Das Umweltbewusstsein ist die Einsicht eines Menschen in die Tatsache, dass Menschen die natürliche Umwelt – und damit die Lebensgrundlage der Menschen – durch ihr Tun und Lassen bzw. durch Eingriffe in die Umwelt schädigen oder ihr natürliches Gleichgewicht gefährden.

Das Umweltbewusstsein setzt sich zusammen aus dem Umweltwissen, den Umwelteinstellungen, den Verhaltensintentionen bezüglich der Umwelt und dem tatsächlichen Umweltverhalten eines Menschen.

Chronologie der Entstehung von Umweltbewusstsein in der Bevölkerung

Der Beginn der Umweltbewegung und des Umweltbewusstseins wird in Europa und insbesondere in Deutschland im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Industrialisierung und Romantik datiert. Der biozentrisch ausgerichtete Naturschutz und damit das Naturbewusstsein hat in Europa konservative und nationale Wurzeln u. a. mit Ernst Rudorff, dem Gründer des Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Hugo Conwentz, dem ersten Leiter der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen und Lina Hähnle, die den Bund für Vogelschutz gründete, aus dem der heutige Naturschutzbund Deutschland hervorgegangen ist. Eine zweite Phase Umweltbewusstsein, das – im Unterschied zum Naturbewusstsein – auch die abiotische Umwelt (Wasser, Luft, Boden) einschließt und den Einfluss des Menschen auf die Biosphäre in den Blick nimmt, beginnt in den 1960er Jahren. Einflussreich waren Willy Brandts Ausspruch: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muß wieder blau werden!“, 1961 das Buch Der stumme Frühling von Rachel Carson, Erstveröffentlichung 1962 der erste Tag der Erde 1970 der Bericht Die Grenzen des Wachstums des Club of Rome (1972), die UN-Weltumweltkonferenz (Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen) in Stockholm 1972, die erste Ölkrise 1973, zahlreiche Umweltkatastrophen und durch immer sichtbarere Umweltverschmutzung, die 68er-Bewegung sowie staatliche Stellen und Parteien: zum Beispiel wurde 1973 auf Betreiben der FDP (siehe „Freiburger Thesen“) eine 'Bundesstelle für Umweltangelegenheiten' geschaffen (ab 22. Juli 1974 Umweltbundesamt).

Die Ökologie, die als Wissenschaft ebenfalls im 19. Jahrhundert wurzelt, wurde seit etwa 1970 zunehmend Grundlage für politische Entscheidungen und prägt seitdem das Umweltwissen und Umweltbewusstsein (Geschichte der Ökologie).

Weiter verstärkt wurde das Umweltbewusstsein durch das erstmals 1983 so benannte Waldsterben, die Atom-Katastrophe von Tschernobyl von 1986 und weitere Ereignisse, wie den „Rhein-GAU“ im selben Jahr, bei dem ca. 30 Tonnen schädliche Chemikalien aus dem Basler Chemiekonzern Sandoz (heute Novartis) in den schon vorher stark verödeten Rhein flossen. Oft wird die erste Hälfte der 1980er Jahre als „Höhepunkt“ der Umweltbewegung und eines besonders starken Umweltbewusstseins angesehen. In diese Phase fällt auch die Gründung der Partei Die Grünen (heute: Bündnis 90/Die Grünen) 1980 sowie von bekannten Umweltschutzgruppen wie Greenpeace (deutsche Sektion ab 1980) oder Robin Wood (1982).

In den 1980er Jahren haben die christlichen Kirchen weltweit das Umweltbewusstsein im Konziliaren Prozess mit dem Motiv der Bewahrung der Schöpfung stimuliert.

Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen hat 1987 mit dem Brundtland-Bericht die Motive der Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit in die weltweite Umweltpolitik eingebracht. Vom 3. bis 14. Juni 1992 fand die auch „Erdgipfel“ genannte Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro statt. Die Unterzeichnerstaaten betonten in der dort verabschiedeten Agenda 21, dass es ohne ein Umweltbewusstsein keine Lösung der global bedeutsamen Umweltproblematik geben könne.

Mit weltweiten Bewegungen, insbesondere Fridays for Future und Extinction Rebellion, kamen seit 2019 das Handlungsmotiv der Generationengerechtigkeit und das Konzept der Planetaren Grenzen mit den Schwerpunkten Klimaschutz und Artenschutz ins Umweltbewusstsein mit Forderungen für das politische Handeln.

Die häufige Thematisierung des Umweltproblems bis heute – auch in den Medien – beeinflusste das immer größer werdende Bewusstsein der Menschen zusätzlich. Der Informationsstand der Menschen über Umwelt, Natur, Risiken etc. verbesserte sich (Umweltwissen) und auch die auf Umwelt bezogenen Wertehaltungen und Grundeinstellungen wurden sensibilisiert (Umwelteinstellung). Viele Menschen entwickelten daher eine zunehmende Handlungsbereitschaft und positive Verhaltensintentionen bezüglich des Umweltschutzes und bekundeten, ihr Umweltverhalten zu überdenken.

Umweltbewusstsein und Umweltverhalten

Obwohl beispielsweise in Deutschland Großteile aller Bevölkerungsschichten nachweislich ein Umweltbewusstsein entwickelt haben, lässt sich das Alltagsverhalten der Menschen – wie Studien belegen – oftmals nicht mit Informationsstand, Wertehaltungen und Verhaltensintentionen erklären. Es existiert also eine Kluft zwischen den Einstellungen einiger Menschen und ihrem tatsächlichen Verhalten. Aus medizinisch-psychosomatischer Sicht ist eine Ursache für das Ausbleiben eines Verhaltens, das dem Umweltwissen folgt, dass die Umweltveränderungen schleichend verlaufen.

Nur in sogenannten „low-cost-Situationen“, in Situationen also, in denen die Realisierung umweltschonender Verhaltensalternativen mit relativ geringen (zusätzlichen) Kosten verbunden ist, führt vorhandenes Umweltbewusstsein regelmäßig zu umweltgerechtem Verhalten. Der Begriff Kosten (als Gegenstück zum Begriff Nutzen) sei hierbei (im Sinne der ökonomischen Verhaltenstheorie, vgl. Homo oeconomicus) als jeglicher Aufwand, sei er physischer, zeitlicher, geldlicher oder anderer Art, verstanden. Dadurch lassen sich allerdings nicht alle Verhaltensweisen erklären. Einige weitere Gründe gegen die Wahl der umweltschonenderen Alternative wider das Umweltbewusstsein können das Passen zum individuellen Lebensstil, Bequemlichkeit, Routinisierung der konventionellen Alternative oder andere persönliche Interessen sein. Der Psychosomatiker Christoph Nikendei weist darauf hin, dass Verzicht nicht nur etwas Asketisches sei, sondern auch neue Möglichkeiten schaffe: „Menschen erleben einen Mehrwert und fühlen sich besser. So ist es vielleicht auch, wenn ich das Leben einvernehmlich führe innerhalb der planetaren Grenzen.“

Auf der Grundlage einer Online-Umfrage von YouGov Deutschland GmbH wurden demografische Unterschiede für die Kluft zwischen Umwelteinstellung und Umweltverhalten (Attitude Behavior Gap) für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren analysiert. Die Umfrage, an der 3.523 Personen zwischen 30. Juli und 7. August 2024 teilnahmen, ist repräsentativ in Bezug auf Geschlecht und Alter. Im Vergleich zu den anderen Generationen fällt es den Baby-Boomer besonders schwer zu beurteilen, ob Nachhaltigkeitsinformationen vertrauenswürdig sind (53 % versus 45 %). Aber ob ein Tempolimit wesentlich zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes in Deutschland beiträgt, findet bei den Baby-Boomern eher Zustimmung (62 %) als in der Gesamtpopulation (55 %) und besonders im Vergleich zu den Angehörigen der Generation Z (42 %). Angehörige der Millennials (40 %) und der Generation Z (46 %) lassen sich stärker von Medien beeinflussen als die Gesamtheit der befragten Personen (33 %). Die nachhaltige, möglichst lange Nutzung von Produkten ist besonders den Baby-Boomern wichtig (92 %), während für Vertretern der Generation Z und der Millennials dies weniger wichtig ist (67 %).

Vor diesem Hintergrund ist man in der Umweltpolitik strategisch vom individualpolitischen Ansatz abgerückt, welcher das Umweltbewusstsein fördern und die Menschen durch Überzeugung zu umweltfreundlicherem Verhalten veranlassen will, und präferiert stattdessen ökonomische Instrumente (z. B. Ökosteuern oder Emissionszertifikate), deren Vorteil darin besteht, dass sie umweltfreundliches Verhalten mit Hilfe ökonomischer Anreizstrukturen belohnen.

Messung des Umweltbewusstseins Es gibt verschiedene Instrumente, Methoden und Plattformen zur Messung des Umweltbewusstseins. Beispielsweise verwendet das länderübergreifende Umfrageprogramm ISSP9 (International Social Survey Programme 9) Items zur Messung des Umweltbewusstseins, in dem unter anderem die Frage „Inwieweit fänden Sie es für sich persönlich akzeptabel, Abstriche von Ihrem Lebensstandard zu machen, um die Umwelt zu schützen?“ auf einer Skala von 1 (sehr akzeptabel) bis 5 (sehr inakzeptabel) zu bewerten ist.

Umweltbewusstsein im Zeitverlauf Seit 1996 führt das Umweltbundesamt (UBA) alle zwei Jahre Umfragen durch, um den Wandel des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung Deutschlands im Alter von über 14 Jahren zu quantifizieren. Ab 2014 wurden jeweils über 2000 Personen mit identischer Erhebungsmethode befragt. mini|250px|Einschätzung der Umweltqualität vor Ort, in Deutschland und weltweit im Zeitvergleich Der Bericht aus dem Jahr 2019 zeigt markante Veränderungen des Umweltbewusstseins im Jahr 2018 gegenüber dem Jahr 2016. Während 2016 „Krieg/Terrorismus“ und „Migration/Zuwanderung“ die wichtigsten Themen waren (von über 60 % der Befragten als „sehr wichtig“ bezeichnet), waren im Jahr 2018 der „Zustand des Bildungssystems“, die „soziale Gerechtigkeit“ und der „Umwelt- und Klimaschutz“ von über 60 % der Befragten als „sehr wichtig“ und damit als die drei wichtigsten Themen benannt. „Umwelt- und Klimaschutz“ war innerhalb dieser zwei Jahre von Rang 6 (mit 53 %) auf Rang 3 (64 %) vorgerückt. Während die Umweltqualität Deutschlands bei den 9 Umfragen in den Jahren 2000 bis 2016 von 64 bis 82 % der Befragten als „sehr gut“ oder „recht gut“ eingeschätzt wurde, sank dieser Anteil im Jahr 2018 auf 60 %. Noch stärker ist der Abfall bei der Bewertung der weltweiten Umweltqualität von vergleichsweise bereits niedrigen Werten 16 bis 21 % (Ausnahme: 9 % im Jahr 2006) auf 7 und 8 % ab dem Jahr 2014 Die Ursachen für den Bewusstseinswandel mögen vielfältig sein. In der Umweltbewusstseinsstudie 2018 des UBA erklärt die Präsidentin des UBA Maria Krautzberger: „Dass es der Umwelt in vielen Bereichen nicht gut geht, erkennen also immer mehr Menschen – inzwischen auch in ihrer unmittelbaren Lebenswelt. Der extrem trockene Sommer 2018 hat die Folgen des globalen Klimawandels auch in Deutschland erfahrbar gemacht.“ mini|250px|Beurteilung des Einsatzes verschiedener Akteure für Umwelt- und Naturschutz im Zeitvergleich Der Industrie wird nur von einer sinkenden Minderheit (2008: 17 %, 2018: 8 %) attestiert, dass sie (eher) genug für den Umwelt- und Klimaschutz tut, während eine große Mehrheit von 70 bis 80 % der Befragten das Engagement der Umweltverbände positiv beurteilt. Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung Deutschlands lag bis 2016 auf Werten über 33 % und fiel im Jahr 2018 auf 14 %. In der Umweltbewusstseinsstudie 2018 heißt es resümierend: „Über alle aufgelisteten Akteure hinweg – abgesehen von den Umweltverbänden – geben jeweils nur ein bis drei Prozent der Befragten eine klar positive Einschätzung des Engagements („tut genug“) ab. Auch ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger (und möglicherweise auch sich selbst) nehmen die Befragten von dieser überaus kritischen Betrachtung nicht aus.“ Diesem positiven Urteil über die Umweltverbände steht gegenüber, dass laut Umweltbewusstseinsstudie 2018 nur 8 % der Befragten die Umweltverbände zu den drei für das Gelingen der Energiewende wichtigsten Akteuren zählen, während die Bundes- und Länderregierungen von über 70 % der Befragten und Industrieunternehmen wie auch jede und jeder Einzelne mit über 40 % zu den drei Akteuren zählen, die für das Gelingen der Energiewende als entscheidend beurteilt werden.