mini|Priesterweihe durch Bischof Norbert Trelle, Hildesheimer Dom 2006 mini|hochkant|Salbung der Hände eines neugeweihten Priesters

Das Sakrament der Weihe oder Sakrament der Ordination (, „Aufnahme in den jeweiligen “), auch Sakrament der Handauflegung, ist in vielen christlichen Konfessionen ein Sakrament, durch das der Geweihte eine Sendung und Vollmacht erhält, im Namen Christi für die Kirche zu handeln.

Seit der Neukonzeption des Zweiten Vatikanischen Konzils umfasst die Weihe von Klerikern in der Römisch-katholischen Kirche drei geordnete Stufen: den Diakonat, den Presbyterat und den Episkopat, wobei nur in letzterem als höchster Weihestufe die Fülle des Sakraments vereint sei (Lumen gentium 21). Der Empfang der Weihe führt zur Aufnahme in den Klerus und zur Inkardination in eine Diözese oder Ordensgemeinschaft.

Herleitung

Wie alle Sakramente führt die Römisch-katholische Kirche auch das Weihesakrament auf das im Neuen Testament überlieferte Handeln Jesu Christi zurück. Dieser wird als „Urheber des Amtes in der Kirche“ (KKK ) begriffen, das von der Sendung der Apostel hergeleitet wird: Während Christus in seinen Predigten das gesamte Volk Israel in seine Nachfolge gerufen habe (Allgemeines Priestertum der Getauften), habe er einen engeren Kreis von zwölf Jüngern ausgewählt, die er aussenden wollte, damit sie seine Botschaft verkündeten . Durch die Gabe des Heiligen Geistes habe er ihnen auch die Vollmacht verliehen, die Kirche zu leiten und stellvertretend für ihn zu handeln: Die Weihe gehe damit über eine Delegation durch die Gemeinschaft hinaus, denn sie

Durch das priesterliche Handeln in persona Christi sieht die Römisch-katholische Kirche garantiert, dass Christus selbst in den Sakramenten tätig wird zur Heilsvermittlung, unabhängig von den Vorzügen oder Fehlern des Amtsträgers.

Besondere Bedeutung kommt dabei der Spendung der Sakramente zu, insbesondere der Feier der Eucharistie, die Jesus den Aposteln mit den Worten aufgetragen habe.

Die Römisch-katholische Kirche lehrt, dass sich dieses Verständnis von Weihe aus dem Neuen Testament herleiten lasse. Schon aus apostolischer Zeit sei als Zeichen für die Weitergabe dieser Berufung die Handauflegung überliefert, verbunden mit dem Weihegebet zur Anrufung des Heiligen Geistes (, , ). Die Auswahl der Kandidaten für das Bischofsamt sei durch die Apostel und die von ihnen bestimmten Nachfolger erfolgt. Sie verkündeten demnach das Evangelium und übernahmen die Leitung der Gemeinden in Fortführung der priesterlichen Sendung.

Sakramentverständnis Das Weihesakrament gibt es in den Kirchen katholischer und orthodoxer Tradition, insbesondere der römisch-katholischen Kirche, den orthodoxen, altorientalischen, altkatholischen und anglikanischen Kirchen sowie weiteren, nach eigenem Selbstverständnis katholischen Kirchen. Es wird von Christus durch einen Bischof gespendet. Aufgrund des gemeinsamen Ursprungs des Weihesakraments in der Alten Kirche und der daraus folgenden Apostolischen Sukzession werden die Weihen von vielen Konfessionen wechselseitig anerkannt.

In nahezu sämtlichen dieser Kirchen gilt die Weihe als Sakrament (), in einigen anglikanischen Kirchen als Sakramentale.

Gültigkeit der Weihe Eine Weihe gilt dann gültig und als Sakrament vollzogen, wenn alle dazu notwendigen Voraussetzungen gegeben sind: Der spendende Bischof muss in apostolischer Sukzession stehend von Christus mit dem Auftrag ausgestattet sein, das Sakrament zu spenden. Der Empfänger muss getauft und männlich sein; manche Kirchen sehen jedoch auch die Weihe einer Frau als gültig an. Ferner muss der Empfänger von der Kirche in dieses Amt berufen und dazu geeignet sein.

Unabhängig von der Gültigkeit der Weihe ist die Frage nach ihrer Rechtmäßigkeit. In der römisch-katholischen Kirche darf eine Bischofsweihe erlaubt nur im Auftrag des Papstes erfolgen. Auch ohne diesen gilt eine Weihe dennoch als sakramental gültig, ist jedoch verboten und zieht nach die Exkommunikation als Tatstrafe nach sich.

Ordination von Frauen

mini|hochkant|Katharine Jefferts Schori, eine Bischöfin der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika

Ein wesentlicher Unterschied im Verständnis des Sakraments in den verschiedenen Kirchen liegt in der Zulässigkeit der Ordination von Frauen. Nach katholischer Lehre kann das Weihesakrament nur von einem Mann gültig empfangen werden. Dies wird von der römisch-katholischen Kirche, den orthodoxen und altorientalischen Kirchen, sowie manchen anglikanischen und altkatholischen Kirchen vertreten.

Die meisten altkatholischen und anglikanischen Kirchen sehen auch die Ordination von Frauen als gültig an. Teilweise ist sie jedoch auf den Diakonat oder den Presbyterat beschränkt. Auch wenn ansonsten eine prinzipielle gegenseitige Anerkennung der Weihen besteht, werden Weihen mit Beteiligung einer Frau als Spender oder Empfänger von den anderen Kirchen als ungültig und ohne sakramentale Wirkung betrachtet.

Die grundsätzliche Einschränkung der Zulassung zum Weihesakrament u. a. in der römisch-katholischen Kirche wird damit begründet, dass Jesus bei der Einsetzung des Sakraments ausschließlich Männer zu seinen Aposteln berufen hat (, ). An diese göttliche Festlegung sei die Kirche gebunden und habe daher keinerlei Vollmacht, dieses Sakrament einer Frau zu spenden. Dies wird nicht als Diskriminierung angesehen, sondern als Wertschätzung der von der Natur gegebenen Verschiedenheit der Geschlechter.

Als weiterer Grund gilt, dass ein Priester bei der Ausübung der durch die Weihe erlangten Vollmachten nicht in eigener Person handelt, sondern in persona Christi (), weshalb auch eine natürliche Ähnlichkeit () erforderlich oder wenigstens geboten sei, um die Verkörperung Jesus erkennbar zu machen. Für die Ähnlichkeit stellt die Kirche ausschließlich auf das männliche Geschlecht Jesu ab, nicht auf andere Merkmale wie beispielsweise Alter, Hautfarbe oder seine Beschneidung als Jude. Dieses Verständnis von Ähnlichkeit wird kritisiert, da sie die Ordination von Frauen ausschließt; nach der Bibel sei das Menschsein ausschlaggebend für die Ähnlichkeit und nicht das Mannsein (Joh 1,14).

Allerdings hatte das Zweite Vatikanische Konzil bestimmt, dass Priester aufgrund ihres bei der Weihe empfangenen Character indelebilis – und nicht aufgrund angeborener Eigenschaften – „dem Priester Christus gleichförmig“ sind (Presbyterorum ordinis Nr. 2).

Mit dem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis reagierte Papst Johannes Paul II. 1994 auf die entsprechende Diskussion und auf die zunehmende Bereitschaft christlicher Kirchen zur Frauenordination, indem er sich explizit auf die 1992 getroffene Entscheidung der Church of England, Frauen zu ordinieren, bezog:

Spendung der Weihe mini|Handauflegung und Weihegebet des Bischofs

Zentrale, nach außen sichtbare Handlung der Weihespendung ist die Handauflegung und das Weihegebet des Spenders. Die Tradition der Handauflegung ist seit der Urkirche belegt und findet sich bereits in den Briefen des Neuen Testaments ().

Da das Weihesakrament der Seele einen Character indelebilis (untilgbares Prägemerkmal) verleiht, ist ein gültig empfangenes Weihesakrament unwiderruflich und seine Spendung wird nie wiederholt. Aufgrund dieses Prägemals – und nicht aufgrund angeborener Eigenschaften – ist der Geweihte „dem Priester Christus gleichförmig“ (Zweites Vatikanisches Konzil: Presbyterorum ordinis Nr. 2). Im Zweifelsfall kann der Weiheritus jedoch sub conditione wiederholt werden, wenn die Gültigkeit einer erfolgten Weihe fraglich ist. Auch bei grundsätzlicher gegenseitiger Anerkennung des Weihesakraments kommt dies immer wieder bei der Konversion von Geistlichen vor, wenn die Sakramentalität der in der anderen Konfession durchgeführten Weihe bezweifelt wird (beispielsweise durch eine im Hinblick auf die apostolische Sukzession unklare Weihelinie).

Vom Verlust des klerikalen Standes bleibt die Weihe daher unberührt: „Die einmal gültig empfangene heilige Weihe wird niemals ungültig“. Jedoch kann durch richterliches Urteil oder Verwaltungsdekret die „Ungültigkeit der heiligen Weihe“ festgestellt werden, sofern sie nicht gültig empfangen wurde. Dies ist jedoch lediglich eine formale Feststellung; sakramental hat die Weihe in einem solchen Fall nie bestanden.

Niedere Weihen

Die niederen Weihen sind keine Sakramente, sondern entsprechen eher einer liturgischen Beauftragung. In der römisch-katholischen Kirche wurden sie 1973 mit dem Motu proprio Ministeria quaedam weitgehend abgeschafft. In der lateinischen Kirche sind sie nur noch in der außerordentlichen Form erhalten.

In den orthodoxen Kirchen und den katholischen Ostkirchen des byzantinischen Ritus existieren sie weiterhin als Vorstufen zu den sakramentalen höheren Weihen.

Stufen der Weihe (Weihegrade) mini|Handauflegung der Priester

Das eine Weihesakrament entfaltet sich in drei StufenKatechismus der Katholischen Kirche: Artikel 6: Das Sakrament der Weihe () mit jeweils eigenen Weiheriten:

Diakonat () – Diakonweihe (): Die Hauptaufgaben des Diakons liegen im diakonischen und seelsorglichen Dienst, der Verkündigung des Evangeliums und der Feier des Gottesdienstes. Presbyterat () – Priesterweihe (): Der Priester übernimmt als Mitarbeiter des Bischofs die Leitung von Gemeinden und die Spendung der Sakramente (mit Ausnahme der Weihe). Episkopat () – Bischofsweihe (): Die Bischöfe sind als Nachfolger der Apostel für die Leitung der Kirche verantwortlich. In der dritten und höchsten Weihestufe vereint sich die Fülle des Weihesakraments.

Die einzelnen Stufen bauen aufeinander auf: Zum Empfang der Priesterweihe ist die Diakonweihe erforderlich, für die Bischofsweihe die Priesterweihe.

Die Bischofs- und Priesterweihe verleihen die Sendung und die Vollmacht, in der Person Christi zu handeln, die Diakonweihe .

Durch die Weihe wird der Kandidat in den jeweiligen Ordo der Kirche (Ordo episcoporum, Ordo presbyterorum und Ordo diaconorum) aufgenommen.

Diakonat mini|Kandidaten einer römisch-katholischen Diakonweihe bei der Prostratio mini|Orthodoxe Diakonweihe

Die Spendung des Sakraments der Diakonweihe erfolgt durch Handauflegung und Weihegebet des Bischofs. Hierdurch wird den Weihekandidaten die Gabe des Heiligen Geistes für das Amt des Diakons erbeten. Schließlich folgt die Ankleidung mit den Insignien des Diakons, Stola und Dalmatik, sowie die Übergabe des Evangeliars.

Als rechtsverbindlicher Akt wird das öffentliche und freiwillige Weiheversprechen der jeweiligen Weihekandidaten, das während des Weiheritus abgelegt wird, angesehen.

Presbyterat mini|hochkant|Ordinandi einer Priesterweihe bei der Prostratio

Die Priesterweihe ermöglicht die Spendung der Sakramente mit Ausnahme des Weihesakraments und ist daher gleichzeitig Fähigkeit und Auftrag zum besonderen, sakramentalen und seelsorglichen Dienst an der Kirche. Sie ist Voraussetzung für den Zugang zu den meisten kirchlichen Ämtern, wie die Bestellung zum Pfarrer.

Zentrale Handlung der Priesterweihe ist die Handauflegung und das Weihegebet des spendenden Bischofs. Die Handauflegung erfolgt anschließend durch alle anwesenden Bischöfe und Priester, die den Neupriester segnen. Anschließend folgen als ausdeutende Riten die Salbung der Hände mit Chrisam, das Anlegen der Kasel und die Überreichung von Kelch und Hostienschale.

Vor der Priesterweihe durchläuft ein Priesteramtskandidat in der Regel eine mehrjährige Ausbildung inklusive Studium der Theologie in einem Priesterseminar, einem ordenseigenen Seminar, einem Theologenkonvikt, einer geistlichen Akademie oder ähnlichen Einrichtung.

Episkopat mini|Handauflegung zur Bischofsweihe in der Episkopalkirche der USA Die Bischofsweihe stellt die Vollform des Weihesakramentes dar; die beiden anderen Stufen sind von ihr abgeleitet.