Karl Friedrich Wilhelm Ulrich Moritz von Hirschfeld (* 4. Juli 1790 in Halberstadt; † 13. Oktober 1859 in Koblenz) war ein preußischer General der Infanterie. Bekannt wurde er als Offizier der spanischen Armee im Krieg mit Frankreich von 1810 bis 1815 und als Befehlshaber im Feldzug gegen die Revolution von 1849 in der Pfalz und in Baden.

Leben Herkunft, Kindheit und Jugend mini|Schloss Eichenbarleben, Besitz der verwandten Familie Alvensleben, diente den Brüdern Hirschfeld 1809 als Versteck. Zeichnung von Anco Wigboldus, um 1750 mini|Das Gefecht bei Ölper. In der Schwarzen Schar kommandierte Moritz’ von Hirschfelds Bruder Eugen die Reiterei der Nachhut. Zeitgenössische Darstellung

Moritz von Hirschfeld war ein Sohn des preußischen Generals Karl Friedrich von Hirschfeld aus dessen erster Ehe mit Karoline Friederike Philippine von Faggyas (1761–1795). Ab Januar 1803 war er Zögling der Kadettenanstalt in Berlin. Anlässlich seines 14. Geburtstags stellte ihn der Vater in das von ihm kommandierte Regiment „Garde“ in Potsdam als Gefreiterkorporal ein. Hirschfeld besuchte seit 1804 Lehrveranstaltungen Scharnhorsts auf der Schule für junge Offiziere. Im November 1805 wurde er Fähnrich im Bataillon „Leibgarde“ des Regiments. Im Feldzug von 1806/07 nahm Hirschfeld an der Schlacht bei Auerstedt teil und geriet Ende Oktober 1806 in die Kapitulation bei Prenzlau, in deren Folge das Regiment aufgelöst wurde. Auf sein Ehrenwort, in diesem Krieg „bis zur Auswechslung nicht zu dienen“, erlangte Hirschfeld die Freiheit.Die Kapitulationsbedingungen sind abgedruckt in: Großer Generalstab (Hrsg.): 1806. Das Preußische Offizierkorps und die Untersuchung der Kriegsereignisse. Mittler, Berlin 1906, S. 193. Inaktiv und auf halbes Gehalt gesetzt, kehrte er nach Hause zurück.

Sein älterer Bruder, der Husarenleutnant Eugen von Hirschfeld, war in Kolberg zuerst dem Freikorps Schill beigetreten, hatte dann aber im Dezember 1806 in Stargard zusammen mit seinem Bruder, dem Infanterieleutnant Alexander Adolf von Hirschfeld ein eigenes Freikorps aufgestellt, das bis zum Frieden von Tilsit bestand.Zum Freikorps Hirschfeld siehe Curt Jany: Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914. Dritter Band. 1763–1807. Biblio, Osnabrück 1967, S. 623f. Eugen und Moritz von Hirschfelds Heimat gehörte nun zum Königreich Westphalen. Sie erhielten keine Stelle in der preußischen Armee und wurden auf Halbsold gesetzt. Beide bereiteten in ständigem Kontakt mit aktiven preußischen Offizieren einen Aufstand gegen die französischen Besatzer vor.

Die Erhebung von 1809 mini|Während der Anwesenheit der Gebrüder Hirschfeld in Cádiz fand dort die Eröffnung der verfassungsgebenden Cortes statt. Gemälde von José María Casado del Alisal, 1862

Im April 1809 begann Österreich gegen Frankreich einen Befreiungskrieg, der in ganz Deutschland als Volkskrieg geführt werden sollte. Die weitverzweigten Planungen sahen im Rahmen des Dörnbergschen Aufstands eine handstreichartige Besetzung der Festung Magdeburg durch Freischaren unter Friedrich von Katte und den Gebrüdern Hirschfeld vor. Infolge des Fehlschlags Dörnbergs ging das Überraschungsmoment verloren und das Vorhaben musste in letzter Stunde aufgegeben werden. Die alarmierten Franzosen trieben bei Burg die bereits versammelte Formation der Brüder Hirschfeld auseinander. Beide versteckten sich auf Schloss Eichenbarleben, von wo aus sie mithilfe ihrer Verwandten Minettchen von Alvensleben (1777–1852) auf preußisches Gebiet flüchten konnten.Siehe dazu die Website der Familie v. Alvensleben e. V.:

Gemeinsam mit Katte schlossen sie sich der Schwarzen Schar unter dem Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig an und erreichten London. Eugen trat auf Empfehlung Braunschweigs als Major in den britischen Dienst und erhielt im Juni 1810 die Erlaubnis, mit halbem Gehalt nach Spanien zu gehen, um auf dem iberischen Kriegsschauplatz in den Reihen der spanischen Armee den Kampf gegen Napoleon fortzusetzen. Moritz von Hirschfeld folgte ihm drei Monate später als Leutnant mit britischem 2/3-Gehalt. Der Herzog von Braunschweig hatte ihn nach selbst vorgenommener Offiziersprüfung befördert.Holleben (Lit.), S. 4f.

In Spanien mini|Die Schlacht von Murviedo am 25. Oktober 1811 kostete Hirschfeld beinahe das Leben. Darstellung aus dem Jahre 1837

Moritz von Hirschfeld folgte seinem Bruder nach Cádiz, dem Zentrum des spanischen Widerstands gegen Napoleon, Sitz der Junta Suprema Central und Versammlungsort der Verfassunggebenden Cortes. Die belagerte Hauptstadt Spaniens war auf dem europäischen Festland der aussichtsreichste Treffpunkt jener Deutschen, die nach den misslungenen Aufständen von 1809 weiterkämpfen wollten, wie Karl von Grolman und Leopold von Lützow. Die Brüder Hirschfeld erhielten Offiziersstellen im Kavallerieregiment „Alcántara“Heute Regimiento de Caballería Acorazado „Alcántara“ n.º 10 in Katalonien, das sie im September 1810 nach einer Seereise durchs Mittelmeer erreichten. Eugen wurde am 14. Januar 1811, inzwischen Oberst, an der Spitze der Avantgarde des Generals Pedro Sarsfield bei einem Angriff auf die französische Division Palombini bei Pla de Cabra schwer verwundet und starb am Tag darauf in den Armen seines Bruders.

Moritz von Hirschfelds Erfolge im Kleinen Krieg veranlassten General Enrique José O’Donnell ihn mit der Überrumpelung der Zitadelle von Barcelona, des Fort Monjuich zu beauftragen. Das Unternehmen schlug fehl, doch kamen seine Ergebnisse einer erfolgreichen Gewaltsamen Aufklärung gleich und Hirschfeld wurde Rittmeister. Bei der Eroberung von Figueres im April 1811 erwarb er sich die „Goldene Medaille für Tapferkeit“.Zwei Tapferkeitsmedaillen. Abbildung der vor Ort geschlagenen Medaille und ihrer später gravierten Dublette. Katalog des Antiquitätenanbieters Hermann-Historica

Sein Regiment befand sich im Juni im belagerten Tarragona. Am Abend vor der Eroberung entkam Hirschfeld mit seiner Eskadron aus der eingeschlossenen Festung. Nach schweren Verwundungen in der verlorenen Schlacht von Murviedo am 25. Oktober 1811 hatte Hirschfeld einen Gnadenstoß in den Kopf erhalten. Als der französische Offizier, der die Gnadenstöße gab, zu ihm kam, drehte sich der am Boden liegende Hirschfeld um. So traf ihn der Degen rechts neben dem linken Ohr und trat durch den Mund aus, was Schäden an Zunge und Gebiss zur Folge hatte. Zwei Tage später fanden Bauern, die das Schlachtfeld abräumten, ihn entkleidet vor, hielten ihn für tot und legten ihn in ein Massengrab. Dabei erkannten sie Hirschfeld als lebend und brachten ihn in ein französisches Gefangenen-Lazarett nach Saragossa.

Kurz vor seiner Genesung gelang Hirschfeld im Sommer 1812 die Flucht und die Rückkehr zur spanischen Armee. Infolge der Verwundungen war er zunächst dienstunfähig und konnte den linken Arm nie mehr voll gebrauchen, was seine Reitfähigkeit einschränkte. Auch blieben Schwierigkeiten beim Sprechen und eine auffällige Narbe am Hinterkopf zurück. Die in Spanien übliche Untersuchung einer Reinigungskommission erbrachte Hirschfeld ein Lob, veröffentlicht anlässlich seiner Rehabilitierung in einem Armeebefehl vom 1. Februar 1813. Nun einem Infanterieregiment zugeteilt, stieg er zum Major auf. Zu weiteren Einsätzen fehlen Angaben. Wegen seiner ausgezeichneten Kenntnisse der englischen Sprache und der Verhältnisse in der britischen Armee kann angenommen werden, dass er von Katalonien zur Armee Arthur Wellesleys ins Baskenland versetzt wurde.

Hirschfeld hatte bei Beginn des Befreiungskrieges in Deutschland im Frühjahr 1813 um seinen Abschied ersucht, um in die preußische Armee zurückzukehren. Stattdessen wurde er 1814 zum spanischen Oberstleutnant befördert, machte den Vormarsch nach Frankreich mit und durfte auch nach dem Pariser Frieden von 1814 nicht ausscheiden. Dies geschah erst am 24. Februar 1815 nach einer Intervention des preußischen Gesandten in Madrid. Im Frühjahr 1815 kam Hirschfeld nach Preußen zurück.

Weil er in Spanien hohes Ansehen erworben hatte, zeichnete ihn König Ferdinand VII. nachträglich mit dem Militärischen San Fernando-Orden II. Klasse aus. Als Hirschfelds Sohn Urban Karl, ein preußischer Major, Spanien 1860 bereiste, paradierte vor ihm auf Befehl der Königin Isabella II. das Regiment „Alcantara“, worin sein Vater und sein Onkel gedient hatten.

Friedensjahre Weil der 25-jährige Hirschfeld mit Abstand der jüngste Oberstleutnant der preußischen Armee gewesen wäre, stellte sie ihn im September 1815 als Major ein. Hirschfeld übernahm das Kommando des Füsilier-Bataillons im 25. Infanterie-Regiment. In der langen Friedenszeit bis 1849 stieg er vom Oberstleutnant 1830, seit 1831 Kommandeur des 29. Infanterie-Regiments, über den Oberst 1837, ab 1838 Kommandeur der 15. Infanterie-Brigade bis zum Generalmajor 1840 auf. Am 18. Januar 1833 hatte ihn der Großherzog Leopold von Baden mit dem Kommandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen dekoriert. Im Frühjahr 1846 wurde Hirschfeld zum Kommandeur der 1. Division in Königsberg ernannt und 1847 zum Generalleutnant befördert.

Beachtung fand in der Armee seine Kriegserfahrung aus „sieben Feldzügen“, zu der erfolgreiche, selbständige Kommandos über gemischte Verbände gehört hatten. Seine Vorgesetzten bescheinigten Hirschfeld die Berechtigung zu einem „höheren Wirkungskreis“, zur „außerordentlichen Beförderung“ und „im Falle eines Krieges“ zu „besonderem Vertrauen“. Von ihm sei „viel zu erwarten“.Zitate bei Priesdorff (Lit.), S. 406f.

In den Tagen der Märzrevolution war Hirschfeld Stadtkommandant von Potsdam. Nachdem König Friedrich Wilhelm IV. am 21. März 1848 angeordnet hatte, dass die preußischen Soldaten die Schwarz-Rot-Goldene Kokarde anzulegen haben, ließ Hirschfeld auf der Kommandantur eine Schwarz-Rot-Goldene Fahne hissen. Amtlich bekannt gemacht und umgesetzt wurde die Anordnung in Potsdam erst am 3. Mai 1848 beim Auszug der Garnison in den Krieg gegen Dänemark.Gerd Heinrich (Hrsg.): Berlin 1848. Das Erinnerungswerk des Generalleutnants Karl Ludwig von Prittwitz und andere Quellen zur Berliner Märzrevolution und zur Geschichte Preußens um die Mitte des 19. Jahrhunderts. de Gruyter, 1985, Berlin, New York 1985, ISBN 978-3-11-008326-2, S. 415

In der Reichsverfassungskampagne mini|Der triumphale Einzug des Großherzogs von Baden und des Prinzen von Preußen in Karlsruhe fand ohne Hirschfeld statt. Zeitgenössische Darstellung

Friedrich Wilhelm IV. sandte Hirschfeld im Juni 1848 ins Rheinland zurück und ernannte ihn zum Kommandeur der 15. Division und zum Kommandanten ad interim von Köln. Im Mai 1849 stellte Preußen zwei improvisierte Armeekorps unter dem Oberkommando des Prinzen von Preußen auf, um im Auftrag des Deutschen Bundes den Aufstand in der Pfalz und in Baden niederzuschlagen. Hirschfeld übernahm die Führung des Ersten der beiden Korps. Chef seines Stabes war Oberstleutnant Albrecht von Roon.

Hirschfelds Korps besetzte von Norden und Westen aus zwischen dem 11. und 18. Juni „methodisch und behutsam“ die Pfalz, wozu auch der Entsatz der von bayerntreuen Offizieren gehaltenen Festung Landau am 18. Juni gehörte.Die Darstellung der Kämpfe stützt sich auf Wilhelm Blos: Die Deutsche Revolution. Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849. Dietz, Stuttgart 1893, S. 549–600, bes. S. 565–588 und Heinz Helmert, Hansjürgen Usczeck: Bewaffnete Volkskämpfe in Europa 1848/49. Militärverlag der DDR, Berlin 1973, S. 248–266, „methodisches und behutsames Vorrücken“ S. 256. Die von Daniel Fenner von Fenneberg organisierten und unter dem Kommando Franz Sznaydes stehenden pfälzischen Revolutionstruppen zogen sich nach Gefechten bei Homburg, Kirchheimbolanden, Dürkheim, Ludwigshafen und Rinnthal auf die aufständische badische Armee in der Neckargegend zurück. Diese stand bei Mannheim und Heidelberg dem preußischen Zweiten Korps unter Karl von der Groeben und dem Bundeskorps Eduard von Peuckers gegenüber.