Verbandsorgan des Bundes für Menschenrecht und des „Bundes für ideale Frauenfreundschaft“. Ihr Büro befand sich zunächst 1925 in der Kaiser-Friedrich-Straße 1 in Berlin-Pankow; bereits 1927 besaß sie eine Geschäftsstelle in der Neuen Jakobstraße 9 in Berlin-Mitte, die laut Angaben von 1932 von 9 bis 18 Uhr besetzt war.

Die Freundin war in ganz Deutschland und Österreich im Abonnement, zumindest in Berlin auch bei Straßenhändlern und Zeitschriftenhändlern erhältlich, zu einem Preis von 30 Pfennigen in den Jahren 1924/1925, danach zu 20 Pfennigen. Einige Ausgaben machen die Seriosität kenntlich durch Aufdrucke auf dem Titelblatt wie „Diese Zeitschrift darf überall öffentlich ausgehängt werden!“. Neben den Verkaufseinnahmen und denen aus dem Anzeigengeschäft bat die Redaktion Mitglieder und Abonnenten darüber hinaus auch um Spenden.

Die genaue Auflagenhöhe von Die Freundin ist unbekannt; es wird angenommen, dass sie die meistverbreitete Lesbenzeitschrift der Weimarer Republik gewesen sei und ihre Auflage deutlich über der jeder anderen Lesbenzeitschrift des deutschsprachigen Raumes bis in die 1980er Jahre gelegen habe. Dieser Annahme folgend, müsste ihre Auflage bei deutlich mehr als 10.000 Exemplaren gelegen haben, da dies die Auflagenhöhe der konkurrierenden Frauenliebe im Jahre 1930 war. Laurie Marhoefer beziffert die Auflage anhand von Akten zur Entscheidung der Prüfstelle in Berlin für Schund- und Schmutzschriften auf 7.000 pro Woche.Laurie Marhoefer: The Book Was a Revelation, I Recognized Myself in it: Lesbian Sexuality, Censorship, and the Queer Press in Weimar-era Germany in: Journal of Women's History, Vol. 27, Nr. 2, 2015, S. 68

Editionsgeschichte mini|Titelblatt der Erstausgabe, 8. August 1924 Nachdem die ersten beiden Ausgaben von Die Freundin vom 8. August 1924 und vom 12. September 1924 noch als Beilage in den Blättern für Menschenrechte erschienen waren, erschienen nachfolgende Ausgaben bereits als eigenständige Hefte mit einem Seitenumfang von 8 bis 12 Seiten. Die Freundin war damit die „erste neue eigenständige Zeitschrift des Radszuweit-Verlags“. 1925 wurde angekündigt, dass Die Freundin ab dem 1. April mit noch größerem Seitenumfang (bis zu 20 Seiten) und einem höheren Preis von 50 Pfennig erscheinen solle; der Versuch scheiterte jedoch, und es blieb beim alten Format. Bereits die erste Ausgabe enthielt eine Beilage Der Transvestit, die immer wieder, wenngleich unregelmäßig, in Die Freundin vertreten war. Bis 1926 fand sich in Die Freundin als Beilage auch das Mitteilungsblatt des Wissenschaftlich-humanitären Komitees um Magnus Hirschfeld.

Ihr Publikationsrhythmus wechselte: Im ersten Jahr kam sie noch als Monatszeitschrift heraus, ab 1925 erschien sie alle zwei Wochen und ab 1929 sogar wöchentlich (jeweils am Mittwoch). Die Ausgaben von 1928 erschienen montags, Titelblättern zufolge erschien sie 1932 am Mittwoch.

1926 erschien keine eigenständige Ausgabe von Die Freundin, stattdessen erschien sie als Beilage des Freundschaftsblattes. Die Gründe für diese Unterbrechung sind nicht bekannt. Zwischen Juni 1928 und Juli 1929 musste Die Freundin ihr Erscheinen erneut unterbrechen. Sie war vom Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften betroffen und durfte deshalb bei Zeitschriftenhändlern nicht mehr ausgehängt werden. Radszuweit entschied sich daher für die zeitweilige Einstellung des Blattes und für die Herausgabe einer Ersatzzeitschrift namens Ledige Frauen, die es auf insgesamt 26 Ausgaben brachte. Sie verstand sich aber so explizit als Ersatz, dass sie die Ausgaben von 1929 als vierten Jahrgang angab und den Untertitel Freundin führte. Ab Juli 1929 nahm Die Freundin ihr Erscheinen wieder auf. Im März 1931 wurde Die Freundin noch einmal Opfer des „Schund- und Schmutz“-Paragraphen, diesmal allerdings ohne Ersatz.

Am 15. März 1933 erschien mit der Nummer 11 des 9. Jahrgangs das letzte Heft von Die Freundin. Wie alle homosexuellen Periodika wurde sie dann als „entartet“ verboten und stellte ihr Erscheinen ein.

Zielgruppen

Die Freundin richtete sich inhaltlich vor allem an lesbische Frauen sowie über Beilagen und redaktionelle Beiträge im eigentlichen Heft auch an Menschen, die seinerzeit mangels differenzierender Begriffe unter Transvestiten zusammengefasst wurden, wie z. B. transidente Menschen. Eine Ausnahme war der Anzeigenteil, der auch von homosexuellen Männern oder Heterosexuellen genutzt wurde.

Durch ihre regelmäßigen Berichte, Anzeigen und Termine mit Bezug zur lesbischen Subkultur Berlins nahm sie hier Funktionen ähnlich denen eines Stadtmagazins wahr. Die Leserinnen von Die Freundin waren vor allem moderne Frauen, die selbständig lebten und einem Beruf nachgingen.

Redaktion und Autorinnen Es lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren, wer genau wann die redaktionelle Verantwortung für Die Freundin besaß. Gesichert ist, dass zur Anfangszeit der Freundin zwischen 1924 und 1925 Aenne WeberAenne Weber. In: Persönlichkeiten in Berlin 1825–2006. Erinnerungen an Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Hrsg. von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Berlin 2015, ISBN 978-3-9816391-3-1, S. 76 f., die 1. Vorsitzende der Damengruppe des „Bundes für Menschenrecht“, die verantwortliche Redakteurin war.Heike Schader: Virile, Vamps und wilde Veilchen. Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre, Ulrike Helmer Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-89741-157-9, S. 246 1926, zur Zeit der Beilage im Freundschaftsblatt, war Irene von Behlau verantwortlich, ab 1927 bekleidete Elsbeth Killmer diese Position, von 1928 bis 1930 Bruno Balz. Auf ihn folgte ab 1930 Martin Radszuweit als Redakteur, Ausgaben ab 1932 weisen ihn auch als Herausgeber aus. Hinter diesem Namen verbarg sich Martin Budszko, der Lebensgefährte des im Frühjahr 1932 verstorbenen Friedrich Radszuweit, der Budszko noch vor seinem Tod adoptierte.

Insbesondere große Leit- oder Diskussionsartikel teilte sich Die Freundin verlagsübergreifend mit den Blättern für Menschenrecht und dem Freundschaftsblatt oder entnahm sie aus einer Art Fundus des Verlags. Artikel wurden hierbei in den verschiedenen Titeln des Verlags mehrfach im Laufe der Jahre neu gedruckt, teils auch gekürzt. Diese Leitartikel stammten meist von Männern, insbesondere von Friedrich Radszuweit, Paul Weber oder Bruno Balz. Auch Artikel über die Tätigkeit des Verbandes oder über aktuelle politische Entwicklungen wurden fast ausnahmslos von ihnen verfasst. Wie diese raumgreifende Präsenz männlicher Stimmen in einer Zeitschrift für lesbische Frauen von diesen selbst, ob Redakteurinnen, Autorinnen oder Leserinnen, gesehen wurde, ist nicht überliefert.

Die Freundin richtete sich zwar vornehmlich an homosexuelle Frauen, wurde aber nicht ausschließlich von diesen geschrieben. Bei den Autorinnen herrschte eine relativ hohe Fluktuation. Die vermutlich bekannteste regelmäßige Autorin war Ruth Margarete Roellig. Sie war nicht nur Verfasserin des bekannten Buches Berlins lesbische Frauen, eines zeitgenössischen Führers durch die lesbische Berliner Subkultur, sondern hatte 1911 und 1912 eine Ausbildung als Redakteurin erfahren und war damit eine der wenigen professionellen Autorinnen. Andere prominente Autorinnen waren Aktivistinnen wie Selli Engler oder Lotte Hahm.

Das Schreiben für Die Freundin blieb nachdrücklich nicht einem festen Autorenstamm vorbehalten. Bereits 1925 gab es eine Ansprache der Redaktion an die Leserinnen, eigene Texte einzusenden. 1927 veränderte die Redaktion die Gliederung des Heftes, um die Leserinnen verstärkt zur aktiven Beteiligung zu motivieren. In Rubriken wie „Briefe an ‚die Freundin‘“ oder „Unsere Leser haben das Wort“ kamen Leserinnen zu Wort und konnten ihr lesbisches Selbstverständnis und ihre Alltagserfahrungen thematisieren und teilen. Diese Berichte sind heute gehaltvolle Dokumente zum Lebensgefühl lesbischer Frauen im deutschsprachigen Raum zu dieser Zeit. In einer Anzeige 1932 erklärte die Redaktion ganz in diesem Sinn, jede „Leserin kann uns Manuskripte einsenden, wir freuen uns, wenn unsere Leserinnen auch in dieser Form an dem Blatt, das ja für die Freundinnen erscheint, regen Anteil nehmen.“

Aufbau des Heftes

Der Aufbau des Blattes war einfach und blieb durch die ganze Zeit seines Erscheinens annähernd gleich: Auf das Titelblatt folgte ohne weitere Gliederung die redaktionelle Strecke, dann der Kleinanzeigenteil, der bei den achtseitigen Ausgaben ein bis zwei Seiten umfasste.

Titelblatt

Bis auf die unmittelbare Anfangszeit, in der der redaktionelle Teil bereits auf der Titelseite begann, fanden sich auf dem Titelblatt Fotos von Frauen, häufig – auf Wunsch der Leserschaft – Aktbilder, daneben oft eine Inhaltsübersicht oder auch (vor allem zwischen 1930 und 1933) Gedichte.

Redaktionelle Strecke

Der zweispaltig gesetzte redaktionelle Teil bestand gut zur Hälfte aus Romanen und Kurzgeschichten, außerdem aus einem Leitartikel, einem Diskussionsartikel sowie Gedichten, Presseschauen und Briefen von Leserinnen. Dazwischen finden sich verstreut kleinere Anzeigen; Illustrationen fehlen.

Sachtexte – Inhalte und Positionen

Die Freundin bot in jeder Ausgabe mehrere Artikel zu verschiedenen Sachthemen an. Darunter waren beispielsweise Artikel zu historischen Themen, die die Geschichte von Lesben betrafen, Artikel, die von alltäglichen Problemen lesbischer Frauen in Deutschland handelten, aber auch kulturelle, wissenschaftliche oder medizinische Beiträge im Zusammenhang mit Homosexualität. Beiträge zu literarischen Themen oder dem vorzugsweise Berliner Gesellschaftsleben fanden sich ebenfalls.

Zeitweise war der Zeitschrift Die Freundin auch die Beilage Der Transvestit beigefügt; gelegentlich wurde dieser Teil aber einfach durch Themen und Bereiche, die Transvestiten betrafen, in Die Freundin integriert.

Zu einigen zentralen Diskussionen finden sich in der Sekundärliteratur Analysen oder Zusammenfassungen:

Homosexualität allgemein

Als eines der ersten und populärsten Medien der ersten Homosexuellenbewegung bot Die Freundin in zentraler Weise Raum zur Vermittlung und Diskussion von Grundfragen lesbischer Identität. Ein wichtiger Bezugspunkt waren Artikel und Meinungsbeiträge, die sich an der sexualwissenschaftlichen Autorität der Zeit, Magnus Hirschfeld, und seinem Wissenschaftlich-humanitären Komitee orientierten. Deren Veröffentlichungen wurden häufig zitiert und lobend erwähnt, und in den ersten zwei Jahren war das Mitteilungsblatt des WhK auch eine Beilage der Freundin.