mini|Wolf Wiechert im März 2019
Wolf Wiechert (* 31. März 1938 in Skandau in Ostpreußen; † 21. Juni 2026) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker.
Biografie Er wurde in Ostpreußen geboren und floh 1945 mit seiner Familie über das Frische Haff und zwei Jahre später über die Oder in die Oberlausitz. Diese Kindheitsgeschichte verarbeitete der Autor unter anderem in seinem kritisch-nostalgischen Ostpreußenroman Rosa. Eine kontrollierte Spekulation über die Kinderfrau Rosa Puppke.
Nach dem Abitur in Bautzen flüchtete er in den Westen und begann ein Germanistikstudium in Heidelberg. In Wertheim am Main arbeitete er von 1965 bis 2006 als Deutschlehrer am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Ab seiner Pensionierung arbeitete er für das Main-Echo als Kulturjournalist.
Wiecherts Roman Der Kaktus (2008) behandelt den Wertheimer Kreis um die Georgeaner Wolfgang Frommel, Willy Hellemann und Edgar Baron Heyking. Wie im Rosa-Roman geht es dabei weniger um die Vergangenheit als solche, sondern um das Verhältnis, das eine Gruppe von Rechercheuren teils erwartungsvoll, teils skeptisch zu ihr aufbaut. Die Motivstruktur der Recherche verbindet sich dabei häufig mit Reiseschilderungen und mit der Charakterisierung unterschiedlicher intellektueller Temperamente. Typisch für Wiecherts metahistorisches Erzählen sind Differenzen zwischen den beteiligten Rechercheuren, wiederholte Bezugnahmen auf Theodor Fontane sowie die Brechung des Faktischen durch Gespräche über Gedichte (besonders von Stefan George, Rainer Maria Rilke und Gottfried Benn).
Wiechert lebte mit seiner Familie in einem historischen Bauernhaus bei Wertheim. Eine enge Freundschaft und künstlerische Kooperation verband ihn mit dem Bautzener Maler Dietmar Wappler (1938–2010). Der Einfluss, den Wiechert vom Heidelberger Mediävisten Peter Wapnewski erfahren hatte, spiegelte sich in seiner langjährigen Beschäftigung mit Wolfram von Eschenbach wider, die 2013 auch zu seiner Parzival-Neuerzählung in Zusammenarbeit mit Joachim Hamm und Bertram Söller führte.
Preise und Auszeichnungen
Kulturpreis der Stadt Wertheim, 1989 Baden-Württembergischer Lyrikpreis, 1999 Stadtmedaille Wertheim, 2008
Werke
Restsüße. Zwischen Leben und Tod. Gedichte, mit Illustrationen von Ottmar Hörl, 2022 Rosa. Eine kontrollierte Spekulation. Roman, 2019 Parzival, neu erzählt nach Wolfram von Eschenbach, 2013 Der Kaktus. Roman, 2008 Eine Liebe in Kaliningrad. Roman, 2006 Fly up wind. Gedichte, mit Holzschnitten von Roland Kuch, 2002 Augenblick. Gedichte, mit Bildern von Isolde Broedermann, 2000 Das Treffen im Schloss. Erzählungen, mit Illustrationen von Dietmar Wappler, 1999 Blutprobe. Gedichte, 1991 Achat. Gedichte, 1989 Bach oder Eine deutsche Bildbeschreibung. Erzählung, 1987 Beschreibung eines Interesses oder einer Liebe. Gedichte, 1980
Vertonungen Besser du redest nicht weiter darüber. 30 Lieder von Alexander Wolf nach Gedichten von Wolf Wiechert, 2019
Weblinks
Webseite von Wolf Wiechert unter www.wolf-wiechert.de
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Lyrik Kategorie:Person (Wertheim) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann