Die Hechtkräuter (Pontederia) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hechtkrautgewächse (Pontederiaceae). Die seit 2018 etwa 26 Arten der Gattung Pontederia s. l. gedeihen als Sumpf- und Wasserpflanzen hauptsächlich in der Neotropis.

Beschreibung von Pontederia s. l. mini|links|Illustration von Pontederia cordata mini|Illustration von Pontederia hastata mini|Illustration aus Addisonia, Tafel 074 von Pontederia azurea mini|Zygomorphe Blüte von Pontederia azurea

Vegetative Merkmale Pontederia-Arten sind meistens ausdauernde, manchmal einjährige krautige Pflanzen. Diese Sumpf- oder Wasserpflanzen wurzeln im schlammigen Boden oder gedeihen freiflutend. Bei den im Boden verankerten Arten sind kurze Rhizome vorhanden. Die Wurzeln sind dünn, faserig oder schwammig. Die submersen Stängel wachsen zur Wasseroberfläche oder die emersen Stängel sind selbständig aufrecht bis niederliegend oder kriechend. Die Stängel sind innen weich bis schwammartig. Die Stängel verzweigen sich an ihrer Basis oder selten in der oberen Hälfte; sie können an ihren basalen Knoten oder an ihrer gesamten Länge Wurzeln ausbilden. Die Internodien können sehr kurz oder lang sein. Bei einigen Arten können Stolonen gebildet werden.

Bei einigen Arten liegt Heterophyllie vor. Die Laubblätter sind haltbar oder kurzlebig. Die untergetauchten, flutenden oder über der Wasseroberfläche stehenden Laubblätter sind in grundständigen Rosetten angeordnet und sitzend oder am Stängel verteilt angeordnet und gestielt. Die Blattstiele können kaum erkennbar oder relativ lang sein. Bei den Unterwasserblättern sind die Blattspreiten linealisch. Die einfachen, häutigen bis ledrigen Blattspreiten der anderen Laubblätter sind herz- bis nierenförmig, elliptisch, lanzettlich, eiförmig oder verkehrt-eiförmig bis kreisförmig sein mit stumpfem bis zugespitztem oberen Ende. Es liegt Paralleladerung vor, wobei die Blattadern je nach Spreitenform mehr oder weniger in Bögen verlaufen.

Blütenstände und Blüten Die zusammengesetzten Gesamtblütenstände sind sehr unterschiedlich aus Teilblütenständen aufgebaut. Es gibt oft einen Hauptblütenstand, bei dem sich auf einem Blütenstandsschaft ein verzweigter thyrsenförmiger Blütenstand mit vielen Blüten befindet. Es sind meist keine Deckblätter vorhanden. Es sind keine oder nur kaum erkennbare bis kurze Blütenstiele vorhanden.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Es gibt zwei Kreise mit je drei Blütenhüllblättern; die Blütenhüllblätter des äußeren und des inneren Kreises sind ungleich. Die Blütenhüllblätter sind selten nur an ihrer Basis, meist bis etwa der Hälfte ihrer Länge glocken-, trichter- oder stieltellerförmig verwachsen und bilden ein Hypanthium. Die Farben der Blütenhüllblätter sind weiß über hellrosa-, rosa-, malvenfarben, von hell- bis bläulich-violett bis purpurfarben. Die freien Bereiche der Blütenhüllblätter sind elliptisch bis länglich oder verkehrt-eiförmig. Die Anordnung der Blütenhüllblätter ist meist drei obere sowie drei untere, selten fünf obere und ein unteres. Das zentrale obere Blütenhüllblatt besitzt meist ein Saftmal, das aus ein bis zwei gelben bis grünen Flecken besteht, die meist von einem dunkel-purpurfarbenen bis bläulich-purpurfarbenen, selten weißen verschwommenen Fleck umgeben sind; nach der Anthese verdreht es sich spiralig oder biegt sich zurück.

Von den sechs Staubblättern besitzen die unteren drei kürzere Staubfäden als die oberen; bei manchen Arten ist der untere Staubfaden am längsten. Die bleistiftförmigen Staubfäden sind J-förmig oder zurück sowie abwärts gekrümmt und kahl bis drüsig flaumig behaart. Die meist dorsifixen, manchmal basifixen Staubbeutel sind länglich bis elliptisch oder pfeilförmig und öffnen sich mit Rissen oder Poren; der unterste Staubbeutel besitzt manchmal eine abweichende Farbe als die anderen. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen; alle drei oder nur ein Fruchtblatt ist fertil und entwickelt sich bis zur Fruchtreife. Es ist nur eine oder mehrere Samenanlagen vorhanden und die Plazentation zentralwinkelständig (axile). Septalnektarien sind meist vorhanden. Die Stellung der Griffel ist bei einigen Arten sehr unterschiedlich: es kommt Pseudo-Homostylie, Tristylie und Enantiostylie (Schiefgriffligkeit) vor. Der Griffel ist J-förmig und kahl oder drüsig flaumig behaart. Die Narben sind kopfig bis dreilappig, selten dreiteilig.

Früchte und Samen Bei den Arten der Gattung Pontederia s. l. sind die Früchte sehr unterschiedlich: Es können Kapselfrüchte sein, die sich = lokulizid fachspaltig oder unregelmäßig öffnen. Selten sind es hell- bis mittelbraune, ellipsoide bis verkehrt-längliche oder fast kugelige bis eiförmige, selten birnenförmige Achänen, die durch die haltbare Basis des Griffels bespitzt sind. Das Anthokarp ist dünn oder verhärtet, glatt oder gerippt; diese Rippen können ornamentiert sein.

Die Samen sind mehr oder weniger breit verkehrt-länglich oder ellipsoid bis fast kugelig oder eiförmig bis gekrümmt schmal-eiförmig. Die Samenschale (Testa) ist braun bis hell-braun und zwischen den Flügeln meist querverlaufend gestreift. Am Samen sind oft längsverlaufende auffällige bis unauffällige Flügel vorhanden. Die häutigen Flügel sind selten glatt, sondern meist querverlaufend gestreift. Es ist ein Funiculus vorhanden, das Hilum ist punktiert und die Embryotega ist dorsal, nicht bespitzt sowie dunkler als der Rest des Samens.

Ökologie Die Arten der Gattung Pontederia s. l. gedeihen als Sumpf- und Wasserpflanzen; sind also Helophyten oder Hydrophyten. Typisch für die Pontederia-Arten sind die sandbindenden Wurzeln, die in den verwandten Familien nicht vorkommen.

mini|Laubblätter und Blütenstand des Rundblättrigen Hechtkraut (Pontederia rotundifolia) mini|Habitus und Blütenstand von Pontederia sagittata mini|Blütenstand von Pontederia sagittata

Systematik und Verbreitung Die Gattung Pontederia wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 1, S. 288 aufgestellt. Der Gattungsname Pontederia ehrt den italienischen Botaniker Giulio Pontedera (1688–1757). Als Lectotypusart wurde 1913 durch Nathaniel Lord Britton und Addison Brown in An illustrated flora of the northern United States, …, 2. Auflage, Band 1, S. 462 Pontederia cordata festgelegt. Bis 2018 sind Synonyme für Pontederia s. str.: Michelia nom. illeg., Narukila , Umsema , Unisema , Pontederas , Reussia nom. cons., Kadakia , Hirschtia .

Die Gattung Pontederia gehört zur Familie der Pontederiaceae.

Die vorletzte Revision der Gattung Pontederia s. str. erfolgte 1973 durch Richard Max Lowden in A revision of the genus Pontederia L. in Rhodora, Volume 75, S. 426–487. Pellegrini et al. gliederten 2018 entsprechend phylogenetischer Daten die Pontederiaceae neu; dabei wurde der Umfang der Gattung Pontederia deutlich erweitert.

Seit 2018 sind Synonyme für Pontederia s. l.: Cabanisia , Calcarunia , Carigola , Eichhornia nom. cons., Gomphima ., Hirschtia , Kadakia , Leptosomus , Limnostachys , Michelia nom. illeg., Monochoria , Narukila , Piaropus nom. rej., Pontederas , Reussia nom. cons., Umsema , Unisema Es gab bis 2018 etwa sechs Arten in der Gattung Pontederia s. str., seit 2018 gibt es etwa 27 Arten in der Gattung Pontederia s. l.:

Pellegrini et al. gliederten 2018 Pontederia s. l. in fünf Untergattungen: Untergattung Pontederia subg. Cabanisia : Sie hat seit 2018 den Rang einer Untergattung. Die etwa drei Arten sind von Mexiko über Zentral- bis Südamerika verbreitet: Pontederia meyeri (Syn.: Eichhornia meyeri ): Es kam zu Verwechslungen mit Pontederia paniculata und 2018 wurde diese Art mit der Neukombination reaktiviert. Sie kommt in Argentinien, Paraguay und in den brasilianischen Bundesstaaten Ceará, Mato Grosso sowie Mato Grosso do Sul vor. Pontederia paniculata (Syn.: Eichhornia paniculata , Piaropus paniculatus , Cabanisia caracasana ): Sie besitzt ein disjunktes Areal in Mexiko, Nicaragua, Kuba, Jamaika, Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Guyana und in den nordöstlichen brasilianischen Bundesstaaten Alagoas, Bahia, Ceará, Paraíba, Pernambuco, Rio Grande do Norte sowie Sergipe. Pontederia paradoxa (Syn.: Eichhornia paradoxa , Eichhornia schultesiana ): Sie besitzt ein disjunktes Areal in Guatemala, Costa Rica, Venezuela und in den nördlichen bis nordöstlichen brasilianischen Bundesstaaten Pará, Bahia, Ceará sowie Rio Grande do Norte.

Untergattung Pontederia subg. Monochoria : Sie hat seit 2018 den Rang einer Untergattung und enthält etwa zehn Arten: Pontederia africana (Syn.: Monochoria africana , Monochoria vaginalis var. africana ): Sie ist vom Sudan bis Südafrika weitverbreitet. Pontederia australasica (Synn.: Monochoria australasica ): Sie kommt nur im nördlichen Australien vor. Pontederia brevipetiolata (Syn.: Monochoria brevipetiolata ): Sie ist im tropischen Westafrika bis Zentralafrika verbreitet. Pontederia cyanea (Syn.: Monochoria cyanea ): Sie kommt in den australischen Bundesstaaten New South Wales, Queensland, Western Australia sowie Northern Territory vor. Pontederia elata (Syn.: Monochoria hastata var. elata , Monochoria elata ): Sie hat seit 2018 den Rang einer Art.: Sie kommt im südlichen China, Myanmar, Thailand und Malaysia vor. Pontederia hastata (Syn.: Monochoria hastata , Syn.: Monochoria hastifolia ): Sie ist weitverbreitet von Sri Lanka, Indien, Bhutan, Nepal, Myanmar, Kambodscha, China, Vietnam, Indonesien bis Malaysia und im nördlichen Australien. Pontederia korsakowii (Syn.: Monochoria korsakowii , Monochoria vaginalis var. korsakowii ): Sie ist von Sri Lanka, Indien, Pakistan, China, Russland, Vietnam, Korea, Japan, Malaysia bis Indonesien weitverbreitet. Pontederia plantaginea (Syn.: Boottia mairei , Monochoria junghuhniana , Monochoria linearis , Monochoria ovata , Monochoria plantaginea , Monochoria vaginalis var. angustifolia , Monochoria vaginalis var. plantaginea , Pontederia alba , Pontederia cernua nom. nud., Pontederia lanceolata , Pontederia linearis , Pontederia ovata nom. illeg. non Pontederia ovata Pontederia racemosa nom. nud.): Sie ist von Sri Lanka, Indien, Bangladesch, Nepal, Myanmar, Thailand, Kambodscha, Vietnam, China bis Indonesien und Australien weitverbreitet. Pontederia vaginalis (Syn.: Gomphima vaginalis , Monochoria hastifolia nom. illeg., Monochoria vaginalis ): Sie ist vom tropischen und subtropischen Asien, Malesien bis ins nördliche Australien und Ozeanien weitverbreitet. Pontederia valida (Syn.: Monochoria valida ): Sie kommt im südlichen China und in Thailand vor.

Untergattung Pontederia subg. Eichhornia (Syn.: Eichhornia , Leptosomus ): Sie hat seit 2018 den Rang einer Untergattung. Von den vier Arten gedeihen drei in der Neotropis und eine kommt im kontinentalen Afrika sowie in Madagaskar vor.: Pontederia azurea (Syn.: Eichhornia azurea , Piaropus azureus ): Sie ist von Mexiko über Zentralamerika bis Uruguay verbreitet. Pontederia diversifolia (Syn.: Eichhornia diversifolia , Heteranthera diversifolia ): Sie ist von Zentralamerika und auf Karibischen Inseln bis Südamerika weitverbreitet. Pontederia heterosperma (Syn.: Eichhornia heterosperma ): Sie ist von Zentralamerika und Kuba bis Südamerika weitverbreitet. Pontederia natans (Syn.: Eichhornia natans , Leptosomus natans ): Sie ist in Afrika und Madagaskar weitverbreitet.

Untergattung Pontederia subg. Oshunae : Sie wurde 2018 aufgestellt und enthält nur eine Art: Dickstielige Wasserhyazinthe (Pontederia crassipes , Syn.: Eichhornia crassipes , Piaropus mesomelas nom. illeg.): Sie ist in Südamerika weitverbreitet und vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Untergattung Pontederia subg. Pontederia: Im Rang einer Untergattung enthält sie etwa sieben Arten, die alle aus der Neuen Welt stammen: Herzblättriges Hechtkraut (Pontederia cordata , Syn.: Pontederia lancifolia , Pontederia cordata var. lancifolia ): Das Verbreitungsgebiet reicht vom östlichen Kanada bis Venezuela, Kuba, Brasilien und Argentinien.