Die Operation PBSUCCESS (auch Operation SUCCESS) war eine 1954 vom US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA durchgeführte Geheimdienstoperation mit dem Ziel, den demokratisch gewählten Präsidenten von Guatemala, Jacobo Árbenz Guzmán, zu stürzen. Nachdem im August 1953 die Regierung Mossadegh im Iran durch die CIA-Operation TPAJAX erfolgreich gestürzt wurde, war es die erste große verdeckte Operation der 1949 gegründeten CIA in Zentralamerika und wurde wegen ihres zunächst innerhalb der US-Regierung so gesehenen „Erfolgs“ zum Vorbild für weitere derartige Aktivitäten in Lateinamerika und in vielen Ländern weltweit. Ein kleiner Teil der CIA-internen, lange als Geheimsache unter Verschluss gehaltenen, Akten zu der Operation ist mittlerweile öffentlich zugänglich.
Die Aktion ging unter anderem auf das Drängen des US-Lebensmittelkonzerns United Fruit Company (heute Chiquita Brands International) zurück, der ausgedehnten Grundbesitz in Guatemala besaß und durch die von Arbenz geplante Landreform seine Interessen gefährdet sah. UFCO-Direktor Sam Zemurray gelang es dank des Propagandaspezialisten Edward Bernays, den westlich orientierten, integren Präsidenten als Kommunisten und Handlanger Moskaus zu diffamieren.Main-Echo vom 4. Juli 2020, S. 29.
Der damalige CIA-Direktor Allen Welsh Dulles war nebenbei als Rechtsanwalt und Lobbyist für das Unternehmen tätig, ebenso wie sein älterer Bruder John Foster Dulles, der ab 1953 Außenminister der Vereinigten Staaten wurde. Die CIA bildete eine Ad-hoc-„Befreiungsarmee“ von ungefähr 400 Kämpfern in Nicaragua aus und versorgte sie mit Waffen. Unter dem Befehl von Castillo Armas drang diese am 18. Juni 1954 über Honduras nach Guatemala ein. Arbenz musste daraufhin am 27. Juni 1954 zurücktreten.
Der so herbeigeführte völkerrechtswidrige Staatsstreich verursachte erhebliche politische Instabilität in dem sich damals gerade in einer Stabilisierungsphase befindlichen bzw. friedlichen Land und markierte den Beginn von vier Jahrzehnten repressiver Gewaltherrschaft verschiedener, sich gegenseitig ablösender Militärdiktaturen, die von den USA politisch und militärisch unterstützt wurden.Bob Harris: Guatemala: Bill Clinton's Latest Damn-Near Apology. In: Mother Jones. 16. März 1999. Während dieses Bürgerkriegs wurden bis zu seinem Ende 1996 zwischen 140.000 und 200.000 Guatemalteken getötet. Die meisten wurden vom Militär und staatlich gesteuerten, inoffiziellen paramilitärischen Todesschwadronen ermordet. Eine große Zahl wurde dabei zum Opfer der Praxis des so genannten Verschwindenlassens, sie werden auch als Desaparecidos bezeichnet.Sabine Kurtenbach: Guatemala. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1998, ISBN 3-406-39874-X, S. 114.
Ursprünge und Hintergründe der Operation Operation Success oder PBSUCCESS war das erste CIA-Unternehmen mit dem Ziel, eine ausländische Regierung mit geheimdienstlichen und paramilitärischen Maßnahmen zu stürzen. Beide Operationen markierten einen gravierenden Wechsel in der Funktion der CIA. Neben ihrer eigentlichen Aufgabe als Nachrichtendienst entwickelte sie eine paramilitärische Komponente für eine globale Einflussnahme durch aktive Maßnahmen. In Guatemala geschah dies durch den Aufbau einer Invasionsarmee, die aus Exil-Guatemalteken sowie zentral- und US-amerikanischen Söldnern bestand.
Anlass für die Operation Success waren zwei Faktoren. Der 1950 gewählte Präsident von Guatemala, Jacobo Árbenz Guzmán, ein Berufsoffizier, forcierte die bereits unter seinem Vorgänger Juan José Arévalo geplante Landreform zugunsten besitzloser Kleinbauern, von der vor allem die United Fruit Company (UFCO) stark betroffen war. Hinzu kamen seine offenen Sympathien für die Kommunistische Guatemaltekische Partei (Partido Guatemalteco de Trabajo = PGT; Guatemaltekische Partei der Arbeit). Sie war zwar im Parlament nur mit vier von 57 Abgeordneten vertreten und stellte auch keinen Minister im Kabinett Arbenz’, besaß aber starken Einfluss im Landwirtschaftsministerium, das mit der Landreform befasst war.
Doch die Regierung Arbenz stand nicht nur von Seiten der UFCO und ihren Lobbyisten in den USA unter Druck. Die Regierung von Honduras unter Präsident Juan Manuel Gálvez sah in der guatemaltekischen Landreform ein gefährliches Beispiel für Honduras, in dem die UFCO einen ökonomischen und politischen Einfluss besaß wie in keinem anderen zentralamerikanischen Staat. Nicht aus ökonomischen, sondern politischen Gründen waren die Regierungen Nicaraguas unter Anastasio Somoza García und der Dominikanischen Republik unter Rafael Leónidas Trujillo Molina an einem Sturz Arbenz’ interessiert. Beide Diktatoren sahen in Arbenz’ Aktivitäten langfristig eine Bedrohung ihrer eigenen Herrschaft. Der erste konkrete Plan, Arbenz zu stürzen, stammte daher nicht von der US-Regierung unter Präsident Harry S. Truman oder der CIA, sondern von Somoza.
Operation PBFortune Offenbar im April 1952 machte Somoza anlässlich eines USA-Besuchs Truman den Vorschlag einer bewaffneten Intervention in Guatemala. In den nächsten Wochen wurde das Unternehmen, das unter dem Codenamen Operation PBFortune (auch als Operation Fortune bekannt) lief, von Somoza, Oberst Joseph Caldwell King der CIA und der UFCO geplant; Verbindungsmann des Konzerns zur CIA war Thomas Corcoran. Trujillo sowie der Diktator Venezuelas, Marcos Pérez Jiménez, unterstützten den Plan finanziell. Somoza sah in dem ehemaligen guatemaltekischen Oberstleutnant Carlos Castillo Armas den idealen Führer der Invasionstruppe. Allerdings waren sich die Verschwörer durchaus im Klaren darüber, dass das Unternehmen nur gelingen würde, wenn nach dem Einmarsch der „Befreiungsarmee“ ein Putsch der guatemaltekischen Militärs Arbenz zu Fall bringen würde. Das Unternehmen wurde im Herbst 1952 eingestellt, als das nicht in die Planung involvierte US-Außenministerium erfuhr, dass bereits ein Schiff mit Waffen von New Orleans aus nach Nicaragua unterwegs war. Außenminister Dean Acheson intervenierte bei Truman, der das Unternehmen absagen ließ.
Operation Success. Die Planungsphase Nach dem Sieg Dwight D. Eisenhowers bei den US-Präsidentschaftswahlen im November 1952 wurde eine neue Strategie im Kampf gegen den Kommunismus entwickelt, die so genannte Rollback-Doktrin. Während die antikommunistische Paranoia in den USA, angeheizt durch die Presse, beständig zunahm, wurde im September 1953 Operation Success ins Leben gerufen. Das Pentagon war nicht involviert, da die CIA den militärischen Teil des Unternehmens selbst abdeckte; meist durch eigene Mitarbeiter oder eigens angeworbene ehemalige Angehörige der amerikanischen Streitkräfte. Erstaunlicherweise war auch die Aufklärungsabteilung der CIA, das Directorate of Intelligence, nicht beteiligt, sondern lediglich das Directorate of Plans (DDP) unter Frank Gardiner Wisner.
Operation Success knüpfte grundsätzlich an Operation Fortune an. Das Ziel war, die guatemaltekische Militärführung mit dem Einmarsch einer Interventionstruppe zum Putsch gegen Arbenz zu bewegen. Der Schwerpunkt des Unternehmens lag also nicht auf der militärischen Komponente, sondern der psychologischen Wirkung des militärischen Einsatzes. Zu keiner Zeit nahm der Planungsstab an, dass die nur wenige hundert Mann umfassende Truppe von Castillo Armas eine Auseinandersetzung mit der gut 5.000 Mann starken und gut ausgebildeten guatemaltekischen Armee überstehen würde. Außerdem war auch der Einsatz einer Truppe als Fünfte Kolonne geplant, die in Guatemala durch Sabotage und Propaganda-Aktionen Unruhe erzeugen sollte. Eine Schlüsselfigur in dieser psychologischen Kriegsführung sollte der neue amerikanische Botschafter in Ciudad de Guatemala spielen, John Emil Peurifoy, der im Oktober 1953 seinen Posten antrat. Das Botschaftspersonal selbst hatte keine Kenntnis von dem Unternehmen. Bereits auf seinem vorherigen Posten in Athen hatte Peurifoy enge Kontakte zur CIA unterhalten. Zeitgenossen sahen in ihm eher einen Politiker als einen Diplomaten.
Der Planungsstab für Operation Success residierte auf dem Militärflugplatz von Opa-locka in Florida, auf dem der Flugbetrieb größtenteils eingestellt war. Von hier aus wurden die Transporte zu den Basen in Nicaragua und Honduras abgewickelt. Beteiligt an der Planung war auch Howard Hunt, ein Geheimdienstmitarbeiter sowie Autor von Kriminal- und Agentenromanen, der später eine entscheidende Rolle in der Watergate-Affäre spielte. Militärischer Operationsleiter war Oberst Albert Haney. Eine Schlüsselfigur war Whiting Willauer, der bereits in der Civil Air Transport Company von General Claire Chennault, dem Gründer der Flying Tigers, eine führende Position innehatte.
Im Februar 1954 begann die Ausbildung der ersten Söldner auf einer finca nahe der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa. Zur gleichen Zeit wurden in Nicaragua zwei Trainingslager eingerichtet: auf der kleinen Insel Momotombito im Managua-See und in El Tamarindo, einem Privatbesitz Somozas zwischen Managua und Leon. In der Nähe von Puerto Cabezas an der nördlichen nicaraguanischen Karibikküste wurde eine Landebahn gebaut, auf der die Luftwaffe der Invasoren versammelt wurde. Es handelte sich dabei um ein bis zwei Dutzend Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg der Typen Republic P-47 „Thunderbolt“, North American P-51 „Mustang“ und Douglas DC-3/C-47. Die Piloten waren nahezu ausschließlich Amerikaner, angeheuert von der CIA und möglicherweise von Willauer vermittelt.
Am 6. Mai 1954 erhielt der inzwischen entfachte Propagandakrieg gegen die Regierung Arbenz neue Nahrung, als an der nicaraguanischen Pazifikküste eine große Waffenladung aufgefunden wurde. Tage vorher war dort angeblich ein U-Boot unbekannter Nationalität gesichtet worden. Tatsächlich hatten jedoch Somoza und die CIA die Ladung dort deponiert. Dieser vermeintliche Propagandacoup war jedoch wenig glaubwürdig. Erfolgreicher war die Installation einer Radiostation in der Nähe Managuas. Leiter von La Voz de la Liberación („Die Stimme der Befreiung“) wurde David Lee Phillips, ein Radiosprecher, der fließend Spanisch sprach. Am 1. Mai nahm der Sender den Betrieb auf und beeinflusste die guatemaltekischen Zuhörer mit geschickt aufbereiteter Propaganda, unterbrochen von populärer Musik.
Die Reise der Alfhem Unbeabsichtigt von der CIA bot sich ihr zufällig ein weiterer propagandistischer Vorwand, Operation Success voranzutreiben. Hintergrund war eine tschechoslowakische Waffenlieferung an Guatemala.
Bereits 1949 hatten die USA ihre Waffenexporte nach Guatemala gestoppt; ab 1951 verhinderten sie den Ankauf von dritter Seite. Daher griff Arbenz nun auf die Hilfe der PGT zurück. Im November 1953 reiste ihr Generalsekretär, José Manuel Fortuny, heimlich nach Prag. Dort wurde er von dem Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSC) und späteren Staatspräsidenten Antonín Novotný empfangen. Vermutlich nach Rücksprache mit der sowjetischen Regierung – offenbar besaßen weder Prag noch Moskau tiefere Kenntnis der zentralamerikanischen Politik – entschloss sich die Regierung der Tschechoslowakei, eine größere Ladung Waffen an Guatemala zu liefern. Hierbei handelte es sich um deutsches, britisches und tschechoslowakisches Material aus dem Zweiten Weltkrieg, darunter Panzerabwehrkanonen (Pak), Geschütze und Maschinengewehre. Angeblich war ein großer Teil der Sendung unbrauchbar. Konkret abgewickelt wurde das Geschäft durch einen Vertrauensmann von Arbenz, den 33-jährigen Ex-Major Alfonso Martínez, der sich angeblich in der Schweiz einer Operation unterzog, tatsächlich aber nach Prag geflogen war.