Die Gemeinde (traditionell: Landschaft) Davos (IPA: Die Aussprache des Hochdeutschen in der Schweiz. Eine Wegleitung. Im Auftrag der Schweizerischen Siebs-Kommission hrsg. von Bruno Boesch. Schweizer Spiegel Verlag, Zürich 1957, S. 36; Hans Bickel, Christoph Landolt: Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. Hrsg. vom Schweizerischen Verein für die deutsche Sprache. 2., vollst. überarb. und erweit. Aufl. Duden, Berlin 2018, S. 102. oder Eva-Maria Krech u. a.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Berlin 2009, S. 432. , in der walserdeutschen Ortsmundart Tafaas [],Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V, Karte 1.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 289. auch Tafaa [],So laut Arnold Büchli: Mythologische Landeskunde von Graubünden. Ein Bergvolk erzählt. 1. Teil: Fünf Dörfer, Herrschaft, Prätigau, Plessurtal, Chur, Davos. Sauerländer, Aarau 1958 (2., erw. Aufl. Disentis 1989), S. 276; laut dem ungedruckten Material des Sprachatlasses der deutschen Schweiz (Archiv des Schweizerischen Idiotikons) nur so in den ebenfalls walserischen Nachbarorten. , Davos in Glossario Helvetiae Historico.) umfasst beinahe das gesamte Landwassertal im Schweizer Kanton Graubünden und liegt in der Region Prättigau/Davos. Die politische Gemeinde mit zahlreichen Siedlungen bestand bis Ende 2018 aus den sechs Fraktionsgemeinden Davos Dorf, Davos Platz, Davos Frauenkirch, Davos Glaris, Davos Monstein und Davos Wiesen, von denen seither allein noch diejenige von Monstein existiert. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Davos zu einem international bekannten Luftkurort und trug den Titel Weltkurort Davos. Später folgte eine stärkere Gewichtung des Wintersports. Die Bevölkerung stieg von 1680 Einwohnern im Jahr 1850 auf über 11'000 im Jahr 1930 an.
Geographie
Landschaft Davos mini|links|Historisches Luftbild (1923) aus 300 m von Walter Mittelholzer.Blick gegen Südwesten; im Vordergrund Davos Dorf, oberhalb der Bildmitte Davos Platz. mini|Landeskarte der Schweiz 1:25'000, Blatt 1197 «Davos» Das Territorium der Landschaft Davos umfasst den grössten Teil des Landwassertals und greift bei Davos Wolfgang () noch gut zwei Kilometer über die Wasserscheide ins Prättigau aus. Die durch den Fluss, die Hauptstrasse und die Bahnlinie markierte Achse des Tals verläuft von Nordost nach Südwest. Vom Davosersee fällt sie zunächst sehr sanft ab, nur knapp 60 Meter auf acht Kilometern Länge. In diesem Abschnitt münden von links die beiden Seitentäler Flüela und Dischma, welche den Zugang zu den ins Engadin führenden Übergängen Flüelapass bzw. Scalettapass vermitteln. Ab der Einmündung des dritten, wie die vorgenannten rund 10 km langen Seitentals, des Sertigtals, wird der Talboden schmaler und fällt auf den verbleibenden neun Kilometern bis zur ehemaligen Gemeindegrenze bei der Felsenge Brombänz um knapp 300 Meter. Der tief eingeschnittene unterste Abschnitt des Tals heisst Zügenschlucht. Jenseits der Zügenschlucht befindet sich die Fraktion Wiesen, die seit dem 1. Januar 2009 ebenfalls zu Davos gehört.
Die rechte (nordwestliche) Flanke weist nur einige kurze Seitentäler auf. Hier verläuft die Gemeindegrenze – gleichzeitig Wasserscheide gegen das Plessurgebiet – über die Gipfel von Amselflue (), Tiejer Flue (), Mederger Flue () und Chüpfenflue () zum historisch bedeutsamen Strelapass. Jenseits des Sattels setzt sie sich über das Schiahorn () zum Weissfluhjoch () fort. Im Norden verläuft die Gemeindegrenze auf der Casanna und dem Gotschnagrat. Die linke Talseite wird durch die drei Seitentäler in vorspringende Grate zergliedert. Vom Tal gesehen beherrschen die vorgelagerten Berge Seehorn (), Büelenhorn (), Jakobshorn () und Rinerhorn () das Bild. Die grössten Höhen findet man jedoch entlang der Wasserscheide gegen das Engadin und das obere Albulatal: Flüela Wisshorn (), Flüela Schwarzhorn (, höchster Punkt der Gemeinde), Piz Grialetsch (), Chüealphorn () und Hoch Ducan ().
Ortsteile mini|Die ehemaligen Davoser Fraktionsgemeinden mini|Der Weiler Laret im Norden des Ortsteils Davos Dorf, mit reformierter Kirche
Die sechs Ortsteile – bis Ende 2018 autonome Fraktionsgemeinden – sind in Fliessrichtung des Flusses Landwasser: Davos Dorf, einschliesslich des Flüelatals, der Siedlung Wolfgang mit dem Strassenübergang Passhöhe Wolfgang und dem Weiler Laret jenseits des Passes Davos Platz, einschliesslich des Dischmatals Davos Frauenkirch, einschliesslich des Sertigtals Davos Glaris Davos Monstein (seit 2019 einzige öffentlich-rechtliche Gebietskörperschaft der Gemeinde)Verfassung für die Gemeinde Davos vom 24. November 2019, Artikel 1, Absatz 2. Davos Wiesen (seit 2009 zu Davos)
Die Fraktionen Frauenkirch, Glaris und Monstein bilden zusammen den Unterschnitt, die Fraktionen Platz und Dorf den Oberschnitt.
Die beiden grössten Fraktionen Dorf und Platz liegen im fast ebenen oberen Talabschnitt und sind durch die Bautätigkeit des 20. Jahrhunderts zu einem rund vier Kilometer langen Siedlungsband verschmolzen. Über das gesamte Gemeindegebiet verstreut liegt eine Vielzahl von Einzelhöfen und Alpsiedlungen.
Mit 254,39 km2 war Davos bis Anfang 2009 die flächenmässig zweitgrösste Gemeinde der Schweiz. Im Jahr 1997 wurden 37,1 % der Fläche als Wiesen und Weiden landwirtschaftlich genutzt, der Wald nahm 19,7 % ein, die Siedlungen 2,2 %. Als unproduktiv galten 41,0 %.
Mit der Eingemeindung von Wiesen wurde Davos Anfang 2009 knapp vor Bagnes (282,25 km2) zur flächengrössten Gemeinde der Schweiz, verlor diese Führungsposition aber bereits Anfang 2011 wieder an die neu geschaffene Glarner Gemeinde Glarus Süd, die ihrerseits durch die Eingemeindung von fünf Gemeinden in die Bündner Gemeinde Scuol im Jahre 2015 auf den zweiten Platz verschoben wurde.
Nachbargemeinden sind Arosa, Bergün Filisur, Klosters, S-chanf, Schmitten und Zernez.
Klima In Davos herrscht gemäss Köppen ein feuchtwinterkaltes Klima mit kühlen Sommern (Dfc). Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 4,0 °C, wobei im Januar mit −4,7 °C die niedrigsten und im Juli mit 12,8 °C die höchsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 187 Frosttage und 53 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel fünf bis sieben, Hitzetage wurden in der Normperiode 1981–2010 keine verzeichnet. Die MeteoSchweiz-Wetterstation liegt auf einer Höhe von Der Hitzerekord in Davos wurde am 27. Juni 2019 mit 29,8 °C aufgestellt.
Wappen
Geschichte Bronzezeit, Mittelalter und ältere Neuzeit mini|hochkant|Die Kirche St. Johann in Davos Platz Obwohl Einzelfunde an mehreren Stellen in der Landschaft Davos darauf hindeuten, dass seit der Bronzezeit Menschen durch das Gebiet zogen, ist das Tal wohl erst seit dem Hochmittelalter besiedelt. Zunächst wanderten aus dem Albulatal und dem Engadin Rätoromanen ein. Einzelne Orts- und Flurnamen weisen noch heute auf diese romanische Schicht hin. Der Name Davos selbst findet sich erstmals 1213 als Tavaus belegt. Der Romanist Andrea Schorta erklärte ihn ursprünglich als Ableitung von spätlateinisch *tovu ‚Tobel‘ < tubus ‚Röhre‘; damit würde *ad tovātos ‚bei von Tobelschutt bedeckten Stellen‘ oder *ad tovānes ‚bei den Tobelleuten‘ bedeuten.Rätisches Namenbuch. Band 2: Etymologien. 2., unveränderte Auflage. Francke, Bern 1985, S. 673; hiernach auch Andres Kristols Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Später fand er diese Herleitung «nicht recht befriedigend» und führte den Namen neu auf lateinisch *octāvātum ‚Achtel‘, eine mutmassliche Wirtschafts- oder Verwaltungseinheit, zurück; er wäre damit vergleichbar mit Dischma, das auf lateinisch *decimātum ‚Zehnt(el)‘ zurückgeht.Andrea Schorta: Wie der Berg zu seinem Namen kam. Kleines Rätisches Namenbuch mit zweieinhalbtausend geographischen Namen Graubündens. Terra Grischuna, Chur 1988, S. 83.
Um 1280 siedelten die Freiherren von Vaz Walser Kolonisten an und gewährten ihnen im Lehensbrief von 1289 umfassende Selbstverwaltungsrechte. Davos entwickelte sich zur grössten Bündner Walsersiedlung und begründete 1436 den Zehngerichtebund, als dessen Hauptort die Gemeinde massgeblichen Einfluss auf die Politik der Drei Bünde ausübte. 1526 schloss sich der Ort der Reformation an. Bis 1851 mit der neuen Kantonsverfassung die heutigen politischen Gemeinden geschaffen wurden, gehörte auch Arosa als Nachbarschaft zu Davos.
Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildete die Viehzucht den Haupterwerbszweig. Am linken Hang der Zügenschlucht – Silberberg genannt – wurden vom 15. bis 19. Jahrhundert Blei- und Zinkerze abgebaut.
Kurort
mini|Davos Platz mit der Kirche St. Johann von Nordosten, um 1865/1870. Radierung von Heinrich Müller Ab 1853 beschrieben Alexander Spengler und später Willem Jan Holsboer das Davoser Höhenklima als wohltuend und gesundheitsfördernd und hielten fest, dass die Höhenluft besonders für Lungenkranke (insbesondere bei Tuberkulose) heilsam sei. Trotz jahrzehntelanger Forschung wurde dafür nie ein Nachweis gefunden. Hingegen stellte sich heraus, dass in dieser Höhe keine Hausstaubmilben leben und die Höhenluft schadstoffarm ist, was hilfreich bei Asthma ist. Davon wussten die Menschen allerdings noch nichts, sondern vertrauten den Empfehlungen der Ärzte. Zuvor hatte 1855 Hermann Brehmer im schlesischen Görbersdorf, dem zeitgenössischen Vorbild aller Luftkurorte (später «schlesisches Davos» genannt), die Epoche der Lungensanatorien initiiert.
Die beiden ersten Winterkurgäste waren im Februar 1865 der tuberkulosekranke Buchhändler Hugo Richter (1841–1921) aus Königsberg und der ebenfalls erkrankte Arzt Friedrich Unger. Die Nachricht ihrer raschen Heilung und weitere solche Heilungsgeschichten machten Davos als Luftkurort weltbekannt. Richter blieb in Davos. 1881 gründete er die Davoser Zeitung. Das liberale Blatt setzte sich vehement für die touristische Entwicklung der Region ein. Ebenfalls in seinem Verlag erschienen die Davoser Blätter, eine unterhaltende Zeitschrift für die Kurgäste. Die Davoser Blätter veröffentlichten regelmässig Gästelisten, die viel beachtet wurden und für Gesprächsstoff sorgten, zumal sich unter den Namen häufig Personen aus dem europäischen Adel befanden. Um 1870 hatte Davos Beherbergungskapazitäten für rund 200 Lungenkranke. Bereits zehn Jahre später konnten 1474 Betten für Fremde angeboten werden. Ab 1874 warb Davos mit dem Slogan Davos, das neue Mekka der Schwindsüchtigen. Seit 1870 war eine erste Dampfzentralheizung in Betrieb; den Gästen sollte jeder Komfort geboten werden. Entscheidend geprägt wurde Davos in dieser Zeit durch den Baumeister und Landammann Gaudenz Issler (1853–1942).
mini|Davos Platz von Südwesten, mit den ersten Hotels und Sanatorien, um 1880 (aus einem in London publizierten Reiseführer)