mini|Porträt eines Virginiauhus Der Virginiauhu (Bubo virginianus), auch Virginia-Uhu, Amerikanischer Uhu oder Virginischer Uhu genannt, ist eine Vogelart aus der Gattung der Uhus (Bubo), die zur Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae) und zur Ordnung der Eulen (Strigiformes) gehört. Die Art ist in mehreren Unterarten über große Teile von Nord-, Mittel- und Südamerika verbreitet. Der nah verwandte, in angrenzenden Regionen Südamerikas lebende Magellanuhu (Bubo magellanicus) wurde lange Zeit ebenfalls als eine Unterart des Virginiauhus angesehen.
Merkmale Der Virginiauhu ist mit einer Länge von 46 bis 63 cm und Spannweite zwischen 91 und 151 cm eine der größten Eulenarten des amerikanischen Kontinents. Die Weibchen sind 10 bis 20 Prozent größer als die Männchen. Das Gewicht des Virginiauhus liegt bei 0,9 bis 1,8 kg. Die Gefiederfarbe variiert von grau bis rot-braun. Auf der Unterseite verlaufen dunkle Streifen längs seines Körpers sowie ein weißes Band auf der Brust. Der Bauch ist etwas heller als der Rücken. Er hat lange Ohren oder „Hörner“, die seinen englischen Namen Great Horned Owl erklären. Wie bei allen Uhus haben diese Federohren allerdings keine Bedeutung für den Gehörsinn. Die großen Augen sind gelblich orangefarben. Die Füße sind bis zu den Krallen befiedert.
Der Gesang des Männchens ist ein tiefes, weit klingendes bu-bubú booh booh, das in Intervallen von mehreren Sekunden wiederholt wird. Das Weibchen singt ähnlich, hat aber einen anderen Rhythmus und ruft bu-bububú booh. König et al., S. 319
Lebensraum Der Virginiauhu bevorzugt offene Landschaften mit Bäumen oder Waldrändern, aber auch bewaldete Gebirgsregionen bis 4000 m Höhe und sogar Parks.
Ernährung und Lebensweise Der Virginiauhu ernährt sich überwiegend von Säugetieren, die bis zum Dreifachen seines eigenen Körpergewichts wiegen können, darunter Ratten, Mäuse, Kaninchen und Skunks, aber auch von Vögeln wie Tauben, Enten und anderen Eulen. Die Jagd findet dabei meist im Gleitflug statt, die Beute wird im Sturzflug mit angezogenen Flügeln geschlagen. Fische, Amphibien und kleine Alligatoren jagt er zum Teil auch auf dem Boden gehend und sogar im Wasser.
In Gefangenschaft können Virginiauhus über 30 Jahre alt werden, wild lebende Tiere leben selten mehr als 15 Jahre lang.
Stimme und Fortpflanzung thumb|Drei junge Virginiauhus im Nest Während der Paarungszeit im Januar und Februar lassen Männchen und Weibchen den typischen Ruf hu-hu huuh hu-hu hören. Die Stimme des Männchens ist tiefer als die des Weibchens.
Wie die meisten Uhus bauen Virginiauhus keine Nester, sondern benutzen gerne verlassene Greifvogelnester. Ihre Eier (zwei bis vier bei einem Gelege) werden innerhalb von 28 bis 35 Tagen ausgebrütet, wobei ausschließlich die Weibchen brüten. Die Jungtiere verlassen nach 6 bis 7 Wochen kletternd das Nest, nach 9 bis 10 Wochen sind die Jungtiere flügge.
Die Elternpaare teilen sich oft über viele Jahre dasselbe Territorium, leben allerdings außerhalb der Brutzeit solitär.
Verbreitung thumb|Verbreitungsgebiet des Virginiauhus Der Virginiauhu kommt in großen Teilen Nordamerikas außerhalb der Arktis sowie in einigen Regionen Mittel- und Südamerikas vor. Im südlichen Südamerika grenzt sein Verbreitungsgebiet an das des eng mit ihm verwandten Magellanuhus, der die Anden-Region bis Feuerland besiedelt. Die Art gilt laut IUCN als derzeit nicht gefährdet.
Unterarten Es werden folgende Unterarten unterschieden:IOC World bird list Owls Bubo virginianus algistus (, 1904)Harry Church Oberholser (1904), S. 178 & 190. kommt im westlichen Alaska vor. Bubo virginianus lagophonus (, 1904)Harry Church Oberholser (1904), S. 178 & 185. kommt im zentralen Alaska bis ins nordöstliche Oregon, Idaho und nordwestliche Montana vor. Bubo virginianus saturatus (, 1877)Robert Ridgway (1877), S. 572. ist an den Küsten im Südosten Alaskas bis an die Küsten des Nordens Kaliforniens verbreitet. Bubo virginianus pacificus (, 1854)John Cassin (1854), S. 178. ist an den Küsten Zentralkaliforniens bis ins nordwestliche Baja California verbreitet. Bubo virginianus subarcticus (, 1853)Philo Romayne Hoy (1853), S. 211. kommt im westlichen zentralen Kanada bis ins nördliche Idaho vor. Bubo virginianus pallescen (, 1897)Witmer Stone (1853), S. 237. ist im Südwesten der USA bis in den Süden Mexikos verbreitet. Bubo virginianus pinorum ( & , 2008)Robert William Dickerman u. a. (2008), S. 23–24, Abbildung 1. ist im südlichen Idaho über das nördliche Arizona und das nördliche New Mexico verbreitet. Bubo virginianus heterocnemis (, 1904)Harry Church Oberholser (1904), S. 178 & 187. kommt im nordöstlichen Kanada über die Region der Großen Seen vor. Bubo virginianus virginianus (, 1788)Johann Friedrich Gmelin (1788), S. 287. ist vom südöstlichen Kanada bis ins zentrale und östliche Gebiet der USA verbtreitet. Bubo virginianus elachistus (, 1902)William Brewster (1902), S. 96. ist im Süden Baja Californias verbreitet. Bubo virginianus mayensis (, 1901)Edward William Nelson (1901), S. 170. kommt auf der Halbinsel Yucatán vor. Bubo virginianus mesembrinus (, 1904)Harry Church Oberholser (1904), S. 178 & 179. ist vom südlichen Mexiko bis ins westliche Panama verbreitet. Bubo virginianus nigrescens (, 1884)Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1884), S. 309. ist von Kolumbien bis ins nordwestliche Peru verbreitet. Bubo virginianus nacurutu (, 1817)Louis Pierre Vieillot (1817), S. 44. kommt vom östlichen Kolumbien über die Guyanas bis ins nördliche und östliche Brasilien sowie Argentinien, Bolivien und Zentralperu vor. Bubo virginianus deserti (, 1905)Otmar Reiser (1905), S. 324. ist im Nordosten Brasiliens im nördlichen zentralen Bahia verbreitet.
Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Virginiauhu erfolgte 1788 durch Johann Friedrich Gmelin unter dem wissenschaftlichen Namen Strix virginiana. Als Verbreitungsgebiet gab er Amerika, Astrachan und Kamtschatka an. 1805 führte André Marie Constant Duméril die neue Gattung Bubo für die Uhus laut Linnaeus ein.André Marie Constant Duméril (1805), S. 34. Dieser Begriff leitet sich vom ab.Bubo in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname virginianus bezieht sich auf Virginia, da sich Gmelin auf die Virginia Eagle Owl von John Latham bezog. Mayensis bezieht sich auf das Gebiet der Maya, pacificus auf den Pazifik. Subarcticus ist ein Wortgebilde aus und subarcticus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Algistus hat seinen Ursprung in algistus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, lagophonus in und lagophonus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, saturatus in saturatus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, pallescens in pallescens The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, pinorum in pinorum The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, heterocnemis in und heterocnemis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, elachistus in elachistus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, mesembrinus in mesembrinus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, nigrescens in nigrescens The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, nacurutu im Guaraní Wort Nhakûrutû für eine Eulenacurutu The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling und deserti in .deserti The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Vieillot bezog sich bei seinem Namen auf Ave noctura de rapiña del ÑacurutúFélix de Azara (1802), S. 192–198. von Félix de Azara. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg, gesammelt von Hans Krieg (1888–1970) im Bergland des Río Apa bei San Luis de la Sierra im Departamento Concepción, zur Verfügung. In der Literatur fand er viele Nachweise für das Land, so z. B. an der Estancia Ytanu durch John James DalgleishJohn James Dalgleish (1889), S. 85., in Fortin NueveJohn Graham Kerr (1892), S. 141 und Waikthlatingmayalwa im Gran ChacoJohn Graham Kerr (1901), S. 230. durch John Graham Kerr, in Fort Wheeler im Chaco Boreal durch Elsie NaumburgElsie Margaret Binger Naumburg (1930), S. 115 und in Monte Sociedad am Río PilcomayoArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 246. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni.Alfred Laubmann (1939), S. 222–223.
Literatur
Einzelnachweise
Literatur
Weblinks
www.owlpages.com über den Virginiauhu (mit Stimme)
Kategorie:Uhus