rahmenlos|zentriert|40px  MBTA Commuter Rail rahmenlos|zentriert|280px Von den Commuter Rail-Linien bedientes Gebiet Kurzzeichen MBTA, MBTX Einzugsgebiet Östliches Massachusetts und Rhode Island Betriebsaufnahme 1973 Spurweite 1435 mm (Normalspur) Länge des Schienennetzes Firmensitz Boston Website www.mbta.com rahmenlos|zentriert|280px Das System der MBTA Commuter Rail umfasst mehrere Eisenbahnlinien im Schienenpersonennahverkehr der Massachusetts Bay Transportation Authority (MBTA) in den Bundesstaaten Massachusetts und Rhode Island der Vereinigten Staaten. Insbesondere wird die Metropolregion Greater Boston abgedeckt. Der Betrieb erfolgt seit dem 1. Juli 2014 durch Keolis Commuter Services.

Die Züge der MBTA Commuter Rail weisen nach der Long Island Rail Road (New York City), METRA (Chicago), Metro-North Railroad (New York City) und New Jersey Transit (New Jersey) – gemessen an den werktäglichen Fahrgastzahlen – mit 133.900 Fahrgästen pro Tag die fünfthöchste Auslastung in den Vereinigten Staaten auf. Die Linien verlaufen von Boston ausgehend südlich bis nach North Kingstown, nördlich bis nach Newburyport und westlich bis nach Worcester. In Boston bilden die Bahnhöfe Boston North Station und Boston South Station die Endstationen der Linien und bieten Anschluss an Züge der Amtrak sowie an örtliche Bus- und U-Bahn-Linien.

Linienbetrieb mini|Liniennetzplan der MBTA Commuter Rail (2025) Die folgenden Linien enden an der Boston South Station: Greenbush Line Old Colony Lines, bestehend aus Kingston/Plymouth Line Fall River/New Bedford Line Fairmount Line Providence/Stoughton Line Franklin/Foxboro Line Needham Line Framingham/Worcester Line

Die folgenden Linien enden an der Boston North Station: Fitchburg Line Lowell Line Haverhill Line Newburyport/Rockport Line

Geschichte Konsolidierung unter der Kontrolle der MBTA Boston & Maine Railroad Die Beteiligung des Commonwealth of Massachusetts am Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs geht auf das Jahr 1967 zurück, als die Boston & Maine Railroad (B&M) bei der Interstate Commerce Commission beantragte, den gesamten Personenverkehr einzustellen. Daraufhin wurden alle Verbindungen nördlich der Staatsgrenze eingestellt, jedoch musste der Großteil des Personenverkehrs in Massachusetts aufgrund eines bilateralen Vertrags zwischen dem Bundesstaat und der Bahngesellschaft aufrechterhalten werden. Vor diesem Hintergrund begannen der Commonwealth und die MBTA mit dem Ankauf von Bahnstrecken und -linien der B&M, darunter die Lowell Line zwischen Somerville und Wilmington. 1970 beantragte die B&M schließlich Insolvenz und wurde unter Insolvenzverwaltung weiter betrieben.

Am 27. Dezember 1976 wurden die verbliebenen Anlagen und Wirtschaftsgüter des B&M-Personenverkehrs nahezu vollständig an die MBTA verkauft. Dazu zählten alle in Massachusetts gelegenen B&M-Bahnstrecken, die noch Personenverkehr aufwiesen, sowie eine Reihe von nur im Güterverkehr oder gar nicht genutzten Zweigstrecken. Die B&M behielt Streckennutzungsrechte für den Güterverkehr.

Im Auftrag der MBTA behielt die B&M weiterhin die Betriebsführung des Personenverkehrs mit eigenem Personal auf den an die MBTA verkauften Strecken.

New Haven Railroad Die New York, New Haven and Hartford Railroad (NYNH&H), die lange Zeit den Großteil der an der Boston South Station haltenden Vorortzüge betrieben hatte, musste 1961 endgültig Insolvenz anmelden. Bereits zwei Jahre zuvor hatte sie den Personenverkehr der Old Colony-Linien im südöstlichen Teil des Bundesstaats eingestellt. Die Reste der NYNH&H wurden 1968 mit der Penn Central Transportation verschmolzen, die allerdings 1970 selbst Insolvenz anmelden musste. 1973 kaufte die MBTA den Großteil ihrer Linien, darunter die Providence/Stoughton Line, Franklin Line, Needham Line, Framingham/Worcester Line und Plymouth/Kingston Line. Die Penn Central ging 1976 in der Conrail auf, die den operativen Betrieb der südlichen Linien übernahm, wobei die MBTA Eigentümerin der materiellen Ausstattungen war. Die MBTA kaufte darüber hinaus die Fairmount Line, um dort wieder Personenverkehr durchzuführen und die damaligen Bauarbeiten am Southwest Corridor zu umfahren.

New York Central Die Framingham/Worcester Line war ursprünglich Teil der Boston & Albany Railroad (B&A), die zunächst in die New York Central Railroad integriert wurde, die schließlich wiederum 1968 zeitgleich mit der NYNH&H in die Penn Central integriert wurde. Im Zuge der Erweiterung des Massachusetts Turnpike nach Boston in den 1960er Jahren wurde das Wegerecht der Linie auf dem Abschnitt zwischen der Massachusetts Route 128 und der Stadt Boston an die Massachusetts Turnpike Authority mit der Maßgabe verkauft, dass die New York Central die Kontrolle über die Bahnstrecke behielt. Conrail erbte die Linie als Rechtsnachfolgerin der Penn Central. 1976 wurde das Teilstück zwischen Riverside und Framingham an die MBTA verkauft.

Im September 2009 schloss die CSX Transportation als Nachfolgerin der Conrail mit dem Bundesstaat einen Vertrag über insgesamt 100 Millionen US-Dollar für den Verkauf der Gleise zwischen Framingham und Worcester sowie der gesamten Grand Junction Railroad inklusive aller Linien an den Staat. Ziel ist die Umsetzung des South-Coast-Rail-Projekts, um die Dienstleistungsqualität auf der Framingham/Worcester Line u. a. auch durch kürzere Taktzeiten zu verbessern. Nach lange andauernden Bauarbeiten und Verhandlungen wurde das Eigentum der Linie am 4. Oktober 2012 auf den Staat Massachusetts übertragen.

Kooperation mit Subunternehmern Mit dem Northeast Rail Service Act of 1981 wurde die Conrail dazu gezwungen, den operativen Betrieb ihrer Personenbeförderung an örtliche Verkehrsbehörden abzugeben. Die südlichen Linien gingen auf die Boston & Maine über, so dass zum ersten Mal in der Geschichte der gesamte Nahverkehr im Bostoner Umfeld von nur einer einzigen Gesellschaft abgedeckt wurde. Auch nach ihrer Insolvenz führte die B&M ihren Betrieb mit staatlicher Unterstützung in der Hoffnung fort, durch Umstrukturierungsmaßnahmen wieder profitabel arbeiten zu können. 1983 kaufte schließlich die neu gegründete Guilford Transportation Industries (GTI) die verbliebenen Vermögenswerte der B&M, ließ die Verträge mit dem Bundesstaat aber 1987 auslaufen, nachdem ein zweimonatiger Streik im Jahr 1986 einen Großteil der nördlichen Linien außer Betrieb gesetzt hatte.

Von 1987 bis 2003 betrieb die Amtrak den gesamten Nahverkehr um Boston. Die Beziehungen der Amtrak zur MBTA waren nie besonders gut, und sie gab kein neues Gebot ab, als die Verträge im Jahr 2003 ausliefen. Die beiden einzigen Gebote kamen von der Guilford Rail System und von der neu gegründeten Massachusetts Bay Commuter Railroad Company (MBCR), von denen die letztgenannte den Zuschlag erhielt und im Juli 2003 den operativen Betrieb von der Amtrak übernahm. Der Vertrag mit der MBCR lief im Juli 2008 aus, jedoch wurde eine bestehende Verlängerungsoption um 5 Jahre in zwei Phasen gezogen, so dass der Vertrag zunächst bis Juli 2011 und dann erneut bis Juli 2013 verlängert wurde. Mit der letzten Verlängerung wurde die Strafgebühr für Zugverspätungen von 100 auf 300 US-Dollar verdreifacht.

Der Betrieb erfolgte vom 1. Juli 2003 bis zum 30. Juni 2014 durch den Vertragspartner Massachusetts Bay Commuter Railroad Company (MBCR), einem Zusammenschluss der Unternehmen Veolia Transportation, Bombardier Transportation und Alternate Concepts. Das Konsortium erhielt in der Vergangenheit Verträge mit zwei bis fünf Jahren Laufzeit. Weitere Partner der MBTA sind die Bombardier Transportation als Hersteller der Schienenfahrzeuge und Waggons sowie Alternate Concepts als Betreiberin einiger Buslinien als Mehrheitseigentümerin der Paul Revere Transportation im Auftrag der MBTA.

Seit 1. Juli 2014 fährt Keolis Commuter Services die Leistungen. Der Verkehrsvertrag, der ursprünglich für acht Jahre abgeschlossen wurde und somit 2022 ausgelaufen wäre, wurde im Jahr 2020 bis 2026 und im Jahr 2024 bis 2027 verlängert. Die MBTA zahlte jährlich 400 Millionen US-Dollar an Keolis mit einer Preisanpassung von 2,5 % pro Jahr bis auf 407 Millionen Dollar im Jahr 2027, dazu gibt es Zahlungen von 5 Millionen Dollar für jedes der Jahre 2024 bis 2027. Es handelt sich um einen Bruttovertrag, bei dem das Erlösrisiko beim Besteller liegt und er den Dienstleister für definierte Leistungen bezahlt.

Änderungen seit der Übernahme durch die MBTA Verbesserungen Seit dem verantwortlichen Betrieb des Nahverkehrssystems durch die MBTA gab es viele positive Entwicklungen, welche die vorherige Unterstützung des Bundesstaates fortführten. Wesentliche Punkte beider Akteure sind im Folgenden aufgeführt.

Der Staat Massachusetts war einer der ersten, der das Park-and-ride-Konzept unterstützte und entsprechende Gelder für den Bau der Route 128 Station an der Providence Line bereitstellte. Die Station wurde an einer Stelle errichtet, an der die radial verlaufende Bahnlinie die Massachusetts Route 128 quert. Sie wurde 1953 vom Präsidenten der New Haven Railroad Frederic C. Dumaine, Jr. eingeweiht und war nach ihrer Fertigstellung nicht viel mehr als ein großer Parkplatz neben den Gleisen. Während der Bauarbeiten am Southwest Corridor in den 1980er Jahren wurden die Züge der Amtrak zwischen Boston und New York über die Gleise der Fairmount Line umgeleitet. Als Teil dieser Maßnahme erlaubte die MBTA, dass entlang dieser Linie Centralized traffic control (CTC) installiert wurde, was deren Signalkapazität stark vergrößerte. Auch nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 1987 wurde der Betrieb der Fairmount Line aufgrund des hohen Zuspruchs der Einwohner aus Dorchester und Roxbury aufrechterhalten. Es gibt Pläne für den Bau weiterer Zwischenstationen entlang der Strecke, von denen die erste (Talbot Ave) bereits am 12. November 2012 eröffnet werden konnte. Die östliche Strecke der B&M führte ursprünglich über die Brücke am Merrimack River und nördlich bis nach Portsmouth in New Hampshire entlang der ehemaligen Eastern Railroad. Nach 1967 wurde der Fahrplan für die Strecke zwischen den Stationen Ipswich und Newburyport auf nur eine Fahrt pro Tag verkürzt und im April 1976 schließlich ganz eingestellt. Gütertransporte über die Schiene erreichten Newbury bis 1984, jedoch wurde die Linie 1994 vollständig außer Betrieb genommen. Bereits am 26. Oktober 1998 wurde der Betrieb der Linie mit einem Zwischenhalt an der Station Rowley wieder aufgenommen. Im Rahmen des Northeast Corridor Improvement Program II (NECIP II) wurde in den 1990er Jahren die Providence/Stoughton Line elektrifiziert, wozu staatliche Finanzmittel der Amtrak für das Projekt Acela Express verwendet wurden. Die MBTA betreibt auf dieser Linie allerdings keine elektrisch betriebenen Züge, da diese Schienenfahrzeuge auf anderen Linien nicht fahren könnten und damit nicht austauschbar wären. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt reichte eine Linie der MBTA lediglich bis Framingham, einem etwa von Boston entfernten, an der Route 128 gelegenen Vorort. In den 1990er Jahren wurde diese Linie dann bis Worcester erweitert und damit die heutige Framingham/Worcester Line geschaffen. Ebenfalls in den 1990er Jahren investierte die MBTA in großem Umfang in das Nahverkehrssystem, indem sie den seit 1959 nicht in Betrieb befindlichen Zweig Old Colony der New Haven Railroad wieder für den Einsatz vorbereitete. Die beiden alten Linien der Old Colony Line wurden 1997 und die Greenbush Line 2007 wieder in Betrieb genommen.