Die Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel (abgekürzt JVA Brandenburg a. d. Havel), ehemals Strafanstalt Brandenburg-Görden (allgemein als Zuchthaus Brandenburg-Görden bekannt), ist eine Justizvollzugsanstalt des Landes Brandenburg in Brandenburg an der Havel, im Stadtteil Görden. In ihr sind männliche erwachsene Straftäter mit bis zu lebenslangen Freiheitsstrafen und Untersuchungshäftlinge untergebracht. Sie wurde von 1927 bis 1935 als eine der damals modernsten Haftanstalten Europas für etwa 1800 Häftlinge als Nachfolger des Alten Zuchthauses Brandenburg an der Havel errichtet.

Aktuelle Situation mini|Eingangsgebäude mit Zufahrt (2022)

Die JVA Brandenburg ist ausschließlich mit männlichen Strafgefangenen belegt und gliedert sich heute in drei Vollzugsabteilungen, eine sozialtherapeutische Abteilung und eine Krankenabteilung.

Derzeit verfügt die Justizvollzugsanstalt (JVA) über eine Belegungsfähigkeit von 88 Haftplätzen für erwachsene Untersuchungsgefangene, 330 Haftplätzen für erwachsene Strafgefangene, 80 Haftplätzen in der sozialtherapeutischen Abteilung (SOTHA), 100 Haftplätzen für erwachsene Strafgefangene im offenen Vollzug und 36 Schlafplätzen in der Transportabteilung. Hinzu kommen 32 Belegungsplätze im Haftkrankenhaus, welches das einzige seiner Art im Land Brandenburg ist. Außerdem betreibt das Haftkrankenhaus eine externe Station im Städtischen Klinikum der Stadt Brandenburg an der Havel.

In der JVA Brandenburg an der Havel werden Freiheitsstrafen bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe sowie Untersuchungshaft für den Gerichtsbezirk des Landgerichts Potsdam vollstreckt. Insgesamt sind 314 Mitarbeiter angestellt, davon 220 im Vollzugsdienst.

Bis 2014 wurde die gesamte JVA renoviert und sicherheits- und ausstattungstechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Diese Renovierung wurde bei laufendem Betrieb durchgeführt, wobei nur eine geringe Anzahl der Inhaftierten in andere brandenburgische Haftanstalten, beispielsweise die Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen und Justizvollzugsanstalt Neuruppin-Wulkow, verlegt werden mussten.

Geschichte mini|hochkant|Altes Zuchthaus Neuendorfer Straße (1928) mini|Hauptgebäude Strafanstalt Brandenburg-Görden (1931)

In dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden Zuchthaus an der Neuendorfer Straße herrschten katastrophale hygienische Zustände, die zum Neubau der Strafanstalt im Stadtteil Görden führten. Dieser Neubau, in dem auch die heutige JVA besteht, wurde in der Zeit von 1927 bis 1935 als Musteranstalt des „humanen Strafvollzugs“ konzipiert und errichtet. Das alte Zuchthaus wurde dann 1931 geschlossen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden hier allerdings vorwiegend politische Gefangene, Sicherungsverwahrte, zum Tode Verurteilte und Gefangene mit teilweise lebenslangen Freiheitsstrafen inhaftiert. Mit der Verschärfung des nationalsozialistischen Terrors gegen politische Gegner wurde daher 1940 in diesem Zuchthaus auch eine Hinrichtungsstätte installiert. Zusammen mit dem Strafgefängnis Plötzensee bildete die Strafanstalt Brandenburg-Görden die „zentrale Hinrichtungsstätte für den Vollstreckungsbezirk IV“.Friedrich Zipfel: Gedenkstätte Plötzensee. 7. Auflage. Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin, Berlin 1966, S. 12. Verantwortlicher Scharfrichter war von 1942 bis 1945 Wilhelm Röttger. Zwischen dem 1. August 1940 und dem 20. April 1945 wurden im Zuchthaus Brandenburg-Görden 2032 Männer aus ganz Europa hingerichtet,Annette Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns: Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. 2. Auflage. Ch. Links Verlag, 2007, S. 156. (books.google.de), gibt die Anzahl der zwischen 1940 und 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden Hingerichteten mit 2743 Menschen an. davon 1722 aus politischen GründenAnnette Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns: Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. 2. Auflage. Ch. Links Verlag, 2007, S. 156. (books.google.de) und mehr als 110 Kriegsdienstverweigerer aus den Reihen der Zeugen Jehovas.Marcus Herrberger: Denn es steht geschrieben: „Du sollst nicht töten!“ Verlag Österreich, Wien 2005. S. 384–418. 652 weitere Gefangene kamen durch Krankheiten wie TBC um, sieben Häftlinge durch Suizid, darunter der weltberühmte deutsche Zeichner und Karikaturist Erich Ohser. Die Leichname der meisten in Brandenburg-Görden hingerichteten Personen wurden bis Kriegsende im Krematorium Brandenburg verbrannt.

Die Rote Armee besetzte das Zuchthaus im Zuge der Schlacht um Berlin am 27. April 1945. Nach Kriegsende inhaftierte die Sowjetarmee hier bis 1947 Kollaborateure, hauptsächlich Angehörige der Russischen Befreiungsarmee (ROA) des ehemaligen Generals der Roten Armee Andrei Wlassow (1901–1946), und Untersuchungshäftlinge.

In der DDR saßen in der Strafanstalt insbesondere Häftlinge, die wegen Tötungsdelikten zu Strafen ab fünf Jahren, z. T. bis zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden waren. Dort wurden aber auch politische Häftlinge inhaftiert, deren Strafe oft unter fünf Jahren lag. Vor dem Hintergrund des chronischen Mangels an Arbeitskräften in der DDR-Volkswirtschaft waren spätestens ab den 1960er-Jahren fast alle arbeitsfähigen Strafgefangenen zur Haftarbeit für lokale Betriebe verpflichtet. Dafür wurden auf dem zuletzt 90 Hektar umfassenden Gefängniskomplex Produktionshallen für Betriebe wie das Getriebewerk Brandenburg errichtet. Dort arbeiteten die Gefangenen – unter ihnen war der Anteil an politischen Gefangenen besonders hoch – unter Anleitung von Betriebsangestellten und durch das Gefängnispersonal überwacht im Drei-Schicht-Betrieb. Auf Grundlage der Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge entstand so ein kleines „Wirtschaftsimperium“.

Gedenkstätte Seit 1949 gibt es Gedenkräume in der Strafanstalt Brandenburg, die sich heute innerhalb des Komplexes der Justizvollzugsanstalt Brandenburg a. d. Havel befinden. Sie gehören als Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden zur Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Im Jahr 1975 wurden die Räumlichkeiten im Zuge der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestages der Befreiung des Zuchthauses durch die Rote Armee grundlegend umgestaltet. Das 1947 errichtete Ehrenmal für die im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichteten antifaschistischen Widerstandskämpfer auf dem Brandenburger Marienberg wurde in diesem Zuge für Massenkundgebungen mit bis zu 100.000 Teilnehmenden erweitert. Seit April 2018 beherbergt das ehemalige Direktorenwohnhaus der Strafanstalt eine Dauerausstellung über die Geschichte des Zuchthauses. Nach einer kurzen Einführung in die Entstehungszeit des Zuchthauses in der Weimarer Republik legt die Ausstellung einen Fokus auf die Zeit des Nationalsozialismus und die DDR. Eine Medienstation informiert über den Strafvollzug in der Gegenwart. Der Gedenkort in der heutigen Justizvollzugsanstalt ist in seiner Gestaltung nahezu unverändert. Schilder weisen auf die einzelnen Gestaltungselemente hin und ordnen sie historisch ein. Seit 2018 gibt es hier außerdem zwölf exemplarische Biografien von Hinrichtungsopfern sowie eine Projektion der Namen aller bekannter Opfer. Während die Dauerausstellung im Direktorenwohnhaus regelmäßig geöffnet ist, muss ein Besuch der ehemaligen Hinrichtungsstätte im Vorfeld angemeldet werden, da diese sich auf dem Gelände der heutigen Justizvollzugsanstalt befindet. Die Gedenkstätte bietet auch außerhalb der Öffnungszeiten Führungen sowie Studientage für Schulklassen, Jugendgruppen, Auszubildende und Studierende an.

Ehemalige Häftlinge Vor 1945 Ernst Albert Altenkirch, 1935?–1945? Richard Arlt, 1936/1937 Milo Barus Olaf Barutzki, 1943?–1945 Bruno Baum, 1937–1943 Georg Benjamin, 1936–1942 Michael Bey, 1934–1936 Heinz Brandt, 1934–1940 Hermann Brill, 1939–1943 Otto Buchwitz, 1941–1945 Ernst Busch, 1943–1945 Adolf Ehrtmann, 1944–1945 Ernst Gräfenberg, 1937–1940 Charles Maurice Grillas (Mitglied Réseau Renard), 1944–1945 Fritz Große, 1936–1945 Robert Havemann, 1943–1945 Walter Hochmuth, 1945 Ernst Hoffmann, 1935–1937 Walter Hösterey Hammer, 1942–1945 Erich Honecker, 1937–1945 Harry Hüttel, 1937–1940 Paul Jerchel, 1944 Erwin Kerber, 1934–1945? Richard Kirn, 1943–1945 Wilhelm Kling, 1937–1945 Wilhelm Knapp, ?–1945 Hermann Kreutzer Erich Kürschner, 1938–1945 Fritz Lange, 1943–1945 Paul Laufer, 1936 Alfred Lemmnitz, 1941–1945 Bruno Max Leuschner, 1936–1940 Hans Litten, 1934 Artur Mannbar, 1942–1945 Robert Menzel, 1937–? Werner Müller, 1944–1945 Alfred Neumann, 1942–1945 Ernst Niekisch, 1939–1945 Ernst Oschmann, 1935–1937 Alfred Perl Herbert Sandberg, 1934 Ernst Sasse, 1942–1945 Hermann Schlimme, 1938–1940 Franz Schneider, 1943–1945 Waldemar Schmidt, 1935–1945 Alexander Schwab, ab 1937 Walter Schwerdtfeger, 1937–1944 Werner Seelenbinder, ?–1944 Kurt Seibt, 1941–1945 Ugolino Simonazzi, 1944–1945Liste der Stolpersteine in der Provinz Reggio Emilia Wilhelm Thiele Max Ücker Gustav Urbschat, 1936–1944 Eduard Wald, 1936–1945

Nach 1945 Heinz Barth, ab 1982 Otto Busdorf, 1950–1957 Michael Gartenschläger, 1965–1971 Ingo Hasselbach, um 1988 Benno von Heynitz, 1950–1954 Hermann Kreutzer Horst Mahler, 2009–2015, 2017–2020 Ulrich Schacht, 1974–1976 Henry Schmidt, um 1988 Harry Seidel, 1963–1966 Gerhard Weck, 1950–1956 Alfred Weiland Wolfgang Welsch, 1964–1966 Jochen Wolf, 2001–2004 Georg Wrazidlo, 1950–1956

Liste im Zuchthaus hingerichteter oder gestorbener Personen mini|Bernhard Bästlein: In Brandenburg hingerichtet (DDR-Briefmarke, 1964) mini|Franz Jacob: In Brandenburg hingerichtet mini|Anton Saefkow: In Brandenburg hingerichtet – nach ihm ist die Straße Anton-Saefkow-Allee vor der Justizvollzugsanstalt benannt (DDR-Briefmarke, 1964)

Die Liste ist nicht auf Vollständigkeit ausgelegt. Die Sortierung erfolgt lexikalisch nach dem Nachnamen.

A Otto Adam, Widerstandskämpfer, am 15. November 1943 hingerichtet Bernhard Almstadt, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 6. November 1944 hingerichtet Walther Arndt, Zoologe, am 26. Juni 1944 hingerichtet Jean Arnolds, katholischer Geistlicher, am 28. August 1944 hingerichtet Friedrich Aue, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 27. November 1944 hingerichtet

B Gustav Basse, Unternehmer, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 6. November 1944 hingerichtet Willi Bänsch, Widerstandskämpfer, am 11. Dezember 1944 hingerichtet Bernhard Bästlein, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 18. September 1944 hingerichtet

Heinrich Bayer, Zeuge Jehovas, am 15. Mai 1944 hingerichtet Bruno Binnebesel, römisch-katholischer Priester und Widerstandskämpfer, am 13. November 1944 hingerichtet Herbert Bittcher, Kommunist und Widerstandskämpfer, wahrscheinlich am 22. Januar 1944 hingerichtet Wilhelm Blanke, Widerstandskämpfer, am 7. Dezember 1944 hingerichtet Wilhelm Bode, Gewerkschafter und Widerstandskämpfer, genaue Todesumstände unbekannt Wilhelm Boller, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 19. Oktober 1943 hingerichtet Max Borrack, Widerstandskämpfer, am 19. Februar 1945 hingerichtet Wilhelm Böse, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 14. August 1944 hingerichtet Anton Brugger, adventistischer (Reformadventist) Kriegsdienstverweigerer, am 3. April 1943 hingerichtet Albert Brust, Schlosser, wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ am 25. September 1944 hingerichtet Walter Budeus, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 21. August 1944 hingerichtet Wilhelm Busse, Zeuge Jehovas, Hirnschlag aufgrund der schweren Haftbedingungen, 1955

D

Hermann Danz, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 5. Februar 1945 hingerichtet Oskar Debus, Mitbegründer der Widerstandsgruppe Deutsche Volksfront, gestorben am 17. Dezember 1942 an den Folgen der Folter Jean-Marie Derscheid, Zoologe, am 13. März 1944 hingerichtet Leo Drabent, Kommunist und Widerstandskämpfer, am 20. November 1944 hingerichtet Max Draeger, Präsident des Oberlandesgerichts Königsberg, am 20. April 1945 erschossen