Die Straßenbahn in den Städten Mülheim an der Ruhr und Oberhausen hatte eine zunächst getrennte Geschichte.
Ab dem Jahr 1897 verkehrte sowohl in Mülheim an der Ruhr als auch in Oberhausen eine meterspurige elektrische Straßenbahn. Nachdem im Jahr 1974 die letzte Straßenbahnstrecke auf Oberhausener Stadtgebiet stillgelegt worden war, wurde 1996 der Straßenbahnverkehr in Oberhausen wieder aufgenommen, der seitdem ein Teil des Mülheimer Straßenbahnsystems ist.
In Mülheim an der Ruhr begann in den 1970er Jahren der Stadtbahnbau. Im Ergebnis wurde eine Straßenbahnstrecke durch eine normalspurige Stadtbahnstrecke ersetzt sowie zwei Straßenbahnlinien im Innenstadtbereich durch den Stadtbahn-Tunnel geführt. Die anderen Linien verblieben weiterhin oberirdisch und sahen sich nach dem Jahr 2000 von einer Spardiskussion bedroht, die zu mehreren Betriebseinstellungen führte.
Zurzeit verkehren auf dem 36,2 Kilometer langen Streckennetz drei meterspurige Linien. Außerdem verkehren in Mülheim jeweils eine Linie der normalspurigen Straßenbahn Duisburg und der normalspurigen Stadtbahn Essen.
Geschichte Straßenbahn in Mülheim an der Ruhr mini|links|Ein Stadtbahnwagen der MVG auf der Linie 110 (eingestellt)
Die ersten Planungen für den Bau einer elektrischen Straßenbahn in Mülheim gehen auf die 1890er Jahre zurück. Man beabsichtigte, die umliegenden Gemeinden an die Stadt Mülheim anzuschließen. Ein Hintergedanke war, dadurch Eingemeindungen dieser Orte zu erleichtern. Am 9. Juli 1897 wurden die Strecken von Kahlenberg über die Stadtmitte und Styrum nach Oberhausen und von der Stadtmitte bis zur Grenze nach Heißen eröffnet. Besonders die Strecke nach Oberhausen zeichnete sich, bedingt durch drei zu kreuzende Eisenbahnstrecken, durch besondere Unpünktlichkeit und immense Verspätungen aus.
Die Strecke nach Heißen wurde am 20. November 1899 bis Heißen, Kirche verlängert. Am 10. Juli 1900 wurde eine weitere Strecke von Eppinghofen über Dümpten nach Lipperheidebaum in Betrieb genommen. Diese Strecke hatte keine direkte Linienverbindung zum übrigen Netz, das Verbindungsgleis in der Aktienstraße wurde nur für Betriebsfahrten genutzt. In den folgenden Jahren kam es, bedingt durch die Eingemeindungen von Broich, Dümpten (Oberdümpten), Heißen, Holthausen, Saarn, Speldorf und Styrum (Oberstyrum) aus dem ehemaligen Landkreis Mülheim an der Ruhr zu Erweiterungen des Streckennetzes.
Alstaden, Unterdümpten und Unterstyrum wurden nach Oberhausen (Rheinland) eingemeindet, die Strecken in Unterdümpten und Unterstyrum gehörten aber weiter der Mülheimer Straßenbahn und wurden auch von ihr betrieben.
Eröffnungsdatum Strecke 4. Januar 1910 Verlängerung in Eppinghofen 22. März 1910 Eppinghofen – Holthausen 13. Oktober 1910 Heißen – Grenze Essen-Frohnhausen 5. Februar 1911 Beseitigung der Bahnübergänge in Richtung Oberhausen 13. Mai 1911 Bahnhof Mülheim – Bahnhof Styrum – Styrum Poststraße 1. Juni 1911 Stadtmitte – Saarn 11. Juni 1911 Saarn – Waldschlösschen 15. Juni 1911 Hauptbahnhof Duisburg – Stadtmitte Mülheim 20. Dezember 1911 Wilhelmsplatz – Dimbach 20. Dezember 1911 Holthausen – Hustadtstraße 7. April 1912 Waldschlösschen – Uhlenhorst 20. Juli 1913 Holthausen – Steinknappenweg 1. Mai 1915 Essen-Frohnhausen – Essen Stadtmitte
Somit hatten die Straßenbahnbetriebe Mülheim zu Beginn des Jahres 1914 37,4 Kilometer Strecken, auf denen sie neun Linien betrieb. Während des Ersten Weltkrieges nimmt die Straßenbahn in Mülheim, wie in anderen Städten auch, den Güterverkehr auf. Diese führte zu einer Verringerung des Personenverkehrs.
Die nächste Streckenerweiterung kam am 29. Juli 1919, als man die Strecke von der Aktienstraße nach Borbeck eröffnete. Damit war ein weiterer Anschluss an das Netz in Essen hergestellt. In den 1920er Jahren nahm man weitere Strecken in Betrieb:
Eröffnungsdatum Strecke 10. Juli 1924 Hustadtstraße – Neuen Friedhof 5. Juni 1927 Neuen Friedhof – Windmühlenstraße 23. November 1928 Windmühlenstraße – Flugplatz 23. November 1928 Dimbeck – Werdener Weg
Bis zum Zweiten Weltkrieg betrieb die Straßenbahn zehn Linien. Ab dem 15. September 1939 kam es durch den Krieg zu Einschränkungen. 1942 führte man eine weitere Umgestaltung des Liniennetzes durch, um die verbliebenen Wagen besser ausnutzen zu können und den Betrieb weiter aufrechtzuerhalten. 1943 kam es nach der Beseitigung der Trümmer durch die Bombardierungen zu einer Verbreiterung der Eppinghofer Straße, so dass man hier einen zweigleisigen Ausbau vornahm. Zwischen dem 27. März und dem 23. April 1945 wurde der Verkehr wegen der Kriegshandlungen ausgesetzt. Am 28. Juni 1950 waren, nachdem die Kriegsschäden beseitigt und die notwendigen Brücken wieder errichtet waren, der Wiederaufbau abgeschlossen. Die Straßenbahnbetriebe Mülheim betrieben zu diesem Zeitpunkt neun Linien.
Am 29. November 1951 wurde die Strecke von Eppinghofen nach Dümpten mit einer neuen Strecke nach Oberdümpten auf eigenem Gleisbett verlängert. Die alte Strecke zum Lipperheidebaum zur damaligen Zeche Oberhausen (Heute Stadtteil Bermensfeld) wurde eine Zeit lang noch von der damaligen Haltestelle Bürgermeisteramt Dümpten bis Oberhausen-Dümpten, Wehrstraße, mit einem alten pendelnden Triebwagen betrieben. Nachdem man in Mülheim begonnen hatte, Großraumwagen einzuführen, war man gezwungen, an den Endstellen Wendeschleifen oder Wendedreiecke zu bauen, da die Wagen nur für den Einrichtungsverkehr eingerichtet waren. 1954 wurde die Strecke in der Innenstadt aus der Schloßstraße in die Leineweberstraße verlegt. Zudem wurde ab dem Jahr 1958 die B 1, die heutige A 40, zu einer Schnellstraße ausgebaut, auf der die Straßenbahn einen eigenen Bahnkörper in der Mitte der Straße erhielt.
In den 1960er Jahren begann man damit, einige Straßenbahnlinien auf den Omnibusbetrieb umzustellen. Es wurden die Strecken von Styrum nach Raffelberg, von der Stadtmitte nach Saarn und von der Stadtgrenze in Landwehr nach Oberhausen aufgegeben. Somit gab es Anfang der 1970er noch sechs Linien mit einer Linienlänge von 86,8 Kilometern Länge.
Tunnelbau für die Stadtbahn Rhein-Ruhr
Ab den 1970er Jahren begann man auch in Mülheim mit dem Versuch, die Straßenbahn in eine Stadtbahn umzubauen. Es sollten folgende Strecken gebaut werden:
Strecke Essen – Heißen – Mülheim – Broich – Duisburg Oberhausen – Dümpten – Mülheim – Broich – Uhlenhorst – Saarn Essen-Schönebeck – Aktienstraße – Mülheim – Flughafen – Essen-Bredeney (in der Form nur angedacht, in den weiteren Planungen dann verworfen)
Mit dem Bau dieser Stadtbahnstrecken sollten alle Straßenbahnlinien bis auf die damalige Linie 13 (später 110, Hauptfriedhof – Kahlenberg – Stadtmitte – Styrum Friesenstraße) auf Stadtbahn umgestellt werden.
Die schon bestehende Verbindung zwischen Essen und Mülheim sollte als erste als Vorzeige- und Versuchsstrecke zur Stadtbahnstrecke ausgebaut werden. Nach Umbaumaßnahmen in Essen und Mülheim ging im Dezember 1976 der Probebetrieb los. Am 29. Mai 1977 begann der reguläre Betrieb der U18 vom Wiener Platz (heute: Hirschlandplatz) in Essen bis Heißen, Kirche in Mülheim. Die Verlängerung bis Mülheim Hauptbahnhof ging am 3. November 1979 in Betrieb. Damit wurde der Straßenbahnverkehr auf diesem Streckenabschnitt eingestellt.
Ab dem 1. Januar 1980 waren die Straßenbahnbetriebe Mülheim an der Ruhr Mitglied im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Um doppelte Liniennummern im Verbundgebiet zu vermeiden, erhielten sämtliche Linien neue Nummern, wobei Mülheim gemeinsam mit Essen der 100er-Bereich zugeordnet wurde.
mini|hochkant=2|links|Gleisplan der Mülheimer Innenstadt (Stand 2013) mini|Trennung von Normal- und Meterspur in Broich: Hinten rechts zweigt die Meterspurstrecke nach Uhlenhorst ab, rechts vorne geht es regelspurig nach Duisburg, links meterspurig in den Betriebshof.
In den folgenden Jahren wurde die Linie 102 und die normalspurige Duisburger Linie 901 im Innenstadtbereich unter die Erde verlegt. Die Baumaßnahmen wurden 1996 abgeschlossen. Eine geplante Verbindung der Linie 901 aus Duisburg mit der U18 aus Essen wurde zum Teil aus finanziellen, hauptsächlich aber aus politischen Gründen nicht umgesetzt. Problematisch sind hier die unterschiedlichen Radsatzmaße und Zugsicherungssysteme. Während das Regelspurnetz in Essen als Modellstrecke der Stadtbahn Rhein-Ruhr mit Fernbahnprofil betrieben wird, sind bei den seit Anfang an regelspurigen Netzen der Duisburger Verkehrsgesellschaft und der Rheinbahn die Straßenbahnmaße belassen worden.
Als in den 1990er Jahren die Stadtwerke Oberhausen AG (STOAG) eine Renaissance der Straßenbahn in Oberhausen einleiteten, wurde die bis zur Stadtgrenze verlaufende Linie 112 auf Oberhausener Gebiet verlängert.
Stilllegungen nach 2010 mini|Am Tag der Einstellung hält ein Straßenbahnzug am Bahnhof Mülheim (Ruhr)-Styrum, das Schild weist die Haltestelle bereits als ausschließliche Bushaltestelle aus.Am 2. April 2012 wurde die Linie 104 um den Abschnitt zwischen Hauptfriedhof und Flugplatz – offiziell aus technischen Gründen – verkürzt, weil die Stilllegung einer Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde Bezirksregierung Düsseldorf bedurft hätte. Diese lehnte in der Folge mit Bescheid vom 14. März 2013 hier die dauerhafte Einstellung des Straßenbahnverkehrs ab. Die technischen Mängel seien „durch pflichtwidrige Unterlassung ordnungsgemäßer Unterhaltung herbeigeführt worden“. Trotzdem ist die Strecke seither dauerhaft ohne Schienenverkehr. Zum Flughafen fährt seither die Buslinie 130, welche am Hauptfriedhof, dem neuen Endpunkt der Straßenbahn 104, beginnt und weiter nach Essen-Haarzopf, Fulerum und zum Rhein-Ruhr-Zentrum verkehrt. Die Schienen sind (Stand 2023) weitgehend abgebaut.
Am 3. Oktober 2015 wurde der Streckenast der Linie 110 zwischen Thyssenbrücke und Wendeschleife Friesenstraße in Styrum stillgelegt. Auch hier haben Linienbusse die Bedienung übernommen.
Am 7. August 2023 wurde die Straßenbahnstrecke zwischen dem Evangelischen Krankenhaus (bis dahin Wertgasse) und Oppspring stillgelegt. Die Linie 104 soll bis zur Fertigstellung der Wendeanlage an der Haltestelle Evangelisches Krankenhaus 2024 an der Haltestelle Kaiserplatz enden. Den Betrieb über den Streckenabschnitt übernahm die Buslinie 130, die bis zum Mülheimer Hauptbahnhof verlängert wurde.
Straßenbahn in Oberhausen Das ehemalige Straßenbahnnetz (1897–1974) mini|Geschichte und Gegenwart: Treffen der Straßenbahn-Generationen auf der neuen ÖPNV-Trasse Oberhausen Zwischen dem Bahnhof Oberhausen an der 1847 in Betrieb genommenen Köln-Mindener Eisenbahn und dem heutigen Hauptbahnhof in Mülheim an der Ruhr an den Strecken der Bergisch-Märkischen Eisenbahn und der Rheinischen Eisenbahn verkehrte seit den 1890er Jahren regelmäßig ein Pferdeomnibus. Die ersten Pläne für eine Straßenbahn reichen bis in das Jahr 1893 zurück. Überlegungen, zusammen mit der Nachbarstadt Mülheim an der Ruhr einen gemeinsamen Betrieb aufzubauen, scheiterten. So begann das Unternehmen Siemens & Halske im Jahr 1896 mit dem Bau einer lokalen Straßenbahn von der Grenze der Gemeinden Styrum und Oberhausen, die am 4. April 1897 eröffnet wurde. Am 9. Juli 1897 wurde die 7,61 Kilometer lange Strecke bis zur Stadtgrenze nach Osterfeld um 1,2 Kilometer verlängert.
Um die eigenständigen Gemeinden im Umfeld von Oberhausen anzubinden und auch den Werksverkehr aus Oberhausen heraus besser bewältigen zu können, beschloss die Oberhausener Straßenbahn – der erste kommunale elektrische Straßenbahn-Betrieb in Deutschland – weitere Strecken zu errichten:
25. September 1897 Verbindung nach Sterkrade (3,7 Kilometer) 16. Dezember 1899 Strecke durch Oberhausen (4,8 Kilometer) 21. Dezember 1898 Verbindung Borbeck – SEG in Essen – Diese ein Kilometer lange Strecke und die am 12. Juli 1900 eröffneten zwei Kilometer verbanden erstmals die Betriebe in Essen, Mülheim und Oberhausen.
mini|Restaurierter Triebwagen TW 25 von 1899