Johannes Miesler (* 7. April 1851 in WevelinghovenStandesamt Dresden II: Heiratsregister. Nr. 700/1883.; † 5. Juni 1905 in SchönebergStandesamt Schöneberg I: Sterberegister. Nr. 644/1905.) war ein deutscher Verleger in Berlin. Der Unternehmer und Drucker gilt als Pionier farbig chromolithographierter Ansichtskarten und der „Gruß-aus …“-Postkarten.Helmfried Luers: J. Miesler (siehe Weblinks)
Leben Allgemeines mini|„Ges. gesch. Dess. No. 6; Officielle Postkarte“ von der Berliner Gewerbeausstellung 1896 mini|„Gruß aus Meissen“; lithografierte Ansichtskarte der Kunstanstalt J. Miesler, zugleich No. 19 im Verlag Brück & Sohn mini|Ansichtskarte Nummer 61 aus Alt-Berlin mini|dito, Nummer 62 mini|„Hannover: Kramerstraße und Marktkirche“; Ansichtskarte Nummer 85 mini|Nr. 801 vom Berliner Anhalter Bahnhof, mit Künstlersignatur J. von Kulas mini|Nr. 5588 mit einem „Gruß aus der Abtei“, Inhaber Gust. Busekow
Angeblich sandte Miesler als erster in den 1870er Jahren handgezeichnete Aufrisse als Bildpostkarte und schuf damit eine der ältesten bekannten Postkarten mit individueller Handzeichnung.Joan Kay: Johannes Miesler / 1876-1904 … (siehe Weblinks)
Seine Kunstanstalt J. Miesler führte der Unternehmer von 1876 bis circa 1904, als die Firma kurz vor dem Tode des Firmengründers Insolvenz anmelden musste. Bekannte Adressen der Druckerei in Berlin waren die (damalige) Neanderstraße 37, die Schmidtstraße 8a, das Luisenufer 30 und seit 1898 schließlich das Luisenufer 44 in Berlin SO. Spezialitäten der Firma waren Bildpostkarten, Grußkarten, Kalender, großformatige Poster- und Relief-Drucke bei gleichzeitiger Herstellung (bedruckter) Deluxe-Papiere. In Kooperation mit dem Unternehmen Brück & Sohn wurden Mieslers Ansichtskarten bis nach Kalifornien in den USA exportiert. Aber auch Kooperationen mit anderen Verlagen waren vertraglich geregelt.Vergleiche diese leider nur gering aufgelöste Ansichtskarte mit einem Motiv der Ostmark, hochgeladen von der Universität Köln im Bildarchiv Prometheus
Neben Bildmotiven mit Ansichten aus dem damaligen Deutschland sind zum Beispiel auch österreichische Motive bekannt, etwa von der Aspernbrücke in Wien.Vergleiche etwa dieses Verkaufsangebot bei AbeBooks.de, zuletzt abgerufen am 21. März 2013 Teilweise wiesen die Ansichtskarten eine eingetragene Schutzmarke auf. Zur Berliner Gewerbeausstellung 1896 konnte sich Miesler verschiedene „Offizielle Postkarte[n]“ mit fortlaufenden Design-Nummern gesetzlich schützen lassenVergleiche die Bild(ungs-)Dokumente bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks). und hatte damit bei dem zahlungskräftigen Bildungsbürgertum der Gründerzeit einen „offiziellen“ Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern wie etwa der Kunstanstalt Rosenblatt aus Frankfurt am Main.Vergleiche etwa diese Ansichtskarte der Kunst-Anstalt Rosenblatt von der Berliner Gewerbeausstellung 1896
Beinahe sämtliche Ansichtskarten waren fortlaufend nummeriert, ein „Gruß aus der Abtei“ in Berlin etwa trug die laufende Nummer 5588 und dokumentierte zugleich den Namen des Inhabers des Ausflugsziels und Etablissements. Vereinzelt weisen die Karten Künstlersignaturen auf; die Karte Nummer 801 mit einem Blick auf den Berliner Anhalter Bahnhof beispielsweise den Lithografen J. von Kulas.
1892 beschäftigte Mieslers Kunstanstalt 70 Arbeiter, um 1900 sogar um 100 Personen.
Haupt-Lithograf und technischer Direktor in der Kunstanstalt J. Miesler war Paul Grasnick, der das Unternehmen jedoch am 1. Oktober 1896 verließ und neun Monate später die Firma Finkenrath & Grasnick gründete. Dadurch geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten und konnte erst 1902 die Kunstanstalt J. Miesler David Herrmann als neuen Kooperationspartner gewinnen, was den Konkurs 1904 jedoch nicht mehr abwenden konnte.Anmerkung: Beim Datum des Ausscheidens gibt der Metropolitan Postcard Club of New York City ein anderes Datum (1899) als etwa Helmut Luers (1896) an.
Sammlungen Dokumente aus dem Hause Miesler sind heute Teil häufig bedeutender Sammlungen: Eine Karte zum Tode von Otto von Bismarck mit Blick auf Schloss Friedrichsruh etwa findet sich im Deutschen Historischen Museum.Gering-aufgelöstes Digitalisat auf der Seite dhm.de unter dem Titel Sammlungen des Deutschen Historischen Museums / Alltagskultur III › Postkarten › Bestandsauswahl, abgerufen am 21. März 2013 Andere Karten, beispielsweise mit einem Bild der Neuen Börse in Leipzig, wurden vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig digitalisiert, allerdings in so geringer Auflösung, dass nicht einmal mehr die Beschriftungen der Karten lesbar sind. Zudem suggerieren Wasserzeichen einen erneuten, eigenen Urheberrechtsanspruch.
Rezeption Der Komponist Paul Lincke schuf noch um 1920 einen „Karten-Sammler-Marsch“ für Klavier, „dem Erfinder der Ansichtskarten Herrn Johannes Miesler gewidmet“ und mit humoristischen Texten von P. Grossmann unterlegt wie etwa
Auf dem Buchumschlag des Musikwerkes war ein farbiger Querschnitt von zumeist deutschen Städtekarten abgebildet wie Berlin, München oder Danzig.
Literatur Helmfried Luers (Hrsg.): The Postcard Album (in Englisch), vol. 25
Weblinks
Weitere Ansichtskarten von J. Miesler bei Zeno.org Miesler, J bei europeana.eu Helmfried Luers: J. Miesler (in Englisch) auf der Seite tpa-project.info, abgerufen am 21. März 2013 Joan Kay: Johannes Miesler / 1876-1904 / Berlin, Germany (auf Englisch) auf der Seite metropostcard.com des Metropolitan Postcard Club of New York City, zuletzt abgerufen am 21. März 2013
Einzelnachweise und Anmerkungen
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