mini|Denkmal für Opfer der franquistischen Repression auf dem Friedhof von Lleida Lleida [] (lokal []; nicht mehr amtliche spanische Bezeichnung Lérida [];. Spanisches Gesetz zur Benennung der Provinzen Girona und Lleida vom 28. Februar 1992 (spanisch). aragonesisch Leida) ist eine Stadt im Westen der Autonomen Region Katalonien mit Einwohnern (Stand: ). Sie ist die Hauptstadt der Provinz Lleida und liegt 160 Kilometer südlich der Pyrenäen am Fluss Segre.

Geschichte Altertum Lleida hieß in der Antike auf Iberisch Iltirta und war schon in vorrömischer Zeit ein bedeutender Ort. Es war die befestigte und durch Handel reiche Hauptstadt der Ilergeten und prägte eigene Silbermünzen mit Inschriften im iberischen Alphabet. Im Zweiten Punischen Krieg stand es auf Seiten der Karthager und widersetzte sich unter Führung der Häuptlinge Indibilis und Mandonius den Römern, bis diese die Ilergeten 205 v. Chr. endgültig unterwarfen.Titus Livius, Ab urbe condita 29, 1 ff.; Appian, Iberika 38. Eine Bronzestatue im akademistischen Stil vor dem im 18. Jahrhundert errichteten Stadttor von Lleida erinnert heute an die Brüder Indibilis und Mandonius.

In römischer Zeit gehörte die Stadt zur Provinz Hispania Tarraconensis und hieß Ilerda. Sie befand sich auf einem hohen Hügel am rechten Ufer des Flusses Sicoris, dem heutigen Segre, der hier eine Brücke hatte. Unmittelbar an der Straße von Tarraco (heute Tarragona) nach Osca (heute Huesca) gelegen, spielte die Stadt im Krieg des Quintus Sertorius eine nicht unbedeutende Rolle.Strabon, Geographika 3, 4, 10, S. 161. Hier belagerte Caesar im ersten Jahr seines Bürgerkriegs gegen Pompeius (49 v. Chr.) dessen beide Legaten Lucius Afranius und Marcus Petreius und zwang sie zur Kapitulation.Caesar, De bello civili 1, 38f.; Appian, Bürgerkriege 2, 42; Livius, Ab urbe condita, Epitome des Buches 110; u. a. Kaiser Augustus erhob Ilerda zum Municipium. Zur Zeit von Ausonius (4. Jh.) hatte die Bedeutung der Stadt abgenommen.

Mittelalter Unter den Westgoten wurde Ilerda Bischofssitz; 546 fand hier ein Konzil statt. 713 wurde es von den Mauren erobert, die es Lareda oder Lerita nannten. Ludwig der Fromme zerstörte die Stadt 800 und verleibte sie der Spanischen Mark ein, doch fiel sie bald wieder an die Mauren. Sie gelangte in Al-Andalus zu hoher Blüte und war eine der bedeutendsten Städte der Taifa von Saragossa. Im Zuge der Reconquista eroberte Graf Raimund Berengar IV. von Barcelona die Stadt 1149 und siedelte Katalanen aus den angrenzenden Pyrenäentälern und der Grafschaft Urgell hier an. Aus dieser Zeit stammt der katalanische Name Lleyda. Im 12. und 13. Jahrhundert war Leyda zeitweise Residenz der Könige von Aragón. Im Zeitraum 1300–1717 besaß die Stadt mit dem Studium generale Ilerdense eine bedeutende Universität; 1991 wurde sie als Universität Lleida wiedererrichtet.

Neuzeit Seine strategische Lage machte Lleyda auch in der Neuzeit wiederholt zum Schauplatz kriegerischer Ereignisse. 1642 von den Franzosen erobert, wurde es schon im folgenden Jahr von Philipp IV. wieder eingenommen. 1646 und erneut 1647 von den Franzosen vergeblich belagert, musste Lérida sich im Spanischen Erbfolgekrieg im November 1707 dem Herzog von Orléans ergeben und ein strenges Strafgericht über sich ergehen lassen, wobei die Bewohner auch aller bis dahin behaupteten Vorrechte (Fueros) verlustig gingen.

1808, beim Aufstand Spaniens gegen Napoleon Bonaparte, war die Junta von Lérida unter den ersten, die Napoleon den Krieg erklärten und die Bevölkerung zum Widerstand gegen die Franzosen aufriefen. Am 23. April 1810 wurden die Spanier unter Enrique José O’Donnell von den Franzosen unter Louis Gabriel Suchet in der Nähe von Lérida geschlagen. Am folgenden 14. Mai, nach kurzer Belagerung, ergab sich die Stadt den Franzosen. Im Oktober 1813 fiel sie durch Verrat an die Spanier zurück.

Spanischer Bürgerkrieg Die Stadt war im Spanischen Bürgerkrieg 1936 Schauplatz brutaler Verfolgungen politisch Andersdenkender, insbesondere von Priestern und Ordensleuten. Ein eilig gegründetes „Komitee für öffentliche Gesundheit“, das zu gleichen Teilen aus Mitgliedern der anarchistischen Gewerkschaft CNT und der marxistischen Partei POUM bestand, organisierte die „Säuberung“ der Stadt von politischen Gegnern. Insgesamt wurden in Lleida innerhalb eines Monats 268 Geistliche systematisch ermordet, was 64,7 % des gesamten Klerus der Stadt entsprach. Auch eine Vielzahl an religiösen Gebäuden, darunter die Kirche von San Lorenç sowie die Neue Kathedrale, wurden durch Brandstiftung beschädigt oder zerstört.

Im Sommer 1937 verbrachte der im Bürgerkrieg verletzte George Orwell einige Tage in einem Lazarett der Stadt. Am 2. November 1937 wurde Lleida vom schweren Luftangriff der italienischen Luftwaffe überrascht. Dabei wurden 210 Zivilisten getötet, darunter viele Schüler. Der größte Teil der Stadt fiel während der Aragonoffensive im April 1938 in die Hände der Franquisten, die das Westufer rechts des Segre besetzten. In den folgenden Monaten bildete der Flusslauf innerhalb der Stadt die Front. Im Zuge der Katalonienoffensive wurde in erbitterten Kämpfen im Januar 1939 auch das linke Ufer von den Nationalisten erobert. Auf einer 1980 nach dem Ende der Franco-Diktatur errichteten Gedenkwand auf dem links des Segre gelegenen Hauptfriedhof von Lleida (Cementiri de Lleida) wird den zwischen 1939 und 1945 ermordeten Opfern der franquistischen Repression gedacht, als es zu zahlreichen weiteren politischen Hinrichtungen in der Region kam. Hunderte von Menschen wurden allein in der Zeit unmittelbar nach der endgültigen Eroberung der Stadt von franquistischen Militärtribunalen in Schnellverfahren abgeurteilt und an den Außenmauern des Friedhofs erschossen.Noms republicans. In: paeria.cat, abgerufen im September 2026. Die auf dem Denkmal verzeichnete Namensliste wurde nach historischen Nachforschungen 2010 auf über 500 namentlich bekannte Opfer erweitert, darunter auch der im Januar 1942 im Gefängnis von Lérida zu Tode gekommene österreichische Spanienkämpfer Martin Tissner (1913–1942).Tissner, Martin. ÖsterreicherInnen für Spaniens Freiheit 1936–1939. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, abgerufen im September 2026.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Wichtige Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft und der Tourismus. Darüber hinaus gibt es Betriebe der Nahrungsmittel-, der Chemie- und der Textilindustrie.

Verkehr Öffentlicher Verkehr Lleida hat einen Busbahnhof und einen Bahnhof der spanischen Staatseisenbahnen Renfe. Diese Station heißt Lleida-Pirineus und ist seit 2004 ein Haltepunkt der AVE-Schnellfahrstrecke Madrid–Barcelona.

Individualverkehr Die Autobahn Autovía A-2 verbindet Lleida direkt mit Barcelona nach Osten und Saragossa und Madrid Richtung Westen. Die Autobahn ist teilweise mautpflichtig. Daneben gibt es gut ausgebaute Landstraßen, die meist parallel zur Autobahn verlaufen.

Flughafen Seit Februar 2010 verfügt Lleida über einen eigenen Flughafen mit Verbindungen nach Mallorca.

Bildung und Erziehung Die Universität Lleida (UdL: Universitat de Lleida) ist eine der ältesten Universitäten in Spanien. Sie wurde um 1300 gegründet und bestand zunächst bis zu ihrer Schließung 1717. Im Jahr 1991 wurde sie wiedererrichtet.

Klimatabelle

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Francesco de Remolins (1462–1518), Geistlicher, Kurienbeamter und Kardinal der römisch-katholischen Kirche während der Renaissance Martina Castells Ballespí (1852–1884), Ärztin Enric Granados i Campiña (1867–1916), Komponist und Pianist Ricardo Viñes (1875–1943), Pianist Adolf Florensa i Ferrer (1889–1968), Architekt Vicente Cantarino (1925–2017), spanisch-amerikanischer Literaturwissenschaftler German Rovira (1931–2022), Theologe, Priester und Schriftsteller Landelino Lavilla (1934–2020), Jurist, Wirtschaftsmanager und Politiker Enric Gensana (1936–2005), Fußballspieler Joaquín Larroya (1937–2021), Kanute Josep Maria Abella Batlle (* 1949), Generaloberer der Claretiner, Bischof von Fukuoka Jordi-Agustí Piqué i Collado (* 1963), Theologe, Komponist, Organist, Musikpädagoge und Benediktiner Jaume Balagueró (* 1968), Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Araceli Segarra (* 1970), Extrembergsteigerin Emilio Alzamora (* 1973), Motorradrennfahrer, Weltmeister 1999 Núria Añó (* 1973), Schriftstellerin Josep Oms Pallisé (* 1973), Schachspieler Sergi Escobar (* 1974), Radrennfahrer Albert Costa (* 1975), Tennisspieler Javier Estrada Fernández (* 1976), Fußballschiedsrichter Eva Ledesma (* 1980), Duathletin und Triathletin Óscar Rubio Fauria (* 1984), Fußballspieler Kílian Jornet Burgada (* 1987), Skibergsteiger, Bergläufer und Duathlet Miquel Roqué Farrero (1988–2012), Fußballspieler Pablo Hasél (* 1988), Rapper, Songwriter und politischer Aktivist Jordi Quintillà (* 1993), Fußballspieler Marc Cardona (* 1995), Fußballspieler Sergej Milinković-Savić (* 1995), Fußballspieler Aleix Porras (* 1999), Leichtathlet Bojan Radulović (* 1999), serbischer Fußballspieler Bernat Erta (* 2001), Sprinter Ai Tsunoda (* 2002), Judoka Berta Segura (* 2003), Sprinterin

Städtepartnerschaften seit 1963

Weblinks

Offizielle Website von Lleida

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Katalonien Kategorie:Provinzhauptstadt in Spanien

Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Spanien