Kremmen (historische Schreibung Cremmen) ist eine kreisangehörige Stadt im Landkreis Oberhavel in Brandenburg. Die heutige Stadt entstand 2001 durch den Zusammenschluss der Kernstadt Kremmen mit sechs umliegenden Gemeinden. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“.

Geografie mini|300px|Gemeindegebiet von Kremmen und seine Umgebung mit Höhen und Gewässern mini|Eine Karte von Kremmen und Schwante aus dem Jahr 1940 Kremmen liegt im Südwesten des Landkreises Oberhavel. Im Stadtgebiet befindet sich der westlichste Punkt des Landkreises. Die Kernstadt entstand im 13. Jahrhundert an einem Übergang (Kremmer Damm; auch Kremmener Damm geschrieben) über das Kremmener Luch. Südlich der Stadt erstreckt sich das Waldgebiet des Krämer, dessen Name sich ebenfalls vom Namen der Stadt ableitet. Im Norden liegt das Waldgebiet Rüthnicker Heide, im Osten schließt sich die Zehdenick-Spandauer Havelniederung an. Die mittelalterlichen Wurzeln sind in etlichen heutigen Straßennamen wie Alte Wallstraße, Schwedengasse, Burgweg usw. bis heute erkennbar.

Stadtgliederung Die Stadt Kremmen gliedert sich nach ihrer Hauptsatzung in sieben Ortsteile: Beetz mit den bewohnten Gemeindeteilen Ludwigsaue und Neu Ludwigsaue Flatow Groß-Ziethen Hohenbruch mit den Gemeindeteilen Johannisthal und Verlorenort Kremmen mit den Gemeindeteilen Amalienfelde, Linumhorst und Orion Sommerfeld Staffelde mit den Gemeindeteilen Charlottenau und Kuhsiedlung

Es gibt die Wohnplätze Alter Hof, Behrensbrück, Charlottenhof, Döringsbrück, Dorotheenhof, Karolinenhof, Klein Asien, Knödels Hof, Lange Horst, Moldenhauer Hof, Moorhof, Neukammer, Sana-Kliniken, Schleuener Luch, Schleuse Hohenbruch und Siemenshof.

Geschichte Geschichte Kremmens Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Cremmene datiert auf den 28. Dezember 1216, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. 1298 erhielt er die Stadtrechte. Allerdings ist die heute im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam-Golm liegende Urkunde eine Fälschung aus dem 16. Jh.Digitalisat der Urkunde auf dfg-viewer.de Otto [IV.], Konrad [I.], Heinrich [I.] und Johann [IV.], Markgrafen von Brandenburg, bestätigen der Stadt Kremmen alle Rechte und Freiheiten mit Markt [?] und Mühle, schenken einen Wald [oder See] und legen die Grenzen der Feldmark fest mit 3 Schilling Pfennigen Zins pro Hufe und gegen Zahlung von 1. Der Ortsname stammt aus dem Slawischen und bedeutet Kieselstein.

In Kremmen wurde am 20. Juni 1236 der Vertrag von Kremmen zwischen den Markgrafen Johann I. und Otto III. von Brandenburg einerseits und Herzog Wartislaw III. von Pommern andererseits abgeschlossen.

Mit dem Vertrag von Kremmen vom 29. Januar 1318, als den Johannitern die vom markgräflichen Vogt zurückgehaltenen Güter des 1312 aufgelösten Templerordens, darunter Tempelhof, mit allen Pertinentien (Zubehör zum Grundbesitz in Form von Rechten und Sachen) gegen Zahlung von 1250 Mark für die Ernennung Markgraf Woldemars zum Schutzherrn und Sachwalter der Interessen der Johanniter ausgehändigt wurden, konnte der Übergang der brandenburgischen Templergüter in den Besitz der Johanniter endgültig realisiert werden.

Am Kremmer Damm fanden im Mittelalter zwei bedeutende Schlachten statt. Im Pommersch-Brandenburgischen Krieg kämpfte der brandenburgische Markgraf Ludwig von Brandenburg gegen die Herzöge von Pommern und verlor. Im Jahre 1412 kämpften hier erneut die Brandenburger gegen die Pommern. Die Überlieferungen beider Schlachten sind teilweise widersprüchlich und haben sich über die lange Zeit vermutlich vermischt. 1845, also mehr als 400 Jahre später, ließ Friedrich Wilhelm IV. am Straßenrand des Kremmener Dammes ein steinernes Gedenkkreuz aufstellen, das alle Vorüberkommenden an die Kämpfe des Jahres 1412 erinnern und vor allem den fränkischen Ritter Graf Johann von Hohenlohe ehren sollte, der an der Seite des Brandenburgers kämpfte und hier starb.

Durch ihre Loyalität in den Brandenburgisch-Pommerschen Kriege kam die Familie von Bredow in den Besitz der Gerichtsbarkeit der Stadt und wurde damit zum adeligen Landesherren.

Kremmen liegt am Pilgerweg Berlin–Wilsnack, der seit dem Ende des 14. Jahrhunderts begangen wurde.

Wie viele andere Städte wurde Kremmen im 17. Jahrhundert von der Pest heimgesucht. Stadtbrände sind aus den Jahren 1606, 1630 und 1680 überliefert. Der brandenburgische Kurfürst erließ deshalb Mitte des 17. Jahrhunderts die Order, dass Scheunen künftig nur noch außerhalb der Stadtmauern zu errichten seien. So entstand das Scheunenviertel am Rande Kremmens, das heute als das deutschlandweit größte noch erhaltene historische Scheunenviertel gilt.

Der Dreißigjährige Krieg verwüstete Stadt und Land schwer. Die von Bredows verloren Güter und Geld und trennten sich nach dem Krieg von ihren Besitzungen in Kremmen. Da die Familie in viele Teile zerfallen war, dauerte dieser Prozess mehrere Jahrzehnte und die Herrschaft über Kremmen zerfiel in mehrere Teile. 1653 ging ein Teil an die Kurfürstin Luise Henriette von Oranien, andere Teile gingen 1649 an den kurbrandenburgen Generalmajor Marcus von der Lütcke.

1879 wurde die Stadt Sitz des Amtsgerichts Kremmen. Kremmen erhielt 1893 durch den Bau der Kremmener Bahn einen Eisenbahnanschluss nach Berlin.

Zur Zeit des NS-Regimes befand sich im Ortsteil Orion eine Bunkeranlage, die als Munitionsfabrik genutzt wurde. Sie wurde im Krieg beschädigt und in den Folgejahren geplündert, zugeschüttet und ab dem Jahr 2000 beseitigt. Im Zweiten Weltkrieg waren um Kremmen, ungefähr in den heutigen Ortsteilen Groß-Ziethen, Sommerfeld und Verlorenort, Scheinwerferstellungen der Flakartillerie stationiert, die mit Luftwaffenhelfern einer Oberschule aus Zwickau in Sachsen besetzt waren.

Geschichte der Ortsteile (Auswahl) Flatow wurde 1355 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits damals trug der Ort seinen heutigen Namen. Er bedeutet Ort, wo Ähren wachsen. Der älteste Besitzer des Ortes war die Familie von Bredow. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Dietrich von Hake Eigentümer des Gutes Flatow wie auch des Gutes Kremmen. Hohenbruch wurde 1595 als Flurname erwähnt, 1710 durch Erlass Friedrichs I. für Glaubensflüchtlinge aus dem Berner Oberland gegründet.

Verwaltungsgeschichte Von 1815 bis 1947 gehörte Kremmen zum Kreis Osthavelland der preußischen Provinz Brandenburg, 1947–1952 des Landes Brandenburg der SBZ/DDR. 1952–1993 war die Stadt Teil des Kreises Oranienburg (bis 1990 im DDR-Bezirk Potsdam, 1990–1993 wieder im Land Brandenburg). Seit der Kreisreform in Brandenburg im Jahr 1993 gehört Kremmen zum Landkreis Oberhavel.

Im Zuge der Ämterbildung 1992 im Land Brandenburg schlossen sich Beetz, Flatow, Groß-Ziethen, Sommerfeld, Staffelde und die Stadt Kremmen zum Amt Kremmen zusammen. Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 31. Juli 1992 festgelegt. Die Gemeinden Beetz, Flatow, Groß-Ziethen, Sommerfeld, Staffelde und die Stadt Kremmen (Amt Kremmen) und die Gemeinde Hohenbruch (Amt Oranienburg-Land) schlossen sich am 31. Dezember 2001 zur neuen Stadt Kremmen zusammen. Das Amt Kremmen wurde aufgelöst.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2 841 1890 2 758 1910 2 784 1925 2 769 1933 2 977 1939 3 304 Jahr Einwohner 1946 3 605 1950 3 823 1964 3 301 1971 3 154 1981 2 954 1985 2 898 Jahr Einwohner 1990 2 680 1995 2 713 2000 2 944 2005 7 373 2010 7 102 2015 7 238 Jahr Einwohner 2020 7 700 2021 7 710 2022 7 492 2023 7 518 2024 7 535 2025 7 535 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember). Ab 2011 auf Basis des Zensus 2011. Ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden mit der Stadt Kremmen im Jahr 2001 zurückzuführen.

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Kremmen besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 26,3 % 5 26,9 % 5 Freie Wähler Ortsteile Kremmen – – 21,7 % 4 AfD – – 19,1 % 3 Die Unabhängigen Bürger 19,7 % 3 13,9 % 2 SPD 16,1 % 3 10,9 % 2 Bündnis 90/Die Grünen 4,5 % 1 3,8 % 1 Bürger für Kremmen – – 3,0 % 1 FDP – – 0,8 % – Unabhängige Wählergemeinschaft/Landwirtschaft-Gartenbau-Umwelt 23,3 % 4 – – Die Linke 5,9 % 1 – – NPD 4,1 % 1 – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18

mini|Rathaus Kremmen Bürgermeister 1990–1993: Michael Kinne (SPD) 1993–2001: Christoph Brunner (Bündnis 90/Die Grünen)70 Jahre und kein bisschen leise. Märkische Allgemeine, 8. April 2014, abgerufen am 29. Juli 2025. 2001–2017: Klaus-Jürgen Sasse (SPD) In: Märkische Allgemeine, 17. September 2016. seit 2017: Sebastian Busse (CDU)

Busse wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 27. November 2016 mit 56,9 Prozent der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 27. November 2016 In der Stichwahl am 13. Oktober 2024 wurde er mit 52,5 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen, Flagge und Dienstsiegel

„Die Flagge ist Gelb – Blau – Weiß (1:4:1) und zeigt die Wappenfiguren im Mittelstreifen.“

Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .

Partnergemeinde Mit dem polnischen Suchożebry hat Kremmen eine Gemeindepartnerschaft geschlossen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Scheunenviertel mini|hochkant=0.8|Dorfkirche in Staffelde Die Liste der Baudenkmale in Kremmen enthält alle Kremmener Boden- und Baudenkmale aus der Denkmalliste des Landes Brandenburg.

Bauwerke Kirche St. Nikolai aus der Zeit um 1200 mit barocker Ausstattung und Schuke-Orgel von 1961 Marktplatz mit Rathaus (1841 nach einem Stadtbrand neoklassizistisch errichtet) und Klubhaus Kremmen Scheunenviertel (noch 40 der ursprünglich 70 Scheunen sind erhalten), in einem Gebäude sind ein Museum und ein Hofladen eingerichtet Theater tiefste Provinz, besteht seit April 2006 Schloss/Gut Staffelde, Kirche aus dem 15./16. Jahrhundert und „Dorfkrug“, ein Vorlaubenhaus aus dem 18. Jahrhundert Kirche Flatow, 1472 von Matthias von Bredow errichtet, Backsteinbau mit schiefergedeckten TurmMärkische Oderzeitung, 10. August 2006, S. 9. Nähmaschinenmuseum Sommerfeld

Gedenkstätten Erbbegräbnisstätte nordöstlich des Gutshauses in Beetz im ehemaligen Gutspark, von Alexander Ferdinand Ludolf von Quast errichtet Gedenkstele am jüdischen Friedhof Gedenktafeln Gedenktafel von 1973 Am Markt Nr. 5 für die jüdische Familie Borchardt, die in einem Vernichtungslager ermordet wurde Gedenktafel in Kremmen-Staffelde für Theodor Billroth Gedenktafel in der Raniesstraße/Ecke Dammstraße für den Arbeitersportler und Antifaschisten Erich Paulig, der 1941 im KZ Groß-Rosen ermordet wurde Gedenktafel an der Schule in der Straße der Einheit/Ecke Ruppiner Chaussee für die Häftlinge eines KZ-Todesmarsches, die im April 1945 von SS-Männern erschossen wurden Todesmarsch-Tafel an der Einfriedungsmauer der Kirche im Ortsteil Sommerfeld Todesmarsch-Tafel am Ortsausgang von Sommerfeld in Richtung Hohenbruch

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