mini|Oskar Strnad, Aufnahme von Ludwig Schwab (1931). Oskar Strnad (* 26. Oktober 1879 in Wien; † 3. September 1935 in Bad AusseeBisweilen wird als Sterbeort Altaussee genannt, unter anderem in der Ablebensmeldung der Wiener Zeitung. — Siehe: ) war ein österreichischer Architekt, Designer und Bühnenbildner. Zusammen mit Josef Frank prägte er die sogenannte Wiener Schule der Architektur. Er vertrat eine moderne Auffassung von Wohnen für alle Menschen, plante und baute Wohnhäuser, entwarf Möbel, schuf Gläser, Keramiken und Aquarelle und stattete Theaterstücke und Filme aus.

Leben Strnad entstammte einer assimilierten jüdischen Familie. Der aus Böhmen stammende Vater Samuel arbeitete als Gutsverwalter in Győr (Raab) und in Saalfelden am Steinernen Meer, wo Strnad seine Kindheit verbrachte. Seine Mutter hieß Therese (geb. Loury), er hatte sechs Geschwister. Auf der Realschule, die er in Wien besuchte, wurde sein Zeichentalent erkannt. Strnad absolvierte von 1900 bis 1903 an der Technischen Hochschule in WienUrsula Prokop: Oskar Strnad. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Stand 31. März 2011. bei Max von Ferstel sowie Karl König das Architekturstudium und schloss dieses 1904 mit der Dissertation Das Prinzip der Dekoration der frühchristlichen KunstOscar Strnad: Das Prinzip der Dekoration der frühchristlichen Kunst. Eine kritische Studie ihrer torentischen Stereotomie mit besonderer Rücksichtnahme der bezüglichen Werke Roms und Ravennas. Dissertation. Technische Hochschule, Wien 1904, ÖNB. ab. Anschließend arbeitete er bei Friedrich Ohmann sowie den Theaterarchitekten Fellner & Helmer. Ab 1906 kam es zur regelmäßigen Zusammenarbeit mit Oskar Wlach. 1913 wurde Josef Frank in diese Arbeitsgemeinschaft aufgenommen.Marlene Ott: Josef Frank (1885–1967) – Möbel und Raumgestaltung. Dissertation. Universität Wien, Wien 2010, S. 471. – Volltext online (PDF; 36,0 MB).

Von 1909 bis 1935 war Strnad als Lehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule tätig; anfangs lehrte er Allgemeine Formenlehre, ab 1914 übernahm er die Leitung einer eigenen Architekturklasse. Im selben Jahr, 1914, entstand eines seiner Hauptwerke, das Haus für den Schriftsteller Jakob Wassermann am Kaasgraben in Wien-Döbling. Ab 1918 schuf Strnad Entwürfe für ein „Rundtheater“ unter Mitwirkung seiner Schülerin Margarete Lihotzky (später: Margarete Schütte-Lihotzky). Zu seinen Schülern zählten auch die späteren Filmarchitekten und Szenenbildner Artur Berger und Harry Horner. mini|Haus Hock, 1190 Wien, Cobenzlgasse 71, Architektengemeinschaft Oskar Wlach und Oskar Strnad, 1910 bis 1912. mini|Haus Scholl, 1190 Wien, Wildbrandtgasse 3, Oskar Strnad gemeinsam mit Josef Frank und Oskar Wlach, 1913–1914. mini|Haus Oskar Strauß, 1190 Wien, Wildbrandtgasse 11, Oskar Strnad gemeinsam mit Josef Frank und Oskar Wlach, 1913–1914. mini|Hof des österreichischen Hauses, Werkbund-Ausstellung Köln, 1914. mini|Musselingläser, Oskar Strnad, 1916, Ausf. Lobmeyr. mini|Bastien und Bastienne, Oskar Strnad, Szenografischer Entwurf für eine Aufführung mit Studierenden der Kunstgewerbeschule, 1918, Aquarell auf Zeichenkarton, Bildmaße: 28 × 39 cm. mini|Gemeindebau 1931/32, 1150 Wien-Fünfhaus, Loeschenkohlgasse 30–32. mini|Grab von Oskar Strnad und seiner Gattin Mathilde, Wiener Zentralfriedhof. In den 1920er-Jahren zählte Oskar Strnad gemeinsam mit Josef Frank zu den Vorreitern des Neuen Wiener Wohnens.

Ab 1919 war Strnad Bühnenbildner des Wiener Volkstheaters, 1923 realisierte er das „Drei-Szenen-Theater“, eine dreiteilige Bühne mit Kreisauditorium. Später entwarf Strnad viel beachtete Bühnenbilder für die Wiener Staatsoper, darunter für Wozzeck von Alban Berg sowie für die Uraufführung von Jonny spielt auf von Ernst Krenek. Für die Salzburger Festspiele schuf er unter anderen die Ausstattung zu Don Juan (1931), Tristan sowie Don Giovanni. Strnad, der sich auch als Landschaftsmaler betätigte, pflegte die Entwürfe zu seinen Dekorationen auf eine leichthändige Art in Wasserfarben anzutuschen.

Weiters war er Innenarchitekt bei ausstattungsträchtigen Meisterwerken des Wiener Films wie Maskerade (1934) und Episode (1935).

Strnad hat die Grenzen, die die Bühne durch Alfred Roller trug, im Sinne des Raumbühnen-Gedankens gesprengt, er erweiterte das Bühnen-Bild zum Bühnen-Raum. Voraussetzung bildete eine enorme Kenntnis geschichtlicher Grundlagen, des Materials und der Technik der Bühne. Strnad war Lehrer an Max Reinhardts Privatseminar in Schönbrunn (dem späteren Max Reinhardt-Seminar) und war Lehrer u. a. von Robert Obsieger, Otto Niedermoser und Gustav Manker.

Zu den Schülern Oskar Strnads zählten u. a. der Bildschnitzer Jakob Löw.Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum. Eine Publikation des Heeresgeschichtlichen Museums – Militärhistorisches Institut Wien. Heeresgeschichtliches Museum, Wien 2004, OBV, S. 111 f.

Am 3. September 1935 starb Oskar Strnad, ehemaliger langjähriger Präsident des Österreichischen Werkbunds, in Bad Aussee an Herzversagen. Er wurde am 6. September 1935 am Wiener Zentralfriedhof in einem von der Israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrab (Tor 1, Gruppe 6, Reihe 0, Nr. 5)Hedwig Abraham: Oskar Strnad. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 13. Dezember 2012. bestattet. Strnads Witwe Mathilde geb. Zipper wurde in der Zeit der deutschen Judenverfolgung von Hertha Larisch-Ramsauer unter großem persönlichen Risiko versteckt und überlebte so den Holocaust.Margarete Schütte-Lihotzky: Zeitzeugin. In: Vertriebene Vernunft : Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft. 2. Internationales Symposium, 19. bis 23. Oktober 1987 in Wien. Jugend und Volk, Wien 1988, S. 630.

Werke Wien: Doppelhaus in der Werkbundsiedlung Wien, 1932 Volkswohnhaus in Wien 15, Holochergasse, 1932 Zahlreiche Wohnhäuser in Wien und Niederösterreich, Innenhofgestaltung Soldatengräber und Kriegerdenkmäler Bühnenbilder und Kostüme (77 Entwürfe im Besitz des Österreichischen Theatermuseums in Wien) Stühle und Sessel Gläser

Die populärste Bühnenbild-Arbeit Strnads, war Stefan Kamares Der junge Baron Neuhaus am Wiener Volkstheater (1934), wo er seinen ganzen Stolz darein legte, dass die Ornamentik der Türen und Öfen von Schönbrunn und die Stickereien der alten Fräcke ihm Vorbild war, und dass er eigentlich gar nichts anderes geleistet hätte, als die Theaterarbeit zur Treue dieser Formen zu erziehen (Joseph Gregor).

Auszeichnungen Preis der Stadt Wien für Architektur, 1947

Literatur Erich Boltenstern: Die Wohnung für jedermann. Vorschläge für die Durchbildung und Verwendung einfacher Möbel für die heutige Wohnung. Entwürfe aus der Fachklasse für Architektur an der Kunstgewerbeschule in Wien[, unter Leitung von Oskar Strnad]. Julius-Hoffmann-Verlag, Stuttgart 1933, OBV. Max Eisler: Oskar Strnad – mit den ausgewählten Schriften des Künstlers. Gerlach & Wiedling, Wien 1936, OBV. Joseph Gregor, Oskar Strnad: Rede auf Oskar Strnad. (Der Österreichische Werkbund veranstaltete am 2. Dezember 1935, drei Monate nach dem Tode Oskar Strnads, im Kleinen Musikvereinssaale in Wien eine Gedenkfeier …). Reichner, Wien 1936, OBV. Joseph Gregor: Oskar Strnad. Sein Vermächtnis an das Theater. Aus: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, Heft 12/13, . Schrill, Wien 1949. Juliane Stoklaska: Oskar Strnad. Dissertation. Universität Wien, Wien 1960, OBV. Otto Niedermoser: Oskar Strnad. 1879–1935. Österreich-Reihe, Band 304/306, . Bergland-Verlag, Wien 1965, OBV. Johannes Spalt (Red.): Der Architekt Oskar Strnad. Zum hundertsten Geburtstage am 26. Oktober 1979. Berichte, Hochschule für angewandte Kunst in Wien, Band 20, . Wien 1979, OBV. Ulla Weich: Die theoretischen Ansichten des Architekten und Lehrers Oskar Strnad. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1995, OBV. Margarete Schütte-Lihotzky: Warum ich Architektin wurde. Residenz, Salzburg 2004, ISBN 3-7017-1369-3. Iris Meder, Oskar Strnad: Oskar Strnad 1879–1935. Diese Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung … im Jüdischen Museum der Stadt Wien vom 28. März 2007 bis 24. Juni 2007. Pustet, Salzburg u. a. 2007, ISBN 978-3-7025-0553-0.

Weblinks

Evelyne Polt-Heinzl: Porträtmodul zu Oskar Strnad bei litkult1920er.aau.at, einem Projekt der Universität Klagenfurt

Einzelnachweise / Anmerkung

Anmerkung

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