Michendorf ist ein Ortsteil der amtsfreien (Groß-)Gemeinde Michendorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg). Michendorf war bis zur gesetzlich verordneten Eingliederung in die Großgemeinde eine eigenständige Gemeinde.
Geographische Lage Der Ortsteil Michendorf liegt im westlichen Teil des Gebiets der Großgemeinde Michendorf. Er grenzt im Nordwesten an Caputh (Ortsteil der Gem. Schwielowsee), im Nordosten an Wilhelmshorst, im Osten an Langerwisch, im Südosten an Wildenbruch (alle drei Orte sind Ortsteile der Großgemeinde Michendorf) und im Süden an Seddin (Ortsteil der Gemeinde Seddiner See). Auf der Gemarkung liegen die beiden Lienewitzer Seen (Großer Lienewitzsee und Kleiner Lienewitzsee), der sehr kleine, künstliche Herthasee und ein bereits 1697/8 genannter, kleiner Teich am westlichen Ortsende, etwa nördlich der Schmerberger Straße 25 bis 39 gelegen.
Auf der Gemarkung des Ortsteils Michendorf liegen neben dem Kernort die Wohnplätze Siedlung Michendorf West, Willichslust und Lienewitz. In der Gemarkung von Michendorf ist auch ein Teil der Gemarkungen der wüstgefallenen Dörfer Hohen- und Niederlienewitz aufgegangen.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner17727218011231817127183718918582411871242 Jahr Einwohner188544018955391905880192514901939252619463055 Jahr Einwohner196429891971282919812690199125572002376520124286 Jahr Einwohner20184681202151912024573320255816
Geschichte Michendorf wurde im Landbuch Karls IV. von 1375 erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte damals zur landesherrlichen Vogtei Saarmund. Nach der Siedlungsstruktur ist es ein angerähnliches Gassendorf. Dies muss aber nicht unbedingt auch die ursprüngliche Dorfstruktur sein, denn Michendorf wurde im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört und war über 60 Jahre fast völlig unbewohnt. Den Namen Michendorf deutet Reinhard E. Fischer im Brandenburgischen Namenbuch als slawisch-deutschen Mischnamen. Die Grundform leitet sich von einem slawischen Kosenamen *Mich oder *Micha ab, der aus Vornamen wie Miroslaw oder Miloslaw entstanden ist.
mini|Michendorf auf dem Urmesstischblatt Blatt Potsdam, 3744, von 1835
Nach dem Landbuch Karls IV. von 1375 hatte Michendorf 32 Hufen, von denen der Lehnschulze fünf freie Hufen hatte. Es wohnten keine Kossäten im Dorf; es gab aber bereits einen Krug. Der Schulze hatte für seine fünf Freihufen eigentlich ein Lehnpferd (für den Markgrafen) zu halten. Er hatte diese Pflicht durch die Zahlung von jährlich einem halben Schock Groschen abgelöst. An Bede bezahlte er 10 Groschen, 2½ Scheffel Roggen, 2½ Scheffel Gerste und 5 Scheffel Hafer. Jede Hufe musste jährlich als Pacht vier Scheffel Roggen und zwei Scheffel Hafer bezahlen, an Zins vier Schillinge. Sieben Bauern gaben zusätzlich ein Huhn, zehn Eier und drei Obuli, der Krug musste jährlich ein Talent zahlen.Ein Talent = 20 Schillinge Schulze, Landbuch, S. 462. Die Abgaben der Bauern gingen nicht alle an den Markgrafen, sondern dieser hatte Rechte an verschiedene Bürger der Städte Beelitz, Brandenburg und Treuenbrietzen sowie erstaunlicherweise auch an einen Bauern weiter verliehen. So hatte der Bauer Coppen Schusen das Recht, zwei Wispel Roggen, ein Luder (Ludwig) hatte Hebungen in Höhe von einem Wispel Roggen, einem Helmir standen jährlich 16 Scheffel Roggen, acht Scheffel Hafer und acht Schillinge Pfennige zu. Der Altar der Kalandsbrüder in Beelitz bezog acht Scheffel Roggen und vier Scheffel Hafer aus Michendorf. Busse v. Schonow hatte das Recht vom Markgrafen erhalten, zwei Talente einzuziehen. Die Söhne des Nicolai Stenow, Bürger in Beelitz, hatten Hebungen in Höhe von einem Wispel und 18 Scheffel Hafer. Reyneke, ein Bürger von Brandenburg an der Havel war mit 7½ Schillinge Abgaben vom Markgrafen belehnt worden und Hans Witbritzen, Bürger in Treuenbrietzen hatte ebenfalls 7½ Schillinge. Die Bede, das Obergericht und die Spanndienste der Bauern waren noch im Besitz des Markgrafen. Seit 1416 hatte Paul von Murring, der Gefolgsmann des ersten hohenzollerischen Markgrafen Friedrich I. und Hauptmann der Vogtei Trebbin, die Abgaben von vier Hufen und drei Hufen in Fresdorf, Michendorf und Alt Langerwisch.
mini|hochkant|Fachwerkkirche von 1742/43 Bereits 1545 sind acht Hufen wüst. 1576 lebten nur noch der Lehnschulze (5 Hufen, davon vier Freihufen) und drei Bauern (2 Fünfhüfner, 1 Vierhüfner) im Dorf. Der Krug (ein Fünfhufenhof) war eingegangen, insgesamt waren acht Hufen nicht bebaut. 1616 wurden wieder der Schulze und vier Bauern genannt. 1624 lebten fünf Bauern (einschl. dem Schulzen), ein Hirte und ein Paar Hausleute im Dorf. Von den insgesamt 32 Hufen waren 24 Bauernhufen, acht Hufen gehörten dem Kurfürsten (Besitz des Amtes Saarmund). 1625 bewirtschafteten die Bauern von Caputh und Michendorf auch Äcker auf der wüsten Feldmark Lienewitz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf völlig zerstört und entvölkert, wann genau, ist nicht überliefert, jedenfalls nach 1627. 1687 wurde berichtet, dass das Dorf seit „undenklichen Jahren wüst“ liegt und nur der Heideläufer wohnte im zerstörten Ort. Allerdings waren zu dieser Zeit die Äcker z. T. schon wieder in Bewirtschaftung. Fünf Einwohner von Saarmund, fünf Einwohner von Langerwisch, vier Einwohner von Tremsdorf, der Heideläufer, der Schäfer zu Wildenbruch, der Schäfer zu Kunersdorf und der Schmied zu Fresdorf bebauten Äcker auf der Feldmark des Dorfes.
1697/8 erhielt George Jöche (auch Jörke, Jäch) vom Amt Saarmund den Erbkrug mit acht freien Hufen und einen verlandeten See hinter dem Hause unter der Bedingung geschenkt, dass er die Wiederbesiedlung des verlassenen Dorfes auf seine Kosten in Angriff nimmt. Das Unternehmen scheint erfolgreich gewesen zu sein, denn 1745 waren bereits wieder sechs Bauern in Michendorf ansässig. 1742/3 war anstelle der alten Kirche bereits eine neue Fachwerkkirche errichtet worden. Das Erbkruggut entstand am westlichen Dorfrand an der Schmerberger Straße/Abzweigung Flottsteller Straße. 1757 hatte der Erbschulze fünf Hufen, drei Bauern fünf Hufen, ein Bauer vier Hufen und der Krüger acht Hufen. Es wohnten außerdem zehn Büdner im Dorf. 1772 war die Bevölkerung etwas zurückgegangen; genannt werden nur noch sechs Bauern und sechs Kossäten. 1801 lebten fünf Ganzbauern (Vollbauern), zwölf Büdner, fünf Einlieger und der Braukrüger in Michendorf, insgesamt waren es 19 Feuerstellen (Haushalte). Alle 32 Hufen waren wieder in Bewirtschaftung. 1803 wurde der „Sandweg“ (Poststraße) von Michendorf nach Potsdam zu einer befestigten und wetterfesten Kunststraße („Chaussee“) ausgebaut. Dazu wurde nördlich von Michenhaus ein Chausseehaus erbaut, um das Chausseegeld, heute würde man sagen Maut, einzuziehen. Bis 1817 wurde die Chaussee weiter bis nach Treuenbrietzen ausgebaut. Dazu wurde drei weitere Chausseehäuser bei Kunersdorf Försterei, Beelitz und bei Treuenbrietzen erreicht. Dafür wurde das Chausseehaus bei Michendorf aufgegeben. 1824 bis 1829 entstand an der Straße nach Potsdam die (alte) Dorfschule (heute Potsdamer Straße 84). Um 1820 war auch der Erbkrug von der Schmerberger Straße an die Straße nach Potsdam verlegt worden (heute Potsdamer Straße 57). Vermutlich hatte sich der Verkehr von der alten Poststraße von Brück (durch die Lienewitzer Heide über den Krug in Schmerberg) und die Schmerberger Straße, Saarmunder Straße nach Saarmund mehr auf die Straße von Beelitz nach Potsdam (etwa heutige B 2) verlagert. Für den Dorfkrug war ein eigenes Gebäude (abgerissen, etwa an der Stelle Potsdamer Straße 61) errichtet worden. Das Erbkruggut erhielt um 1837 den Status eines Ritterguts. 1837 war der Ort auf 25 Wohnhäuser angewachsen, 1858 wurden 30 Wohnhäuser gezählt, neben drei öffentlichen Gebäuden und 42 Wirtschaftsgebäuden. Der Ort hatte drei „Abbauten“ (vom Kernort separierte Wohnplätze, darunter das Chausseehaus). Das Chausseehaus lag an der Chaussee von Michendorf nach Potsdam, nordöstlich des heutigen Bahnhofs (an der heutigen Potsdamer Straße, etwa bei der Einmündung der Jägerstraße im heutigen Wohnplatz Willichslust). Danach wuchs Michendorf rasant an, nicht zuletzt auch durch den Anschluss an die Wetzlarer Bahn, die 1879 durch das Gemeindegebiet führt. Der Bahnhof Michendorf wurde wahrscheinlich 1879 eröffnet. 1890 wurde die alte Bockwindmühle auf dem Wolkenberg abgerissen und durch eine Holländer-Windmühle ersetzt. Die alte Mühle war erst nach 1839 entstanden, denn sie ist noch nicht im Urmesstischblatt von 1839 verzeichnet. mini|hochkant|Holländermühle in Michendorf (1973)
Nach mehrfachem Besitzerwechsel wurde das Rittergut nach 1890 aufgelöst, das Gutshaus in eine Försterei umgewandelt. 1891 bestand Michendorf aus dem eigentlichen Dorf und den Wohnplätzen Bahnhof, Chausseehaus, Ziegelei und Bahnwärterhäusern (18–19, 22–24). 1896 entstand südlich des Dorfes an der Abzweigung der heutigen Luckenwalder Straße ein Sägewerk. In der Nähe des Bahnhofs wurde um dieselbe Zeit eine Ziegelei eingerichtet, die jedoch nach wenigen Jahren wegen unzureichender Tonvorkommen wieder eingestellt werden musste. Der Ton wurde aus Tongruben bei Langerwisch mittels einer Schmalspurbahn zum Ziegeleigelände gebracht. Auf dem Ziegeleigelände entstanden ab 1906 mehrere große Industriehallen für die „Cementwaren- und Kunststeinfabrik“ der Fa. Reinecke & Co. Berlin-Stettin. Im Jahr 1900 zählte der Ort bereits 111 Häuser. 1903/04 entstand an der Straße nach Beelitz die neue Dorfschule (heute Potsdamer Straße 94). 1905 kam der Wohnplatz Arbeiterhaus der Kgl. Försterei hinzu, 1906 der Wohnplatz Holländermühle.
Um 1910 wurde auf dem Wolkenberg, einem etwa 50 m hohen Hügel östlich des alten Ortskerns die Villa Hedwigsruh erbaut und in den 1920er Jahren erweitert. 1941 übernahmen Dominikanerinnen das Anwesen. In ihm wohnte 1944 auch die Malerin Jenny Bluth, die u. a. auch die Michendorfer und Langerwischer Mühlen malte. Heute ist im St. Norberthaus eine Wohnstätte für Menschen mit Behinderung unter Trägerschaft des Deutschen Ordens untergebracht. 1946 wurde in einer Remise des Anwesens die katholische Kirche eingerichtet.
Ab 1918 entstand nördlich des Bahnhofs auf parzelliertem Gelände des Gutes Caputh die neue Siedlung Willichslust, die ihren Namen nach dem Caputher Gutsbesitzer Alfred Hans August v. Willich (1862–1941) erhielt. 1969 wurde die Siedlung in Michendorf-Nord umbenannt, heute heißt der Wohnplatz wiederum Siedlung Willichslust. Westlich des Dorfkerns entstand ab 1926 die Siedlung Michendorf-West. 1928 wurden die Gutsbezirke in Brandenburg aufgelöst und mit den Gemeindebezirken vereinigt. Michendorf erhielt vom Gutsbezirk Kunersdorf Forst die westlich der Chaussee liegenden Jagen 71, 72, 103, 135 und 136 sowie die Jagen 12, 28, 49–51, 73–80, 104–113, 137, 146, 175–177 und 195–197. Auch vom Gutsbezirk Neu Langerwisch kamen Flächen zur Gemarkung Michendorf hinzu. Insgesamt wuchs die Gemarkung von 399 ha (1900) auf 1342 ha im Jahr 1931 an.
1936 wurde das Teilstück des Berliner Rings auf Michendorfer Gemarkung fertig gestellt. Michendorf erhielt eine Aus- und Auffahrt zur Autobahn, die Anschlussstelle Michendorf. Südwestlich des Ortskerns entstand die Autobahnraststätte Michendorf. Der nördliche Teil wurde Ende der 1990er beim dreispurigen Ausbau der Autobahn abgerissen. Der südliche Teil wurde 2008 bei Ausbau des Dreiecks Nuthetal beseitigt. 1931 zählte der Ort 216 Wohnhäuser mit 386 Haushaltungen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde nordöstlich der Siedlung Willichslust ein Behelfsheim für ausgebombte Berliner errichtet. Das Gelände gehört damals noch zu Wilhelmshorst und kam mit 17 ha Gelände 1957 zur Gemeinde Michendorf.