NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum ist eine liberale Partei in Österreich. Sie wurde im Oktober 2012 als NEOS – Das Neue Österreich gegründet und trat zur Nationalratswahl 2013 im Bündnis mit dem Liberalen Forum an, mit dem sie im Jänner 2014 fusionierte. Bei der Wahl zog sie mit 5 % der Stimmen in den Nationalrat ein, was ihr 2017, 2019 und 2024 abermals gelang. Die Partei ist auch im Europäischen Parlament und in sechs von neun Landtagen vertreten (Stand April 2023). In Wien ist sie seit 2020 Teil des Stadtsenats und der Landesregierung. Auf Bundesebene ist NEOS seit März 2025 gemeinsam mit ÖVP und SPÖ Teil der Bundesregierung Stocker.
Geschichte Die Partei NEOS ging aus Bewegungen wie „Phönix“ und „Österreich spricht“ hervor, die sich im Jahr 2012 für mehr Demokratie eingesetzt hatten.Iris Bonavida: Die „Neos“-Liberalen. In: diepresse.com. 18. Oktober 2012, abgerufen am 5. Februar 2020. Bereits seit 2007 hatten sich Politikinteressierte regelmäßig in Wien getroffen, darunter auch die späteren NEOS-Mitbegründer Matthias Strolz und Veit Dengler. Der Gründungskonvent von NEOS – Das Neue Österreich erfolgte schließlich am 27. Oktober 2012 in der Wiener Urania. Strolz wurde dabei mit 96,2 % zum Vorsitzenden gewählt.Neue Partei NEOS hielt Gründungskonvent ab. In: diepresse.com. 27. Oktober 2012, abgerufen am 3. Februar 2020. Bereits im Jänner 2013 gehörten den NEOS nach eigenen Angaben über 1000 Mitglieder an.
Ein Kerngedanke bei der Gründung war insbesondere die Reform des politischen Systems. Während bei traditionellen Parteien meist mit Funktionären besetzte Parteigremien über Listenplätze entscheiden und einfache Parteimitglieder kaum Mitbestimmungsrechte haben, werden bei NEOS vor jeder Wahl offene Online-Vorwahlen durchgeführt. Bei diesen Vorwahlen kann jeder registrierte Bürger darüber abstimmen, welcher Kandidat ein Mandat erhalten soll. Dadurch soll die Macht von Parteigremien und Parteifunktionären geschwächt und der Einfluss der Bürger gestärkt werden.
Nationalratswahl 2013 mini|Gründungsvorsitzender Matthias Strolz beim NEOS-Event Es geht auch anders! Das FEST! im Mai 2013. Anfang März 2013 wurde bekannt, dass NEOS mit dem Liberalen Forum (LIF) und den Jungen Liberalen (JuLis) ein Wahlbündnis gegründet hatte, das unter der Dachmarke NEOS auftrat. Als Ausdruck dieser Partnerschaft waren auch Mitglieder des LIF und der JuLis im Vorstand von NEOS vertreten. Mitte März 2013 traten darüber hinaus auch ehemalige Mitglieder der Grünen Wirtschaft NEOS bei. Darunter befanden sich auch ehemalige Bundes- und Landessprecher.Philipp Aichinger: Die Neos: Neue Partei mit grüner Unterstützung. In: diepresse.com. 12. März 2013, abgerufen am 16. Oktober 2021. Als weiterer Partner für die Wahlplattform wurde im April 2013 die Online Partei Österreichs bekanntgegeben.Rainer Schüller: Online Partei Österreichs kooperiert mit Neos. In: derstandard.at. 23. April 2013, abgerufen am 12. Oktober 2021.
Im April 2013 führte NEOS die ersten öffentlichen Vorwahlen einer Partei zur Erstellung der Bundesliste durch. In diesem System entschieden je zu einem Drittel Bürger in einer öffentlichen Abstimmung im Internet, der Vorstand sowie alle Mitglieder über die Reihung der Kandidaten. Die Kandidatur war dabei nicht von einer NEOS-Mitgliedschaft abhängig, und die Kandidaten stellten sich nach einem kurzen Hearing den drei Vorwahlmodi. Die endgültige Zusammensetzung der NEOS-Bundesliste zum Antritt bei der Nationalratswahl 2013 wurde am 1. Mai 2013 verkündet.Saskia Jungnikl: Neos rütteln an den Parlamentstoren. In: derstandard.at. 1. Mai 2013, abgerufen am 6. Jänner 2020. Am 19. Juli 2013 gab die Partei bekannt, in allen Bundesländern die nötige Zahl an Unterstützungserklärungen erreicht zu haben, um bundesweit bei der Nationalratswahl antreten zu können.Neos haben ausreichend Unterstützungserklärungen gesammelt. In: derstandard.at. 19. Juli 2013, abgerufen am 25. Juli 2020. Ab dem 5. September warb auch der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner, der zuvor nur als Geldgeber und Unterstützer für die Partei aufgetreten war, aktiv um Stimmen für NEOS, wenngleich er selbst nicht auf den Wahllisten der Partei aufschien.
Bei der Wahl wurde die Partei unter dem Namen „NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum“ mit der Kurzbezeichnung „NEOS“ auf dem Stimmzettel geführt. Sie erreichte bei der Wahl 5 % der Stimmen und insgesamt neun Mandate im Nationalrat. Damit zog die Partei bei ihrer Angelobung am 29. Oktober 2013 als Parlamentsklub mit dem Namen NEOS – Das neue Österreich und Liberales Forum als kleinste Partei in den XXV. österreichischen Nationalrat ein.
Fusion mit dem Liberalen Forum Nach der erfolgreichen ersten Nationalratswahl beschlossen die beiden zuvor eigenständigen Parteien des Wahlbündnisses, miteinander zu fusionieren. Diese Fusion erfolgte am 25. Jänner 2014 im Rahmen eines Parteikonvents, wobei aus den Parteien NEOS – Das Neue Österreich sowie Liberales Forum die neue Partei NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum entstand. Zum Vorsitzenden der neuen Partei wurde der bisherige NEOS-Vorsitzende Matthias Strolz gewählt, seine Stellvertreterinnen wurden die bisherige Chefin des Liberalen Forums, Angelika Mlinar, und die NEOS-Vorsitzende in Wien, Beate Meinl-Reisinger. Im Zuge der Fusion wurde am 30. Jänner 2014 auch der Nationalrats-Klub in Klub von NEOS umbenannt.
Am 22. März erfolgte die Einbindung des dritten Partners aus dem ehemaligen Wahlbündnis bei der Nationalratswahl. Die Jungen Liberalen (JuLis) gliederten sich im Rahmen eines Bundeskongresses in Salzburg unter dem neuen Namen JUNOS – Junge liberale NEOS in die Partei ein und wurden damit deren offizieller Jugendverband. Bundesvorsitzender der Junos wurde der bisherige JuLis-Vorsitzende und NEOS-Nationalratsabgeordnete Nikolaus Scherak, der bereits zuvor Mitglied im NEOS-Vorstand war.
Antreten bei Wahlen im Jahr 2014 Bei den Gemeindewahlen in Salzburg am 9. März 2014 konnte NEOS beim erstmaligen Antreten in vier Gemeinden im Bundesland Salzburg (Stadt Salzburg, Hallein, Obertrum und Abtenau) in jeder dieser Gemeinden mindestens ein Mandat in der jeweiligen Gemeindevertretung erreichen. In der Stadt Salzburg wählten 12,4 % der Wähler NEOS, was fünf Mandate in der Stadtvertretung und einen Stadtratsposten bedeutete – als viertstärkste Kraft mit knappem Vorsprung auf die FPÖ.Daniela Kittner: Wähler in Bewegung: Neos in Salzburg-Stadt verdoppelt. In: kurier.at. 10. März 2014, abgerufen am 16. August 2022.
Anfang 2014 führte die Partei wie schon bei der vorangegangenen Nationalratswahl offene, dreistufige Vorwahlen durch, um ihre Kandidaten für die Europawahl 2014 zu nominieren. Aus diesem Vorwahlprozess ging am 15. Februar 2014 die stellvertretende Parteivorsitzende und zu diesem Zeitpunkt Nationalratsabgeordnete Angelika Mlinar als Spitzenkandidatin hervor.EU-Wahl: Angelika Mlinar ist Neos-Spitzenkandidatin. In: derstandard.at. 15. Februar 2014, abgerufen am 14. September 2022. Bei der Wahl am 25. Mai 2014 erhielt NEOS mit 8,1 % der Stimmen eines der 18 zu vergebenden österreichischen Mandate im EU-Parlament, wo die entsandte Abgeordnete in der Folge der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa angehörte.
2014 kandidierten die NEOS bei der Landtagswahl in Vorarlberg, das als Heimatbundesland von Matthias Strolz mit seiner breiten bürgerlich-liberalen Wählerschicht neben Wien als aussichtsreichstes Bundesland für die Partei galt.Neos wollen bei Vorarlberger Wahl antreten. In: derstandard.at. 17. Dezember 2013, abgerufen am 14. November 2021. Im Vorfeld der Wahl musste jedoch das dreistufige Vorwahlsystem wegen eines bekanntgewordenen Missbrauchs durch ehemalige Parteimitglieder geändert werden, sodass die offene Online-Vorwahl wegfiel und stattdessen die Vorarlberger Mitgliederversammlung zu zwei Dritteln über die Listenplätze entschied. Bei der Landtagswahl am 21. September 2014 blieb NEOS mit einem Stimmenanteil von 6,89 % und zwei Landtagsmandaten hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere gelang es nicht, die Hürde für die Gründung eines eigenen Landtagsklubs (möglich ab drei Mandaten) zu überspringen.Ländle nicht mehr absolut schwarz, dafür grüner und ein bisschen pink. In: Tiroler Tageszeitung Online. 21. September 2014, abgerufen am 11. März 2023.
Wien-Wahl 2015 und weitere Wahlgänge mini|hochkant=1.5|Länder, in denen NEOS im Landtag vertreten ist Die ersten Wahlen im Jahr 2015 waren die am 25. Jänner stattfindenden Gemeinderatswahlen in Niederösterreich, wobei NEOS in 43 Gemeinden kandidierte. Hauptsächlich trat die Partei dabei in den Gemeinden im Wiener Umland, dem sogenannten „Wiener Speckgürtel“ mit mehrheitlich urbaner Bevölkerung an. In Guntramsdorf trat NEOS einer Koalition mit der SPÖ und den Grünen bei und stellt seither mit Elisabeth Manz die erste NEOS-Vizebürgermeisterin in Österreich. In allen Gemeinden zusammen erreichte NEOS 36 Gemeindemandate, das beste Ergebnis erzielten sie dabei in der Gemeinde Pyhra im Bezirk St. Pölten mit 18,08 % der Wählerstimmen.Die Hochburgen der Parteien. In: noe.orf.at. 26. Jänner 2015, abgerufen am 1. Oktober 2021.
Bei den Wirtschaftskammerwahlen 2015 von 23. bis 26. Februar kandidierte erstmals UNOS (Unternehmerisches Österreich), die Wirtschaftskammer-Organisation von NEOS. Österreichweit erreichten die Unos bei der Wirtschaftskammerwahl 2,0 % der Stimmen und 76 Mandate in den Fachgruppenausschüssen.
Bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2015 am 1. März trat NEOS in sieben der 132 Gemeinden anKeine Partei tritt in allen Gemeinden an. In: kaernten.orf.at. 11. Februar 2015, abgerufen am 20. November 2020. und schaffte in fünf Gemeinden den Einzug. Bei den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Vorarlberg 2015 am 15. März kandidierte NEOS in vier der 96 Gemeinden und schaffte in diesen jeweils den Einzug in die Gemeindevertretungen.Jutta Berger: Vorarlberg: FPÖ macht mit alter Umfrage Stimmung. In: derstandard.at. 11. Februar 2015, abgerufen am 18. November 2020. Bei den Gemeinderatswahlen in der Steiermark 2015 am 22. März trat NEOS in 15 Gemeinden an und erreichte in 6 davon mindestens ein Mandat im Gemeinderat. im NEOS-Webauftritt. Abgerufen am 11. Mai 2015.
Einen starken Rückschlag erlitt NEOS bei den zeitgleich am 31. Mai stattfindenden Landtagswahlen in der Steiermark und im Burgenland. Bei beiden Wahlgängen konnte NEOS trotz landesweiter Kandidatur den Einzug in den Landtag nicht erreichen. In der Steiermark erhielt die Partei 2,64 % der Stimmen, im Burgenland 2,33 %. Auch das erhoffte Grundmandat im steirischen Landtagswahlkreis 1, der die Stadt Graz und den Bezirk Graz-Umgebung umfasst, konnte NEOS nicht erreichen.Iris Bonavida: Strolz: „Heute ist sicher kein Turbo gezündet worden“. Interview mit Matthias Strolz. In: diepresse.com. 31. Mai 2015, abgerufen am 9. Juni 2021. Ähnlich ging auch die Landtagswahl in Oberösterreich am 27. September für NEOS aus. Trotz landesweiter Kandidatur erreichte die Partei mit 3,47 % der Stimmen aufgrund des Verfehlens der Vier-Prozent-Hürde den Einzug in den Landtag knapp nicht.Philipp Aichinger: Strolz: „Machtkartell im Sterben, das Neue noch nicht da“. Interview mit Matthias Strolz. In: diepresse.com. 27. September 2015, abgerufen am 2. Juli 2021. Bei den zeitgleich stattfindenden Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich konnte NEOS in 14 von 18 Gemeinden, in denen die Partei zur Wahl angetreten war, zumindest ein Mandat erreichen.