Der Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden (kurz: Dorotheenstädtischer Friedhof) liegt im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Seine Fläche beträgt rund 1,7 Hektar. Der Zugang befindet sich in der Chausseestraße 126. Zahlreiche bedeutende und prominente Persönlichkeiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Durch die Gestaltung seiner Grabmäler ist der Friedhof auch ein wichtiges Zeugnis für die Berliner Grabmalkunst, besonders des 19. Jahrhunderts.Denkmale in Berlin. Ortsteil Mitte. Landesdenkmalamt Berlin, 2003, S. 655. Die Anlage steht vollständig unter Denkmalschutz.

Geschichte mini|links|Karte von Berlin im Jahre 1789, das Oranienburger Tor oben links In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fehlte es in Berlin an ausreichendem Platz für Bestattungen. Die Einwohnerzahl wuchs, noch ungenutzte Flächen waren als Bauland gefragt. Überdies befürchtete die Stadtverwaltung, das Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft von Gräbern könnte den Ausbruch von Epidemien unterstützen. Daher stellte König Friedrich II., genannt Friedrich der Große, außerhalb der Zoll- und Akzisemauer geeignetes Gelände zur Verfügung, vor dem Oranienburger Tor entstanden mehrere Friedhöfe. Der Charité-Friedhof bestand dort bis 1856, der St. Hedwigs-Friedhof bis 1902. Der Französische Friedhof, 1780 für die Berliner Hugenotten unmittelbar neben dem Dorotheenstädtischen Friedhof angelegt, ist bis heute erhalten.

mini|hochkant|links|Ältestes Grabmal des Dorotheenstädtischen Friedhofs für Johann Jacob Frölich (1737–1807)

Der Dorotheenstädtische Friedhof selbst wurde 1762 gegründet,Denkmale in Berlin. Ortsteil Mitte. Landesdenkmalamt Berlin, 2003, S. 77. seit 1770 gab es dort Bestattungen. Dorothea, die zweite Frau des Großen Kurfürsten, hatte einst der nahe gelegenen Dorotheenstadt ihren Namen gegeben. Wie die Dorotheenstädtische Kirche wurde nun auch der zu dieser gehörige Friedhof indirekt nach ihr benannt. Zunächst war er hauptsächlich ein Begräbnisplatz einfacher, oft mittelloser Bürger. Allmählich änderte sich dieser Charakter. Auf dem Gebiet der beiden zugehörigen Kirchengemeinden, Dorotheenstadt und Friedrichswerder, lagen Institutionen wie die Akademie der Künste, die Singakademie, die Bauakademie, die Akademie der Wissenschaften und die Berliner Universität. Viele der dort Beschäftigten wohnten auch in diesem Stadtviertel. Die gesellschaftliche Bedeutung derjenigen, die auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof bestattet wurden, nahm zu, es entstanden zunehmend aufwändig und künstlerisch anspruchsvoll gestaltete Grabmäler.

Zwischen 1814 und 1826 wurde der Friedhof mehrfach vergrößert. 1834 erwarben die Kirchengemeinden zusätzliches Land für Bestattungen in anderen Stadtteilen, die Dorotheenstädtische Gemeinde in Gesundbrunnen an der Liesenstraße (Dorotheenstädtischer Friedhof II), die Friedrichswerdersche Gemeinde an der Bergmannstraße in Kreuzberg. Die Gemeinden wurden nach 1945 zusammengelegt, seit 1961 trägt die Friedrichswerdersche Gemeinde die Verantwortung für die gemeinsam genutzten Friedhöfe. Der alte Friedhof musste schon gegen Ende der 1860er Jahre wegen Überbelegung geschlossen werden; nach 1869 durften Bestattungen nur noch auf schon zuvor gekauften Grabstellen durchgeführt werden.

mini|hochkant|Grab von Georg Wilhelm Friedrich Hegel In Zusammenhang mit der Verbreiterung der angrenzenden Hannoverschen Straße wurden 1889 Teile des Friedhofsgeländes verkauft, die dort gelegenen Grabstellen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb Fichte, Clemens Klenze und anderen zu ihren jetzigen Standorten transloziert. Später, nach Einführung der Feuerbestattung, erwies sich der Friedhof trotz der reduzierten Fläche als ausreichend groß, 1921 wurde er für neue Bestattungen freigegeben. Im Zweiten Weltkrieg erlitten die umliegenden Wohnviertel starke Schäden, auch der Dorotheenstädtische Friedhof war betroffen. In den 1960er Jahren erwog der Ost-Berliner Magistrat seine Umwandlung in eine Grünanlage. mini|links|Eingang zum Friedhof, daneben das Brecht-Haus, 1978

Denkmalpflege

mini|Grab von Karl Friedrich Schinkel, im Hintergrund das Mausoleum der Familie Hitzig Insgesamt war die historische Substanz des Friedhofs immer wieder gefährdet. In schwierigen Zeiten – Krieg, Revolution oder Inflation – ereigneten sich mutwillige Zerstörungen, Eisen und Buntmetalle wurden gestohlen, Geldmangel und fehlendes Fachwissen verhinderten die sachgerechte Pflege. Zudem wurden in den 1930er Jahren verschiedene Grabmale zur Weiterverwertung an Steinmetzmeister verkauft.

Die öffentliche Denkmalpflege begann 1935 mit einer ersten Bestandsaufnahme. Seit 1983 steht der gesamte Friedhof unter Denkmalschutz. Zwischen 2000 und 2006 fanden umfangreiche denkmalgerechte Restaurierungsarbeiten an bisher 38 Gräbern statt. Restauriert wurden unter anderen die Gräber von Christian Daniel Rauch, Johann Heinrich Strack und Karl Friedrich Schinkel. Allein die Instandsetzung des Strack-Grabes, für die ein spezieller Marmor aus Italien benötigt wurde, kostete 250 000 Euro.

Nächstes wichtiges Projekt, für 2007 vorgesehen, war das größte Mausoleum auf dem Friedhof, das Grabmal des Architekten und Schinkelschülers Friedrich Hitzig. Die hier noch erhaltenen Fresken gehören zu den letzten Beispielen dieser Art in Berlin und waren in kritischem Zustand. Für die Arbeit an weiteren Gräbern in den nächsten Jahren ist ein Gesamtbetrag von sechs Millionen Euro veranschlagt worden.

Bau- und Kunstwerke Historischer gusseiserner und schmiedeeiserner Grabschmuck mini|Gusseiserne Grabkreuze Eisen war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Werkstoff, der für künstlerische oder dekorative Aufgaben häufig verwendet wurde. In Preußen genoss es besondere Wertschätzung als vaterländisches Material, seit König Friedrich Wilhelm III. im März 1813 unter dem Motto Gold gab ich für Eisen zu einer Sammelaktion für die Ausrüstung der Freiheitskämpfer gegen Napoleon aufgerufen hatte. Die zahlreichen gusseisernen Kreuze, Figuren und Schmuckelemente auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof – wie auch auf anderen preußischen Friedhöfen – stammten oft aus der 1804 gegründeten Königlichen Eisengießerei Berlin, deren Produkte als Fer de Berlin international bekannt waren. Die verbreitete Verwendung von Gusseisen als Kunstmaterial hielt bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts an. 1874 stellte die Königliche Gießerei ihren Betrieb ein.

Es findet sich eine größere Anzahl gusseiserner Grabkreuze, häufig geschmückt mit christlichen Zeichen wie Flammendes Herz oder Anker, zudem eiserne Gedenktafeln, Berufsinsignien und symbolische Figuren. Herausragende Beispiele für diese Art der Gestaltung liefern die Grabstellen Jacobi und Pattri, vor allem aber das Eisengussdenkmal am Grab des Maschinenbauers und Mitbegründers der Freundschen Eisengießerei Charlottenburg Martin August Freund. Es handelt sich um einen nach attischem Vorbild gestalteten Lekythos, der ein Relief der Norne Skuld zeigt. Die Figur wurde nach Entwurf vom Bruder des Verstorbenen, Hermann Ernst Freund, in Kopenhagen gegossen, die Vase entstand in der Eisengießerei Gleiwitz.

mini|links|Familiengrab Krüger Die einfachste Form des klassizistischen Grabmals repräsentiert das Familiengrab Krüger von 1844: eiserne Schrifttafeln, die in die Mauer eingelassen wurden. Hier ist auch der preußische Hofmaler Franz Krüger bestattet, der wegen seiner perfekten Tierdarstellungen den Beinamen Pferde-Krüger erhielt.

mini|Schmiedeeisernes Gitter des ehemaligen Erbbegräbnisses des Kunstschmieds Eduard Puls

Eisengitter begrenzen viele der Grabstellen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. Eine besonders fein gearbeitete schmiedeeiserne Grabeinfassung ist auf dem ehemaligen Erbbegräbnis des renommierten Berliner Kunstschmieds Eduard Puls (1840–1909) erhalten geblieben. Heute befinden sich hier die Familiengrabstellen des Komponisten Paul Dessau und des Regisseurs Erich Engel.

Stelen, Obelisken und Wandgräber mini|hochkant|Grabstein für Johann George Hossauer mini|hochkant|links|Grabstele von Johann Gottlieb Fichte und seiner Frau, zuerst aus Gusseisen, 1945 zerstört und 1950 durch eine Darstellung aus Sandstein ersetzt Im Jahr 1821 zeichnete Karl Friedrich Schinkel Entwürfe für fünf verschiedene Formen von Stelen, die als Grabmale in Marmor oder Granit hergestellt werden konnten, dazu im Auftrag des Vereins für Gewerbefleiß in Preußen das Vorbild eines Grabmals, das als Bronzeguss ausgeführt werden sollte. Seine Entwürfe sind auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof – aber auch anderswo auf Berliner Friedhöfen – in mehreren Varianten vertreten. Die Bekrönung jeder dieser Stelen besteht aus einem Palmetten-Akroterion (eigentlich eine Giebelverzierung an griechischen Tempeln) mit einer allegorischen Figur. Ein typisches Beispiel, hier mit drei Stelen vor vertieften rechteckigen Wandfeldern, liefert die Grabstätte des Goldschmieds George Hossauer und seiner Familie. Weitere Beispiele: die Gräber von Christian Peter Wilhelm Beuth, dem Vater der preußischen Industrie und von Schinkel selbst. Dessen Grabanlage wurde auf Anregung seines Freundes Beuth mit einer Stele nach Schinkels Entwurf ausgestattet.Denkmale in Berlin. Ortsteil Mitte. Landesdenkmalamt Berlin, 2003, S. 656. Übliche Stelenformen sind als Grabmale weiterer Persönlichkeiten wie Philipp Buttmann, Eduard Gans oder Friedrich Carl Rungenhagen vorhanden.

Auch die alte Denkmalsform des Obelisken findet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. Vermutlich von Schinkel stammte der Entwurf eines hohen, gusseisernen Obelisken, der 1819 für das Grab des 1814 verstorbenen Philosophen Johann Gottlieb Fichte in der Königlichen Eisengießerei angefertigt wurde. Dieses Grabmal wurde 1945 zerstört. Seit 1950 steht an seiner Stelle ein niedrigerer Obelisk aus Muschelkalkstein bzw. aus Sandstein.Denkmale in Berlin. Ortsteil Mitte. Landesdenkmalamt Berlin, 2003, S. 656, Persönlichkeiten, Anm. 792. Ein weiterer, aus Granit hergestellter Obelisk markiert das Grab des Philologen und Rektors der Berliner Universität August Boeckh, das ein Bildnismedaillon von Reinhold Begas trägt.

Die Beisetzung in Wandgräbern fand vor allem für größere Familien statt. Diese Form zeigt meist eine dreigeteilte Fassadenprojektion (Beispiel Grabstätte Bramer) oder als Triptychon im Stil der Neorenaissance (Beispiel Albert Dietrich Schadow).

Sarkophage, kleine Tempel und Mausoleen Auch die Nachbildung altrömischer Sarkophage ist auf diesem Friedhof zu sehen, wie die Grabstätte der Steinmetz- und Baumeisterfamilie Cantian zeigt. Als kleine Tempelanlagen nach griechischem Vorbild wurden unter anderem die Grabstätten von August Borsig, Johann Heinrich Strack oder Alexander Calandrelli ausgeführt. Schließlich wurden auch Mausoleen zu Ehren der Verstorbenen errichtet, von denen vor allem die Familie Hitzig nennenswert ist.

Trauerhalle mini|hochkant=0.85|links|Von James Turrell gestaltete Trauerkapelle mini|hochkant|Trauerkapelle (innen)