Snapchat ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst mit der Möglichkeit, unter Snapchat+ kostenpflichtige Zusatzfunktionen zu abonnieren. Die Nutzung ist auf Mobilgeräten mit Android oder iOS und im Webbrowser (Chrome und Edge) möglich. Der Dienst ermöglicht den privaten Austausch von Fotos, Videos und Textnachrichten, das Speichern von Aufnahmen sowie das Teilen des eigenen Standorts mit Freunden und das Veröffentlichen von Videoclips.
Beschreibung Snapchat wurde im September 2011 von Robert „Bobby“ Murphy und Evan Spiegel gegründet. Firmensitz ist Los Angeles. Im September 2013 versandte der Dienst 350 Millionen Nachrichten pro Tag. Das Angebot eines Aufkaufs durch die Facebook Inc. (heute: Meta Platforms) für zunächst eine Milliarde und später drei Milliarden US-Dollar wurde abgelehnt. Sein Wert wurde im September 2015 mit 19 Milliarden US-Dollar beziffert. Im April 2016 sahen ca. 100 Millionen aktive Nutzer täglich 10 Milliarden Video-Clips. Mit dieser Aktivität liegt Snapchat weltweit noch vor Facebook, das auf ca. acht Milliarden tägliche Video-Aufrufe kommt.
Snapchat unterscheidet sich von anderen sozialen Mediendiensten in seinem Aufbau. Neben der herkömmlichen Messaging-Funktion für die Kommunikation von einer Person zur anderen oder in Gruppenchats erhalten die Nutzer keine Profile, die mit Inhalten weiter ausgebaut werden. Sie erhalten stattdessen ihre eigenen einseitig ausgerichteten Channels, über die immer wieder neue Inhalte verbreitet werden können. Deren Inhalte können andere Nutzer anschauen, jedoch nicht direkt kommentieren oder liken. Nach einiger Zeit verschwinden diese Inhalte wieder. Klassisch entspricht es eher einem Tagebuch, das Nutzer temporär mit anderen Nutzern teilen. Kurzum erhält jeder Nutzer einen Sender und so die Möglichkeit, einen Kanal mit Fotos oder Kurzfilmen, welche mit diversen Filtern versehen werden können, nach seinem Belieben für seine Zielgruppe zu bespielen.
Am 24. September 2016 wurde das Unternehmen Snapchat Inc. in Snap Inc. umfirmiert. Dabei wurde die eigene Kamerabrille Spectacles angekündigt, mit der man bis zu 10 Sekunden lange Videos aufnehmen kann. Im April 2022 hatte das Unternehmen weitere Hardware angekündigt: eine Drohne mit dem Namen Pixy. Nach nur vier Monaten wurde der Verkauf der bereits fertig entwickelten, autonom fliegenden Drohne wieder beendet.
Geschichte Entwicklung Nach verschiedenen Dokumenten und Aussagen kontaktierte Reggie Brown Evan Spiegel mit seiner Idee von sich selbst löschenden Bildern, da dieser bereits Erfahrungen im Geschäfts- und Managementbereich hatte. Bobby Murphy, der Erfahrungen im Bereich Programmieren hatte, wurde danach eingeweiht. Die nächsten Monate arbeiteten die drei eng zusammen, bis Spiegel und Murphy beschlossen, Brown jeglichen Zugang zum Projekt Snapchat zu verweigern.
Zu Beginn fokussierte sich das Team mehr auf die Verwendbarkeit der App und technische Aspekte als auf die Markenpolitik. Eine Ausnahme bildete die Entscheidung, das von Brown entworfene Maskottchen Ghostface Chillah, benannt nach Ghostface Killah der Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan, beizubehalten.
Am 8. Mai 2012 schickte Brown eine E-Mail an Evan Spiegel, in der er anbot, alle Anteile, die er von Snapchat besaß, zu verkaufen. Die Anwälte der Firma antworteten, dass Brown niemals eine kreative Verbindung zu Snapchat gehabt habe, und beschuldigten ihn außerdem des Betrugs, da er sich gegenüber Spiegel und Murphy als Produktionsentwickler ausgegeben habe. Daraus schlossen die Anwälte, dass Brown keine wertvollen Beiträge zur Entwicklung der App geleistet und deshalb keinen Anspruch auf irgendwelche Anteile der Firma habe.
In ihrem ersten Blog-Eintrag vom 9. Mai 2012 beschrieb CEO Evan Spiegel die Unternehmensphilosophie: „Snapchat isn’t about capturing the traditional Kodak moment. It’s about communicating with the full range of human emotion – not just what appears to be pretty or perfect.“ („Bei Snapchat geht es nicht darum, den traditionellen Kodak-Moment einzufangen. Es geht darum, den vollen Umfang menschlicher Emotionen zu transportieren – nicht nur, was hübsch oder perfekt zu sein scheint.“) Sie bezeichnen Snapchat als das Ergebnis der Diskussion um die Langlebigkeit von persönlichen Informationen in anderen sozialen Netzwerken.
Im August 2017 läutete Snapchat die Testphase der neuen Funktion „Crowd Surf“ ein, mit der Videoclips verschiedener Nutzer (zu einem Ereignis) miteinander kombiniert werden können. So soll am Ende ein interaktiver Clip entstehen, der die jeweilige Veranstaltung aus verschiedenen Blickwinkeln zeigt.
Im November 2017 kündigte Snapchat eine Neugestaltung an, die Anfang 2018 umgesetzt und daraufhin vielfach kritisiert wurde. Ingrid Angulo von CNBC führte an, dass das Versenden eines Snaps und das Wiedersehen von Storys komplizierter sei, Storys und eingehende Snaps nun auf derselben Seite aufgeführt seien und die Discover-Seite nun gesponserte Inhalte enthalte. Im Februar 2018 versendete Kylie Jenner einen Tweet, in dem sie das neue Design der Snapchat-App kritisierte. Daraufhin sank der Börsenwert von Snapchat Inc. zwischenzeitlich um 1,7 Milliarden US-Dollar.
Mitte 2022 wurde eine Web-Version angekündigt. Bis dahin war der Chat-Dienst nur als App für Mobilgeräte nutzbar, nicht aber an PCs/Laptops, wie es bei zahlreichen Konkurrenz-Angeboten bereits seit längerer Zeit möglich ist.
Wachstum Während im Mai 2012 noch etwa 20 Bilder pro Sekunde verschickt wurden, konnte am 28. November desselben Jahres bereits das milliardste geteilte Foto in der iOS-App gemeldet werden. Durchschnittlich wurden damals 20 Millionen Fotos am Tag gesendet. In diesem Monat gab Spiegel auch zu, Probleme bei der Zustellung mancher Bilder, sogenannter Snaps, in Echtzeit zu haben. Am 29. Oktober wurde die Android-App veröffentlicht.
Im Dezember 2012 fügte Snapchat die Videofunktion hinzu. Indem man den Auslöser gedrückt hält, können nun Videos bis zu zehn Sekunden Länge aufgenommen und verschickt werden. Nach einmaligem Ansehen löscht sich das Video automatisch. Spiegel erklärte, durch diesen Prozess könne die Videodatei auf die Größe eines Fotos komprimiert werden.
Im Februar 2013 verklagte Reggie Brown Spiegel und Murphy. Brown zufolge sei er ursprünglich der Vertriebsleiter gewesen und habe die Idee für den Dienst, den er Picaboo nannte, gehabt. Er erklärte außerdem, das Maskottchen entworfen sowie die Idee für den heutigen Firmennamen gehabt zu haben. Browns Anwälte legten Dokumente offen, die die Zusammenarbeit von Spiegel und Murphy belegen sollten, doch Snapchat bezeichnete die Klage als wertlos und Browns Taktik als Erpressung. Im Zuge des Prozesses sagte Brown aus, er habe geglaubt, ein gleichberechtigter Partner gewesen zu sein, und habe zugestimmt, Kosten sowie Gewinn zu teilen. Spiegel hingegen beschrieb Brown als einen unbezahlten Praktikanten, der nützliche Erfahrung mitgebracht habe. Außerdem sagte Murphy, er habe nie genau verstanden, was Browns Rolle im Unternehmen gewesen wäre, ihn aber als einen Praktikanten eingeschätzt. Monate später tat Spiegel den Prozess als ein Exempel von Opportunisten ab, die sich schnell wachsende Unternehmen suchen, um von deren harter Arbeit zu profitieren.Karl Taro Greenfeld und Billy Gallagher: (englisch).
Im Juni 2013 wurde die Version 5.0 „Banquo“ für iOS veröffentlicht. Der Name ist eine Anspielung auf den geisterhaften Helden in Shakespeares Macbeth, der über das Böse siegt. Das Update enthielt zahlreiche Verbesserungen und Neuerungen wie die Wisch-Funktion oder den Doppelklick zum Antworten. Ebenfalls im Juni wurde Snapkidz veröffentlicht. Wenn sich Benutzer mit einem Alter von unter 13 Jahren anmeldeten, konnten sie zwar auf den aufgenommenen Bildern malen, jedoch keine Bilder an andere Nutzer verschicken. Außerdem konnten die Bilder nur direkt auf dem Gerät gespeichert werden.
Im Oktober 2013 wurde die Geschichten-Funktion eingeführt, mit der Nutzer ihre Bilder in chronologischer Reihenfolge in eine Storyline posten können, die von allen Freunden angesehen werden kann. Am 1. Mai 2014 wurde die Möglichkeit gestartet, über Video-Chat zu kommunizieren. Außerdem enthielt das Update die Direktnachrichten-Funktion, über die kurzlebige Textnachrichten an Nutzer geschickt werden können.
Am 9. September 2014 verkündeten die Inhaber von Snapchat, dass der Prozess gegen den Kollegen und ehemaligen Freund Reggie Brown mit einem Vergleich über eine nicht genannte Summe abgeschlossen wurde. Im Zuge dessen mussten sie Brown zugestehen, die ursprüngliche Idee von Snapchat gehabt zu haben. In der Pressemitteilung wurde Spiegel zitiert: „We are pleased that we have been able to resolve this matter in a manner that is satisfactory to Mr. Brown and the Company. We acknowledge Reggie’s contribution to the creation of Snapchat and appreciate his work in getting the application off the ground.“ („Wir sind froh, dass wir in der Lage waren, diese Angelegenheit so zu lösen, dass die Situation für Herrn Brown und das Unternehmen zufriedenstellend ist. Wir erkennen Reggies Beitrag zur Entwicklung von Snapchat an und schätzen seine Mitarbeit, die App von Grund auf gestaltet zu haben.“)
2015 erwarb Snapchat das Start-up-Unternehmen Looksery, eine App, mit der Nutzer Videos von sich verändern können. Laut den vom Unternehmen veröffentlichten Zahlen verschickten die Nutzer im Mai 2015 zwei Milliarden solcher Videos am Tag. Im November waren es sechs, und 2016 zehn Milliarden pro Tag.
Stand April 2022 hat Snapchat 332 Millionen täglich aktive Nutzer weltweit.https://www.futurebiz.de/artikel/snapchat-statistiken-nutzerzahlen/
Börsengang Anfang 2017 ging Snapchat an die Börse. Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnete dieses Ereignis als „eine(n) der größten Börsengänge in der Technologiebranche überhaupt“.
Im Juni 2017 bot Snapchat eine neue ortsbasierte Funktion, die „Snap Map“, an. Mit dieser ist es Benutzern möglich, den eigenen Standort zu teilen, aber auch die Position der eigenen Kontakte und Storys an bestimmten Orten zu finden. Obwohl die Standortfreigabe deaktiviert werden kann, war das neue Feature heftiger Kritik von Kinder- und Datenschützern ausgesetzt, weil damit sehr leicht ein intimes Bewegungsprofil entstehen kann. Entwickelt wurde die „Snap Map“ in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Mapbox.
Filter Die verschickten Medien, welche Snaps genannt werden, können mit verschiedenen Filtern versehen werden. Die Filter kann man durch Wischen nach links oder rechts auf seinen Snap anwenden. Neben einem Filter, der die aktuelle Uhrzeit, den aktuellen Wochentag, die Temperatur, den Akkustand, die momentane Geschwindigkeit oder die Höhe angibt, auf der man sich befindet, gibt es auch Schwarzweiß- und Sättigungsfilter. Des Weiteren gibt es Geofilter: Diese sind ortsspezifisch und meistens in größeren Städten auf der ganzen Welt verfügbar. Einen Geofilter erhält man, wenn man sich in einer bestimmten Stadt oder in einem Gebiet aufhält, in dem ein Geofilter verfügbar ist. Mit Geofiltern kann man seinen Freunden leichter zeigen, wo man sich gerade befindet. Beispielsweise gibt es einen Filter in Stuttgart, welcher den Schriftzug „Welcome to Stuttgart“ über das Bild legt. Über die Snapchat-Website kann jeder Nutzer Vorschläge für neue Geofilter einreichen. Es sind weitere Filter für bestimmte Tage verfügbar, wie zum Beispiel zum Oktoberfest, zu Weihnachten, zu Bundesligaspielen oder zur Bundestagswahl.