Die WWF-Ökoregionen sind ein von der US-amerikanischen Sektion des WWF entwickeltes System großräumiger Ökoregionen aus Sicht des internationalen Naturschutzes. Das terrestrische Modell wurde 2001 unter dem Titel Terrestrial Ecoregions of the World veröffentlicht und später als Datensatz überarbeitet. Es bildete eine wichtige Grundlage für die vom WWF ausgewählten Global-200-Ökoregionen sowie für zahlreiche biogeographische und naturschutzfachliche Auswertungen.

Das WWF-Modell definiert Ökoregionen als vergleichsweise große Land- oder Wassereinheiten mit einer charakteristischen Zusammensetzung natürlicher Lebensgemeinschaften, deren Arten, ökologische Dynamik und Umweltbedingungen in hohem Maße übereinstimmen. Wie bei allen biogeographischen Modellen handelt es sich dabei um eine typisierende Grenzziehung; die Übergänge zwischen natürlichen Lebensräumen sind in der Wirklichkeit mehr oder weniger fließend.

Im Unterschied zu rein vegetationskundlichen Gliederungen, die vor allem an der Gestalt der Pflanzenformationen ansetzen, verbindet das WWF-Modell mehrere biogeographische Kriterien. Berücksichtigt werden unter anderem die ursprüngliche Verbreitung natürlicher Lebensgemeinschaften, die Zusammensetzung von Flora und Fauna, Endemismus, ökologische und evolutionäre Besonderheiten sowie die Bedeutung der Gebiete für globale Naturschutzstrategien.

Das ursprüngliche terrestrische WWF-Modell gilt heute als überarbeitet. Eine wichtige Fortführung ist der Datensatz Ecoregions 2017 von Dinerstein u. a., der 846 terrestrische Ökoregionen in 14 Biome und acht biogeographische Reiche gliedert.

Herleitung Eine wichtige Grundlage des WWF-Modells waren ältere biogeographische Gliederungen, darunter das von Miklos Udvardy 1975 für die IUCN entwickelte System biogeographischer Provinzen. Ebenfalls einbezogen wurden regionale und kontinentale Naturschutzbewertungen, darunter Arbeiten von Eric Dinerstein und Mitarbeitern zu Lateinamerika und der Karibik sowie von Taylor Ricketts und Mitarbeitern zu Nordamerika.

Das 2001 veröffentlichte terrestrische WWF-Modell gliederte die Landfläche der Erde in 867 Ökoregionen, die 14 sogenannten Major Habitat Types und acht biogeographischen Reichen (vgl. Floren- und Faunenreich)Die Bezeichnungen dieser Reiche lehnen sich weitgehend an die zoogeographischen Regionen nach Philip Lutley Sclater und Alfred Russel Wallace an. zugeordnet wurden. Die Reiche lehnen sich an ältere floristische und faunistische Großgliederungen an, insbesondere an die zoogeographischen Regionen nach Philip Lutley Sclater und Alfred Russel Wallace. Die Major Habitat Types entsprechen in etwa großräumigen Biomen wie tropischen Regenwäldern, gemäßigten Grasländern, Wüsten, Tundren oder borealen Nadelwäldern.

Die Grenzziehung sollte nicht den gegenwärtigen Nutzungszustand der Landschaft abbilden, sondern möglichst die ursprüngliche Ausdehnung natürlicher Lebensgemeinschaften vor großflächigen Landnutzungsänderungen rekonstruieren. Damit unterscheidet sich das Modell von rein aktuellen Vegetations- oder Landbedeckungskarten.

Ziele Die WWF-Ökoregionen wurden entwickelt, um globale Analysen zu Artenvielfalt, Biodiversität, Endemismus und Gefährdung auf naturschutzfachlich sinnvolle Raumeinheiten beziehen zu können. Sie sollten es ermöglichen, Lebensräume weltweit vergleichbar zu machen, repräsentative Schutzgebiete zu bestimmen, Schutzstrategien zu entwickeln und Defizite im globalen Schutzgebietsnetz zu erkennen.

Von Beginn an war der Zustand der Ökoregionen unter menschlichem Einfluss ein wichtiger Gesichtspunkt. Eine weitgehend unbeeinflusste Ökoregion repräsentiert die ursprünglichen Ökosysteme eines Gebietes, während stark veränderte Landschaften aus Naturschutzsicht vor allem als Leitbild für Wiederherstellung, Schutz und nachhaltige Nutzung verstanden wurden.

Zu den Kriterien für die naturschutzfachliche Bewertung gehörten insbesondere: Artenreichtum, endemische Arten, einzigartige oder besonders ursprüngliche Gattungen, Familien, Reliktarten und seltene Biotoptypen, außergewöhnliche ökologische oder evolutionäre Phänomene, globale Seltenheit wichtiger Lebensraumtypen, Gefährdungsgrad und Erhaltungszustand der natürlichen Lebensgemeinschaften.

Die terrestrischen WWF-Ökoregionen mini|800px|links|Die terrestrischen Ökoregionen der Erde, die von der Umweltstiftung WWF-USA erarbeitet wurden.

Erstes Sortierkriterium für die Ökoregionen sind die Haupt-Biome „Tundra“, „Taiga“, „Wüste“ usw., die z. T. nochmals über den Namen der Region untergliedert werden; z. B. „Polare Wüste“ als Unterpunkt der „Tundra“. (Die Haupt-Biome sind vergleichbar den Zonobiomen nach Walter & Breckle).

Die Bezeichnungen lehnen sich an die großen Vegetationszonen an. Dies mag verwirren, denn deren Grenzen werden von den WWF Ökoregionen aufgrund der vorgenannten, übergreifenden Betrachtungsweise häufig durchbrochen. Daher werden in der Tabelle häufig mehrere Vegetationstypen pro Region (in der Reihenfolge ihrer Bedeutung) aufgeführt. (Beispiel: „Grönlands hocharktische Tundra“ reicht trotz ihrer Zuordnung zur Tundra von der Zwergstrauchtundra bis in die fast vegetationsfreie Kältewüste. Die verschiedenen Vegetationstypen enthalten jedoch ein sehr ähnliches Artenspektrum, das im Süden sehr dicht und üppig gedeiht und im Norden der Region nur noch relikthaft und kümmerlich zu finden ist.)

Zweites Sortierkriterium sind die Biogeographischen Reiche „Nearktische Region“, „Australasische Region“ usw. (ähnlich den Faunenreichen) in Verbindung mit den jeweiligen Kontinenten.

Drittes Sortierkriterium ist die Lage der Ökoregionen, die hier (abweichend von der WWF-Sortierung) von Norden ausgehend „in Leserichtung“ von West nach Ost sortiert sind.

Die Bezeichnungen der Ökoregionen wurden z. T. frei übersetzt oder zur besseren Orientierung erweitert. Die Spalte „Weblinks“ zeigt einen Direktlink zu der entsprechenden Originalseite des WWF. Daneben steht ein Link zu einer genauen kartographischen Darstellung der Region, die zudem farblich abgesetzt die Gebiete zeigt, die noch weitgehenden Wildnischarakter nach der Studie Last of the wild aufweisen., auf globalspecies.org (Private Website von Bruce Myers, Grand Rapids, USA – Datenbestand von WWF und Socioeconomic Data and Applications Center (SEDAC)). Abgerufen am 2. März 2013 (englisch).

Teilmodelle und verwandte Klassifikationen Aus dem WWF-Ansatz gingen mehrere miteinander verwandte, aber nicht deckungsgleiche Klassifikationen hervor.

Global 200 Global 200 ist eine Auswahl von Ökoregionen, die der WWF als besonders wichtig für den globalen Biodiversitätsschutz einstufte.siehe auch Global 200 in der englischen Wikipedia Die Liste umfasst 238 prioritäre Ökoregionen: 142 terrestrische, 53 Süßwasser- und 43 marine Ökoregionen.

Terrestrische Ökoregionen Das terrestrische Modell Terrestrial Ecoregions of the World wurde 2001 veröffentlicht. Es umfasst 867 terrestrische Ökoregionen, gegliedert in 14 Hauptlebensraumtypen und acht biogeographische Reiche. In GIS-Datensätzen und späteren Bearbeitungen können abweichende Zahlen auftreten, weil einzelne Einheiten zusammengelegt, anders abgegrenzt oder als Wasser-, Fels- und Eisflächen gesondert behandelt wurden.

Die 2017 veröffentlichte Fassung Ecoregions 2017 stellt eine überarbeitete terrestrische Gliederung dar. Sie umfasst 846 Ökoregionen und wird unter anderem über die Website ecoregions.appspot.com und als Geodatensatz bereitgestellt.

Süßwasser-Ökoregionen Für Binnengewässer wurde das System Freshwater Ecoregions of the World (FEOW) entwickelt. Es gliedert die Süßwasserlebensräume der Erde in 426 Ökoregionen und beruht vor allem auf der Verbreitung und Zusammensetzung von Süßwasserfischen sowie weiteren Süßwassertaxa.

Meeres-Ökoregionen Für Küsten- und Schelfmeere wurde 2007 das System Marine Ecoregions of the World (MEOW) veröffentlicht. Es umfasst 232 marine Ökoregionen, die in 62 Provinzen und zwölf Reiche gegliedert sind.

Weblinks Ecoregions 2017 – interaktive Karte der überarbeiteten terrestrischen Ökoregionen (englisch) Freshwater Ecoregions of the World beim WWF (englisch)

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Biogeographie Okoregion Kategorie:Umweltmodellierung