mini|hochkant|Eisenerz (Bändererz) mini|hochkant|Banderz aus Bad Grund mit Sphalerit (braun) und Galenit (dunkelgrau) als Erzminerale und Calcit (weiß) als Gangartmineral mini|hochkant|Manganerz mini|hochkant|Bleierz mini|hochkant|Golderz
Erz (Plural Erze) ist ein in der Erdkruste vorkommendes Metall/Mineralgemisch. Erze werden bergmännisch abgebaut, um die darin enthaltenen Metalle zu gewinnen. Erze sind Grund- oder Rohstoffe.
Erz besteht aus den zu verwertenden Erzmineralen und der nicht verwertbaren Gangart. Die Art der Gewinnung bzw. des Abbaus, ober- oder unterirdisch, wird von seinem geologischen Vorkommen und vom technologischen Fortschritt des Bergbaues, bestimmt.
Aus Erz hergestellte Produkte werden als erzen oder ehern (wie mittelhochdeutsch ērīn oder ēren, von ēr „Kupfer, Erz“) im Sinne von „aus Metall bestehend“ (meist Eisen oder Kupfer) bezeichnet,Vgl. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 152 f. wobei Erze seit der Antike nicht immer von Metallen unterschieden wurden.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 30–31.
Etymologie und Definitionen Das Wort „Erz“ stammt von althochdeutsch aruz(zi), im Sinne von „Erz“ bzw. „(unbearbeitetes) Metall“, ist verwandt mit lateinisch aes (mittellateinisch auch es) und im Ursprung möglicherweise eine Entlehnung von sumerisch urud(u), „Kupfer“.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 152–153 und 174.
Es gab auch die Theorie, dass sich das Wort von der antiken etruskischen Stadt Arezzo ableitet, die einst Arretium genannt wurde. Frühe Kontakte mit der etruskischen Bevölkerung, die sehr geschickt in der Eisenverarbeitung war, hätten das Wort Arretium weitergegeben, das durch Metaphonie und die Zweite Lautverschiebung später zu Erz wurde.Giuliano Bonfante, Larissa Bonfante: Lingua e Cultura degli Etruschi. Editori Riuniti, 1985, S. 132–133.
Erz ist heute ein Begriff aus der Ökonomie. Ob ein Mineralvorkommen als Erzlagerstätte bezeichnet wird, hängt einzig von der Wirtschaftlichkeit des Abbaus ab. Deshalb können Mineralvorkommen, die nicht wirtschaftlich gewinnbar sind, unter veränderten Bedingungen als Lagerstätten eingestuft und dann abgebaut werden.
Dennoch ist der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch hauptsächlich mit metallischen Komponenten assoziiert. Die Definition nach James F. Kemp 1909 ist im Prinzip nach wie vor gültig:
Verbindungen wie Kochsalz oder Kalk werden also nicht als Erze bezeichnet.
Erze weisen unterschiedliche Metallgehalte auf. Was als Reich- oder Armerz bezeichnet wird, hängt vom aktuellen Grad der Verfügbarkeit sowie dem technologischen Stand der Gewinnung und Aufbereitung ab. Beispielsweise gilt ein Zinnerz mit einem Zinnanteil von 2 % als reich, während Eisenerz erst bei über 60 % Eisengehalt als hochgradig angesehen wird.
Zum Präfix Erz- (wie etwa in erzkonservativ oder Erzbischof) besteht kein etymologischer Zusammenhang, dies leitet sich von altgriechisch archē mit der Bedeutung „Anfang“ oder „Führung“ ab.
Erz, Gangart, Erzkonzentrat In den meisten Fällen besteht ein Erz nicht nur aus zu verwertenden Mineralen, sondern auch aus wertlosen Gesteinen und Mineralen. Der Teil eines Erzes, der wirtschaftlich nicht wünschenswert ist und der im Bergbau nicht vermieden werden kann, wird als Gangart bezeichnet.
Die wertvollen Erzminerale werden durch Brechen, Mahlen, Flotation und andere Vorgänge, die zusammen als Erzaufbereitung bezeichnet werden, von den Gangartmineralen getrennt und zu Erzkonzentrat angereichert.M. C. Fuerstenau, N. Han Kenneth (Hrsg.): Principles of Mineral Processing. Society for Mining, Metallurgy, and Exploration, Littleton, CO 2003, ISBN 0-87335-167-3. (englisch)H. Schubert: Aufbereitung fester mineralischer Feststoffsysteme. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1975. Gangart ist somit nicht mit Abraum, Bergematerial oder anderem tauben Gestein zu verwechseln, das abgetragen werden muss, um an das Erz zu gelangen. Die Aufbereitungsrückstände, hauptsächlich Schlämme, werden in mit Dämmen abgetrennten Schlammteichen oder Tailings gelagert.Michael Priester, Peter Dolega: Bergbauliche Reststoffe – Teilprojektbericht. ÖkoRess, Berlin 2015.
Gliederung der Erzminerale nach dem Anion Sulfidische Erzminerale Chalkopyrit: CuFeS2 Galenit: PbS Zinkblende: ZnS
Oxidische Erzminerale Chromit: (Fe,Mg)Cr2O4 Kassiterit: SnO2 Magnetit: Fe3O4
Silikatische Erzminerale Népouit: (Ni,Mg)6[(OH)8|Si4O10] Beryll: Be3Al2(SiO3)6 Spodumen: LiAl(SiO3)2
Gliederung der Erzminerale nach dem Metallkation Schwarzmetallerze: Fe, Mn, Cr, Ti, Ni, Co, W, Mo, V Eisenerze Magnetit bzw. Magneteisenstein: Fe3O4 Hämatit bzw. Eisenglanz: Fe2O3 Siderit bzw. Eisenkalk: Fe[CO3]
Manganerze Pyrolusit bzw. Weichmanganerz: MnO2 Psilomelan bzw. Hartmanganerz: (Ba,H2O)4Mn10O20
Chromerze Chromit: FeCr2O4
Titanerze Ilmenit bzw. Titaneisen: FeTiO3 Rutil: TiO2
Nickelerze Népouit: (Ni,Mg)6[(OH)8|Si4O10] Pentlandit bzw. Nickelmagnetkies: (Fe,Ni)9S8
Kobalterze Skutterudit bzw. Speiskobalt: (Co,Ni)As3 Cobaltit bzw. Kobaltglanz: CoAsS
Wolframerze Wolframit: (Fe,Mn)WO4 Scheelit: CaWO4
Molybdänerze Molybdänit: MoS2
Vanadiumerze Vanadinit: Pb5(VO4)3Cl Carnotit K2(UO2)2(VO4)2·3H2O
Buntmetallerze: Cu, Pb, Zn, Sn Kupfererze Chalkosin bzw. Kupferglanz: Cu2S Chalkopyrit bzw. Kupferkies: CuFeS2
Bleierze Galenit bzw. Bleiglanz: PbS Cerussit bzw. Weißbleierz: PbCO3
Zinkerze Sphalerit bzw. Zinkblende: ZnS Smithsonit bzw. Zinkspat: ZnCO3
Zinnerze Kassiterit: SnO2 Stannit bzw. Zinnkies: Cu2FeSnS4
Leichtmetallerze: Al, Mg, Li, Be Aluminiumerze / Bauxit Gibbsit: Al(OH)3 Diaspor: AlO(OH) Böhmit: AlO(OH) bzw. γ-AlOOH
Magnesiumerze Magnesit: MgCO3 Kieserit: MgSO4 * 4 H2O
Berylliumerze Beryll: Be3Al2(SiO3)6 Phenakit: Be2SiO4
Lithiumerze Spodumen: LiAl(SiO3)2 Zinnwaldit: K2Li4Al2(F,OH)4/Si8O20
Edelmetallerze: Au, Ag, Pt Golderze gediegen Gold: Au Calaverit: AuTe2 Sylvanit: (AuAg)2Te4 Maldonit: Au2Bi
Silbererze gediegen Silber: Ag Argentit bzw. Silberglanz: Ag2S Chlorargyrit: AgCl
Platinerze gediegen Platin: Pt Sperrylith: PtAs2
Auswahl wichtiger Erzminerale in alphabetischer Reihenfolge Argentit: Ag2S Bauxit: Al(OH)3 Bastnäsit (eigentlich Bastnäsit-(Ce), Bastnäsit-(La), Bastnäsit-(Y), Hydroxylbastnäsit-(Ce)): (Ce,La,Y)(CO3)F bzw. (Ce,La,Y)(CO3)(OH,F) Beryll: Be3Al2(SiO3)6 Bornit: Cu5FeS4 Chalkopyrit: CuFeS2 Chalkosin: Cu2S Chromit: (Fe,Mg)Cr2O4 Cobaltit: (Co,Fe)AsS Columbit-Tantalit oder Coltan: (Fe,Mn)(Nb,Ta)2O6 Galenit: PbS Gold: Au Hämatit: Fe2O3 Ilmenit: FeTiO3 Kassiterit: SnO2 Magnetit: Fe3O4 Molybdänit: MoS2 Monazit (eigentlich Monazit-(La), Monazit-(Ce), Monazit-(Nd) und Monazit-(Sm)): (La,Ce,Nd,Sm)[PO4] Pechblende: UO2 Pentlandit: (Fe,Ni)9S8 Scheelit: CaWO4 Wolframit: (Fe,Mn)WO4 Zinkblende: ZnS Zinnober: HgS
Importabhängigkeit Deutschlands Mit Stand 2022 wird in Deutschland kein Erzbergbau betrieben. Als Hauptgrund gelten die zu hohen Kosten. Deutschland verfügt nach wie vor über Erzvorkommen, die auch weiterhin erkundet und auf einen möglichen Abbau hin untersucht werden.
Siehe auch Lagerstättenkunde Metallurgie
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erzbergbau Kategorie:Montangeologie