Chunqing Huang (chinesisch 黄春青, Pinyin Huáng Chūnqīng; * 5. Mai 1974 in Heze, China) ist eine chinesische Künstlerin. Sie lebt in Deutschland.
Leben Chunqing Huang wurde 1974 in China geboren.„Schwarze Löcher - Malerei in der Frankfurter Ausstellung“, Christoph Schütte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juli 2005, Nr. 167, S. 44. Als sie 1994 in Peking ihre Bewerbungsmappe für die Kunstakademie einreichte, besuchte sie eine Ausstellung mit Werken von Pablo Picasso, die für sie zu einer Begegnung mit der europäischen Moderne wurde. Sie studierte von 1994 bis 1998 an der Zentralen Akademie der Bildenden Künste (China Central Academy of Fine Arts) in Peking. Ende 2000 zog sie nach Deutschland. Von 2000 bis 2004 studierte sie an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main bei Peter Angermann, Hermann Nitsch und Wolfgang Tillmans und war Meisterschülerin im Fach Freie Malerei und Interdisziplinäre Kunst.„Baden und Schwimmen“, Harald Tesan, jetztkunst in der Zentrifuge, Katalog zur Ausstellungsreihe in der Zentrifuge 22. Mai bis 16. August 2009, Zentrifuge – Verein für Kommunikation, Kunst und Kultur e. V. (Hrsg.), 2009, ISBN 978-3-00-028508-0, S. 100.„Kunst in Frankfurt III“, Katalog zur Ausstellung in der AusstellungsHalle, Frankfurt am Main, 13. Mai bis 5. Juni 2011, Kunst in Frankfurt e. V. (Hrsg.), 2011, S. 9. Sie war die erste Chinesin, die zum Studium an der Städelschule zugelassen wurde. Die künstlerische Freiheit, die sie dort erlebte, empfand sie zunächst sowohl als überwältigend als auch als überfordernd. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
Werk Im Mittelpunkt von Chunqing Huangs künstlerischer Arbeit steht die Malerei, die sie sowohl gegenständlich als auch abstrakt ausübt. Bewegung, Farbe und die Möglichkeiten des freien künstlerischen Ausdrucks bilden wiederkehrende Elemente ihres Werks.
Bekannt wurde Huang Anfang der 2000er-Jahre mit ihrer Werkreihe Swimming, in der sie schwimmende Menschen darstellte. Die teils großformatigen Gemälde zeigen junge Menschen im und am Wasser und verbinden die Darstellung körperlicher Bewegung mit einer ausgeprägten Farbigkeit. In späteren Werkgruppen wandte sie sich zunehmend einer abstrakten Bildsprache zu.
In der Werkreihe Wandering in Absolute Freedom beschäftigte sie sich mit Bewegung und künstlerischer Freiheit. Die abstrakten Kompositionen verzichten auf eine Zentralperspektive und besitzen kein festgelegtes Oben oder Unten. Anregungen für die Reihe erhielt Huang durch ihre Beschäftigung mit dem chinesischen Philosophen Zhuangzi, dessen Vorstellungen von Freiheit und einem Leben im Einklang mit der Natur sie in Seminaren an der Goethe-Universität Frankfurt am Main kennengelernt hatte. Die Bewegung wird dabei selbst zu einem bildgestaltenden Element, während die Formen und Farbflächen nicht mehr an gegenständliche Motive gebunden sind.„Wandering in Absolute Freedom“, Dorothee Baer-Bogenschütz, Kunst in Frankfurt e. V., 2017, S. 7 u. 12.
Eine weitere Entwicklung ihrer abstrakten Malerei stellt die 2016 begonnene Werkreihe Painter’s Portrait dar, die Huang 2023 mit einem Bild von Pablo Picasso abschloss. Sie umfasst hundert abstrakte Ölgemälde in einem einheitlichen Format von 30 mal 40 Zentimetern. Anstelle der Gesichtszüge der Porträtierten verarbeitet Huang charakteristische Farben, Formen und Malweisen aus deren künstlerischem Schaffen zu eigenständigen Bildkompositionen. Die Reihe widmet sich vor allem Künstlerinnen und Künstlern der europäischen Moderne, darunter Franz Marc, August Macke, Henri Matisse und Marianne von Werefkin, bezieht aber auch amerikanische und zeitgenössische Positionen ein. Den Ausgangspunkt bildete ein Porträt von Franz Marc, dessen Werke Huang im Frankfurter Städel kennengelernt hatte. Die Gemälde beruhen auf ihren persönlichen Eindrücken von den jeweiligen künstlerischen Positionen und sind weder als gegenständliche Porträts noch als Nachbildungen einzelner Werke angelegt.
Neben der Malerei beschäftigt sich Huang mit der Fotografie. In der Serie City Life hält sie Szenen des städtischen Alltags fest und verfremdet die Aufnahmen ohne digitale Bildbearbeitung, sodass sie teilweise wie Gemälde wirken. Auch andere fotografische Arbeiten weisen Bezüge zur Malerei auf, etwa die Serie Rideau Avignon, in der ein vom Luftzug bewegter Vorhang durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten weitgehend abstrakt erscheint.
In der Werkreihe En Vogue reduziert Huang ihre Bildsprache auf wenige, mit verdünnter Ölfarbe ausgeführte, halbkreisförmige Pinselzüge, deren Strukturen an Drucktechniken erinnern. Die Arbeiten gehen auf ihre Auseinandersetzung mit der Entstehung und Verbreitung von Modetrends sowie den damit verbundenen Kommunikationsprozessen zurück.
Auszeichnungen 2004 2. Preis „Junge Kunst mit Zukunft“, Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt a. M. 2003 1. Preis „Junge Kunst mit Zukunft“, Zollamt, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt a. M. 1997 Preis der Taiwan Amoeba Design Association, Taipeh
Ausstellungen (Auswahl) 2026–2027 „Reflections“, Museum August Macke Haus, Bonn. 2025 „Verdichtete Spuren“, Kirchnerhaus Museum, Aschaffenburg. 2025 „Dialog“, Stadtgalerie im Badehaus, Bad Soden am Taunus. 2023 „Coming Home“, Steigenberger Icon Frankfurter Hof, Frankfurt am Main. 2021 „Painter’s Portrait“, Wiesbaden, Ausstellungen in zwei Kunstinstitutionen. 2017 „Wandering in Absolute Freedom“, AusstellungsHalle 1A, Frankfurt a. M. 2017 „Lebensfreude“, Villa Kult, Berlin 2013 „The 4th Dimension“, M&K, Prag 2012 „The 4th Dimension“, Pelhrimov Museum, Pelhrimov 2011 AusstellungsHalle 1A, Frankfurt a. M. 2010 AusstellungsHalle 1A, Frankfurt a. M. 2009 Zentrifuge, Nürnberg 2008 AusstellungsHalle 1A, Frankfurt a. M. 2007 „Die Sammlung Rausch“, Portikus, Frankfurt a. M. 2006 Kunsthalle Mannheim, Mannheim 2005 „Art International Karlsruhe 2005“, Karlsruhe 2004 „Fin“, Städel Museum, Frankfurt a. M. 2003 „Junge Kunst mit Zukunft“, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt a. M. 2001 „Vasistas“ – 7. Internationale Istanbul Biennale, ITÜ, Istanbul 2000 „Exchange“, Städelschule, Frankfurt a. M. 1998 Kunsthalle der Zentralen Akademie der Bildenden Künste, Peking
Literatur „Wandering in Absolute Freedom“, Dorothee Baer-Bogenschütz, Kunst in Frankfurt e. V., 2017. „Die Farben zeigen den Weg“, Alexandra Flieth, Frankfurter Neue Presse, 24. März 2017, Nr. 71, S. 18. „Die Sammlung Rausch“, Portikus / Prof. Dr. Daniel Birnbaum (Hrsg.), Verlag der Buchhandlung Walther König, 2007, ISBN 978-3-86560-294-7. „My home, my waters“, Dr. Eva Mongi-Vollmer, IHK Frankfurt am Main (Hrsg.), IHK WirtschaftsForum, 129. Jg., 11/2006, S. 60 f. „Schwarze Löcher - Malerei in der Frankfurter Ausstellung“, Christoph Schütte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Juli 2005, Nr. 167, S. 44. „Badeszenen und Gespräche im Zug - No pebbles here“, Gemälde von Chunqing Huang in der Ausstellung „Fin im Städel“, Konstanze Grüwell, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Dezember 2004, Nr. 285, S. 45. „From Frankfurt, Gasthof“, Dobrila Denegri, Collezioni edge modain, No. 124, Logos Publishing, 2002, , S. 167.
Weblinks Website Chunqing Huang Chunqing Huang bei artfacts.net
Einzelnachweise
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