Das 1411 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Ersfeld ist mit 73 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025)Gemeindestatistik, Stand 31. Dezember 2025. In: Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, Nr. 4, Jahrgang 7. eine der kleinsten Ortsgemeinden des Landkreises Altenkirchen (Westerwald) im nördlichsten Teil von Rheinland-Pfalz. Es gehört der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld an und liegt in unmittelbarer Nähe der Historischen Raiffeisenstraße am nördlichen Rand des Naturparks Rhein-Westerwald.
Ersfeld hat eine Fläche von etwa 1,4 Quadratkilometern und die Siedlungsform eines Reihendorfes. Einige alte Fachwerkbauten, der Peschbach, der mitten durch den Ort fließt, alte Eichen- und Buchenbestände, Wiesen und Waldgebiete und die etwas abseitige Lage neben einer kleinen Kreisstraße prägen den heutigen ländlichen Charakter der Gemarkung.
In früheren Zeiten war Ersfeld abgelegen und besaß nur unzureichende Anbindung an größere Ansiedlungen. Wie in vielen anderen Westerwalddörfern fristeten die Bewohner mit harter Waldarbeit, Vieh- und Landwirtschaft ein karges und entbehrungsreiches Dasein. Darüber hinaus wurde der Ort über die Jahrhunderte in vielen Kriegen immer wieder von durchziehenden und Quartier nehmenden Soldaten geplündert und beraubt, dies von Freund und Feind gleichermaßen.
Trotzdem hat Ersfeld den Versuchen von Eingemeindungen und Gemeindezusammenschlüssen widerstanden und sich eine relative Unabhängigkeit bewahrt. Die Finanzquellen des Gemeindehaushalts bestehen aus Gemeindesteuereinnahmen und der Jagdpacht. Die meisten Ersfelder lebten teils bis in die 1980er Jahre noch im Wesentlichen von landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben. Mittlerweile ist der Ort bis auf einige Gewerbetreibende eine reine Wohngemeinde. Der Großteil der Berufstätigen arbeitet in den umliegenden größeren Ortschaften, einige Pendler fahren auch bis in die Ballungszentren des Rhein-Main- oder Rhein-Ruhr-Gebiets.
Etymologie Der Ortsname Ersfeld ist in Deutschland einmalig und lautet im lokalen Dialekt Erscheld. Darüber hinaus kommt Ersfeld öfter als Flur- und Familienname vor. Die Herkunft der Ortsbezeichnung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Über die Jahre hinweg sind verschiedene, lediglich mündlich überlieferte Versuche unternommen worden, die Namensherkunft zu deuten. Eine Möglichkeit wird dabei in der Ableitung von der Qualität der landwirtschaftlichen Böden und Flächen mit der Bedeutung „erstes Feld“ gesehen. Eine andere Interpretation des Namens favorisiert die Bezeichnung Erzfeld. Obgleich im Ort keine nennenswerten Erzvorkommen zu verzeichnen waren, nimmt diese Auslegung Bezug auf einen Stollen am Rande des Ortes, für dessen einstige Funktion und Verwendung man bisher keine rechte Erklärung finden konnte. Der Stollen wurde jedoch unter anderem zur Lagerung von Lehm genutztDieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011, S. 48., was die Herkunft des Ortsnamens von Erzfeld nicht stützt.
Andere Betrachtungen sehen eher einen Zusammenhang mit einer topografischen Erklärung.Dieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011, S. 5 ff. Danach beziehen sich die aus dem Altdeutschen stammenden Vorsilben Ers beziehungsweise Ars auf die Lage oder die Form des Bodens, sodass Ersfeld als ein am Ende oder „hinten“ gelegener Teil eines Geländeabschnitts verstanden werden könnte.Heinrich Dittmaier: Rheinische Flurnamen, 1963 S. 17. Ers und Ars bedeuten im althochdeutschen Sprachgebrauch nichts anderes als „Arsch“Althochdeutsches Wörterbuch. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Wörterbuchportal.R. Schützeichel: Altdeutsches Wörterbuch. 1981. M. Lexer: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. und finden sich in vielen Orts- und Flurbezeichnungen.
Geographie Geographische Lage mini|290px|Der Kirchsweg zwischen Ersfeld und Mehren. Blick von Südwesten über Ersfeld Ersfeld liegt im Niederwesterwald (auch: Unterwesterwald oder Vorderwesterwald), am nordöstlichen Rand der Asbacher HochflächeAsbacher Hochfläche beim Landschaftsinformationssystem Rheinland-Pfalz. vor dem Übergang zur Altenkirchener HochflächeAltenkirchener Hochfläche beim Landschaftsinformationssystem Rheinland-Pfalz., zwölf Kilometer westlich von Altenkirchen und einen Kilometer nördlich von Mehren. Es ist etwas abseits der Kreisstraße 24 am Ende eines kleinen, etwa 800 Meter breiten und 1,5 Kilometer langen Tals gelegen, das sich nach Nordwesten hin bis in den nächsten Ort Rettersen fortsetzt. Weitere Nachbarorte sind Fiersbach im Westen, Forstmehren im Nordosten und Kraam im Osten. Die mittlere Höhenlage beträgt 250 Meter über Normalnull. Die Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen im Norden ist etwa 4 Kilometer entfernt.
Geologie Geologisch betrachtet gehört Ersfeld als Teil des vorderen Westerwalds zum Rheinischen Schiefergebirge, einem stark erodierten Rest des großen variszischen Gebirgssystems des Erdmittelalters. Das devonische Grundgebirge wird von vulkanischen Massen aus dem Tertiär überlagert, insbesondere von Basalten und Tuffen.
Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) ordnet Ersfeld der Erdbebenzone (EZON) „0“ und der geologischen Untergrundklasse (GUK) „R“ (felsartiger Gesteinsuntergrund) zu.Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt) – Einteilung der Erdbebenzonen. Jedoch findet sich in vielen Teilen der Gemarkung auch stark lehmhaltiger Boden. Bedingt durch unterirdische Wasserströme, die vom Waldrand oberhalb Ersfelds ins Tal fließen und die Oberfläche unterspülen, entstehen auf den Feldern und Weideflächen immer wieder mehr oder weniger große und tiefe Erdlöcher. Diese stellen unter anderem eine Gefahr für die Landmaschinen und Traktoren dar und werden deshalb mit Bauschutt und anderem Material wieder zugeschüttet.
Klima und Vegetation Der Westerwald gilt klimatisch gesehen allgemein als raue Gegend mit vergleichsweise geringerer Sonnenscheindauer und verhältnismäßig viel Niederschlag.Deutscher Wetterdienst (DWD) – Archiv. Jedoch ist das Klima in Ersfeld im Vergleich zu dem höher gelegenen Oberwesterwald und Hohen Westerwald in der Regel gemäßigter. Ersfeld verfügt über keine eigene Station zur Ermittlung von Wetterdaten. Messungen der nächstgelegenen Station in Hilgenroth ergeben eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,5 °C mit durchschnittlichen Höchstwerten von 16,7 °C im Juli und Tiefstwerten von 0,3 °C im Januar. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge liegt bei 996,3 Millimetern. Dabei ist der April mit durchschnittlich 70,4 Millimetern der trockenste Monat, während der Dezember mit 105,4 Millimetern die größten Niederschlagsmengen aufweist.Deutscher Wetterdienst (DWD) – Durchschnittliche Mittelwerte.
Das hügelige Orts- und Landschaftsbild von Ersfeld ist geprägt von Wiesen, landwirtschaftlichen Nutzflächen und Mischwald. Am häufigsten sind Fichten, seltener Tannen, Buchen, Hainbuchen, Eichen, Ahorne, Linden, Erlen und Eschen zu finden, vereinzelt Kastanien und Pappeln. Als Strauch- und Gebüschformen sind Weißdorne, Haselnuss, Holunder, Hagebutte und Birkengewächse am weitesten verbreitet.
Geschichte Zwar feierte der Ort am 1. Mai 2011 sein offizielles 600-jähriges Bestehen,Dieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011.Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Altenkirchen, 12. Mai 2011, Nr. 19, Jahrgang 24. vermutlich ist Ersfeld jedoch bereits zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstanden.Dieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011, S. 5.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden 1958, S. 12 ff. Man nimmt an, dass der Raum um Mehren, zu dem auch Ersfeld gehört, bereits zu fränkischer Zeit besiedelt war und während der karolingischen Gauverwaltung eine Großgrundherrschaft gebildet hat.
Vom Erzbistum Köln zur Grafschaft Sayn, Reformation Die als Arsfeld bislang älteste schriftliche Erwähnung im Revers einer Lehensurkunde vom 1. August 1411 belegt den unumkehrbaren Übergang Ersfelds und anderer Orte vom Erzbistum Köln an die Grafschaft Sayn. Mit der Urkunde von 1411 verpfändete Friedrich III. von Saarwerden, der damalige Erzbischof von Köln, dem Grafen Gerhard I. von Sayn für 700 Rheinische Gulden Land und Leute der Region.Dieter Sommerfeld: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 2010. S. 101. Landesherrlich gehörte Ersfeld bis 1652 zur Grafschaft Sayn, danach zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Weitere schriftliche beziehungsweise urkundliche Erwähnung fand der Ort in den Jahren 1579, 1580, 1589, 1596 und 1610.Dieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011, S. 10 ff.Aus dem Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 30, Nr. 5253 II – Steuerlisten Ersfeld 1579 bis 1582.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1999, ISBN 3-922244-80-7, S. 457. Vor dem Dreißigjährigen Krieg sollen 16 Feuerstellen, sogenannte Räuche, bestanden haben, was mit Wohnhäusern gleichzusetzen ist. So ist auch aus damaligen Steuerlisten zu entnehmen, dass in Ersfeld im Jahr 1580 sechzehn steuerpflichtige Familien wohnten.Dieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011, S. 13.Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 30, Nr. 5253 II.
1561 wurde in der Grafschaft Sayn die Reformation eingeführtDaniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 2015. S. 74–80. Gerhard Müller: Theologische Realenzyklopädie, Band 28, 1997, Seite 163, ISBN 3-11-002218-4., und die Einwohner Ersfelds wechselten zum evangelischen Bekenntnis über.Zur konfessionellen Entwicklung siehe Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 2015. S. 74–80. Ersfeld besaß nie eine eigene Kirche und war Teil der Pfarrei Mehren. Damit gehörte es bis 1802 zum Kirchspielgericht Mehren im saynischen Amt Altenkirchen. Die Pfarrei Mehren war bis zur Reformation dem Landkapitel Auelgau des Archidiakonates Bonn im Erzbistum Köln zugeordnet.
Dreißigjähriger Krieg, Auflösung der Landesherrschaft, Preußen Es sind keine detaillierteren Aufzeichnungen über die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges in der Region bekannt. Man weiß allerdings aus alten Quartierlisten um die großen Belastungen, denen das Kirchspiel Mehren und seine Ortschaften ausgesetzt waren.Dieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011, S. 20. Zur Deckung der Einquartierungskosten der Soldaten mussten Summen aufgebracht werden, die ohne die Aufnahme von Krediten und Steuererhöhungen nicht zu bewältigen waren. Für Ersfeld bedeutete dies im Jahr 1625 anlässlich des achttägigen Besuchs eines Rittmeisters König mit seiner Kompanie die Unterbringung von 64 Pferden, 67 Personen (mehr als die eigene Einwohnerzahl) und den Verlust von 84 Reichsthalern, die die Einquartierten bei ihren Gastgebern geraubt hatten. Auch 400 Liter Wein musste das Dorf aufbringen. Insgesamt plünderten und verwüsteten den Ort sowohl befreundete als auch feindliche durchziehende Truppen gleichermaßen, raubten Geld und Lebensmittel und machten auch vor Mord und Brandschatzung nicht Halt.
Aus dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) wird berichtet, dass französische Offiziere in den Ortschaften des Kirchspiels Mehren wie gemeine Soldaten „ohne Unterscheidt von allen vier Colonnen Vieh geraubt, Jagd, Feldfrucht und Fischerei ruiniert“ hätten. Bei ihrem Abzug mussten ihnen die Bauern 13 Pferde und 31 Paar Ochsen als zusätzliche Zugtiere überlassen..