mini|Bürgersaal München

Der Bürgersaal in München, auch Bürgersaalkirche genannt, ist der Bet- und Versammlungssaal der Marianischen Männerkongregation „Mariä Verkündigung am Bürgersaal zu München“. Er wurde 1709/10 nach Plänen von Giovanni Antonio Viscardi erbaut.

Der Bürgersaal befindet sich in der Neuhauser Straße 14 in der Münchner Altstadt, an der Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Karlstor. Das Karlstor ist etwa 100 Meter entfernt.

Geschichte Bau mini|Hinweistafel zur Erbauung über einem der Eingänge

Nachdem der alte Kongregationssaal zu klein geworden war, entschlossen sich die Sodalen der 1610 gegründeten Marianischen Männerkongregation »Mariä Verkündigung« zu einem Neubau. Da er zunächst nicht für Gottesdienste vorgesehen war, entschied man sich für eine Lage an der Ost-West-Magistrale der Salzstraße in unmittelbarer Nähe zu den Jesuiten von St. Michael, in deren Gymnasium „Wilhelminum“ die Marianische Männerkongregation gegründet worden war. Der Bau des Bürgersaals wurde durch die Marianische Männerkongregation finanziert. 1709–1710, während der Herrschaft der Kaiserlichen Administration in Bayern, errichtete der Polier Johann Georg Ettenhofer den Bau nach Entwurf des kurfürstlichen Oberhofbaumeisters Giovanni Antonio Viscardi.

Nutzung als Kirche Seit 1778 wird der Bürgersaal als Kirche genutzt. Der Hochaltar wurde am 13. Mai 1778 geweiht. Seitdem wird der Bürgersaal auch „Bürgersaalkirche“ genannt.

Im Gefolge der Säkularisation gelangten zwei wichtige Werke des Rokoko-Bildhauers Ignaz Günther in die Bürgersaalkirche: die Kanzel und die Schutzengelgruppe.

Zerstörung Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Bürgersaal und die angrenzenden Wohnhäuser bei einem Fliegerangriff der 5. Bomberflotte der britischen Royal Air Force vom 24. auf den 25. April 1944 durch Spreng- und Brandbomben sowie Phosphorkanister im Obergeschoss bis auf die Außenmauern zerstört, während die Unterkirche im Erdgeschoss erhalten blieb.Richard Bauer: Fliegeralarm – Luftangriffe auf München von 1940 bis 1945. München 1987. Dabei wurden der Dachstuhl, das freskenverzierte Stuckgewölbe, die Empore, der Sakristeianbau sowie der größte Teil der Inneneinrichtung vernichtet. Die Hauptfassade blieb rußgeschwärzt stehen.

Wiederherstellung Nach Kriegsende 1945 wurden die Mauern des Bürgersaals gefestigt, der obere Saal neu eingedeckt und mit einer provisorischen Raumdecke versehen, sodass er für Gottesdienste genutzt werden konnte. Bis 1947 diente der von Architekt Lorenz Wilhelm wiederhergestellte Saal anstelle der zerstörten Frauenkirche als Kathedrale Münchens; bis 1953 nahm er die Gemeinde der zerstörten Michaelskirche auf.

Zu einem planmäßigen Aufbau kam es erst nach der Währungsreform 1948. In diesem Jahr wurde aus geretteten Teilen des bisherigen Hochaltares ein neues Altarretabel geschaffen. Das versilberte Relief zeigt die Verkündigung Mariä. Darunter befinden sich auf einer neuen Mensa vier Silberbüsten der hll. Josef, Johannes des Täufers, Evangelisten Johannes und Joachim. Bis 1959 wurde das Innere wieder instand gesetzt, wobei man sich anhand von historischen Kupferstichen von 1710 orientierte. Zugleich wurde die Treppenführung verändert. Die Kanzel wurde teilweise in abstrahierender Weise und unter Verwendung alter Teile rekonstruiert. Die erhaltenen Stuckornamente von 1710 bis 1712 wurden ergänzt sowie Fresken in Blindfenstern und Kartuschen restauriert. Die Rekonstruktion der herabgestürzten Decke war 1959 durch Reinhold Grübl weitgehend abgeschlossen.

In den Jahren 1970–1973 wurde der Bürgersaal farblich neu gefasst und moderne Deckenfresken durch den ehemaligen NS-Künstler Hermann Kaspar angebracht, die sich in barockisierender Form dem Gebäude anpassen.Lothar Altmann, Horst Th. Esterer, Christoph Kürzeder, Peter Linster: Bürgersaal München. 5., neubearbeitete Auflage, Regensburg 2009, S. 7–8. Zu einer erneuten Renovierung kam es in den Jahren 1999–2001. Die Wiederherstellung des Bürgersaals bietet ein gutes Beispiel für die Denkmalpflege der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Karlheinz Hemmeter: Bayerische Baudenkmäler im Zweiten Weltkrieg, Verluste – Schäden – Wiederaufbau, München 1995, S. 99; Ottmar Schuberth: Der Bürgersaal in München, in: Jahrbuch der Bayerischen Denkmalpflege, Band 28, 1970/71, S. 240–247; Josef Biller, Hans Peter Rasp: München, Kunst und Kultur, Stadtführer und Handbuch, München 2009, S. 304–307.

mini|Madonna mit Kind über dem Hauptportal Fassade Die beinahe quadratische, rot-weiß gestrichene Barockfassade ist zweigeschossig, entsprechend der Aufteilung des Inneren in eine Ober- und eine Unterkirche. Beide Geschosse der Fassade werden von Doppelpilastern gegliedert. In einer Nische über dem Haupteingang befindet sich eine thronende Madonna mit Kind. Vier Obelisken krönen die Fassade.

Über beide Friese erstreckt sich in goldenen Lettern die Inschrift: DIVAE MATRI VIRGINI / DEVOTI FILII DD. CC. MONAC. ANNO MDCCX. Sie besagt, dass das Gebäude der jungfräulichen Gottesmutter (DIVAE MATRI VIRGINI) gewidmet wurde, und zwar von „Herren und Bürgern Münchens“ (DD. CC. MONAC.) als ihre „ergebenen Söhne“ (DEVOTI FILII) im Jahr 1710 (ANNO MDCCX).

Oberkirche Der Grundriss des Saals der Oberkirche ist rechteckig. Der Gesamtentwurf stammt von Johann Andreas Wolff. Die üppige Dekoration erzeugt beim Betrachter die Anmutung eines barocken Schlossfestsaals. Die Wände der Oberkirche sind durch marmorierte Pilasterpaare strukturiert.

Altar mini|Blick zum Hochaltar

An der Stirnseite des in etwa genordeten Saals befindet sich der Hochaltar, dessen Architekturumrahmung im Zweiten Weltkrieg zerstört und bisher nicht rekonstruiert wurde. Erhalten hat sich das silbern und golden schimmernde Hochaltarrelief des Tiroler Bildschnitzers Andreas Faistenberger aus dem Jahr 1710, das die Verkündigung der Geburt Jesu an die Jungfrau Maria thematisiert (Verkündigungsrelief).

Unter dem Verkündigungsrelief wurden nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges auf dem Altartisch vier Silberbüsten der neben Jesus Christus vier wichtigsten Männer im Leben der Gottesmutter Maria – ihr Bräutigam Josef, ihr Cousin 2. Grades Johannes der Täufer, ihr Fürsorgebeauftragter Johannes der Evangelist sowie ihr Vater Joachim, die der Münchner Goldschmied Joseph Friedrich Canzler um das Jahr 1768 nach Modellen von Ignaz Günther gefertigt hatte.

In den Ecknischen der Altarwand stehen seit 1947 Statuen der heiligen Anna, der Mutter Marias, sowie des heiligen Josef, die der Bildhauer Roland Friedrichsen geschaffen hatte.

Fenster Aufgrund seines Eingebundenseins in die Häuserzeile sind auf beiden Seiten die hinteren drei Fenster des Bürgersaals nur Blindfenster. Die somit gebildeten Nischen wurden in den Jahren 1710 bis 1712 von Johann Anton Gumpp mit Szenen aus dem Leben Marias geschmückt: Mariä Heimsuchung, Darstellung des Herrn und die Pietà auf der östlichen Seite; Tempelgang Mariens, Mariä Geburt und Maria als Unbefleckte Empfängnis auf der westlichen Seite. Die Malereien wurden in der Nachkriegszeit rekonstruiert. Über den Fenstern feiern Embleme die Tugenden Mariens.

mini|hochkant|„Himmelfahrt Mariens“, barockisierendes Deckengemälde von Hermann Kaspar, 1973

14 Ölgemälde unter den Fenstern weisen auf populäre Marienwallfahrtsorte in Altbayern hin. 13 der 14 Gemälde wurden um 1725/30 von Franz Joachim Beich geschaffen. Dargestellt werden diese 14 Wallfahrtsorte in Kurbayern: Altötting, Ramersdorf, Altenburg, Peißenberg, Sossau, Tuntenhausen, Andechs, Allersdorf, Taxa, Ettal, „Högling“ (dargestellt ist das benachbarte Weihenlinden), Aufkirchen, Thalkirchen, Bogenberg.Wallfahrtsorte mmkbuergersaal.de.

Decke und Gewölbe Die in der Nachkriegszeit rekonstruierte Stuckdecke des Bürgersaals weist mit den prächtig gerahmten Namenszügen des heiligen Josef (über der Empore), Mariens (in der Mitte) und Jesu (über dem Altarraum) den Raum quasi als „Wohnzimmer“ der Heiligen Familie aus. Die zu Beginn der 1970er Jahre von Hermann Kaspar neu geschaffenen Deckengemälde thematisieren die Anbetung des Jesuskindes und die Aufnahme Mariens in den Himmel (ursprünglich von Martin Knoller aus den Jahren 1773/74).

Die Gewölbemedaillons beinhalten die Evangelistensymbole und zwölf Wappen Münchener Handwerkerinnungen, denen früher die meisten Mitglieder der Marianischen Männerkongregation angehörten.

Kanzel mini|hochkant|Kanzel von Ignaz Günther

Ignaz Günther hatte die Predigtkanzel nach 1770 für die Münchener Hospitalkirche St. Maximilian der Barmherzigen Brüder am Sendlinger Tor geschaffen, die 1809 abgebrochen wurde. Danach gelangte die Kanzel in die Bürgersaalkirche. Allerdings haben nur ein Verkündigungsengel und Putten mit den Symbolen von Glaube, Hoffnung und Liebe die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überstanden.

Schutzengelgruppe Die anrührende Schutzengelgruppe, die Ignaz Günther 1763 für die Schutzengelbruderschaft der Münchener Karmelitenkirche schuf, kam ebenfalls nach der Säkularisation in die Bürgersaalkirche. Es ist eine der bedeutendsten Rokoko-Skulpturen Bayerns. Der androgyne Schutzengel nimmt einen kleinen Jungen an die Hand, schirmt ihn von einer bedrohlichen Schlange (Symbol der Sünde) ab und zeigt mit seiner Rechten zum Himmel.Lothar Altmann, Horst Th. Esterer, Christoph Kürzeder, Peter Linster: Bürgersaal München. 5., neubearbeitete Auflage, Regensburg 2009, S. 12–24.

Die Schutzengelgruppe steht unter der Orgelempore. Sie war ab 2013 zwischenzeitlich im Museum in der Unterkirche, wurde aber im Jahr 2018 an ihren Platz unter der Empore zurückgebracht.Rückführung des Schutzengels in die Oberkirche. In: Sodalen-Brücke, Ausgabe 2/2018 (PDF; 7,5 MB), S. 13.Hinweis: Auf der Website der Marianischen Kongregation am Bürgersaal heißt es auf mehreren Seiten, Günthers Schutzengel-Skulptur befinde sich im Museum in der Unterkirche: hier und hier sowie auf älteren Bildern aus dem Museum (Abruf jeweils am 30. September 2026). Diese Darstellung ist nicht aktuell. Das zeigt sich bei einem Besuch vor Ort. Es geht auch aus neueren Fotos hervor, auf denen die Schutzengelgruppe wieder unter der Orgelempore zu sehen ist (z. B. Foto 2023, Foto 2024).

Orgel mini|Blick zur Empore mit der Orgel mini|Die Vleugels-Orgel

Dem Hochaltar gegenüber befindet sich die Empore mit der Orgel. Die Orgel wurde 1994 von der Orgelbaufirma Vleugels (Hardheim) erbaut. Sie ist Pater Rupert Mayer (SJ) gewidmet und wird deshalb auch Pater-Rupert-Mayer-Orgel genannt.Festschrift zur Weihe der Pater-Rupert-Mayer-Orgel in der Bürgersaalkirche zu München. Regensburg 1994.

Disposition:Beschreibung der Orgel auf der Website der Orgelbaufirma Vleugels.

I Hauptwerk C–a3 1. Praestant 16′ 2. Principial 8′ 3. Tibia 8′ 4. Gamba 8′ 5. Octave 4′ 6. Spitzflöte 4′ 7. Vox angelica 4′ 8. Quint ′ 9. Superoctave 2′ 10. Terz ′ 11. Larigot ′ 12. Cornetmixtur III ′ 13. Mixtur V ′ 14. Fagott 16′ 15. Trompete 8′ Tremulant II Positiv C–a3 16. Bordun 16′ 17. Geigenprincipal 8′ 18. Rohrflöte 8′ 19. Principal 4′ 20. Traversflöte 4′ 21. Quintflöte ′ 22. Flautino 2′ 23. Terzflöte ′ 24. Sifflöte 1′ 25. Cymbal 1′ 26. Klarinette 8′ 27. Vox humana 8′ Tremulant III Schwellwerk C–a3 28. Gamba 16′ 29. Soloflöte 8′ 30. Salicional 8′ 31. Vox coelestis 8′ 32. Viola 4′ 33. Querflöte 4′ 34. Nasat ′ 35. Piccolo 2′ 36. Violine 2′ 37. Terz ′ 38. Harmonia aeth. III ′ 39. Oboe 8′ 40. Clarine 4′ Tremulant Pedal C–g1 41. Principalbaß 16′ 42. Violonbaß 16′ 43. Subbaß 16′ 44. Quintbaß ′ 45. Octavbaß 8′ 46. Flötbaß 8′ 47. Superoctavbaß 4′ 48. Hintersatz III ′ 49. Posaune 16′ 50. Zinke 8′

Das Instrument hat mechanische Spieltrakturen und elektrische Registertrakturen. Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P (mechanisch und elektrisch) Nebenregister: Cymbelstern, Vogelsang, Glockenspiel (c0 - a3), Spielbar auf dem I. oder II. Manual Spielhilfen: 2560fache elektronische Setzeranlage, Sequenzer Crescendowalze mit zwei Kombinationen. Feste Kombinationen: Zungen an, Zungen ab, Tutti