mini|Tobias Huch (2009) Tobias Christoph Huch (* 10. August 1981 in Mainz) ist ein ehemaliger deutscher Unternehmer. Er ist seit 2005 als Politiker (FDP) und seit 2014 auch als Aktivist der Flüchtlingshilfe, Journalist und Buchautor tätig.
Unternehmerische Tätigkeit Huch betrieb verschiedene Unternehmen, von denen manche bis 2018 existierten. Insbesondere in den Jahren bis 2010 brachte er sich und seine Unternehmen durch Hacks bzw. Hinweise auf Datenlücken und gerichtliche Verfahren oftmals ins öffentliche Gespräch.
Altersverifikationssysteme 2000 gründete Huch mit 18 Jahren die Erodata GmbH. Diese betrieb das Altersverifikationssystem ueber18.de und firmierte später unter Resisto IT GmbH. Das Altersverifikationssystem wurde im Jahr 2007 laut Medienberichten von 180.000 deutschen Pornoseiten genutzt. Huch wurde mit seinem Unternehmen dreimal mit dem Eroticline Award ausgezeichnet: 2005 wurde ueber18.de als „bestes Jugendschutzsystem“ ausgezeichnet; (PDF) 2006 erhielt Huch einen Ehrenpreis „für seinen Einsatz für die Branche“ und 2007 einen Ehrenpreis „für besondere Verdienste in der Zusammenführung Online/Offline“. (PDF) Die Resisto IT GmbH wurde nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 5. Juni 2013 aufgelöst.Handelsregisterveröffentlichung zur Resisto IT GmbH: Veränderung am 5. Juni 2013 peoplecheck.de
Im Mai 2010 erwirkte Huchs Firma Resisto IT GmbH als Betreiber eines Altersverifikationssystems beim Landgericht Duisburg eine einstweilige Verfügung gegen den Pay-TV-Betreiber Sky Deutschland wegen mangelhaften Jugendschutzes, die dem Pay-TV-Sender untersagte, in bisheriger Form Filme zu verbreiten, die mit FSK 16 bzw. FSK 18 gekennzeichnet waren;Sky kassiert einstweilige Verfügungen wegen mangelhaftem Jugendschutz heise.de, 10. Mai 2010 Sky besserte deshalb Anfang August 2010 nach.Sky bessert beim Jugendschutz-System nach heise.de, 2. August 2010
Datenleaks und Hacking Erste mediale Aufmerksamkeit erhielt Huch bereits 2001, als in den Medien darüber berichtet wurde, er habe sich ins Bundesjustizministerium eingehackt und habe in der Folge die damalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin sicherheitstechnisch beraten.Politiker brauchen Nachhilfe, FOCUS Magazin 1/2001 Die Darstellungen beruhen allerdings weitgehend auf Huchs Angaben, es finden sich weder Bestätigungen noch Dementis über die Hergänge durch unabhängige Journalisten oder das Ministerium selbst. Die damalige mediale Aufmerksamkeit wird auch durch weiter unten referenzierte Artikel von taz, Spiegel und Süddeutsche referenziert, jedoch finden sich Anfang 2024 keine Original-Pressemeldungen zur Sache aus 2000 mehr im Netz.
Der Spiegel berichtete in den Ausgaben 41/2008 und 42/2008 über einen Datenskandal bei T-Mobile. Huch äußerte gegenüber dem Magazin, er sei im Jahr 2006 „zufällig und auf Umwegen“ in den Besitz großer Mengen an Kundendaten gelangt. Er meldete sich 2006 bei der Deutschen Telekom, die zu diesem Zeitpunkt bereits über die kursierenden Kopien ihrer Kundendaten informiert war.„Ich habe die T-Mobile-Daten“. In: taz, 6. Oktober 2008 Im Oktober 2008 wurden die Geschäftsräume von Huchs Unternehmen Resisto IT GmbH kurz nach dem Bekanntwerden der Lücke in der Öffentlichkeit von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Das Unternehmen galt als sogenannter „unverdächtigter Zeuge“.S. Krempl: Erotikfirma wegen T-Mobile-Kundendatenbank durchsucht. heise.de, 13. August 2010 Die Datenbank wurde von Huchs Geschäftsrechner durch einen später hinzugezogenen Experten der Datenschutzaufsichtsbehörde gelöscht.
Im August 2010 machte Huch abermals ein Datenleck bekannt, diesmal bei der Drogeriemarktkette Schlecker.Justizministerin empört sich über Schlecker, Der Spiegel vom 27. August 2010
Politisches und gesellschaftliches Engagement FDP, Jungliberale und FDP-nahe Vereine Huch war ab Januar 2011 Vorsitzender der Jungen Liberalen Rheinhessen-VorderpfalzLiberal, Liberia und Leaks: JuLis haben mit Tobias Huch schillernden Vorsitzenden rhein-zeitung.de, 26. Januar 2011 und ab August 2012 auch stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Rheinland-Pfalz. Zudem war er Vorsitzender von FDP Liberté, (Stand April 2013, archivierte Webseite) einem FDP-nahen Verein, über welchen die Parteibasis unter anderem Ideen für den Wahlkampf entwickelte und sich über die Zukunft der FDP austauschte.FDP Liberté: Kubicki macht Internet-Kampagne offiziell manager-magazin.de, 11. Februar 2012Die FDP macht ihr Programm zum Bilderbuch welt.de, 6. Juni 2012Hasso Mansfeld: „Die FDP muss ihren Markenkern neu aufladen“ horizont.net, 9. Oktober 2013
Zeitgleich mit seiner temporären Auswanderung nach London vollendete Huch 2016 sein 35. Lebensjahr, weshalb seine Funktionen bei den Jungliberalen endeten. In seinen Auslandsjahren war Huch etwas weniger politisch präsent und lenkte insbesondere seinen Fokus auf den Umgang mit unterdrückten Ethnien wie den Kurden und Jesiden, denen inzwischen auch sein Engagement als Flüchtlingshelfer galt. So kritisierte er am 26. April 2019 auf einem FDP-Parteitag den als Ehrengast anwesenden Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime.FDP-Parteitag: Generalaussprache zur Rede des Parteivorsitzenden (Teil 2) am 26.04.19, Phoenix auf Youtube
Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen 2023 trat er im Wahlbereich Bremen auf dem Listenplatz 16 von 20 für die FDP an. Huch erzielte mit 2080 Personenstimmen (entsprechend 416 Wählern) die zweitmeisten Personenstimmen aller FDP-Kandidaten, verpasste aber den Einzug in die Bürgerschaft.Diese Politiker sind auf Parteilisten hinten – bei Wählern weit vorn, Tagesschau vom 27. Mai 2023
Diplomatischer Dienst Tobias Huch berichtete in diversen Medien davon, dass er ehrenamtlich als Attaché der Ständigen Vertretung Liberias in Genf tätig sei. Ferner berichtete Tobias Huch, dass er die Ständige Vertretung „von der Akkreditierung über Stempel bis zum Telefonanschluss und dem Briefpapier“ „aufgebaut“ habe.
Flüchtlingshilfe Gemeinsam mit dem im kurdischen Erbil ansässigen Gastronomen Gunter Völker gründete Huch im August 2014 die Initiative Wasser für Flüchtlinge in Kurdistan, die Trinkwasser an die Flüchtlinge in der Autonomen Region Kurdistan (Nordirak) ausliefert. Fast zeitgleich gründete Huch zusammen mit Burkhardt Müller-Sönksen den gemeinnützigen Verein Liberale Flüchtlingshilfe (LIBERAID). allgemeine-zeitung.de, 8. September 2014, abgerufen am 26. November 2018 (archivierte Version) Die Liberale Flüchtlingshilfe sammelt Geld für Trinkwasser, Medikamente, Babynahrung und Decken, um Flüchtlinge in der Autonomen Region Kurdistan, im Irak und in Rojava (Nordsyrien) zu versorgen.Nothilfe in Kurdistan Angaben zum Projekt der Liberalen Flüchtlingshilfe e. V. auf betterplace.org, Stand 15. Februar 2018, abgerufen am 11. März 2018. Die Initiative lieferte bis Ende 2022 über 1.750 Kubikmeter Trinkwasser aus.
Da sich Huch zur Gründungszeit von Initiative und Verein im Nordirak befand, gehört er zu den ersten Zeugen des Völkermords an den Jesiden, für die er sich seither einsetzt. Huch, seit 2020 in Bremen wohnhaft, gehörte, neben Cem Özdemir und Michael Blume, zu den Erstunterzeichnern einer Petition vom 25. Juli 2021 an den Deutschen Bundestag, den Völkermord an den Jesiden durch den Islamischen Staat im Jahr 2014 anzuerkennen.„Immer noch findet man neue Massengräber“, Interview mit Gohdar Alkaidy, Covorsitzender der Stelle für Jesidische Angelegenheiten, auf t-online vom 6. September 2021 Neben dem Nahen Osten ist Liberaid insbesondere in Liberia und Malawi,liberaid.de seit dem Russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 auch in der Region Odessa tätig.Über uns, liberaid.de
Da Huch den wegen salafistischer Ideologie und verfassungsfeindlicher Bestrebungen am 5. Mai 2021 verbotenen Düsseldorfer Verein Ansaar International stets heftig kritisierte und sich überdies für Israel und die Opfer des IS einsetzte, wurde er zunehmend von Salafisten mit dem Tod bedroht.Fanatische Muslime: Salafisten drohen FDP-Politiker Huch mit dem Tod, Die Welt vom 14. August 2015 Nachdem seine Mainzer Privatadresse geleakt worden war und er mehrfach von Islamisten und Grauen Wölfen bedroht worden war, zog er 2016 nach London um, wo er bis 2020 lebte.Tobias Huch im Interview: Warum er sich in Mainz nicht mehr sicher gefühlt hat, Der Merkurist vom 30. März 2022
Journalismus Seit 2017 schreibt Huch regelmäßig für das Nachrichtenportal Yahoo News.Tobias Huch auf Yahoo News Einer seiner Artikel erschien am 20. Dezember 2017 in englischer Übersetzung unter dem Titel Germany ‘Judenrein’? in der Jerusalem Post.Tobias Huch: Germany ‘Judenrein’?, Jerusalem Post vom 20. Dezember 2017 Ebenso schreibt Huch für die Jüdische Allgemeine. Am 12. November 2023 berichtete er unter dem Titel Israel: Das Grauen sichtbar gemacht über die Vorführung von Aufnahmen des Terrorangriffs der Hamas auf Israel vom 7. Oktober in Jerusalem.Tobias Huch: Israel: Das Grauen sichtbar gemacht, Jüdische Allgemeine vom 12. November 2023
Buchautor 2018 veröffentlichte er ein Buch über Kurdistan. Im selben Jahr lieferte er die erste „moderne“ Übersetzung der Jefferson Bible aus dem frühen 19. Jahrhundert ins Deutsche.
Peter Ansmann kam bei den Ruhrbaronen zu dem Schluss, Huchs Kurdistan-Buch biete „umfangreiche Hintergrundinformationen um den Konflikt zwischen der Türkei und der kurdischen Minderheit zu verstehen“ und sei daher „lesenswert“. Er verweist darauf, dass die klaren Aussagen, die der Autor treffe, ihm nicht nur Freunde machten, sondern auch dafür gesorgt hätten, dass die zweite Strafkammer in Ankara Huch wegen dessen Kritik am türkischen Präsidenten Erdoğan als „Terrorunterstützer“ eingestuft habe und sein Twitter-Account in der Türkei gesperrt sei. Ansmann vermutet auch, dass es zahlreiche Trolle aus dem Dunstkreis der türkischen AKP und der Grauen Wölfe gibt, die das Buch auf Amazon „niederwerten“.Peter Ansmann: Tobias Huch: Starkes Buch über Kurdistan, Ruhrbarone.de
Insbesondere die Tatsache, dass es sich um ein „politisches“ Buch handele, ferner seine Aktualität hebt Tichys Einblick zufolge Huchs Buch positiv von Günther Deschners 2003 erschienenen Buch Die Kurden ab. Der Autor bringe „Licht in historische und familiäre Zusammenhänge, die zur heutigen Politik wurden.“„Die Geschichte der Kurden ist geprägt vom Kampf um Unabhängigkeit und dem Willen zur Freiheit“, Tichys Einblick
Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, zählt das Buch „zu den Standardwerken über den Nahen und Mittleren Osten“. Das Werk belege, dass sein Autor „zu den besten Kurdistanexperten“ gehöre.Hetze gegen Buchautor Tobias Huch, Pressemitteilung 218/0301-2019 der Kurdischen Gemeinde Deutschland Mitte 2016 wurde Huch von Ali Ertan Toprak in den Beirat der Kurdischen Gemeinde Deutschland berufen.
Kontroversen Jugendschutz und Onlinepornografie Im Jahr 2003 wurde der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) beschlossen, der Anbieter zu einer schärferen Kontrolle von jugendgefährdenden Inhalten verpflichtete. In § 4 des JMStV heißt es, dass jugendgefährdende Inhalte von Onlineanbietern nur an erwachsene Benutzer verbreitet werden dürfen. Als Reaktion darauf entwickelte das Düsseldorfer Unternehmen Coolspot AG ein Altersverifikationssystem, das auf dem Postident-Verfahren der Deutschen Post AG basierte und den neuen Anforderungen genügte. Die Coolspot AG klagte gegen die Resisto AG, welche ein weniger zuverlässiges Altersverifikationssystem anbot, auf Unterlassung. Der Bundesgerichtshof (BGH) untersagte daraufhin im Jahr 2007 der Resisto AG den Betrieb ihres Altersverifikationssystems, woraufhin Tobias Huch als Geschäftsführer des Unternehmens Verfassungsbeschwerde erhob, um gegen die in seinen Augen verfassungswidrige Gesetzeslage bezüglich Onlinepornografie vorzugehen.