mini|hochkant=1.25|Košice im Jahr 1617, die Führungsstadt der Pentapolitana und Hauptstadt ganz Oberungarns Die Pentapolitana (seltener auch Oberungarischer Fünfstädtebund; auch Ötváros = „Fünfstädte“ oder Pentapolisz; auch Päťmestie = „Fünfstädte“ oder Pentapolis; ausführlicher Name = „Fünf freie und königliche Städte des oberen Teils/Gebiets“) war ein 1412 gegründetes spätmittelalterlich-frühneuzeitliches Städtebündnis der fünf bedeutendsten Königlichen Freistädte (: libera regiae civitas, : szabad királyi város, : slobodné kráľovské mesto) in Oberungarn (heutige östliche Slowakei, damals Teil des Königreichs Ungarn).

Der Hauptzweck des Bündnisses war die Kontrolle und Entwicklung des Handels, denn durch Oberungarn verliefen mehrere alte Handelswege. Weiterer Hauptzweck war der gemeinsame Schutz durch enge Beziehungen zum ungarischen Königshof gegen adelige Übergriffe, besonders hochadliger Magnatendynastien, die Ambitionen entwickelten, die reichen Königsstädte in ihren Besitz zu überführen, wie auch eine Interessenpolitik gegen zu hohe königliche Abgaben. Die führende Stadt des Bündnisses war Košice (deutsch Kaschau; ungarisch Kassa).

Auch nach dem allmählichen Niedergang der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Handelsstädte von des Mitte des 16. Jahrhunderts bis Anfang des 18. Jahrhunderts bestand die Pentapolitana als traditioneller Städtebund weiter und wurde erst in den 1850er Jahren aufgelöst.

Mitgliedsstädte mini|Bartfeld (Bardejov/Bártfa): Stadtkirche und spätgotisches Rathaus mit Renaissance-Elementen. Die erhaltene Innenstadt mit Stadtmauer und in slowakischen Bergregionen traditionellen Walmdächern, meistens Fußwalm-Dächer, gehört seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. mini|Leutschau (Levoča/Lőcse), Hauptstadt der Zips: Renaissance-Rathaus und St. Jakobs-Kirche, die Altstadt gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Mitgliedsstädte waren bis ins 17. Jahrhundert (mit ungarischem Namen, danach verlinkt heute offizieller slowakischer Name, danach die deutsche Namensvariante, Reihenfolge nach Größe und Bedeutung in der Pentapolitana absteigend): Kassa (, ) Lőcse (sk.: Levoča, dt. Leutschau) Eperjes (Prešov, dt. Eperies) Bártfa (Bardejov, dt. Bartfeld) Kisszeben (Sabinov, dt. Zeben)

Die Gründungsmitglieder waren anfangs eher vier Städte: Leutschau im Komitat Zips (gleichzeitig dessen Hauptstadt), Bartfeld und Eperies im Komitat Sáros und die Führungsstadt Kaschau im Komitat Abaúj, gleichzeitig das Verwaltungszentrum des Komitats und ganz Oberungarns. Bereits beim ersten Treffen 1412 war Zeben, ebenfalls im Komitat Sáros, beteiligt, fehlte aber in den nächsten Jahrzehnten, im 16. Jahrhundert trat es sporadisch wieder bei, erst nach Fürsprachen des ungarischen Königs trat diese kleinste Mitgliedsstadt ( bedeutet „Klein-Szeben“, weil Hermannstadt in Siebenbürgen ungarisch Nagyszeben=„Groß-Szeben“ heißt) ab den 1580er Jahren dauerhaft bei. Der griechisch-mittellateinische Name „Pentapolitana“ des Städtebundes bildete sich im Zeitgeist des Renaissance-Humanismus im späten 15. Jahrhundert, als Zeben bereits dazugezählt wurde, aber noch kein festes Mitglied war.

Die beiden anderen freien Königsstädte der Zips traten aufgrund ihrer Konkurrenz zu Leutschau nicht bei, Pudlein war unter polnischer Verwaltung. Die Rivalität zu Käsmark wurde im 14. Jahrhundert und 28 Jahre lang im 15. Jahrhundert gewaltsam um das Stapelprivileg (Lagerrecht für Waren) und die Frage der Komitatshauptstadt ausgetragen, was schließlich Leutschau mit Hilfe der Pentapolitana und des Feldherrn Johann Giskra gegen Käsmark (unterstützt von Johann Hunyadi) für sich entscheiden konnte.Štefan Dunčko Z najstarších dejín obce (=„Aus der älteren Geschichte der Gemeinde“) auf der Website der Gemeinde Spišský Štvrtok aus: Štefan Dunčko: Spišský Štvrtok - Doby dávne i nedávne (1263-1998). (=„Spišský Štvrtok - Ältere und neue Zeit (1263-1998).“) (slowakisch). Käsmark (sk. Kežmarok, ung. Késmárk), das Ende 16. Jahrhundert trotzdem reichste Zipser Handelsstadt wurde, trat erst im 17. Jahrhundert, der Zeit des Niedergangs, der Pentapolitana als sechste Stadt bei. Heute liegen alle diese Städte in der Ostslowakei (damals Oberungarn).

Alle Städte hatten bis Anfang des 18. Jahrhunderts ein vorwiegend deutschsprachiges Städtebürgertum, ihr Leitprinzip bezeichneten sie noch im 16./17. Jahrhundert auf Lateinisch concordia und auf Deutsch „Gemeinschaft, Einigkeit, Eintracht“.Vladimír Rábik, Peter Labanc, Martin Tibenský: Vývoj stredovekých miest na Slovensku II. (=Die Entwicklung mittelalterlicher Städte in der Slowakei, Bd. II.) (Slowakisch) Trnava 2013, S. 39. Nach schweren Bevölkerungsverlusten im 17./18. Jahrhundert durch Kriege zwischen dem Königlichen Ungarn, zu dem Oberungarn allgemein gehörte, und dem rivalisierenden Fürstentum Siebenbürgen, das es im 17. Jahrhundert mehrfach vorübergehend eroberte, und auch als die Folge der Kuruzenaufstände und nach der folgenden Wiederbesiedlung im 18. Jahrhundert, besonders im Zuge der katholischen Gegenreformation unter Leopold I., Karl VI. und Maria Theresia wurde das deutschsprachige Städtebürgertum schrittweise zur Minderheit gegenüber dem slowakischen und (besonders in Kaschau) ungarischen Bürgertum römisch-katholischer Konfession. Allein Käsmark hatte noch bis zum Ersten Weltkrieg eine absolute, bis zum Zweiten Weltkrieg eine relative deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit (Zipser Sachsen).

Organisation und Aufgaben Die Generalversammlung der Delegierten des Städtetages der Pentapolitana trat zu vielen Anlässen meistens in Kaschau, seltener in Bartfeld zusammen. Dabei stellte nach traditionellem Schlüssel Kaschau 1/3 der stimmberechtigten Delegierten, Leutschau stellte 1/4, die übrigen Stimmen teilten sich die anderen Mitgliedsstädte in der Form, dass davon jeweils 2/5 an Eperies und Bartfeld und 1/5 an Zeben fielen, also jeweils doppelt so viele an Eperies und Bartfeld, wie an Zeben, die kleinste Mitgliedsstadt. Einheitlich umgerechnet stellte also Kaschau vier Zwölftel, Leutschau drei Zwölftel, Eperies und Bartfeld zwei Zwölftel und Zeben ein Zwölftel der Delegierten. Die Generalversammlung konnte zu konkreten Anlässen von einer Mitgliedsstadt einberufen werden, wenn eine zweite zustimmte. Wichtige Beschlüsse sollten nach Möglichkeit einstimmig gefällt werden.Vladimír Rábik, Peter Labanc, Martin Tibenský: Vývoj stredovekých miest na Slovensku II. (=Die Entwicklung mittelalterlicher Städte in der Slowakei, Bd. II.) (Slowakisch) Trnava 2013, S. 38.

Es gab zahlreiche konkrete Anlässe zur Einberufung der Generalversammlung der Delegierten, wie aktuelle Ereignisse, Krönungsvorbereitungen, Finanzplanungen, Vereinheitlichung der Stadtrechte nach Vorbild Kaschauer Rechts, Vereinheitlichungen der Zunftrechte und Lösung von Konflikten der Zünfte der Mitgliedsstädte untereinander, Vereinheitlichung der Handelsrechte und Lösung von Konflikten der Kaufmannsgilden der Mitgliedsstädte, Religionsfragen, Sicherungen und Ausbau der Handelsstraßen, Nachrichtenwege und Räuberbekämpfung, Abwehr von Forderungen und Übergriffen des Adels und die Erörterung und Akzeptanz oder Klage gegen Abgabenforderungen königlicher Ämter („Kammern“) u. v. a. Hauptaufgaben der Pentapolitana war die gemeinschaftliche Verteidigung ihres privilegierten Status als freie königliche Städte gegen Übergriffe der Magnaten, die mehrfach versuchten, sie in ihren Besitz zu bringen, notfalls auch militärisch, die Verteidigung gegen Wegelagerer und fremde Heere und die Förderung des Handels, der Handelsstraßen, des Handwerks und des Wirtschaftslebens. Wie alle wirtschaftlichen Bündnisse erstrebte auch die Pentapolitana eine interne Vereinheitlichung des Finanz- und Währungswesens (die einheitliche Münzprägung der Pentapolitana-Städte geschah zuletzt nur in Kaschau), des internen Handelsrechts und des Zunft- und Handwerksrechts, weil sie generell den wirtschaftlichen und kommerziellen Aufschwung fördert. Neben der Generalversammlung, auf der wichtige Fragen beraten und gemeinschaftlich entschieden wurden, hatte die Pentapolitana im Gegensatz zu den Zipser Städtebünden und den Bünden der Bergstädte keine gemeinsamen zentralen Institutionen, keinen Hauptmann, Grafen, keine übergeordnete Verwaltung und kein übergeordnetes gemeinsames Berufungsgericht. Die Umsetzung der Beschlüsse lag allein bei den Stadtverwaltungen und Stadtgerichten der fünf freien königlichen Städte.

Die Pentapolitana verfügte als Bund freier königlicher Städte, die nur direkt dem König Abgaben zu entrichten hatten, über enge Kontakte zum Königshof und verteidigte und erweiterte dadurch ihre Stellung. Die ungarischen Könige, wie alle Herrscher der Zeit oft in Finanznot, ließen sich Bestätigungen und Erweiterungen der Privilegien von den wohlhabenden Städten oft bezahlen. Trotzdem agierten die Handelsstädte nicht nur im eigenen Interesse, sondern repräsentierten beim König auch andere Handels- und Bergbaustädte der Zips und Umgebung, zu denen sie enge kommerzielle Beziehungen unterhielten und die keine regelmäßigen Kontakte zum Königshof hatten, besonders auch die Bergstädte der Unterzips, die in der „Oberungarischen Heptapolitana“ vereint waren und mit denen die Pentapolitana sehr enge Kontakte unterhielt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts konnte Leutschau mit Hilfe der Pentapolitana Angriffe des Zipser Erbgrafen Imre Zápolya (der auch erfolglos versuchte, Käsmark zu unterwerfen) auf seine städtische Autonomie, der es zu seiner Residenzstadt machen wollten, dauerhaft abwehren. Auch mehrere Erhöhungen des königlichen Zinses durch die königliche Zipser Kammer in Kaschau für die gesamte Zips, des Oberungarischen königlichen Landeshauptmanns (kapitán), und anderer königlicher Ämter, wie der Oberungarischen Landeskammer, der Oberungarischen Salzkammer oder der Oberungarischen Bergkammer, alle mit Sitz im Kaschau, konnte die Pentapolitana durch Einspruch beim König oder durch Klagen am Hofgericht stoppen oder verändern.Ondrej Richard Halaga: Spoločenstvá miest na Slovensku. (=„Städtebünde in der Slowakei.“, slowakisch) Martin 1984, S. 51–67; Vladimír Segeš: Medieval Towns., in: Mikuláš Teich, Dušán Kovač, Martin D. Brown (Hrsg.): Slovakia in History. Cambridge 2011, S. 38–53; Vladimír Rábik, Peter Labanc, Martin Tibenský: Vývoj stredovekých miest na Slovensku II. (=Die Entwicklung mittelalterlicher Städte in der Slowakei, Bd. II.) (Slowakisch) Trnava 2013, S. 38–39.

In den Handelsstraßen zwischen den Mitgliedsstädten der Pentapolitana, die durch ihr Wirken gesichert, geschützt und soweit ausgebaut wurden, dass sie als die besten Straßen Ungarns galten, unterhielt die Pentapolitana ein eigenes Nachrichtenverbindungssystem mit Postläufern (cursores) und ein Postsystem, das auch von Privatleuten genutzt werden konnte.Vladimír Rábik, Peter Labanc, Martin Tibenský: Vývoj stredovekých miest na Slovensku II. (=Die Entwicklung mittelalterlicher Städte in der Slowakei, Bd. II.) (Slowakisch) Trnava 2013, S. 39.

Geschichte Entstehung der Städte und Erhebung zu königlichen Freistädten mini|Kaschau (Košice/Kassa): Elisabethdom und Michaelskirche aus dem 14.–15. Jahrhundert mini|Eperies (Prešov/Eperjes): Nikolaus-Konkathedrale aus dem 14. Jahrhundert mini|Zeben (Sabinov/Kisszeben): Johannes-der-Täufer-Kirche, Marienkapelle aus dem 13.–14. Jahrhundert und Renaissance-Glockenturm